Übezirkel

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Gefallener

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Ich habe grade nach "Lesezirkel" gekleinanzeigt. Schade, noch vor ein paar Tagen fand ich da zwei Inserate.

Oft dient es als Anstoß. Der andere schlägt ein Buch vor, was man vielleicht selbst nie gefunden hätte, und man liest sich gemeinsam hindurch, tauscht sich ggf. aus.

Zwar sehe ich nicht allzu viele Überschneidungen mit dem Einstudieren eines Klavierstücks und ich trachte hier auch nicht nach einem Wettkampf (den ich ohnehin gewönne *hüstel* ;)

Aber vielleicht sagt ja jemand: "Ja, coole Idee, würde mich motivieren." Und Motivation ist (zumindest bei mir dieser Tage) Mangelware. Bzw. ich fange unzählige Sachen an und sehe keinen rechten Anlass sie zu Ende zu bringen. (Geht mir mit Büchern aber bisweilen auch so.)

Prinzipiell wäre ich zu (fast) allen Schandtaten bereit. Im Idealfall gibt es mein Notenreservoir her. Schwierigkeitsgrad egal: Mitgefangen, mitgehangen.

Also falls jemand grade vor hat ein neues Stück einzustudieren, der darf mir gerne PN´nen und dann würde ich mich ggf. gerne anschließen.
Falls (vornehmlich schriftlicher) Austausch erwünscht ist, eijo.

Bitte nur ernstgemeinte Anfragen.
 
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Demian

Demian

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Ich finde die Idee sehr gut. Das könnte man auch statt im Privaten per PN als Projekt einzelner oder mehrerer Interessierter im Unterforum „Workshops“ machen. Ohnehin ist da ja sehr wenig los. Und ich vermute, mehrere könnten sich mit einem neuen Workshop-Projekt gerade in dieser konzert- und auftrittsarmen Zeit gegenseitig motivieren, weil dadurch ein Ziel sichtbar wird.
 
florg

florg

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Tatsächlich waren für mich die Gemeinschaftsprojekte und Treffen der Grund, dem erlesenen Clavio Club beizutreten. Da gab es schon allerhand schöne Übeprojekte und Workshops, wie

Die geselligen Hauskonzerte wie bei @HappyKlene und @Marlene (bei denen ich dabei sein durfte), wie noch viele andere vor meiner Zeit hier, sind eine ungemeine Motivation zum Üben.

Tatsächlich hat 2020 meine Motivation etwas eingetrübt... Ich hatte mir zunächst zu viel vorgenommen, sodass ich nicht recht vorankam. Erst kürzlich habe ich wieder meinen Fokus neu justiert - es ist mal wieder Brahms. :geheim:

@Gefallener , dein Vorschlag könnte ein interessantes Format werden!
 
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Wiedereinsteigerin38

Wiedereinsteigerin38

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Tatsächlich waren für mich die Gemeinschaftsprojekte und Treffen der Grund, dem erlesenen Clavio Club beizutreten. Da gab es schon allerhand schöne Übeprojekte und Workshops, wie
In dem genannten Faden wurde ja schon diskutiert, wie man weitermachen könnte. Kam aber dann nichts mehr...
Und wie sieht es mit einem neuen Projekt für 2021 aus? Ich habe hier gerne mitgelesen! Vielleicht könnte man auch ein breiteres Thema wählen, zu dem es in allen Schwierigkeitsgraden etwas gibt, so dass mehr Leute etwas einspielen?

Vorschlag von @OE1FEU :


Weitere Ideen:
- Stücke von russischen KomponistInnen (zB aus der RKS)
- Stücke von Komponistinnen, alle Schwierigkeitsgrade
- Stücke von Bach-Söhnen
- Polonaisen
- Burgmüller, Etüden Op. 100, 105, 109
- Schumann, Kinderszenen
- Grieg, Lyrische Stücke
- Field, Nocturnes
- Mendelssohn, Lieder ohne Worte
- Bach, Inventionen
- Chopin, Préludes
...
 
Demian

Demian

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@Wiedereinsteigerin38
Die meisten deiner Vorschläge finde ich sehr reizvoll. Besonders interessant finde ich ein so offen gewähltes Thema wie „Polonaisen“. Da würden dann nämlich nicht nur Chopin oder Gottlieb Wendehals eine Rolle spielen, sondern auch eher unbekannte Kompositionen unbekannterer Komponist*innen, man könnte forschend auf die Suche gehen.

Vielleicht ist eine Umfrage sinnvoll?
 
