Das Vorstellungsgespräch in der Musikschule

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Andrey 725

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13. Nov. 2017
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Hallo zusammen,

zur Zeit versuche ich aufs Vorstellungsgespräch als Klavierlehrer vorzubereiten. Ich habe leider keine Erfahrung in diesem Bereich und ich hoffe auf Eure Hilfe und Unterstützung.

Könnt Ihr eure Erfahrungen erzählen.
Wie läuft eine Lehrprobe und ein Gespräch ab. Welche Fragen stellt man oft beim Vorstellungsgespräch?

Ich wäre sehr froh für Eure Hilfe!
Vielen Dank im voraus.
 
"Warum wollten Sie ausgerechnet Klavierlehrer werden?"

CW
 
Zuletzt bearbeitet:
An einer Musikschule habe ich mich nie vorgestellt, aber ich denke, ich kann dir trotzdem ein bisschen Orientierung geben.

Wenn es eine Lehrprobe gibt, wird sie 15-30 Minuten dauern, vielleicht gibt es auch zwei mit einem Anfänger und einem Fortgeschrittenen. Das solltest du bei der Einladung erfahren. Wenn du dich initiativ bewirbst und nur auf eine Honorarstelle, könnte es auch sein, dass du gar keine Lehrprobe halten sollst und man dich einfach einstellt.

Wie viel hast du schon Unterrichtet, wen, in welchem Rahmen? Was hast du studiert? Das steht natürlich alles im Lebenslauf, dazu könnten aber Fragen kommen. Möglicherweise ein paar situative Fragen (ich würde das als Musikschulleiter jedenfalls fragen), z.B.:
- Kind hat keine Noten dabei. Was tun?
- Kind hat nicht geübt. Was tun?
- Kind hat heute auf sein Stück gar keine Lust. Was tun?
- Du führst ein neues Stück ein, wie machst du das?
- Kind begreift 2 gegen 3 nicht. Wie erklärst du es?
- Kind wird zappelig und unaufmerksam nach einiger Zeit. Was tust du?
- Kind bringt spontan die jüngere Schwester mit. Wird sie eingebunden?
...
- Kannst du auch einen Kinderchor leiten?
- Kannst du ein Schülervorspiel organisieren?
- Kannst du Kontakt zu Schulen / Altenheim / Kita /... koordinieren?
- Kannst du auch mal das Blockflötenensemble vertretungsweise übernehmen?

Zusammengefasst: Hast du ein Verhaltensrepertoire, auf das du zurückgreifen kannst, bist flexibel, kreativ, spontan und geduldiig?
 
Zuletzt bearbeitet:
Zu den Situationen, die @Stilblüte aufgelistet hat, fällt mir noch eine ein:

"Ein Kind, ganz klar musikalisch und begabt, möchte mit dem Klavierspiel aufhören. Wie reagieren Sie?"

Was Stilblüte angeführt hat, wird so auch in den allgemeinbildenden Schulen gefragt, falls es sich um eine schulspezifische Ausschreibung handelt (inhaltlich sind die Fragen natürlich anders).
 
"Was ist der Unterschied zwischen einer Ente?"
 
Lieber Andrey 725,

stell dich lieber auf 2 Lehrproben a 15 min. ein, länger ist es meistens nicht. Damals musste ich auch immer 15 min. vorspielen - ich weiß nicht, wie das heute ist.

Das anschließende Gespräch geht dann zum Teil auf die Lehrproben ein ("warum haben Sie diesen Aspekt hervorgehoben", "was war Ihnen wichtig", warum haben Sie dies und das nicht gesagt" etc.) und dann geht es eigentlich nur um die Logistik.

An Musikschulen muss man möglichst flexibel eingesetzt werden können, d.h. es wird vielleicht um Keyboardunterricht gehen, den du geben sollst zusätzlich zum Klavierunterricht, es wird um Gruppenunterricht gehen (da könnte vielleicht die Frage kommen, wie du zu Gruppenunterricht stehst und was die Vor- und Nachteile sind), um die Länge der Unterrichtseinheiten, um die Wochentage, Anzahl der Stunden und wo du unterrichtest.

