Beethoven op. 90 - könnte die was für mich sein?

abschweb

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Ich hab derzeit keinen Beethoven in meinem Repertoire.
Die Sachen, die mich am meisten begeistern, sind alle viel zu schwer (Waldstein, Hammerklavier und spätere).
In meiner Jugend hab ich die Pathetique gespielt, würde ich vielleicht mit ganz viel Einsatz wieder hinkriegen, reizt mich aber nicht, weil zu abgedroschen.
Vom Schwierigkeitsgrad bin ich derzeit eher im mittleren Level heimisch (z.B. Chopin 27.1, Ligeti Capriccio #1, Mozart Fantasie c-moll).
Jetzt überlege ich, ob die Beethoven op. 90 was für mich sein könnte.
Hört sich machbar an und gefällt mir.
Gibts darin üble Fallstricke, wo ich scheitern könnte?

Grüße
Manfred
 
Rheinkultur

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Jetzt überlege ich, ob die Beethoven op. 90 was für mich sein könnte.
Hört sich machbar an und gefällt mir.
Gibts darin üble Fallstricke, wo ich scheitern könnte?
Ebenso zweisätzig wie die in der eher selten gewählten Tonart Fis-Dur stehende Sonate op. 78 - warum nicht? Allerdings stelle ich die Gegenfrage, ob es in jedem Falle erst mal eine der 32 Sonaten sein sollte - vielleicht auch die beiden Zyklen op. 119 und 126 von Bagatellen anschauen, da eine Auswahl daraus ein guter Einstieg in die späteren Werke Beethovens sein kann, und dann die Sonate dazu nehmen.

LG von Rheinkultur
 
mick

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Gibts darin üble Fallstricke, wo ich scheitern könnte?
Ja, und zwar an den weiten Alberti-Figuren, die jeweils am Ende des Hauptthemas des ersten Satzes auftauchen. Die sind sehr, sehr unangenehm - weit schwieriger jedenfalls als die ähnlichen Figuren im ersten Satz der Grieg-Sonate (wenn ich mich richtig erinnere, spielst du die auch?). Wenn du diese Stellen hinbekommst, dürfte der Rest der Sonate kein Problem sein. Es scheint fast, als ob Beethoven mit diesen kleinen Gemeinheiten Amateure von op. 90 fernhalten wollte. :lol:

Als Alternative bieten sich vielleicht die ebenfalls eher lyrischen Sonaten op. 14 an. Sie sind bedeutend leichter, aber auch sehr schön!

LG, Mick
 
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Stilblüte

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Ich weiß jetzt gar nicht was du meinst Mick mit den Alberti-Figuren, der 1. Satz ist doch nicht besonders schwierig? Aber der dritte (!) Satz dürfte einige Schwierigkeiten beinhalten, v.a. die letzte Variation erfordert doch schon eine gewisse fortschrittliche Technik, wenn man den Triller + Zusatztöne spielen möchte.
Der Rest (auch 2. Satz!) ist auch nicht ohne, aber im gemäßigten Tempo wohl machbar.
Die Pathhétique ist ja auch nicht gerade einfach, nur etwas leichter auswendig zu spielen.
 
mick

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Ich glaube, du verwechselst gerade op. 90 mit op. 109. :lol:
 
abschweb

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Ihr ratet mir fast alle ab - das gibt mir schon zu denken.
Ihr alle wollt mir Alternativen schmackhaft machen.
Ich hab mich schon ein bisschen auf die op. 90 gefreut.
Aber ich will natürlich nicht daran scheitern.
Also bestelle ich nicht überstürzt die Noten und lasse die Sache erstmal noch eine Weile auf mich wirken.
Hab ja genügend andere Stücke in Arbeit (Bach, Schumann, Dvorak, Ligeti).
Danke für eure Beiträge!

Grüße
Manfred
 
mick

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Hi Manfred,

es spricht doch nichts dagegen, eine Weile nur diese paar Takte mit den Alberti-Figuren zu üben. Dann siehst du ja, ob du damit klar kommst. Falls ja, wirst du mit dem Rest der Sonate technisch keine Probleme haben. Falls nicht, hast du bis dahin auch nicht viel Zeit verschwendet.

LG, Mick
 
Stilblüte

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Großes Sorry, habs mit op. 109 verwechselt. Ich habs nicht so mit Zahlen.
 
abschweb

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Hab mir gerade die Noten heruntergeladen, jetzt ist mir das Problem klar mit den Albertis - ständig Dezimenspanne!
Ich werds probieren, wie @mick das vorgeschlagen hat! Schaun wir mal! Ihr werdet das Ergebnis erfahren.

Grüße
Manfred
 

Rheinkultur

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Ja, und zwar an den weiten Alberti-Figuren, die jeweils am Ende des Hauptthemas des ersten Satzes auftauchen. Die sind sehr, sehr unangenehm - weit schwieriger jedenfalls als die ähnlichen Figuren im ersten Satz der Grieg-Sonate (wenn ich mich richtig erinnere, spielst du die auch?).
Ach so, die ebenfalls in e-moll stehende Grieg-Sonate hast Du bereits gespielt? Dann liegt die Beethoven-Sonate durchaus in Reichweite - sie wird oft im Vergleich mit den späten Sonaten ein wenig gering geschätzt, was eigentlich schade ist. Die von @mick erwähnte Akkordbrechung in der linken Hand ist tatsächlich ein unbequemes Detail. Empfehlung, um diese viermal wiederkehrenden drei Akkorde im Dezimen-Umfang in die Hand zu bekommen: Die Akkordtöne zunächst auf Achtel und dann auf Achteltriolen aufteilen, bevor die Sechzehntel wie vorgegeben ausgeführt werden. Selbst für erfahrene Spieler mit groß dimensionierten Händen ist diese Akkordkette leider kein Selbstläufer. Wenn diese ohne unnötige Anstrengung organisch läuft, ist alles andere recht gut zu meistern. Frohes Schaffen!