Perdita

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Ich bin derzeit ja bei Scarlatti-Sonaten hängengeblieben, K27 und 466. Gibt um die 555 Stück, wenn ich nicht irre; genug Potential für ein Großprojekt wäre also gegeben. (Und nebenbei kann man dabei sogar "Hit the road Jack" begleiten lernen.) Wer sich da anschließen will, gerne :lol:...
 
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Gefallener

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An sich sind ja forenübergreifende und gemeinschaftliche Projekte "auch cool", aber ihr wisst ja wie sehr "Gemeinschaft" hier ausartet. Ich will auch gar nicht, dass Karnickelhuf´ im selben Buch wie ich steckt. Das ist schon ein wenig zuviel der Intimität.

Also klar, können jetzt 20 Leute Bock auf Polonaisen haben. Ich will das auch nicht vermiesen, lediglich unterstreichen, dass ich von einer "intimeren Situation" grundsätzlich ausging. Ein one-on-one.

Eine Art "Mitfahrerbank" / Mitübebank für den der da halt sitzt, und den der da vorbeikommt und ein Stück in die gewünschte Richtung fährt.

Bewusst ausgeklammert von "dem Druck hier". No offense, aber es artet auch schnell gerne aus, je mehr Köche Salz in die Wunden streuen. Davor wüsste ich gerne "mein Schaffen" geschützt.

Ich stelle mir das schon eher wie "gemeinsam einen Roman lesen" vor. Und es müsste sich vom "was übt ihr gerade Faden" abheben, irgendwie, denn es hat mehr """date - charakter""". Dennoch müssten die Stücke ja "ausgehängt" werden, also eine Vermittlung stattfinden.

Wenn also Perdita sagt, ich "fahre nach K466 und hätte noch einen platz frei, würde gerne jemanden mitnehmen", dann würde ich mich freuen (wenn er / sie sich freut) mitfahren zu dürfen.

Vielleicht könnte man das ganze auch mal nutzen um seine "Pile of shame" aktiv abzubauen. (Ich bestelle auch mehr als ich spiele xD)
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Ich finde die Idee sehr gut!
Ich biete und suche eine Mitfahrgelegenheit für Musik aus dem (fortgeschrittenen?) Anfängerbereich Moser, Schütz&Co, gerne auch Piazzolla, zum Austausch und zur gegenseitigen extrinsischen (der bösen) Motivation. Bei Interesse PN.
 
Perdita

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Ach, ich glaube kaum, dass ein Vollprofi sich in derart amateurhafte Niederungen wie Übezirkel herablassen wird. Toll und wünschenswert wäre das natürlich - aber nur zu echten Anregungs-, Herausforderungs- und Motivations-, nicht zu Demotivationszwecken. Auf die Gesellschaft von mehr oder weniger professionellen Salzstreuern hingegen kann ich auch gut verzichten, egal welches Geschlecht und welches Spielniveau. Dazu bin ich dann doch nicht masochistisch genug - soll ja vor allem Spaß machen und bereichernd sein ;-) . Tja, so sans halt, die Leut' :-) .

Von daher kann ich den Wunsch nach einem geschützteren Raum (etwa kleiner Rahmen per PN) schon nachvollziehen. Andererseits sind damit interessierte Mitleser, die gerade nicht die Kapazitäten fürs Mitmachen an einem bestimmten Projekt frei haben, von der einen oder anderen Anregung vielleicht aber auch profitieren könnten, natürlich ausgeschlossen. Vielleicht besteht hier aber ja auch die Möglichkeit, geschlossene Gruppen einzurichten, die zwar öffentlich lesbar sind, für die man sich aber gesondert anmelden muss und die ein bestimmter Gruppenleiter - derjenige, der die jeweilige 'Mitfahrgelegenheit' anbietet etwa - verwaltet? Oder wäre das zu viel administrativer und moderativer Aufwand?
 
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Klein wild Vögelein

Klein wild Vögelein

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Ich wäre zum Beispiel eine begeisterte Mitleserin!

Unsere Profis sind oft hilfsbereit, auch Hasenbein, wäre doch schade, wenn sie keine Ratschläge geben könnten.

Davon können wir alle lernen.

Was haltet ihr von einem Thema, welches ähnlich geschützt ist, wie der Faden: "Anfängerfragen? Traut euch! " Da genießen wir einen gewissen Welpenschutz.


Nun seid ihr, was das Klavierspielen angeht, ja keine Welpen mehr und da glaube ich, dass gerade die Vollprofis für euren Übezirkel bereichernd sein können.
 