Es wird darum gehen, warum du dich ausgerechnet an dieser Musikschule bewirbst, wie du dich in die Musikschule einbringen kannst, wie du dem Kollegium gegenüberstehst, was du für Erfahrungen hast mit Unterricht und Musikschularbeit. Die wollen jemand, der engagiert, möglichst anspruchslos in Bezahlung und äußeren Umständen ist, aber das Unterrichten liebt. Der an Menschen interessiert ist, der mit Kindern gut kann, der bereit ist, 25 oder 30 minütige Einheiten zu unterrichten, evtl. mit der Aussicht auf spätere Besserung. Der evtl. sogar bereit ist, sein Zweitinstrument zu unterrichten und einen Kinderchor zu leiten.

Ich habe noch nie bei einem Vorstellungsgespräch didaktisch-methodische Fragen gestellt bekommen außer zu den vorherigen Lehrproben. Leider.

Sie wollen einen Eindruck bekommen, was du für ein Mensch bist und ob sie sich vorstellen können, dass du ins Kollegium passt. Mach dir nicht zu viele Sorgen, sondern bleib authentisch (wenn du mal auf eine Frage keine Antwort weißt, sag das ganz einfach, ohne irgendwie rumzustammeln). Sei offen und freundlich, überlege dir aber auch, was DU wissen willst. Passt diese Musikschule auch zu dir und deinen Wünschen?!

Viel Glück und Erfolg!

chiarina
 
Um Didaktik geht es ja auch schon längst nicht mehr.

Es geht nur darum: Wie können wir möglichst viel Geld einnehmen (und möglichst wenig Geld ausgeben), damit die Musikschule weiter rentabel betreibbar bleibt?

Vorhandene Schüler irgendwie bei der Stange halten (mit "Spaß" und wenig Leistungsanforderungen...) und möglichst viele neue Schüler rekrutieren (daher massenhaft Gruppenunterricht und kurze Unterrichtseinheiten).

Daher brauchen die Lehrer, die einfach nett und sozial eingestellt sind, mit wenig Honorar zufrieden sowie zu (Groß-)Gruppenscheiß bereit sind.

Wenn Du so einen Blödsinn mitmachen willst oder keine andere Möglichkeit zum Ausreichend-Geld-Verdienen für Dich siehst, dann nur zu - bewirb Dich...
 
Frage an den Berufspessimisten @hasenbein: Hast du jemals eigentlich Menschen schonmal zu großartigen Leistungen inspiriert und motiviert, oder ihnen immer nur erklärt, warum ihre jetzige Lebenssituation und Vorhaben so scheiße sind?
Frage für einen Freund...
 
Blaaa Blaaa Blaaa.

Erkläre mir bitte, was konkret an meinen Aussagen darüber, wie ein Musikschuljob heutzutage typischerweise aussieht - vor allem für junge Berufseinsteiger -, falsch ist.

Dann können wir gerne weiterreden.

Bis dahin ist Dein Kommentar nichts als typisches "Gutmenschen-Gelaber". Sorry.

Eine Berufsentscheidung ist nichts, was man mal eben so macht und was von "Inspiration" oder großartigen Vorstellungen getragen sein sollte. Sondern sie bildet die Grundlage dafür, wie mittel- und langfristig das eigene Leben aussehen wird: welchen Lebensstandard man haben wird, welche Aufstigesmöglichkeiten man haben wird, wie es (insbesondere für Männer) mit Partnerschaft und Familie aussehen wird und vieles mehr.

Deswegen darf man da keinesfalls "tschakka"-mäßig rangehen, sondern muss sehr sorgfältig Pro und Contra abwägen. Insbesondere wenn man nicht außergewöhnlich talentiert oder außergewöhnlich fleißig ist.
 

