Verwirrt. Gebrauchtes U1: 7-stellige H-Seriennummer?

Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Verehrte,

Am Samstag war ich in einem hiesigen Musikgeschäft. Da spielte ich, wie fast immer, ein paar Klaviere an, und es fiel mir ein gut erhaltenes, gebrauchtes U1 auf.

Im Gussrahmen steht "No. U1" und die aufgedruckte Seriennummer lautete:
H 2 352 xxx (habe die letzten drei Ziffern vergessen).

Laut der Auskunft auf Yamahas Homepage deuten die sieben Ziffern, ohne weiteren Zusatz, auf das Herstellungsjahr 1977. Der Buchstabe H dahingegen wurde für die Herstellung in China verwendet, und zwar erst ab 2004 (H 0 004 000), und hatte Anno 2010 erst H 0 105 429 erreicht, also bei weitem noch keine 2 Million!

Den Hammerköpfen ist ein gewisser Verschleiß anzusehen und -hören, auch müsste die Mechanik mal reguliert werden. Aber man kann außen und innen sehen, dass ordentlich auf das Instrument aufgepasst wurde. Tja, und der Preis ist interessant. (Ich weiß, ich habe schon zwei Klaviere...)

Jetzt entsteht die Frage: wie alt ist das Klavier eigentlich, und wo wurde es hergestellt? Der Händler meinte: H = China. Als Herstellungsjahr nannte er zuerst 1966, dann 1977 als wir zusammen im Pierce-Atlas nachschauten.

[Edit: dem Hochglanzlack sind 36 Jahre, falls sie denn stimmen, wirklich nicht anzusehen. Ich hätte äußerlich eher auf ein fast-neues Instrument geschlossen.]

[Edit 2: vom Alter mal abgesehen, wurde/wird das U1 überhaupt in China hergestellt?]

Kann mir ein Klavierbauer / -händler etwas dazu sagen?

Mit Dank und winterlichem Gruß,
Mark
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
K

Klavierbaumeister

Dabei seit
1. Jan. 2008
Beiträge
1.328
Reaktionen
188
Das "H" gehört zur Modellbezeichnung und nicht zur Seriennummer.

Es ist ein "U1" in der Version "H" (=U1H) mit der Nummer 2352xxx und stammt aus 1977, vermutlich ein typischer Grauimport, jedoch wahrscheinlich made in Japan.
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Ahaaa, herzlichen Dank, KBM!

Ich glaube, ich schau mir das Instrument nochmal genauer an, Boden und Stege, Mechanik, u.a. die Kordeln der Hammernussfedern (meine mich zu erinnern, dass diese bei 70er Yamahas gerne irgendwann kaputtgehen), frage vielleicht auch mal, ob ich einige Wirbel auf Festigkeit prüfen darf.

Mir erscheint der Preis im Vergleich zum hiesigen Neupreis eines U1 recht attraktiv (direkt umgerechnet: €2700 im Vergleich zu €6300 = ca. 45%). Vielleicht besteht sogar noch Verhandlungsraum.

In Deutschland mag die Situation freilich anders aussehen, aber könntest du ganz grob abschätzen, wie teuer ein solches Instrument bei euch wäre? (Wiegesagt, äußerlich praktisch picobello erhalten bzw. aufgearbeitet, innen sehr sauber und ordentlich, allerdings schon "einige Kilometer gelaufen", klanglich etwas ungleichmäßig und hell, aber nicht blechern, Anschlag relativ gleichmäßig, bis auf ein paar prellende Hämmer).

Gruß,
Mark
 
K

Klavierbauermeister

Dabei seit
10. Jan. 2008
Beiträge
1.974
Reaktionen
724
Hallo,

der Preis für das gebrauchte U-1 ist meines Erachtens ganz normal - kostet bei uns ungefähr ähnlich.

Die neuen U-1 kosten bei uns mehr - sind aber nicht identisch mit den neuen U-1 für Südafrika.
 
