Bach Invention Nr. 13 in A moll

40er

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Hallo liebe Klavierspieler,

Ich habe vor ca. zwei Wochen auf Anraten meiner KL mit dieser Invention begonnen. Beim letzten Klavierunterricht habe ich das bisher geübte vorgespielt und die Reaktion der Lehrerin war etwas bestürzt als ihr aufgefallen ist, dass ich die Achtel legato und nicht staccato spiele.

Ich habe keinen Urtext der Invention zur Verfügung, aber zwei Vorlagen aus dem Netz, wovon eine angeblich Urtext sein soll. Die Videos vom Stück, die ich mir angeschaut habe, sind mal so und so, also komplett legato oder eben mit staccato. Meine KL hat ihre eigenen Notenband, der mit staccato Punkten versehen ist mittlerweile finden können. Allerdings habe ich an ihren Uraltnotenbänden aus Osteuropa, bzw. deren Urtextqualität erhebliche Zweifel, wie ich bei einem Chopinstück neulich bemerkt habe von dem ich eine etwas abweichende Henle-Ausgabe habe.

Das barocke Stück bereitet mir erhebliche Schwierigkeiten und ich komm im Moment nur im Schneckentempo voran.

Hier zur Illustration die ersten zwei Takte.

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Danke für Hilfe.

Gruss
40er
 
dilettant

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Bach hat relativ wenig Ausführungsvorschriften niedergeschrieben. Insofern ist es doch eher wahrscheinlich, dass im Urtext kein Staccato vorgegeben ist. Man hat stattdessen bei Bach gewisse Freiheiten.

Es gibt das Bestreben, sich an der Aufführungspraxis zu Bachs Zeiten zu orientieren. Problematisch ist, dass auch darüber offenbar keine wirklich zuverlässigen Informationen existieren. Zudem unterscheiden sich ja auch die Instrumente, für die Bach komponiert hat, erheblich vom modernen Klaver. Gleichzeitig kursiert auch viel Halbwissen über diese Aspekte: Oft wird beispielsweise gesagt, Bach habe für das Cembalo komponiert, und deswegen sei alle Dynamik nachträglich hineininterpretiert. Bei Angela Hewitt habe ich nun gelernt, dass Bachs Lieblingsinstrument das Clavichord gewesen sei, welches durchaus Dynamik zuließ. Hewitt (und auch andere) schlagen vor, sich eine Orchestrierung mit anderen Instrumenten vorzustellen und am Klavier so zu artikulieren, wie man es z. B. auf einer Violine oder einem Cello machen würde.

Und aus letzter Überlegung kommt die Faustregel, 16tel zu binden und Achtel nicht. Das ist aber kein Gesetz, sondern eben eine Faustregel, die man als erste Arbeitsannahme mal ausprobieren kann. Ob man die Achtel nun gleich Stakkato spielen muss ... es gibt ja zwischen Legato und Stakkato durchaus noch Abstufungen, und meiner Meinung nach ist ein "schreitendes" Portato oftmals angemessen. Bei schnelleren Tempi mag auch ein spitzes Stakkato richtig sein.

Just my 2ct.
- Karsten
 
hyp408

hyp408

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Bin auch an dieser Invention (allerdings schon fast fertig). Meine KL sagt immer, ich solle es so spielen, dass zwischen den Tönen "Luft" ist ... also locker und leicht. Nicht unbeding Staccato aber eben non-legato zumindest bei den 8teln. Das ist meine 6te Invention und ich empfand die großen Intervalle zwischen den Tönen am Anfang als eher unangenehm. Jetzt wo es läuft halte ich die A-Moll für eine der schönsten Inventionen. Nur Mut, wenn die Invention locker von der Hand geht, kannst Du sie spielen wie Du willst .... hauptsache locker und luftig.

Gruss Hyp
 
40er

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Bin auch an dieser Invention (allerdings schon fast fertig).
Wie bist du beim Lernen vorgegangen?

