Barock-Dispositionen

  • Ersteller des Themas Rauschpfeife
  • Erstellungsdatum
Rauschpfeife

Rauschpfeife

Dabei seit
17. Juni 2015
Beiträge
29
Reaktionen
6
Vielleicht fassen wir zu gegebenem Anlass mal hier wissenswerte Besonderheiten zu Barock-Dispos zusammen.
Eine Frage bringe ich gleich mal vorneweg: Häufig finde ich an Barock oder zumindest Barock-orientierten Orgeln eine 2'-Zunge (Cornet 2',Zink ect.).
Sollen diese Register als Solo-Stimmen verwendet werden oder dienen sie einfach nur dazu dem Pedal eine "Zungenkrone" im "Grand Jeu" ;) zu verleihen?

Und darüber hinaus: Wieso fallen diese Register in der Romantik zunehmend weg?
 
Digedag

Digedag

Dabei seit
13. Jan. 2012
Beiträge
2.498
Reaktionen
2.346
Sollen diese Register als Solo-Stimmen verwendet werden oder dienen sie einfach nur dazu dem Pedal eine "Zungenkrone" im "Grand Jeu" ;) zu verleihen?
Sie dienten als Solo-Stimme und waren immer in der "Kleinpedal-Lade" zu finden. Diese "Kleinpedal-Lade" war im Gegensatz zur "Großpedal-Lade" mit hohen Stimmen (4', 2', 1', Aliquoten, Mixturen) bestückt und oft mit einem eigenen Tremulanten versehen.
Im Tutti wurden diese dann selbstverständlich nicht gezogen.

Und darüber hinaus: Wieso fallen diese Register in der Romantik zunehmend weg?
Sie fielen weg, weil sich das Klangideal änderte. Im barocken Orgelbau wollte man möglichst viel Klarheit in den einzelnen Stimmen haben. In der Romantik aber, wollte man einen grundtönigen, vollen, eher dunklen, symphonischen Klang haben. Dieser wurde bewerkstelligt durch viele 16'-, 8'- und 4'-Register (s. z.B. Berliner Dom, Sauer-Orgel, im HW 2x 16', 9(!)x 8', 4x 4'). Dadurch klang die Orgel nicht mehr unbedingt klar, sondern eher füllig, verwaschen.
Nach der Romantik kam eine Orgelreform ("Orgelbewegung"), die in den Grundzügen (!!!) nicht verkehrt war, aber leider zügellos übertrieben wurde.
Das ist aber eine andere Geschichte ...
 
Rauschpfeife

Rauschpfeife

Dabei seit
17. Juni 2015
Beiträge
29
Reaktionen
6
Alles klar danke..

gut die Geschichte mit der Orgelbewegung und so weiter kenne ich ja :D
aber danke nochmal für diese Erläuterung.
 
Mindenblues

Mindenblues

Dabei seit
25. Juni 2007
Beiträge
2.595
Reaktionen
106
Häufig finde ich an Barock oder zumindest Barock-orientierten Orgeln eine 2'-Zunge (Cornet 2',Zink ect.).
Sollen diese Register als Solo-Stimmen verwendet werden oder dienen sie einfach nur dazu dem Pedal eine "Zungenkrone" im "Grand Jeu" ;) zu verleihen?

Also das Kornett-Register ist im (Haupt-)Manual meist erst ab c' nach oben hin ausgebaut, also die beiden unteren beiden Oktaven fehlen meist gänzlich (eine Besonderheit dieses Registers). Zumindest auf den Orgeln, wo ich dieses Register antraf, war dies so der Fall.
Von daher, wenn es als Soloregister genommen werden soll bei Orgeln dieses Typs, dann sollte man aufpassen, nicht tiefer als c' zu spielen. :bye: Aber ich denke, man nimmt es hier meist sowieso nicht alleine ohne andere Register dazu, bin jedenfalls selber noch nicht auf die Idee gekommen. Offenbar gibt es Orgeln anderen (französischen?) Typs, wo das Register voll ausgebaut ist, tatsächlich für Solozwecke.
 
Digedag

Digedag

Dabei seit
13. Jan. 2012
Beiträge
2.498
Reaktionen
2.346
... dann sollte man aufpassen, nicht tiefer als c' zu spielen.
Aber das ist nicht nur bei den Kornetten der Fall, das ist bei allen Aliquot(mischung)en so. Denn wenn man in den unteren Oktaven spielt, entstehen sog. "Spaltklänge", die sich daraus ergeben, dass die tiefen Register in den Tiefen automatisch leiser werden. Das Ergebnis sind Dissonanzen.
Hier habe ich mal ein Beispiel eingespielt (die Orgel war mal romantisch, wurde aber leider neobarock verändert und hat nun 3 Manuale und 44 Register, die gezogenen Register waren ein Lieblich Gedackt 8' und eine Sepitime 1 1/7'.
https://drive.google.com/file/d/0B9CDpe7UWrygRWhXQXRMQkZNdlk/view?usp=sharing
Was fällt auf?
Am Anfang in den hohen Lagen klang alles noch ganz nett, aber dann zum Ende hin (als ich in den tieferen Lagen spielte und den Tremulanten noch zog), kamen die Dissonanzen.
Tatsächlich spielte ich am Ende einen C-Dur-Akkord, aber es klang durch die große Septime ein C-Dur und ein H-Dur-Akkord. Diese Akkorde sind natürlich mehr als dissonant.

Soviel zu den Spaltklängen ...
 
Mindenblues

Mindenblues

Dabei seit
25. Juni 2007
Beiträge
2.595
Reaktionen
106
@Digedag: mein "Aufpassen" bzgl. Kornettregister im Hauptmanual bezog sich darauf, dass es bei vielen Orgeln schlicht erst mit c' anfängt und darunter eben tot ist. Das ist mitnichten bei allen Aliquotmischungen der Fall! Das Ergebnis von Dissonanzen ist in letzterem Fall ein schleichender Übergang. Beim Kornett ist es in der Regel abrupt: es gibt keinen Ton von sich, das ist ein kleiner Unterschied... :bye:

Weiterhin, das Cornett-Register (ich bezog mich auf dieses Register im Hauptwerk!!!) gab es sehr wohl in deutsch-barocken Orgeln. Es sei denn du zählst z.B. Silbermannorgeln nicht zu den deutsch-barocken Orgeln.:-)
 
Digedag

Digedag

Dabei seit
13. Jan. 2012
Beiträge
2.498
Reaktionen
2.346
@Digedag: mein "Aufpassen" bzgl. Kornettregister im Hauptmanual bezog sich darauf, dass es bei vielen Orgeln schlicht erst mit c' anfängt und darunter eben tot ist. Das ist mitnichten bei allen Aliquotmischungen der Fall! Das Ergebnis von Dissonanzen ist in letzterem Fall ein schleichender Übergang. Beim Kornett ist es in der Regel abrupt: es gibt keinen Ton von sich, das ist ein kleiner Unterschied... :bye:
Tut mir Leid, mein Fehler ...

@Digedag
Weiterhin, das Cornett-Register (ich bezog mich auf dieses Register im Hauptwerk!!!) gab es sehr wohl in deutsch-barocken Orgeln. Es sei denn du zählst z.B. Silbermannorgeln nicht zu den deutsch-barocken Orgeln.:-)
Ich habe eher an den norddeutschen Barock gedacht (Schnitger z.B.) ...
Natürlich ist Silbermann barock. :-D(Fehler ist schon behoben)
 
Zuletzt bearbeitet:
 

Top Bottom