Arbeiten/Üben/Aufnehmen zuhause vs Beschwerden Nachbarschaft

  • #42
Als ich vor vielen Jahren mit Klavier und der Absicht, in der Wohnung auch Unterricht zu geben, auf Wohnungssuche war, bekam ich erstmal nur Absagen von Vermietern, bis ich dann welche fand, die damit kein Problem hatten. Von den Nachbarn hörte ich so gut wie nie etwas. Nur einmal sagte eine Frau, sie würde sich immer hinlegen und zuhören, wenn ich spiele, das sei so schön.

EIne Zeitlang teilte ich mir ein Reihenhaus mit zwei Leuten, einer davon Profi-Schlagzeuger. Da gab es mit den Nachbarn Absprachen, wann das Schlagzeug ohne Dämpfer gespielt werden kann. Das Klavier fiel nicht weiter ins Gewicht.

Inzwischen wohne ich im eigenen Haus und das Klavier steht im Nebengebäude. Als ich neulich die Nachbarn fragte, ob sie es sehr deutlich hören, war die Antwort: "Seit wann hast du denn ein Klavier?"

Ich habe großes Verständnis dafür, wenn Menschen krank sind und deshalb Ruhe brauchen. Es sollte aber auch möglich sein, sich irgendwie zu einigen. Von dem Nachbarn im Schichtdienst hatte ich glaub ich schon mal erzählt, da war die Vereinbarung, dass ich vor dem Üben erst gucke, ob an seinem Schlafzimmer die Jalousien geschlossen oder offen sind. Das funktionierte prima.

Lange Rede, wenig hilfreiches, fürchte ich. Ich habe, wenn es wirklich nötig war, immer wieder das Gespräch gesucht.
Doch, sehr hilfreich :herz:!
Die Perspektive, dass es wirklich möglich sein könnte, dies bei der Wohnungssuche aktiv zu berücksichtigen, erschien mir bis hierhin abwegig. @Stilblüte bekräftigte Deine Erfahrung auch, das hilft mir ungemein Zuversicht für eine langfristige Lösung zu finden.

Dazu muss ich vielleicht ausholen:
Ich bin in den letzten Jahrzehnten v.a. aus beruflichen Gründen (andere Branche) siebenmal umgezogen. Das geschah meist unter Zeitdruck und anderen massiven Wahleinschränkungen. Ich hatte in dieser Zeit kein Instrument und die Frage stellte sich daher nicht (auch bei der Suche für die derzeitige Wohnung). Aber ich war in allen Fällen stets froh überhaupt unter den jeweils herrschenden Bedingungen etwas gefunden zu haben und es war stets klar, dass man im Konkurrenzkampf keine offenen Flanken bieten sollte.

Als geradezu absurd begünstigte, wenngleich wahre Fantasterei erscheint mir der Rückblick auf meine Kindheit und Jugend:

Ich wuchs in einem freistehenden Einfamilienhaus mit großem Garten in der Stadt auf. Wir waren allgemein eine fürchterlich laute Familie mit fünf Kindern. Im unmittelbar zur einen Seite benachbarten Haus lebten Leute, deren real gelebte Spießigkeit in jeder Geschichte als maßlos klischeehafte Übertreibung verworfen würde. Deren Mentalität konnte der unseren nicht gegensätzlicher gegenüberstehen.

Ich spielte sehr viel Klavier- zu jeder Tages- und Nachtzeit, hörte sehr laut Musik, meine Geschwister spielten ebenfalls Instrumente.
Ich wuchs in dieser Hinsicht völlig sorgenlos ohne jedes Problembewusstsein auf. Es ist die reine Wahrheit: Im Sommer war die Terrassentür des Wohnzimmers, wo das Klavierstand meist ganztägig weit geöffnet und die Klaviermusik schallte über den weitläufigen Garten hinweg weit ins umliegende Viertel hinein. Die Bäckerei in der Nebenstraße (Luftlinie ca. 70 m) hatte ihre Backstube zu dieser Seite und die Menschen berichteten meiner Mutter stets wieviel Freude ihnen die Musik bereitete - von einem lernenden Kind und Jugendlichen wohlgemerkt!