Und was ist mit den Vorteilen, die eine Musikschule bietet?
Hört ein Schüler auf, kommt ein anderer nach.
Die organisatorischen Möglichkeiten der Vernetzung der Schüler miteinander für Kammermusik, Vorspiele. Verwirklichung eigener Projekte mithilfe der Musikschule, etc. ?
 
Und was sollen diese ach so tollen Vorteile bringen? Dadurch verdient man auch nicht mehr, und die Tatsache dass man dauernd Gruppenunterricht auf niedrigstem Niveau machen muss in oft zu kurzen Unterrichtseinheiten, bleibt bestehen.

Man sagt ja auch nicht zu jemandem, der die unfreie DDR kritisiert: "Ja, aber die freie Gesundheitsversorgung und die Gehaltsgleichheit! Warum erwähnst Du nicht die Vorteile?" Weil nämlich die Nachteile erheblich schwerer wiegen.
 
Ich denke, das muss jeder für sich selber entscheiden, hasenbein.
Ich finde es zum Beispiel gut, wenn ich keine schlaflosen Nächte habe, weil ein Schüler gekündigt hat und ich keinen Nachfolger dafür habe, sondern bei einer Musikschule meist welche nachkommen.
Oder einen Raum zu finden und die Miete zu bezahlen für ein Vorspiel.
Oder irgendwie Schüler oder Orchester zu finden, in denen mein Schüler mitspielen kann.
Ich unterrichte übrigens nicht Klavier, falls du dich über die Kammermusik wunderst ...

Gruppenunterricht ist bei mir übrigens überhaupt nicht vorhanden. Alle haben Einzelunterricht. Ich kenne es aber von einigen Orten, wo es Gruppenunterrichtsquoten gibt, die erfüllt werden müssen.
Auch die Bezahlung ist nicht überall schlecht. Schau mal nach Bayern.
 
Musst Du Dein komplettes Geld alleine verdienen, Livia?

Womöglich noch für andere Personen mit, z.B. Deine Kinder?

Nur mal kleine hypothetische Modellrechnung: Honorarkraft unterrichtet für 15 Euro die Stunde an 5 Tagen in der Woche täglich 6 Stunden. Bei 38 Nicht-Ferien-Wochen im Jahr sind das dann umgerechnet 1425 Euro monatlich, die dann noch versteuert werden müssen.

Man schuftet also die ganze Zeit, Zeit und Energie zum Üben oder Selbermusizieren bleibt eigentlich nicht wirklich, und hat immer noch einen Hungerlohn. Dies ist kein vernünftiges Berufsmodell.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Livia
Der Fall einer Festanstellung ist nicht die Regel. Du lebst wahrscheinlich in deinem bayrischen Elfenbeinturm. Frag mal einen Berliner.
Und was schlaflose Nächte angeht: bei Honorarkräften ist es normal, dass bei Nichterscheinen des Schülers auch keine Bezahlung erfolgt.
LG,
NaMu
 
Musst Du Dein komplettes Geld alleine verdienen, Livia?

Womöglich noch für andere Personen mit, z.B. Deine Kinder?

Nur mal kleine hypothetische Modellrechnung: Honorarkraft unterrichtet für 15 Euro die Stunde an 5 Tagen in der Woche täglich 6 Stunden. Bei 38 Nicht-Ferien-Wochen im Jahr sind das dann umgerechnet 1425 Euro monatlich, die dann noch versteuert werden müssen.

Man schuftet also die ganze Zeit, Zeit und Energie zum Üben oder Selbermusizieren bleibt eigentlich nicht wirklich, und hat immer noch einen Hungerlohn. Dies ist kein vernünftiges Berufsmodell.

Das mag ja so sein, aber Andrey hat nicht gefragt, ob es ratsam ist, an einer Musikschule zu unterrichten, sondern ganz gezielt, welche Fragen im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs dort auf ihn zukommen könnten.
 

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