Wiemalte

Wiemalte

Dabei seit
13. Juni 2013
Beiträge
406
Reaktionen
33
Zu dem Hochglanz: Bei mir steht auch ein Yamaha (U3), welches zwar von 1994 ist, aber auch hochglanzpoliert. Wäre es nicht so verstaubt, sähe es aus wie neu. Und darum wundert mich das nicht.
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Danke, KBerM!

Hallo,

der Preis für das gebrauchte U-1 ist meines Erachtens ganz normal - kostet bei uns ungefähr ähnlich.

Die neuen U-1 kosten bei uns mehr - sind aber nicht identisch mit den neuen U-1 für Südafrika.

Die Unterschiede würden mich interessieren - sind aber sicher nicht kritisch für diesen Faden.

Ich vermute übrigens, wie schon oft in der Vergangenheit, dass eine direkte Wechselkursrechnung nicht ganz aufgeht. Denn ich habe oft beobachtet, dass ich mir hier mit einem Euro-Äquivalent nicht ganz dasselbe kaufen kann wie ihr dort mit einem Euro. Deswegen habe ich auch absichtlich das Verhältnis zwischen dem gebrauchten U1 und dem neuen dazugeschrieben.

Insofern ist es m.E. genauso gut möglich, dass nicht unser neues U1 billiger ist, sondern dass das gebrauchte U1 etwas überteuert angeboten wird.

Gruß,
Mark
(dessen Frau der Klang des U1 sofort gefiel...)
 
fisherman

fisherman

Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.114
Reaktionen
9.221
Klimpi,

vor 5 Jahren habe ich unser Top-U1 (ebenfalls Grauimport) verkauft. Das Baujahr war exakt 1977. Ein unabhängiger Sachverständiger bezifferte den erlösbaren Preis DAMALS auf ca. 3.500,-. Ich habe es aus Bequemlichkeit für deutlich weniger in Zahlung gegeben und der Händler hat es mit rund 3.000,- (können auch 3.200 oder 3.300,- gewesen sein) ausgepreist. Das nur zu Deiner Info. Richtig günstig ist also das U1 nicht - ob es lokal "überzogen" ist, musst Du vor Ort beurteilen.
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Danke, Fishi, das gibt einen Anhaltspunkt. Ich war heute, nach meinem vorigen Post, zum vorläufigen Schluss gekommen, falls ich was anbiete, eher in Richtung 2.800 zu peilen - jedenfalls unter 3.000.

Wie dem auch sei: das Ganze ist derzeit ziemlich impulsiv dahergeredet - zumal ich in unserem Taubenschlag für drei Kalimpakästen wirklich keinen Platz habe. Es ging mir eher darum, meinen "Klaviermarktrüssel" zu kalibrieren. Wenn ich wieder im Geschäft bin, und die Kiste noch dort steht, und ich sie nach genauerer Inspektion für gut befinde, überlege ich mir, mit dem Händler auf der Grundlage von 2.800 bis 3.000 zu verhandeln. Wenn's nichts wird, c'est la vie.

Einerseits hätte ich mir diesen Kasten vor 5 Jahren gewünscht, andererseits wusste ich damals noch nicht soviel...
 
fisherman

fisherman

Dabei seit
3. Dez. 2007
Beiträge
21.114
Reaktionen
9.221
Langsam, Klimpi! Wenn bei Euch U1 um die 6.000 kosten, sind die 2.700,- relativ "teuer". Da muss das Instrument TOPTOP sein und keine Schwächen/Unsauberkeiten haben.
 

Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Schon gut, Fishi, mir brennen ja jetzt noch die Finger vom vorigen Kauf. Das Ganze war/ist wiegesagt eher ne Kalibration meines Riechers. Zudem habe ich schon ein 1970er Klavier guter Herkunft (zu 1.000) gekauft. Da muss das U1 erstmal mithalten. Und meinen alten 1920er Wimmerschinken will ich auch erstmal in aller Ruhe reparieren, bevor ich ihn verscherble.
 