Perdita

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Unsere Profis sind oft hilfsbereit, auch Hasenbein, wäre doch schade, wenn sie keine Ratschläge geben könnten.

Davon können wir alle lernen.
Sicher! Wie gesagt, wäre natürlich toll und sehr dankenswert. Nur, wie die durchschnittliche Amateuse (die ja bekanntlich und selbstverständlich ein bequemes Luxusleben führt, nur so ein bisschen für sich zum Vergnügen klimpern und sich auf keinen Fall ernsthaft anstrengen oder gar ein ehrliches Feedback will ;-) ) da auch gerne sagt: Menschlich sollte es halt auch einigermaßen stimmen ... Und was den Welpenstatus betrifft: das ist wohl sehr relativ ;-).
 
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Gefallener

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Sicher! Wie gesagt, wäre natürlich toll und sehr dankenswert. Nur, wie die durchschnittliche Amateuse (die ja bekanntlich und selbstverständlich ein bequemes Luxusleben führt, nur so ein bisschen für sich zum Vergnügen klimpern und sich auf keinen Fall ernsthaft anstrengen oder gar ein ehrliches Feedback will ;-) ) da auch gerne sagt: Menschlich sollte es halt auch einigermaßen stimmen ... Und was den Welpenstatus betrifft: das ist wohl sehr relativ ;-).

Sehe ich auch so.

Da ich das analog zum "gemeinsamen Lesen" von Büchern sehe, möchte ich zwar anspruchsvolle Literatur lesen und mich damit befassen, aber ich möchte es auch nicht totsezieren. Ich brauche da keinen Literaturwissenschaftler um mich geistvoll / legitim damit zu befassen. Ich will meinen eigenen Gedanken freien Lauf lassen, und hier und da mal etwas neues Erfahren. Alles wissenschaftlich aufgedröselt via Trichter intrakraniell reingestopft bekommen, das ermüdet mich.

Genauso wie es mich ermüdet, wenn der andere NICHTS denkt. Das ist dann auch wieder blöd.

Deshalb sollte es schon passen. Weshalb das matching schon auch entscheidend ist. Der Schwierigkeitsgrad des Menschens ist viel problematischer als der der Noten.

Ich sehe es als große Herausforderung generell in der Musik, fachliche Hierarchie der menschlichen "" hintanzustellen.

Als "nicht Profi" ist man in der luxuriösen Lage die Dinge unscholastisch zu sehen. Man kann vor dem Weihnachtsbaum stehen mit dem glauben an das Christkind. Ein so unfassbar unterschätzter Wert von Amateuren, die sich immer tendenziell entzaubern lassen wollen.

Klar kann es spannend sein wissenschaftlich basal die Herkunft des Christkinds zu verstehen, aber das finde ich weniger magisch. Magie ist kostbar.

Ich für meinen Teil hatte in Literaturvorlesungen immer Todesqualen. So sezierte Frau Dr. Dr. Dr. Dr. einen meiner liebsten Dichter und es schien mir als hätte sie NICHTS von überhaupt was begriffen. Am Ende war dies ziehen in der Stirn und Brust, nichts anderes mehr als Hebungen und Senkungen. Einfach so. Regungslos.

Deswegen auch hier: Lieber rede ich mit jemandem über "überraschende Wendungen" und "hattest du an der Stelle auch diese Gefühl", statt dass ich eine Fuge komplett durchseziere und totanalysiere. Kann man MAL machen, aber sobald das die einzig legitime Kommunikationsbasis ist, bin ich raus. Ich stell mir beim Knutschen auch nicht kämpfende Mikroorganismen im Speichel vor oder schwellende Hormondrüsen, zuckende Irisse"" oder pulsierende Muttermünder.

Dass, grade hier, immer alles unweigerlich an Profitum gemessen wird, empfinde ich (wie oben bereits erwähnt) oftmals als Leistungs- Druck. Ich kann das (einigermaßen) ab und ich freue mich über "Perditas´" (Leute die so denken). Habe aber auch schon viele Schüler an (wessen) Anspruch aufgeben sehen.

@Klein wild Vögelein "ich wäre beispielsweise eine begeisterte Mitleserin!"

