Arbeiten/Üben/Aufnehmen zuhause vs Beschwerden Nachbarschaft

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MiddleDominic

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Hallo Forist*innen,

ähnliche Fälle wurden schon oft im Forum diskutiert; dennoch ist jeder Fall anders und vielleicht gibt es ja neue Erkenntnisse oder Erfahrungen, die jemand teilen möchte:

Seit November habe ich einen Flügel zuhause. Ich spiele Jazz mit professionellem Anspruch, was gegenwärtig aber nicht mehr als etwa 3 Stunden brutto täglich am Instrument bedeutet, oft auch weniger.

Ich lebe großstädtisch als Mieter im Mehrfamilienhaus. Meiner Nachbarschaft oben und unten hatte ich die Neuerung angekündigt und sie vorab sowohl nach möglichen Einschränkungen bei den Zeiten gefragt (Schichtdienst usw) und um etwaige persönliche Rückmeldung bei Problemen gebeten. Ich lebe seit zwei Jahren hier, es gab bisher null Schwierigkeiten im Haus.

Unten wohnt ein berufstätiges Paar Mitte 30, von denen ich habe bisher nichts gehört.
Oben wohnt ein Paar in Rente. Nach wenigen Tagen hatten wir ein Gespräch; der Mann gab an, dass die mittleren und hohen Töne sehr störend und überall in seiner Wohnung stark wahrnehmbar seien. Wir einigten uns auf bestimmte Übezeiten, die ich auch konsequent eingehalten habe.

Seither gab es keine Beschwerden; heute nun klingelten beide zusammen während meines Spiels an der Tür. Beide waren sehr höflich, äußerten sich wohlwollend zur Güte meines Spiels, erkannten meine Professionalität an, sagten aber "es gehe nicht". Wieder sprach der Mann die mittleren und hohen Töne an. Leidtragend scheint aber vor allem die Frau zu sein, sie machte einen nervlich angeschlagenen Eindruck. Ihr Wunsch wäre, dass ich eine Silentfunktion nachrüsten lasse.

Mein Fazit: Meine bisherigen Schallschutzmaßnahmen (sehr dicker Teppich plus Untersetzer) unmittelbar unter dem Flügel und weitere dicke Teppiche über große Teile der Parkettflächen wirken nach unten (und auch für mich selbst) prima. Der Flügel scheint in den Bässen einwandfrei entdröhnt.

Aber: Was hilft denn nun gegen die beklagten hohen Frequenzen? Ich erwäge einerseits dicke Vorhänge über mehrere bodentiefe Fenster (also große Glasflächen) als auch Schallschutzelemente an Decke oder Wand. All das kostet aber viel Geld bei ungewisser Wirkung. Bei der Silentfunktion (sicher auch nicht billig) ist zwar die Wirkung klar, aber aus musikalisch-technischer Sicht ist es ja eher Murks und es stellt sich die Frage, wozu dann ein Flügel? Zudem ich auch einiges an Aufnahmen mache und da bin ich mir nicht so im Klaren, ob das mit der Silent-Funktion technisch realisierbar ist.

Zum Haus: Baujahr etwa 2000, Beton, ich nehme nicht viel aus den anderen Wohnungen wahr, wenn dann eher dumpf oder wenn jemand schreit, aber das ist dann alles andere als wirklich störend.

Wie haltet Ihr als Profis mit dem Üben zuhause? Gibt es Probleme? Habt Ihr Überäume gemietet?
Danke vorab für konstruktiven Austausch!
 
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Meiner Erfahrung nach ist die Toleranz der Nachbarn direkt mit ihrem Musikgeschmack verknüpft: Spielst du nicht ihre Lieblingslieder, wird jedes Üben zur Belastung. Absurderweise wird das Klavier oft sogar dann als Störquelle wahrgenommen, wenn man gar nicht zu Hause ist ;-)

Selbst ein lautloses E-Piano reicht da schon aus – die mechanischen Klopfgeräusche der Tasten wurden mir gegenüber mal als Grund für chronische Kopfschmerzen angeführt. Den Gipfel erlebte ich mit Nachbarn, die sich über eine nicht angeschlossene E-Gitarre beschwerten.

