Auch wenn der historische Kontext und die Entwicklung unserer heute gebräuchlichen Stimmungen wirklich interessant ist, glaube ich nicht, dass das jemandem weiterhilft, der ohne große Ahnung ein Referat zum Thema Obertöne" halten soll.
Viel interessanter wäre da zum Beispiel, die Frage, was verstärkte bzw. abgeschwächte Obertöne für Wirkungen haben. Die Unterschiede in der Formantenstruktur sind nämlich dafür verantwortlich, dass Oboen klingen, wie Oboen und Querflöten wie Querflöten.
Der ganz bestimmte Klang eines Instrumentes (einer Instrumentengattung) ist oft davon abhgängig, welche Obertöne der Grundschwingung durch die Konstruktion verstärkt oder abgeschwächt werden und wie schnell/langsam das geht.
Meiner Meinung nach einer der interessantesten Aspekte dieses Themas.
@bechode
Wer auf der Gitarre Flaggeoletts erzeugt, der weiß (hoffentlich), dass er die freischwingende Länge der Saite entweder halbiert (Oktave). drittelt (Quinte) oder viertelt (2. Oktave)) und dass es ab einer Fünfteilung (gr. Terz) schon recht harten Anschlag braucht, um den Ton hörbar zu machen.
An der Gitarre können also zwei grundlegende Dinge demonstriert werden.
1. Die Obertonreihe ... mit etwas Glück und Übung sogar bis zur Septim rauf (aber die ist schon echt hart zu treffen).
Leere A-Saite - Grundschwingung (110hz).
Flaggeolett über dem 12. Bundstäbchen - 1. Oberton (Oktave - 220hz).
Flaggeolett über dem 7. Bundstäbchen - 2. Obverton (Quinte - 330hz)
F. über dem 5. BS - 3. Oberton (2. Oktave - 440hz).
F. in der Nähe des 4. BS - 4. Oberton (gr. Terz 550hz).
F. in der Nähe des 3. BS - 5. Oberton (Quinte 660hz).
Im Grunde kann man das weiter spielen, bis man den menschlichen Hörbereich verlässt.
An den hz-Zahlen kann man das Konstruktionsprinzip sehen - es kommt immer die Grundschwingung dazu.
Anfängerfehler: Will man die Saite abstoppen (mute) dann klappt das an obigen Stellen nicht wirklich, weil der entsprechende Oberton stehen bleibt.
2. Je höher man in der Obertonreihe kommt, desto leiser werden die Obertöne bzw. desto härter muss man die Saite anschlagen, damit man den Ton hört.
Die Theorie dahinter ist etwas Physik.
Man stelle sich die Saite als Springseil vor.
Das hat zwei Fixpunkte (die Enden) und schwingt als ganzes mit der maximal möglichen Amplitude (Ausschlag).
Fixiert man das Seil in der Mitte, entsteht ein "Schwingungsknoten".
Nun gibt es drei Fixpunkte und zwei Schwingungen ... die Frequenz hat sich verdoppelt und die Amplitude halbiert.
Genau das passiert, wenn man auf einer Gitarre den Finger über dem 12. Bundstäbchen auf die Saite legt, ohne sie aufs Griffbrett zu drücken. Der Finger erzeugt einen Schwingungsknoten, die Saite wird durch diesen halbiert und schwingt dann "doppelt" ... doppelte Frequenz = Oktave.
Gleichzeitig ist die verkürzte Saite aber auch nicht mehr zu der gleichen Amplitude fähig, wie die ganze ... deswegen werden Obertöne nach oben immer leiser.
Willst du noch ein bisschen Musik hören lassen, die Obertöne benutzt oder nur aus ihnen besteht) dann suche nach netten Aufnahmen einer "Wind-" oder "Äolsharfe". Hier macht der Wind die Schwingungsknoten UND gibt den Impuls (Anschlag) und was dabei herauskommt, ist manchmal ziemlich schräg ... aber es sind alles Obertöne der gleichen Grundschwingung, denn alle Saiten der Windharfe sind auf den selben Ton gestimmt.
Trotzdem erzeugt das Teil "Harmonien" ("Mehrklänge" trifft es einfach besser), die man in keinem Konzertsaal zu hören bekommt (was manchmal garnicht so schlimm ist).