Ich spiele eigentlich gleich mit beiden Händen zusammen, so langsam wie es eben am Anfang geht. Die erste Seite nehme ich als ersten Block und habe am Wochenende um zwei weitere Zeilen der zweiten Seite erweitert. Es geht aber nur sehr zäh.
 
hyp408

hyp408

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Hallo, ich hab erstmal beide Hände einzeln geübt. Gerade bei dieser Invention ist es wichtig, dass man einen guten Fingersatz wählt und diesen dann beibehält (wege der Intervalle). Hab die Noten von Busoni mit Fingersätzen ... wenn Du willst, kann ich Dir diese Fingersätze (z.T. erweitert durch meine eigenen) zukommen lassen. Bin dann aber relativ schnell zum beidhändigen Üben vorgestossen ... aber immer noch mit Augenmerk auf Verwendung der richtigen Fingersätze. Kann die Invention nach jetzt 4 Monaten flüssig (und nur noch mit kleinen Fehlern) durchspielen. Mühsam wars, doch der Erfolg belohnt den Fleiss!!!

Grüße
Hyp
 
40er

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Hab die Noten von Busoni mit Fingersätzen ... wenn Du willst, kann ich Dir diese Fingersätze (z.T. erweitert durch meine eigenen) zukommen lassen. Bin dann aber relativ schnell zum beidhändigen Üben vorgestossen ... aber immer noch mit Augenmerk auf Verwendung der richtigen Fingersätze. Kann die Invention nach jetzt 4 Monaten flüssig (und nur noch mit kleinen Fehlern) durchspielen. Mühsam wars, doch der Erfolg belohnt den Fleiss!!!

Grüße
Hyp
Danke! Deine Fingersätze würden mich sehr interessieren. Vielleicht kannst Du mir einen scan per PN senden?

Ich verwende einen Fingersatz den ich aus einem yt Video übernommen habe und passe diesen hier und da an, so wie es für mich am vernünftigsten zu sein scheint.

Mit einer Übedauer von mind. 4 Monaten rechne ich auch. Da kann ich ja nach gerade mal ca. 14 Tagen noch nicht zu viel erwarten.

Finde es immer ziemlich demotivierend wenn meine KL mir im Unterricht zeigen muss mit welcher Geschwindigkeit sie die Dinger aus dem Kopf spielt..... :-|
 
DonMias

DonMias

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Ich verwende einen Fingersatz den ich aus einem yt Video übernommen habe und passe diesen hier und da an, so wie es für mich am vernünftigsten zu sein scheint.
Ich hätte jetzt eigentlich erwartet, dass die Fragen nach Fingersatz und Artikulation angesprochen werden bevor Du anfängst, das Stück zu üben. Mich hat mein KL zumindest bisher noch nie ohne diese Hilfestellung mit einem neuen Stück nach Hause geschickt.
 
E

elli

Guest
Also ich habe eine Ausgabe von Schott Herausgeber Kreutz ( Copyright von 1916), der bezeichnet im Unterschied zu unten aus dem imslp keine legato Bögen für 1/16, sondern einfach ungebunden ohne sonstige Hinweise, außer Betonungen (wie Atemzeichen, in untiger Ausgabe sind das die Anfänge der Bögen). Die Fingersätze sind aber gut! in meiner sind da nur ganz dürftige Angaben.

Ich würde das auch ungebunden spielen, die staccato Achtel dagegen schön akzentuiert - das macht man eigentlich schon unwillkürlich...bei dieser Musik :party:
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Quelle:
 

Ludwig

Ludwig

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Einfachere Bach Stücke habe ich jetzt schon einige durch, aber das wird eine harte Geduldsprobe.

Von dem Beispiel aus Raute10 bin ich noch meilenweit entfernt....:-(
Sagen wir mal so, spätestens nach 1/2 Monaten sollte auch die erste Invention drin sein. An der D-Dur Invention (meine erste) habe ich 4/5 Wochen gearbeitet, an der C-Dur und d-moll noch 4 (bei C Dur habe ich aber geschlampt), F-Dur nur noch 3.

Wichtig ist, gleich sorgfältig zu üben - sprich, die Stimmen getrennt, schwere Abschnitte einzeln und bezüglich der Artikulation ein wenig Experimentierfreude mit rein bringen.
 
40er

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Hier ein anderes Notenbeispiel ohne staccato Anweisungen.....

Da soll sich noch wer auskennen.

Hat hier nicht jemand Henle daheim und kann mal nachschauen...?
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J

jbs

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Meine Henle Urtext Ausgabe hat hier kein Staccato, Könemann Urtext auch nicht. Lg
 
40er

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Ihr gebt mir Hoffnung. Danke.

@elli

Habe es gerade gesehen. Schicke ich morgen meiner KL. Klar hört es sich mit staccato schon deutlich besser an.
Ich gehe da jetzt durch. Die Ferien nahen auch schon...
 
 

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