Mein Rat: Spar dir das Geld für teure Akustikmaßnahmen und miete lieber einen Proberaum. Ein Flügel hat eine hohe Grundlautstärke. Auch wenn Mieter diese in einem gewissen rechtlichen Rahmen dulden müssen, ist der Dauerzoff im Haus vorprogrammiert. Silent-Systeme können die Mechanik negativ beeinflussen...da wäre ein gutes ePiano meiner Meinung nach die bessere Wahl.
 
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Stimme Instrumentenfreak zu. Alle Schallschutzmaßnahmen werden nichts nützen, die werden weiter genervt sein, das ist klar wie Kloßbrühe.

Entweder Übungsraum mieten (ggf. gleichzeitig als Unterrichts-Studio, das könnte ohnehin recht smart sein) oder, so blöd das auch ist, selber umziehen. Ein Kollege von mir musste vor Jahren ausziehen, weil der Typ über ihm verrückt spielte (allerdings hat mein Kollege auch echt nervig gespielt, ich hätte das auch nicht ausgehalten 😅).
 
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Sehe hier auch nur drei Optionen:
- externer Überaum
- Übekabine
- Umziehen
 
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Es gibt Übezeiten, die erlaubt sind. In den meisten Bundesländern sind das 2 Stunden täglich.
 
Du könntest ja kommunizieren, dass du dich nach etwas anderem umsiehst, aber das aufgrund des aktuellen Wohnungsmarktes einige Zeit dauern wird. Bis dahin halten sich alle Parteien an die vorgegebenen Zeiten. Damit müssen sie eigentlich umgehen lernen. Evtl. stellt sich dann heraus, dass es langfristig doch funktioniert.
 
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Du könntest ja kommunizieren, dass du dich nach etwas anderem umsiehst, aber das aufgrund des aktuellen Wohnungsmarktes einige Zeit dauern wird. Bis dahin halten sich alle Parteien an die vorgegebenen Zeiten. Damit müssen sie eigentlich umgehen lernen. Evtl. stellt sich dann heraus, dass es langfristig doch funktioniert.
Auch eine gute Idee! 👍
 
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Du könntest ja kommunizieren, dass du dich nach etwas anderem umsiehst, aber das aufgrund des aktuellen Wohnungsmarktes einige Zeit dauern wird. Bis dahin halten sich alle Parteien an die vorgegebenen Zeiten. Damit müssen sie eigentlich umgehen lernen. Evtl. stellt sich dann heraus, dass es langfristig doch funktioniert.
Naja, eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie sich sehr schnell beschweren würden. Die erste Reaktion auf die bloße Ankündigung war ein stark verzogenes Gesicht. Mein Vermieter hat früher selbst hier gewohnt und sagte damals bei der Besichtigung, diese Leute seien "etwas komisch", ohne das näher zu erläutern. Über Hausmusik haben wir damals nicht gesprochen.
Sie sind in der Tat komisch, weil sie alle möglichen Geräusche der übrigen Menschen im Haus als benannt haben. Aber es ist wirklich minimal und allenfalls dumpf, was so ankommt.

Nun haben sie aber knapp zwei Monate still gehalten, was mich sehr überrascht hat und ich schon als gutes Zeichen wertete.

Was meine Übepraxis anbelangt, spiele ich zwar bisher mit offenem Deckel, aber so gut wie nie ff, reize das Instrument also nicht mal aus. Eher monotonere Arbeitsphasen spiele ich sogar oft mit linkem Pedal.

Interessant ist, dass über Lautsprecher abgespielte Musik (auch meine eigene, also mithin dieselbe), was ich oft außerhalb der Übezeiten abends mache, nicht als störend beklagt werden.

Ich fürchte, @hasenbein hat Recht und es sind esoterische Spinner*innen, die die höheren Töne immer als quälend empfinden werden.
 
Stimme Instrumentenfreak zu. Alle Schallschutzmaßnahmen werden nichts nützen, die werden weiter genervt sein, das ist klar wie Kloßbrühe.

Entweder Übungsraum mieten (ggf. gleichzeitig als Unterrichts-Studio, das könnte ohnehin recht smart sein) oder, so blöd das auch ist, selber umziehen. Ein Kollege von mir musste vor Jahren ausziehen, weil der Typ über ihm verrückt spielte (allerdings hat mein Kollege auch echt nervig gespielt, ich hätte das auch nicht ausgehalten 😅).
Selbst umziehen ist letztlich ein Glücksspiel, weil mensch nie weiß, wie es am neuen Ort tatsächlich nach einigen Wochen ist.
 
