Bach: Englische Suite Nr. 2, BWV 807 - Mentale Erschöpfung

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Spinne

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Hallo zusammen,
ich übe gerade das Präludium aus der 2. Englischen Suite von Bach. Gleichzeitig als "Altlast" die Ges-Dur Etüde (opus 10, nr, 5), das berühmte Rachmaninow-Prelude cis-soll und die Mozart Fantasie in d-moll (KVZ 397). Jedes Stück hat seine besonderen Schwierigkeiten. Aber ich habe noch nie in meiner langjährigen Klavierspielerlaufbahn erlebt, dass mich ein Stück so mental erschöpft wie das Präludium von Bach. Chopin-Etüden sind "einfacher". Bei dem Präludium bin ich nach 4 Seiten gar, es ist extrem anstrengend und erfordert extrem viel Konzentration. Wie schafft ihr es, dieses Stück durchzuspielen? Habt ihr Tricks? Für eure Tipps bin ich euch ausgesprochen dankbar! Kurz zu mir: Ich bin knapp über 60, habe seit einigen Wochen wieder Unterricht bei einer super Klavierlehrerin und mein Muskelgedächtnis funktioniert noch verdammt gut. LG Spinne
 

Du sprichst die Anzahl der Stücke ja selbst an: Sind es vielleicht zu viele gleichzeitig?

Der Beginn des Präludiums ist ja erstmal konzipiert wie eine zweistimmige Invention. Hsst du zuvor schon mal Inventionen von Bach gespuelt? Die sind in ihrer Komprimiiertheit eine gute Vorbereitung.

Wer hat das Stück ausgesucht? Was verbindest du mit dieser Komposition?
 
Für die Englischen Suiten konnte ich mich nie begeistern, ebenso wenig für die Toccaten. Ich spiele aber sehr gerne die Partiten, die Französische Ouvertüre und die Französischen Suiten.

Vielleicht geht es dir ja ähnlich - wechsle das Stück und berichte!
 

habe seit einigen Wochen wieder Unterricht bei einer super Klavierlehrerin
Was sagt die denn zu deinem Problem?

Das Pensum, das du da hast, ist für den Wiedereinstieg in ein Hobby echt fordernd. Ich würde da reduzieren. Knallhart. Und wenn Bach, denn entweder, wie @Demian vorgeschlagen hat, erstmal mit den Inventionen beginnen, oder mit anderen kleinen Präludien (gibt ja ausreichend) und nicht gleich mit einer Suite.

Was hat dich denn zu diesem Präludium bewogen? Vielleicht "liegt" es dir tatsächlich nicht, und als Hobbyspieler darfst du es dann einfach weglegen.
 
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Jedes Stück hat seine besonderen Schwierigkeiten. Aber ich habe noch nie in meiner langjährigen Klavierspielerlaufbahn erlebt, dass mich ein Stück so mental erschöpft wie das Präludium von Bach.
Was hörst Du innerlich was du spielst als erstes? Bei dem was du aufzählst wirkt es auf mich als ist das meiste sehr rechtshandlastig. Welche „logik“ hast du innerlich wenn du spielst? Von wo kommt dein Impuls? Vielleicht bringt es dir was bei dem Bach mal nur die linke Hand zu üben bis sie für dich Sinn macht musikalisch und dann Abschnittsweise die rechte zu ergänzen? Ich hatte ein umgekehrtes Problem. Ich orientiere mich sehr am Bass und war lost als sich alles rechts abgespielt hat. Vielleicht gehts dir so nur umgekehrt?

Und dann mach Pausen! Wenn du dich so überwältigt fühlst hilft weiterüben garnichts! Das Hirn braucht Abstand sonst verarbeitest du das gelernte nicht.
 
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Hast Du schon einmal von Bach ein einzelnes Stück in dem Umfang gespielt? Das Präludium ist relativ lang, meine Ausgabe hat acht Seiten (bei vier Seiten wärst Du dann bei der Hälfte). Die Sechzehntel gehen (mit ganz wenigen Ausnahmen) durch und das erfordert viel Konzentration und auch eine dauerhaft entspannte Hand. Vielleicht ist ein kürzeres Präludium mit einer ähnlicher Struktur (z.B. das d-Moll-Präludium aus dem WTK II, BWV 875) eine geeignete Vorbereitung dafür.
Als ich die 2. Suite damals gespielt habe, erinnere ich mich jedenfalls, dass ich manchmal gedacht habe, wann denn das Präludium mal zu Ende geht.
 