In all den Jahren gab es genau zwei Beschwerden, die auf bestimmte Einzelfälle gerichtet waren: die Spießerin von nebenan äußerte einmal, dass die Bässe nachts (!) dann doch etwas zu stark wummerten. Und die Nachbarin von der anderen Seite klagte mal an einem Sonntag nachmittag, dass sie nicht im Garten sich sonnen könne, weil ich als Pubertierender oben zu laute Musik aus der Anlage bei offenem Fenster laufen ließ.
Das war beides unmittelbar einleuchtend und wurde natürlich befolgt.

Hunderte Leute im Viertel müssen die Klaviermusik regelmäßig über den Garten hinweg gehört haben.

Das ist meine Geschichte aus dem verlorenen Paradies. Sie kommt mir heute wie ein Märchen vor, aber es war so. Ich weiß nicht, ob es einfach andere Zeiten waren oder ob es ein individueller Glücksfall und die Freude an meinem individuellen Spiel war.
 
  • Like
Reaktionen: Klafina, Wiedereinsteigerin38 und Livia
  • #43
Ich kenne eine Pianistin, in deren Kind heit sich die Nachbarn besorgt erkundigten, wenn sie mal nicht übte - ob sie denn krank sei? Oder Geschichten von Leuten, die darum bitten, doch beim Üben das Fenster zu öffnen, damit man besser zuhören könne. Das gibt es alles. Aber unter Zeitdruck ist die Wahrscheinlichkeit, so einen Glücksgriff zu landen, natürlich nicht so hoch.
Eine Freundin von mir ist kürzlich in ein Reihenhaus gezogen, sie ist Musiklehrerin. Ich fragte besorgt nach den Nachbarn - sie sagt, sie haben noch nie jemals einen Mucks gehört, weil die Wände so dick / gut isoliert sind. Wenn du dagegen Holzboden hast, kann man auch fünf Stockwerke drüber oder drunter noch laut beschallt werden. Es kommt also wirklich sehr darauf an.

Viel Erfolg und Glück und Geduld bei der Suche. Du wirst bestimmt früher oder später fündig werden!
 
  • Like
Reaktionen: MiddleDominic
  • #44
mach Deinen Nachbarn klar, dass Du Dich mit Deinem Spiel innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegst
Da wäre ich mir nicht so sicher, denn es handelt sich hier um jemanden, der das beruflich macht. Ich meine mich zu erinnern, dass genau das das Problem in einem anderen Fall war. Die Richter waren der Meinung, dass sich so jemand dann halt "Geschäftsräume" anmieten müsste. Ist ja quasi ein Gewerbe (wenn auch freiberuflich).
 
  • Like
Reaktionen: MiddleDominic
  • #45
Da wäre ich mir nicht so sicher, denn es handelt sich hier um jemanden, der das beruflich macht. Ich meine mich zu erinnern, dass genau das das Problem in einem anderen Fall war. Die Richter waren der Meinung, dass sich so jemand dann halt "Geschäftsräume" anmieten müsste. Ist ja quasi ein Gewerbe (wenn auch freiberuflich).
Mit Sicherheit würde das haarig.
was soll schon passieren? Da Du sie als nicht gewalttätig beschreibst, können sie vor Gericht ziehen und verlieren, das war’s dann. Who cares?
Eine gerichtliche Auseinandersetzung im unmittelbaren Lebensumfeld wäre das letzte, was man in Kauf nehmen sollte - wenn es nicht um Leib und Leben geht. Querulant*innen können einem das Leben auch außergerichtlich zur Hölle machen. Das "soll schon passieren".

