Unterricht mit jungen Kindern mit geringer Aufmerksamkeitsdauer


Tastatula
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Zu streng: das ist bei meiner Tochter auch so. Wobei konsequent ein besserer Ausdruck wäre. Den Belohnungssticker gibt es nur, wenn er verdient wurde. Wenn etwas angekündigt oder angedroht wird, muss es dann auch passieren. Also klare Regeln.
Ja, das sehe ich auch so. Und konsequent bedeutet auch, in positiver Weise konsequent zu sein. Wenn man also etwas Positives verspricht, darf man auch das nicht vor sich herschieben.
 
Tastatula
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Im Einzelunterricht muss das Kind stets aufmerksam sein. Das ist schon eine ordentliche Leistung für 6-Jährige.
wir haben auch mal versucht, den Unterricht auf zwei halbe Stunden in der Woche aufzuteilen. Das war nicht gut. Der Schüler hat gemeint, er könne dann nicht oft genug üben...
Tatsächlich ist die längere Zeiteinheit für uns beide besser. Wir haben viel Raum, miteinander umzugehen.
 
Stilblüte
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ich unterrichte Vorschulkinder sehr, sehr gerne, mindestens 50 Minuten am Stück. Es ist ein Geschenk für Schüler, Lehrer und Eltern, so früh in professionellen Kontakt mit Musik zu kommen - das hört man später sehr deutlich an der Qualität des Spiels.

....
Liebe Ulrike,
DANKE für diesen wunderbaren Beitrag! Den könnte sich jeder Klavierlehrer ausdrucken und an die Unterrichtstür hängen! Und in Musikhochschulen sollte man ihn an die Tür jedes Pädagogik-Dozenten hängen... :005: Ich lerne so viel von dir und bin dir dafür sehr dankbar :024:
Hier im Faden habe ich (wie für dieses Forum angekündigt) etwas "aufgeräumt", und Nebenthemen in extra Fäden ausgelagert.
 
Tastatula
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@Stilblüte , Danke Dir dafür!
 
Boogieoma
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Liebe Ulrike,
danke für die einfühlsame Erläuterung für den Unterricht für junge Kinder. Schade, dass Du nicht hier in der Umgebung unterrichtest. Ich würde Dir so gerne mein Enkelkind anvertrauen.
Liebe Grüße
Ursula
 
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F
Flieger
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Das kommt jetzt auf die Ballettschule an. Unsere macht Muskelaufbau, Dehnen, korrekte Haltung. Also mal 2 Minuten Bauchmuskeln, springen, dann Spagat in alle Richtungen. Wäre bei Klavier dann Czerny…
Naja, das kann man nicht direkt vergleichen. Je jünger das Kind, desto beweglicher ist es. Die Beweglichkeit will man möglichst erhalten(!) und je früher man mit Dehnungen, etc. beginnt, desto eher gelingt das.
 
S
StefanN
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Es könnte sich auch um eines der zahllosen Kinder handeln, die einfach noch "coronageschädigt" sind: zwei Jahre lang keinen kontinuierlichen Schulunterricht hat in den Klassen meiner Kinder (die wesentlich älter sind) eine Spur der Verheerung angerichtet. Die Kinder müssen eine klassische Unterrichtssituation überhaupt erst wieder lernen. Grundschullehrer in meiner Familie erzählen, gerade die Kleinen, die jetzt teilweise zwei Kindergartenjahre großenteils verpasst haben, haben teilweise die Schulbasics (still sitzen, warten bis man dran ist, eine Aufgabe erledigen, sich Sachen zurechtlegen...) überhaupt nicht lernen können.

Vielleicht musst du dem Kind einfach noch etwas Zeit geben.

Und alle, die hier auf die verzogenen heutigen Kinder schimpfen: für die Kinder waren die letzten beiden Jahre furchtbar und eine normale Kindheit völlig unmöglich. Dafür können die Kinder (und auch ihre Helicoptereltern, deren helicoptern als Homeschoolinglehrer ja nun zwei Jahre erwartet und erwünscht wurde) am wenigsten.

Vielleicht ist es übrigens ja auch ein hyperaktiven Kind, das zwischendurch immer wieder Bewegungseinheiten braucht.
Diese Verheerung kann ich bestätigen. Ich gebe derzeit Mathe-Nachhilfe für Kinder von Freunden... ich habe Mühe, diese Verheerung zu löten.