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  • #10
Wie macht Ihr es? Habt Ihr Proberäume gemietet? Gar kein eigenes akustisches Instrument zuhause?

Was eben schade wäre: Beim Proberaum müsste ich entweder das verfügbare, wahrscheinlich abgerockte Instrument nutzen und gleichzeitig wäre mein Flügel, dessen Akustik und Spielgefühl Liebe auf den ersten Blick war und ist, hier nahezu zum Schweigen verdammt.

Es sei denn, ich würde meinen Flügel in einen gemieteten Raum umziehen. Hat dazu jemand Erfahrungswerte?
 
  • #11
Ich stell mir grad die Frage was wäre wenn die Nachbarn einer Wohnung (links, rechts, oben, unten) alle ein Instrument spielen würden und von den gesetzlichen 2h gebrauch machen würden. Der Nachbar der sich stört hätte dann im blödesten Fall 8h Musik um die Ohren. Vielleicht kann man die nicht verbrauchten 2h bei den Nachbarn die sie nicht nutzen „einkaufen“ wie bei Zertifikatehandel… CO2…. 😬

Dem sich störenden Nachbarn könnte man anbieten ihm aus Rücksicht mit dem Zukauf von nur 3 weiteren Stunden einen Gefallen zu tun 🤣
 
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  • #12
Ich stell mir grad die Frage was wäre wenn die Nachbarn einer Wohnung (links, rechts, oben, unten) alle ein Instrument spielen würden und von den 2h gesetzlich gebrauch machen würden. Der Nachbar der sich stört hätte dann im blödesten Fall 8h Musik um die Ohren. Vielleicht kann man die nicht verbrauchten 2h bei den Nachbarn die sie nicht nutzen „einkaufen“ wie bei Zertifikatehandel… CO2…. 😬

Dem sich störenden Nachbarn könnte man anbieten sich mit dem Zukauf von nur 3 weiteren Stunden einen Gefallen zu tun 🤣
Hahaha :005:
 
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  • #13
Oder (wenn man ein gutes Verhältnis (noch) hat:

- du schlägst ihnen vor 2 Paar ordentliche Noise Cancelling Kopfhörer auszuprobieren und übernimmst die Anschaffung wenn es funktioniert und hältst das schriftlich als Vereinbarung fest.

- Oder du stimmst dich mit ihnen ab mit einem gemeinsamen Terminkalender und nutzt die Zeit zum üben wenn sie nicht da sind plus die 2h gesetzlich wann du willst.

- oder Methode großer Bauchpinsel: du lädst sie zu dir ab und zu ein inkl. einer Flasche Wein mit anderen die Musik machen und hofierst deine „besten und tolerantesten“ Nachbarn in aller Öffentlichkeit. Ihr Opfer wird dann anerkannt und sie können sich selbst dafür loben wie toll sie alles ertragen.
 
  • #15
Oben wohnt ein Paar in Rente.
Sind die den ganzen Tag zuhause?
Die müssten doch auch einmal Freunde oder Verwandte besuchen, essen gehen, einkaufen gehen, etc.?

Hast du mal selber gehört, wie es in deren Wohnung klingt? Also zB einen Freund bei dir spielen lassen, während du oben hörst und dir erklären lässt, was genau den sensiblen Nerv trifft?
 
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  • #17
Wie macht Ihr es? Habt Ihr Proberäume gemietet? Gar kein eigenes akustisches Instrument zuhause?
Spannender Faden hier! Ich hab ein akustisches Klavier zu Hause, Eigentum Reihenmittelhaus. Und dennoch, als der Wechsel vom Digi zum Klavier kam, erschrak ich schon, WIE LAUT das Klavier im Vergleich war, und hatte erst einmal Hemmungen für ein paar Wochen, obwohl bei mir gar keine negativen Rückmeldungen kamen (eine Nachbarin fragte nur, wer von uns denn Klavier spiele).
Ich glaube, würden die Nachbarn sich beschweren, würde auch ich im Eigentum langfristige Hemmungen aufbauen. Auf der anderen Seite machen auch die Nachbarn Geräusche, so what.