LG von Rheinkultur
 
Herzton

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Also mir gefällt diese Sonate sehr und die Arbeit daran hat mein Leben vor 2 Jahren sehr bereichert! Nimm' Dir doch die Alberti-Bässe extra raus, und übe daran eine Weile täglich. Konzentriere Dich darauf, die Linien des Basstones und des Daumens hörend zu verfolgen und zu stabilisieren. Bei mir hat es am meisten gebracht, konsquent mit geschlossenen Augen zu üben, den dritten Finger als "ruhenden Drehfinger", der der Hand ihren Stabilisationspunkt gibt. Nach ca. 2 Wochen wird die Stelle sogar mit Oktavenhänden besser. Ich habe die beiden Stellen nie ganz perfekt hinbekommen. Aber wenn die genannten Linien verfolgbar bleiben und Du es schaffst, nicht langsamer zu werden, dann fällt der ein oder andere heraus gefallene Ton in dem Tempo nicht so sehr auf und die Sonate bleibt trotzdem schön und anhörbar.
Interessant ist auch, dass Beethoven direkt an den idyllischen zweiten Satz in E-Dur in der nächsten Sonate Op. 101 (A-Dur) in E-Dur in gleicher Atmosphäre (!) beginnt. Ich hatte den Eindruck, es handele sich um die Fortführung des gleichen Zustandes, des gleichen Lebensbildes.
 
Herzton

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Kleiner Nachtrag, @abschweb, da ich es gerade gesehen habe:
"ständig Dezimenspanne" ist nicht richtig, außer wenn Du große Dezimen sehr locker greifen könntest (aber dann wäre die Stelle nicht schwierig, sondern richtig easy). "Schnelle Dezimensprünge" musst Du üben und automatisieren, dann kann sich Deine Hand in ihrer normalen Spannweite relativ entspannen. Wenn Du die Stelle kannst, fühlt sie sich "locker" an - sie braucht sich nämlich für diese Stelle nicht besonders zu dehnen.
 
abschweb

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Ich habe mich gerade mit der Stelle ausgiebig beschäftigt, sie schreckt mich nicht wirklich, da habe bei Ligeti schon weit schlimmere Sachen gespielt.
Eine Kaskade von Dezimensprüngen gibt es auch in Chopin 27.1 im Mittelteil, dort kein Problem für mich.

Ich glaub, die Sonate ist meine, meiner Frau gefällt sie auch!

Grüße
Manfred
 
rolf

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Ich habe mich gerade mit der Stelle ausgiebig beschäftigt, sie schreckt mich nicht wirklich,
prima!
alles andere in dieser Sonate wird dir zumindest manuell weniger bis gar keine Probleme bereiten.

ich gönne mir den (hoffentlich informativen) Spaß, anhand von Notenbeispielen zu zeigen, was Beethoven vor der e-Moll Sonate und nach derselben mit Dezimen und Undezimen so alles veranstaltet hatte:
Klavierkonzert c-Moll 1.Satz:
10345-a074cd6910dd97969b6f78e6cc3d79f3.jpg

Klavierkonzert c-Moll 2.Satz:
10346-f00ac40bf335672feb8b7b59864065af.jpg

Variationen c-Moll:
10347-90a3a29210bff73b4a6cd3842b9786d0.jpg

Sonate B-Dur op.106 1.Satz:
10348-b14395317a5486c8133c06ee244eec20.jpg

Sonate B-Dur op.106 1.Satz Durchführung (sauschwer!!)
10349-a65bb7e8e06f7af89bea80e9ed7c964a.jpg

Sonate B-Dur op.106 2.Satz:
10350-fe7af28fe7b4b60aa58fa3bcf102e7d2.jpg

Der Einsatz von gebrochenen Dezimen/Undezimen hat bei Beethoven rein klangliche, keine irgendwie "technischen" (a la ich machs euch ätschi schwierig) Gründe - die Dezimenspannung in Akkorden und polyphonen Abschnitten in Beethovens Spätwerken hingegen ist seiner in dieser Zeit explizit mitgeteilten Gleichgültigkeit gegenüber technischen Schwierigkeiten geschuldet: "wer´s nicht greifen kann, soll´s bleiben lassen" und "was kümmern mich eure elenden Fiedeln" sind bekannte Beethovensprüche dazu; in seinem Spätwerk setzt er das seinerzeit gerade noch greifbare rücksichtslos ein (so finden sich kinderleichte neben ultraschwierigen Stellen z.B. in op.106) überspannt aber nie den Bogen (er notiert für Klavier keine ungebrochenen Duodezimen oder andere Verrücktheiten)
kinderleicht neben ultraschwer: nicht ganz so extrem, aber eben deutlich zwischen leicht und schwieriger geben sich die Albertifiguren in der e-Moll Sonate.

und dann noch zwei Übungsmuster, ein einfacheres und eines direkt für die Albertifigur in der e-Moll Sonate:
10351-3d08b420b25a6d6313a8534c6489679f.jpg

(ich halte es für geschickter, erst ein derartiges Muster in allerlei Transpositionen zu üben bis es glatt läuft und danach erst den Originaltext mit beiden Händen (wenn bei den Mustern was schief geht, dann kann man andere verwenden und hat sich im Original noch nichts falsches angewöhnt)

viel Freude an der schönen Sonate!
 
Herzton

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@rolf, hast Du diese Übemuster selbst erstellt und für uns abgetippt?
Sehr nützlich.
 
 

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