Da kommt mir als erstes dieses "The Voice" - Zeug in den Kopf. Ich lieg mit meiner Freundin lesend auf dem Bett und du sitzt daneben, schaust zu und vergibst Noten? Und wenn du dich vernotest zerreißt dich das halbe Forum, wie man nur so schlecht benoten kann und wie man stattdessen hätte werten müssen? ;)
 
Perdita

Perdita

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Dass, grade hier, immer alles unweigerlich an Profitum gemessen wird, empfinde ich (wie oben bereits erwähnt) oftmals als Leistungs- Druck. Ich kann das (einigermaßen) ab und ich freue mich über "Perditas´" (Leute die so denken). Habe aber auch schon viele Schüler an (wessen) Anspruch aufgeben sehen.
Sicher, dass Du mich da richtig verstanden hast :-) ? Wessen Anspruch, das ist wirklich die Frage. Leistungsdruck von außen würde ich mir da auch auf keinen Fall machen (lassen), wozu auch. Für ein Hobby, das ohnehin wohl nur auf den Hausgebrauch beschränkt bleiben wird? Für einen Profi, der eine extrem fordernde Ausbildung mit strengen Auswahlkriterien absolviert hat und sich damit beruflich auf dem sogenannten freien Markt und gegen sicher auch viel Konkurrenz behaupten muss, ist die Situation da natürlich eine andere. Ich bewundere und freue mich über jede/n, der oder die unter solchen Umständen dennoch menschlich und freundlich geblieben ist, statt diesen Druck an andere weiterzugeben, und es nicht nötig hat, vor allem sich selbst anderen gegenüber aufzuspielen. Ich bin gottseidank in der Lage, Klavier zu spielen und zu lernen, weil ich es will, weil es mir Freude macht; das möchte ich mir möglichst bewahren; und in diesem Sinn ist hier natürlich auch die Rede von "Profit" und "Gewinn" zu verstehen: als Zugewinn an Fähigkeiten und auch an Lebensfreude! Warum sonst mache ich so etwas? Um die Zunft der Klavierlehrer zu alimentieren?

(Kein Grund für Antiintellektualismus, finde ich dabei. Analytische Herangehensweisen und Gefühlsintensität schließen sich mE keineswegs aus, im Gegenteil! Eine gute Interpretation etwa eröffnet beispielsweise zu einem Gedicht ja auch einen vertiefteren Zugang. Warum sollte das in der Musik wesentlich anders sein? Es mag vielleicht andere Dinge geben, die ihren Zauber verlieren, wenn sie einer gründlichen Analyse unterzogen werden; damit ist jedoch dann meist etwas faul ;-) .)

Wenn ich das hier mit anderen teilen und mich darüber austauschen kann, möglichst ohne Schnellschüsse aus der Hüfte und aufgeblasene Knalltütereien ("peng! aus!"), umso besser. Insofern freue ich mich natürlich auch über jede Anregung und sogar über - fundierte, sachliche, freundliche oder zumindest höfliche und konstruktive - Kritik. Wie gesagt, das Scarlatti-Angebot steht, falls jemand die betreffenden Stücke gerade auch einüben sollte oder einfach auch Interesse daran hätte - fürs erste vielleicht wirklich per PN. Profi-Begleitung durch einen KL gegeben. (Und falls irgendwer Bedenken wegen dubiosem Notenmaterial haben sollte :003:: meine längst bestellten Noten - Edition Peters, hrsg. von Emil v. Sauer - dürften demnächst hoffentlich auch endlich eintreffen; da ich nicht über Amazon, sondern wo möglich am liebsten direkt beim Verlag bestelle, dauerts eben leider manchmal wohl etwas länger ... )
 
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chiarina

chiarina

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Lieber Gefallener,

ich freue mich sehr über deine Idee eines Übezirkels! Ich glaube auch, dass der Rahmen des Forums, sei es per PN, sei es in einem besonders geschützten Rahmen für jeden Einzelnen die Möglichkeiten bietet, die er dazu braucht. Ich finde es toll, sich über Musik auszutauschen - das ist doch ein wesentlicher Grund, warum es dieses Forum gibt!

Ich möchte aber auf einige deiner Gedanken eingehen, die sowohl in deinen wie auch anderen Beiträgen immer wieder auftauchen. Ich habe das Bedürfnis, bestimmte Ansichten über ein vermeintliches "Profitum" richtig zu stellen - ich sehe das nämlich ganz anders.