Bei einem 13-Jährigen läuft es so langsam an, er empfängt mich nun sogar mit einem Lächeln :-) . Sein Zwillingsbruder will jetzt auch mal :super: Der große Bruder (bald 16) kontrolliert aber noch Berlin-Wilmersdorf... vielleicht kommt dieser Chief Commander (Eigenbezeichnung) auch noch dazu :coolguy:. Alle drei intelligent und cool, aber dank monatelang abwesender Lehrer ohne Lernroutine.

Die Verheerung ist auch die, dass die Kinder ihr bisschen seit der Grundschule erworbene Lernroutine binnen Wochen wieder verloren haben.

(Die Entwicklung von Lern- und Arbeitsroutine hört übrigens nicht einmal im Studentenalter auf.)
 

S
StefanN
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Hier noch 2 weitere Cents: Das mit 3 Minuten Zuhören bekommen im normalen Alltag nicht mal Erwachsene hin...
Wenn ich etwas mitteilen will, stelle ich relativ schnell schon Fragen und lade zu Gegenfragen ein.
 
C
Cheval blanc
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Konzentration will geübt sein, und das schon in den frühesten Jahren: durch manuelle Tätigkeiten wie gemeinsames Basteln, durch Vorlesen (durchaus in kommunikativer Form mit Fragen und Antworten). Und so altmodisch das klingt: Hier ist das Elternhaus gefordert, weil hier am leichtesten eine 1:1-Beziehung gegeben ist. Die Schule mit ihren Klassenverbänden kann das nicht leisten. Und der wöchentliche Einzelunterricht am Klavier à 60 (oder gar 30) Minuten ebenfalls nicht. Eure Bemühungen @chiarina , @Tastatula et al. sind höchst ehrenwert, aber wenn die Elternhäuser nicht mitziehen, ist Euer Engagement vergebens.
 
S
StefanN
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Ich weiß nicht, ob Konzentrationsfähigkeit von den Eltern auch vorgelebt werden muss als etwas "Normales".
Wie sind da die Erfahrungen bei Euch Frühpädagogen? :-)

Ein Klassiker für gestörtes Arbeiten ist das Hausaufgabenmachen am Küchentisch. :konfus:
 
rolf
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(gleich vorab: ich weiß es nicht, habe mit (kleinen) Kindern nicht zu tun, deswegen werde ich fragend formulieren) meine Feld-, Wald- & Wiesen"beobachtung", dass Kinder problemlos engagiert und damit konzentriert erscheinend, wenn sie mit Muttis Smartphone herumspielen*) oder sowieso am spielen (Lego bauen etc) sind, bringt mich zu der Frage, ob das Konzentration ist und wenn ja, dann verstehe ich nicht, was es da zu lernen gäbe, wenn es doch scheinbar von allein funktioniert - kann es sein, dass wir alle eigentlich nicht "sich konzentrieren zu können" lernen müssen?

_____
*) das war mal beim üblichen ewig langen warten auf das einchecken, ein quengelndes Kind im "Kindialter" (3-4 Jahre schätzungsweise) hatte mit Muttis iPhone in der Hand richtig lange ohne zappeln/nörgeln herumspielen können - kaum musste Mutti mal damit telefonieren, kreischte das Kind und bockte zornig etc, kaum das Handy im Händchen war's die liebe Ruhe und Konzentration
 
nispi
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Ich fand ja die Erkenntnis interessant, dass sogar das Spielen gelernt werden muss. Meistens passiert das im Kindergarten mit großer Auswahl an Vorbildern.
Dabei lernt das Kind Konzentration.

Die Konzentration bei „selbst-auferlegten“ Aufgaben/Tätigkeiten ist einfacher als die Konzentration, die notwendig ist wenn das Kind die vom Lehrer/Eltern gestellten Aufgaben/Erwartungen erfüllen muss. Das ist viel anstrengender.
 