Davon abgesehen teile ich Deine gesellschaftliche Analyse nicht. Umgekehrt wäre genauso argumentierbar, dass ich rücksichtslos gesellschaftsschädigend auf meinem Recht auf Musik beharre. Ich bevorzuge selbstbestimmt miteinander ausgehandelte Kompromisse gegenüber dem sturen Rückzug auf das Gesetz. Das steht dann noch frei, wenn es auf der anderen Seite null Bewegung gibt. Aber da sind wir offensichtlich noch nicht angekommen.

Ungeachtet eines noch auszuhandelnden Kompromisses werde ich aber sicher eine zusätzliche Lösung außerhalb des Raumes brauchen um mein Arbeitspensum mit der nötigen Konzentration und Konsequenz angehen zu können.
 
  • Like
Reaktionen: Robinson
  • #46
Umgekehrt wäre genauso argumentierbar, dass ich rücksichtslos gesellschaftsschädigend auf meinem Recht auf Musik beharre. Ich bevorzuge selbstbestimmt miteinander ausgehandelte Kompromisse gegenüber dem sturen Rückzug auf das Gesetz.
Naja, nicht ganz. Gesetze sind ja dafür da, einen eben NICHT gesellschaftsschädigenden Rahmen für die Handlungen der Bürger zu bieten. Klar können Gesetze nicht alle Details abbilden, aber als Richtlinie sind sie schon gut brauchbar. Und man muss eben nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, sondern kann sich darauf berufen, dass sich einige intelligente Leute eingehend damit beschäftigt haben und zum Schluss gekommen sind, dass in der Regel 2 Stunden täglich musizieren ein guter Kompromiss ist.

Kommunikationstechnisch und psychologisch wäre es aber nicht sehr förderlich, den Nachbarn die Gesetzeslage vor den Latz zu knallen.
 
  • Like
Reaktionen: Livia
  • #47
Ich finde es sehr schade, dass den Nachbarn hier böswillige Empfindlichkeiten unterstellt werden.

Es könnte durchaus sein, dass die Nachbarn zum Beispiel chronische Migräne haben und zu Migräne-Zeiten ( bei chronischer Migräne ist das so gut wie immer) sehr reizloffen sind. Dh sensorische Eindrücke können nicht gefiltert werden. Dabei kann es auch durchaus sein, dass bestimmte Frequenzen als unerträglich empfunden werden. Das ist keine Anstellerei sondern echte Qual für Betroffene! Und nur weil man das selbst nicht nachvollziehen kann, heißt das nicht, dass es für andere nicht real ist.
Keine Frage! Ich schrieb ja, dass die Frau nervlich sehr angegriffen schien. Ich fühle mit und habe das auch mitgeteilt. Nur - es kann objektiv nicht so laut und grell sein, ich lebe ja auch im Haus und nehme allgemein nur dumpfe Geräusche wahr. Und wenn es bestimmte Frequenzen wären, tja, aber die ganze "rechte Hand" und dann auch noch überall in deren Wohnung gleichmäßig verteilt. Das kann physikalisch kaum zutreffend sein.
 
  • #48
Mein Flügel steht in der Musikschule in der ich Gitarre unterrichte. Dort kann er genutzt werden und ich kann jeden Abend so lange spielen wie ich will, ohne jemanden zu stören. Nix Hochwertiges, sondern nur ein Kawai KG2c - den stimme ich auch selber (funktioniert bisher ganz gut).
Ansonsten habe ich Nachbarn mit lauten Kindern. Die laufen jeden Morgen ab 6:30 Uhr gefühlt nur auf ihren Fersen durch die Wohnung über mir.
Aber "wie du mir, sodomie" (oder so ähnlich :-D ). Blöderweise (also zum Glück) stört es besagte Nachbarn nichteinmal wenn ich Nachts um 3 noch auf meinem eDrum spiele.
 
  • Like
Reaktionen: MiddleDominic

Zurück
Oben Unten