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  • #10
Das Präludium reiht eine Sequenz an die andere...
 
  • #11
bringt es dir was bei dem Bach mal nur die linke Hand zu üben bis sie für dich Sinn macht musikalisch und dann Abschnittsweise die rechte zu ergänzen? I
Es ist IMMER eine sehr gute Idee bei Bach (oder Chopin, oder ...) die Linke allein zu üben!
 
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  • #12
Hallo an alle,
erst einmal vielen Dank für eure Antworten. Ich spiele seit meinem 8. oder 10. Lebensjahr Klavier. Von Bach habe ich schon einiges gespielt. @Demian Nicht nur die Inventionen, sondern auch einige Fugen und Präludien.. @Dorforganistin Und das Pensum, dass ich da vor mir habe, war früher mehr als ein Hobby. Ich wollte mal Klavier studieren, bin aber gescheitert an der Gehörprüfung bei der Prüfung für die Aufnahme zur vorberuflichen Fachausbildung. Meine Eltern haben da nie mit mir drüber gesprochen und der Traum war ausgeträumt. Geblieben sind LLL (Liebe, Lust und Leidenschaft). Ich war früher richtig gut. Ich habe trotzdem weitergespielt und hatte bis zu meinem ca .20. Lebensjahr Unterricht am Konservatorium. Und Zitat meiner jetzigen Klavierlehrerin: Eine Schande, dass du es nicht noch einmal probiert hast. Konzertpianistin werde ich nicht mehr werden, aber besser als eine Hobbyspielerin. Trauern hilft nicht. Aber Klavierspielen macht glücklich und die Seele frei. @Carnina Nur die linke Hand üben ist eine super Idee. Ich werde es ausprobieren. Wenn ich es wenigstens mit einer Hand schaffe, die acht Seiten durchzukommen, dann ist mir schon weitergeholfen. Und noch eine Frage an euch alle: Mit wieviel bpm spielt ihr das Stück?
 
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  • #13
Als ich die 2. Suite damals gespielt habe, erinnere ich mich jedenfalls, dass ich manchmal gedacht habe, wann denn das Präludium mal zu Ende geht.
Du sprichst mir aus der Seele! Das d-Moll-Präludium aus dem WTK II, BWV 875 kenne ich nicht. Gucke ich mir mal an. Danke!
 
  • #15
@Spinne Hast du eine Idee und ein Konzept, wie die Musik von Bach komponiert ist, wie man sie spielt und übt? Hat dir das mal jemand erklärt - und falls ja, wie?
Kannst du etwas anfangen mit Schlagworten wie Form, Struktur, Artikulation?
 
  • #17
Und noch eine Frage an euch alle: Mit wieviel bpm spielt ihr das Stück?

Danke für die ausführliche Rückmeldung, damit kann man manches besser einordnen.
Zu Deiner letzten Frage: Viertel waren bei mir etwa 92.
 
  • #18
Mit wieviel bpm spielt ihr das Stück?
Die Frage lässt die Vermutung zu, dass du das Stück mit Metronom übst. Falls ja: tu es bitte nicht! Das Metronom verhindert jedes natürliche Atmen; gerade bei Bach ist das fatal und verwandelt lebendige Musik in das tote Rattern einer Nähmaschine. Das wird sich kaum mehr korrigieren lassen, wenn du das Metronom irgendwann weglässt.

Man kann das Metronom durchaus verwenden, um das Tempo bzw. die Tempostabilität zu kontrollieren. Aber niemals als Hintergrundgeräusch beim Üben. Wenn du dir beim Spielen nicht sicher bist, ob das Tempo wackelt, dann nimm dich auf und kontrolliere anhand der Aufnahme. Notfalls auch mit einer App, bei der man mitklopfen kann und die einem dann das Tempo anzeigt, falls du es beim Hören noch nicht sicher erkennst.
 
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  • #19
Gibt ein schönes Masterclass Video auf Youtube:
 
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  • #20
Das Video ist sehr hilfreich! Ich mag das Stück, finde es aber auch anstrengend zu spielen, vielleicht einfach deshalb, weil es ohne große Verschnaufpausen durchläuft. Konzentration ist da auf jeden Fall ein Thema, gerade bei dem Tempo. Da muss man sich gut überlegen, wie man die einzelnen Elemente gestaltet.
 
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