G
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Gibt es irgendwelche glaubwürdigen Studien, daß die Konzentrationsfähigkeit von Kindern nachgelassen hat in den letzten 50 Jahren? Es lässt sich ja tagtäglich aufs neue feststellen.
 
chiarina
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(gleich vorab: ich weiß es nicht, habe mit (kleinen) Kindern nicht zu tun, deswegen werde ich fragend formulieren) meine Feld-, Wald- & Wiesen"beobachtung", dass Kinder problemlos engagiert und damit konzentriert erscheinend, wenn sie mit Muttis Smartphone herumspielen*) oder sowieso am spielen (Lego bauen etc) sind, bringt mich zu der Frage, ob das Konzentration ist und wenn ja, dann verstehe ich nicht, was es da zu lernen gäbe, wenn es doch scheinbar von allein funktioniert - kann es sein, dass wir alle eigentlich nicht "sich konzentrieren zu können" lernen müssen?

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*) das war mal beim üblichen ewig langen warten auf das einchecken, ein quengelndes Kind im "Kindialter" (3-4 Jahre schätzungsweise) hatte mit Muttis iPhone in der Hand richtig lange ohne zappeln/nörgeln herumspielen können - kaum musste Mutti mal damit telefonieren, kreischte das Kind und bockte zornig etc, kaum das Handy im Händchen war's die liebe Ruhe und Konzentration
Lieber rolf,

dieser link beantwortet einige deiner Fragen: https://www.mit-kindern-lernen.ch/l...nzentration-und-aufmerksamkeit-wissen-muessen.

Konzentrationsfähigkeit als Teil von Aufmerksamkeit ist ein Teil unserer genetischen Ausstattung (ca. 50%) und wird nach der Geburt von den Lebensumständen und persönlichen Erfahrungen beeinflusst.

Können sich Eltern also gut konzentrieren, schenken ihrem Kind Aufmerksamkeit und Zuwendung und bieten ihm ein kindgerechtes Umfeld ohne allzu viele Ablenkungen an, stehen die Chancen sehr gut, dass ihr Sprössling ebenfalls ein sehr gutes Konzentrations- und Aufmerksamkeitsvermögen erwirbt.

Leider ist die heutige Zeit sehr unruhig für Kinder und bieten ihnen oft nicht die zum Erforschen des Lebens nötige Ruhe. Allein die Medien sind ein großes Problem. Denn große bunte, bewegte Bilder mit Ton sind ein Aufmerksamkeitsfänger, auch bei uns Erwachsenen. Schon Babys kleben an Fernsehbildern, wenn sie sie zu Gesicht bekommen.

Nur leider fördern diese Medien die Konzentrationsfähigkeit nicht, ganz im Gegenteil. Sie schenken gerade bei Spielen nämlich sehr schnelle und kurzfristige Belohnungen, die im normalen Leben in der Schnelle und Stärke gar nicht auftreten. Es regnet Sterne, nächste Level, Schätze, bunte Diamanten .... - die Aufmerksamkeit wird gefesselt und die Konzentration muss nur ganz kurz funktionieren - die nächste Belohnung kommt sofort.

Ich wünsche mir, dass Eltern ihren Kindern Rituale und Struktur geben, dass sie mit ihnen viel in den Wald gehen, der beste Spielplatz der Welt. Dass sie ihnen vorlesen, mit ihnen singen, Ausflüge machen. Kinder sollten sich als selbstwirksam erfahren, am besten im Spiel allein und mit Freunden, mit Bewegung und gesunder Ernährung. Ständige Unruhe und ständiges "Organisieren müssen des Alltags", Stress der Eltern, zu viel Medienkonsum schadet den Kindern sehr. Konzentration bedeutet ja auch, sich länger mit etwas zu beschäftigen und auf das sich selbst belohnende Ergebnis warten zu können (Frustrationstoleranz).

Insofern heißt es leider nicht, dass eine gute Konzentrationsfähigkeit vorhanden ist, wenn ein Kind stundenlang aufs Handy schaut.

Liebe Grüße

chiarina
 
rolf
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mit seinen vielen Häslein erweckt den Eindruck, dass schon Ostern sei ;-)
Es regnet Sterne, nächste Level, Schätze, bunte Diamanten .... - die Aufmerksamkeit wird gefesselt und die Konzentration muss nur ganz kurz funktionieren
ich weiß nicht, was das erwähnte Kind da an Muttis iPhone angeschaut oder gespielt hat - ich habe lediglich wahrgenommen, dass es sehr zufrieden war, aufmerksam-zufrieden-konzentriert wirkte, so lange es das Ding für sich hatte.
 
 

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