Chopin Klavierkonzert f-moll (m. Orchester)

Stilblüte
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Vielen Dank, Klassikfreund!

Und da sehe ich gerade, dass ich Dimo noch gar nicht auf seine Frage geantwortet habe, warum das so schwer zu dirigieren (und auch fürs Orchester zu spielen) ist.
Letzteres zuerst: Die Tonart f-moll ist für Streicher denkbar unbequem (vier bs), außerdem ist das Konzert sehr langweilig zu begleiten, weil man außer der Orchesterexposition im 1. Satz eigentlich nichts "wichtiges" zu spielen hat. Chopin war eben ein Klavierkomponist, es ist nicht mal sicher, dass er die Orchestrierung selbst vorgenommen hat. Dementsprechend hat das Orchester fast ausschließlich begleitende Funktion, bildet Klangteppich, vergrößert das Farbenspektrum und baut dem Solisten eine Bühne.
Trotzdem müssen die Spieler hellwach sein, denn vieles in der Begleitung ähnelt sich, und man muss genau wissen, wo der Pianist gerade ist, oft exakt einsetzen, Harmonien wechseln, ab und zu auch mit ihm Dialoge führen (v.a. im Holz).

Und da kommt auch schon die Schwierigkeit für den Dirigenten: Das Konzert läuft nicht so gerade durch wie die allermeisten anderen, sondern es wimmelt überall von auskomponierten Tempowechseln, Verzierungen, die ausgespielt werden müssen und so weiter. Der Dirigent ist dafür verantwortlich, dass das Orchester dem Solisten folgt (im Idealfall ist es nicht anders herum... :floet: ). Dafür muss er das Stück mit jeder Note in jeder Verzierung genauestens kennen und außerdem voraushören, wie der Pianist sie spielen wird, wieviel Zeit er sich nimmt und wann er dementsprechend auf der nächsten schweren Zählzeit ankommt - und wann das Orchester einsetzen muss. Und dann muss er das Orchester noch dazu bringen, dass es das auch tut.
Wenn man dann noch Streicher hat, die nicht nach links und rechts hören und Holzbläser, die erstens zu spät einsetzen und zweitens zu langsam spielen, wirds noch ein bisschen kniffliger :P
 
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ad lib.
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Sehr schöne Aufnahme! Vielen Dank dafür.

Sorry, ich weiß, das Thema ist alt; aber ich habe das Stück gestern angehört und dachte währenddessen die ganze Zeit: "Oh, diese Melodie/Passage kommt mir sehr bekannt vor...oh, diese ja auch....!" usw.; ich überlegte, an welches Stück sie mich erinnern und kam vorhin endlich darauf: an das Nocturne cis-Moll, Op. posth.!!!
Das habe ich während meiner Schulzeit damals gespielt und danach nur noch gelegentlich, weil ich es etwas überstrapaziert hatte. Interessant, wie viele Ideen aus dem Konzert hier wieder aufgegriffen wurden. :-)
 
 

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