Als ich vorher in einer Wohnung lebte, wohnte über mir eine junge Familie mit SEHR LAUTEM Kleinkind. Nicht 1x waren wir deshalb oben (warum auch, ist halt normal, auch wenns zeitweise super nervig war). Die Nachbarn kamen jedoch öfter runter, wenn wir abends den TV "zu laut" hatten (die Bässe gingen wohl nach oben) oder nach 22 Uhr Freunde zu Besuch hatten (ohne laute Musik😅). Das fand ich schon extrem unangenehm und ich hatte das ständig im Hinterkopf, wenn es abends war. Bloß.nicht.zu.laut.sein! (Dabei brauche ich selbst Ruhe und mach eigentlich nix lautes, bis auf das Klavierspiel jetzt). Ich empfand das in der Wohnung als ganz schöne Belastung und bin froh, dass es jetzt nicht mehr so ist.
 
  • #18
Du könntest den Flügel noch dämmen - mit Schaumstoff, den du unten reinsteckst. Habe ich bei meinem, nimmt die Spitzen etwas raus. Wenn du dann noch den Deckel zu machst, ist er schon ein gutes Stück leiser, ohne dass es undifferenziert klingt. Ist etwas Arbeit, kostet aber wenig und kann sehr schnell ohne Schaden wieder entfernt werden.
 
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  • #19
verkauft seine 2h und übt trotzdem weiter
Ja, stimmt. Er wird bald feststellen, dass das Musikerdasein wirtschaftlich nix bringt und auf Rechtehändler umsteigen.

Nur für den Krach der anderen Nachbarn kann er sich nicht eigenhändig rächen.

CW
 
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  • #20
Wenn's den Nachbarn stört und er/sie von mittleren und höheren Tönen sprechen, dann ist es aussichtslos, darüber zu diskutieren. Da brauchst Du nur einmal das Radio anzumachen und schon dadurch fühlen sie sich gestört.

Schallschutzmaßnahmen in Deinen Räumlichkeiten haben praktisch keine Auswirkungen auf die anderen Wohnungen, der Schall wird durch Fußboden, Decken und Wände übertragen. Da müsste der Nachbar schon selbst aktiv werden. Ich habe diesen Fall aktuell bei mir im Studio. Der Büronachbar auf der anderen Seite der Wand ist nicht glücklich darüber, dass da nebenan ein Konzertflügel steht.

Ich bin nicht darauf angewiesen, im Studio zu üben, der kleine Steinway daheim ist wunderbar und somit kann ich mich stressfrei an die Spielregeln im Studio halten. Ich habe genügend Freiraum, um z.B. am Wochenende den ganzen Tag dort zu spielen, nach den regulären Bürozeiten und natürlich jeden beliebigen Tag dort Aufnahmen zu machen, wenn eine Kunde das anfragt. Ich habe allerdings auch für die Firma eine Rechtschutzversicherung abgeschlossen, die explizit Mietrecht umfasst...

Langfristig würde ich mich nach einer neuen Bleibe umsehen. Unsere jetzige wäre in dieser Hinsicht ein Traum für Dich und vielleicht helfen Dir ein paar besondere Kriterien dabei, etwas passendes zu finden:
  • Dachgeschosswohnung --> keine Nachbarn obendrüber
  • Eckwohnung, d.h. links steht angrenzend ein Haus, getrennt durch eine Brandmauer. Die Nachbarn rechts sind liebe und umgängliche Leute und angrenzend an unsere Wohnung befindet sich bei denen das Bad und der Flur. Man nimmt gegenseitig Pakete an und trinkt auch schon mal ein Glas Wein, keinerlei Beschwerden.
  • Fußbodenheizung im Bad und in der Küche haben dazu geführt, dass das Parkett in den anderen Räumen auf Latten gelagert ist und der Hohlraum mit Dämmwolle gefüllt ist. Der einzige Nachbar unter dem Wohnzimmer mit den Flügeln findet es toll, wenn ich Klavierspiel, wenn's ihm auch ein bißchen leise vorkommt...
  • Oh, und unbefristeter Mietvertrag.
HTH.
 
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