Ich sehe es als große Herausforderung generell in der Musik, fachliche Hierarchie der menschlichen "" hintanzustellen.
Für mich ist das keine Herausforderung! Denn es gibt für mich keine Hierarchie! Wenn ich einen Schüler unterrichte, nehme ich ihn, egal ob 5 oder 85, in allen Belangen ernst. Genauso ernst wie mich. In fachlicher Hinsicht habe ich einen klaren Wissensvorsprung, deshalb kommt der Schüler ja zu mir. Der Unterricht ist aber nicht dazu da, diesen Wissensvorsprung zu demonstrieren, sondern ich LEHRE! Das bedeutet, dass ich den Schüler darin unterrichte, selbst den Dingen auf den Grund zu gehen, selbst nach und nach immer selbstständiger zu werden, selbst hören und musizieren zu können. Kein Lehrer, der etwas auf sich hält, unterrichtet zur Selbstdemonstration a la "schau, wie toll ich bin."! Hilfe zur Selbsthilfe, aufmerksame Beobachtung, empathische Reflexion, Aufforderung, Frage, gemeinsames Musizieren .... sind Elemente des Unterrichts. Kein Gockel, sondern Partner!

Als "nicht Profi" ist man in der luxuriösen Lage die Dinge unscholastisch zu sehen. Man kann vor dem Weihnachtsbaum stehen mit dem glauben an das Christkind. Ein so unfassbar unterschätzter Wert von Amateuren, die sich immer tendenziell entzaubern lassen wollen.

Glaubst du wirklich, Profis würden nicht mit glänzenden Augen, eher Ohren, stehen vor dem Wunder der Musik? Ich habe genau deshalb Musik studiert. Weil mich Musik schon immer tief berührt hat, so dass ich mehr über dieses Wunder lernen wollte.

Ich war mal bei einem wunderbaren Klavierabend von Alfred Brendel. Er hat so wunderschön Schubert gespielt, dass es mich umgehauen hat. Es war mir aber ein Rätsel, warum es so besonders klang, was er genau machte, um diese Stücke so klingen zu lassen. Ich wollte das gern lernen, merkte aber, dass mein Gehör nicht ausreichte, um das realisieren zu können.

Ich bin sehr dankbar, dass ich heute weiß, was er machte, dass ich es heute hören und realisieren kann. Das habe ich meinem Studium zu verdanken und meiner intensiven Beschäftigung mit Musik und dem Klavierspiel.

Dazu gehört IMMER, dass Hören, Fühlen, Spielen, Ratio, Emotion und Spiel zusammenwirken! Eine Trennung gibt es nicht bzw. sollte es nicht geben. Eine Analyse dient keinem Selbstzweck, sondern dem Eintauchen in die Tiefe und dem Erleben dessen, was dort zu finden ist. Wenn ein Anfänger staunend vor dem Weihnachtsbaum steht, sieht der Profi jede Kugel, jedes kleinste Wunderwerk, jeden noch so filigranen Schmuck. Er staunt immer noch, aber gleichzeitig erlebt er eine große Differenziertheit von - wieder bezogen auf die Musik - Klängen und Gefühlen.

Das ist das, was ich Schülern beibringen möchte. Jeder, der kommt, ist fasziniert von Musik. Er staunt bereits - deshalb möchte er mehr über Musik lernen. Meine Aufgabe ist es, ihn die Vielfalt von Musik erleben zu lassen. Meine Aufgabe ist es, musikalisch sowohl in die Breite als in die Tiefe zu gehen, den Schüler die pianistische Umsetzung zu lehren, mit allen Sinnen, mit Herz und Hirn Musik zu hören, zu fühlen, zu spielen.

Es mag sein, dass es Lehrer gibt, die Analyse zum Selbstzweck lehren. Ich habe jedenfalls stark den Eindruck, dass du schlechte Erfahrungen gemacht hast. Sie sind aber nicht zu verallgemeinern! Sonst würden Profis wie Brendel, Perahia, Sokolov, Trifonov und viele andere nicht so leidenschaftlich und mitreißend spielen! Und im Unterricht säßen Schüler und Lehrer wie Trauerklöße und zerfurchter Stirn ohne Leidenschaft, Lachen und dem was Musik ausmacht!
Klar kann es spannend sein wissenschaftlich basal die Herkunft des Christkinds zu verstehen, aber das finde ich weniger magisch. Magie ist kostbar.
Ja, Magie ist kostbar! Musik zu verstehen und zu erleben, verstärkt die Magie.
Deswegen auch hier: Lieber rede ich mit jemandem über "überraschende Wendungen" und "hattest du an der Stelle auch diese Gefühl", statt dass ich eine Fuge komplett durchseziere und totanalysiere.
Das schließt sich eben in keinster Weise aus!

Liebe Grüße

chiarina
 
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samea

samea

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Mitlesen würde ich auch gerne. Um mitzumachen kann ich einfach noch nicht genug.
 
 

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