Wiedereinaussteiger

Wiedereinaussteiger

Dabei seit
1. Feb. 2011
Beiträge
1.936
Reaktionen
1.044
Hi Mark,

wenn ich das richtig im Hinterkopf habe, dann fertigt (heute..) Yamaha Klaviere gezielt für drei verschiedene Klima-Klassen.

Daher verwahrt sich auch Yamaha gegen diese Grauimporte; dann entspricht das betreffende Klavier nicht den Spezifikationen nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit und den entsprechenden Bereichen, für die Yamaha es einst baute.

Ab wann Yamaha das so ausdifferenziert hatte, weiß ich allerdings nicht - ob das schon zur Produktionszeit des Dich interessierenden Klaveirs so war.

Auch Steinways werden für unterschiedliche Klimate unterschiedlich gefertigt. Wenn Steinway weiß, dass das Klavier in die Tropen oder Subtropen geht, bekommt es einen neben der Verleimung zusätzlich auch verschraubten Steg.

Blüthner weicht dem aus, indem alle Blüthner-Stege verschraubt sind.

Man muss bei Yamaha-Klavieren aufpassen. Man kann sie kaufen, aber es dürfte u.U. noch einen Unterschied ausmachen, ob ein "Grauimport" frisch angelandet ist in einem eventuell kritischen Klimat, oder ob das Klavier sich schon jahrelang in Südafrika aufhielt.

In letzterem Fall wäre ich nicht so heikel - ich würde das Klavier nach Zustand und betreffs der Arbeiten bewerten und u.U. durchaus kaufen.

Schlecht hingegen wäre, wenn man einen "frisch importierten" Grauimport kaufte, bewaffnete sich mit allen Teilen und der Arbeit - und parallel zu diesen Arbeiten begänne irgendwie das Holz zu arbeiten, zu reißen oder sowas.., weil es in einem "falschen" Klima steht und vom Hersteller hierfür nicht vernünftig präpariert war..
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
@ WEAS:

Laut Händler wurde das U1 die letzten paar Jahre von einem Diplomaten hier in Pretoria gespielt, und wird nun verkauft. Das Holz wird sich also, vorausgesetzt, dass die Historie so stimmt, wie sie dargestellt wird, mittlerweile akklimatisiert haben.

Wenn mir der Ton ohne weitere Arbeiten (Abziehen, ggf. Intonation) gut gefiele, wäre ich ernsthaft in Versuchung... Das tut er aber nicht so ganz. Und da mein nächstes Klavier soll nicht nochmal ein "Bastelprojektklavier" werden soll, lasse ich bei den Preisverhältnissen wohl doch lieber die Finger davon. Wer weiß: wenn ich am Zimmermann endlich die Zusatzrippe(n) getestet und eingebaut habe, und am Ibach die Hämmer abgezogen und die Mechanik durchreguliert habe, gefällt mir womöglich eines der beiden so gut, dass ich ohnehin nichts anderes mehr kaufen will. :)

Ciao,
Mark
 
Wiedereinaussteiger

Wiedereinaussteiger

Dabei seit
1. Feb. 2011
Beiträge
1.936
Reaktionen
1.044

Ich bin nun kein Blüthner-Fex, aber man sagte mir, dass die Blüthner-Fertigung nicht nach Klimazonen unterscheide. Dass alle Klaviere so seien, verschraubt etc., wie man es auch für die Tropen baue und in die Tropen liefere. Mag also sein, auch Rippen, ja, anzunehmen.

..obschon, Schrauben im Resonanzboden, um die Planken auf den Rippen zu halten - ist das gut, wäre das gut , auch wenn man es zB hier nicht bräuchte?

Leise Zweifel..
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
17. Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
..obschon, Schrauben im Resonanzboden, um die Planken auf den Rippen zu halten - ist das gut, wäre das gut , auch wenn man es zB hier nicht bräuchte?

Leise Zweifel..

Was sollte es schaden? Bei meinem Südafrika-Zimmermann ("Otto Bach"), und wenn (!) ich mich recht entsinne, ohnehin bei allen Zimmermännern, sind die Rippen verschraubt. Ich sehe darin höchstens einen optischen Nachteil, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.
 
 

Top Bottom