Übeklaviatur

Marlene

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Hallo,

nehmen wir mal an jemand muss für eine Weile ins Krankenhaus und danach lange in die Reha und kann während dieser ganzen Zeit nicht Klavier spielen. Diese Person will aber zumindest Fingerübungen machen und Akkorde und Tonleitern und dergleichen üben.

Unter anderem von Liszt ist mir bekannt dass er eine stumme Reiseklaviatur hatte aber Google hat mir zu diesem Suchbegriff nichts geliefert. Es gibt auch Keyboards mit 49 Tasten und halbgewichteten Tasten aber ob das vom „Spielgefühl“ sinnvoll ist wage ich zu bezweifeln.

Hat jemand eine Idee für ein solches „Tasteninstrument“ und eine Person, der oben genanntes widerfährt, damit diese nicht ganz auf die Tasten verzichten muss?

Liebe Grüße
Marlene
 
hasenbein

hasenbein

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Auf gar keinen Fall stumme Tastatur!!

So etwas kann EVENTUELL hilfreich sein für Leute, die eine EXZELLENTE innere Klangvorstellung haben (ich finde, auch dann eigentlich nicht, aber egal...), aber auf keinen Fall für Einsteiger / Amateure!

Musizieren ist eine AUDIOmotorische Tätigkeit, das heißt, übers OHR wird geregelt, wie die Bewegungen genau ausgeführt werden.

Jedwedes Üben ohne einen das Ohr einbeziehenden Regelkreis ist schädlich und abzulehnen.

Die Vorstellung, es gäbe ein zusätzliches "mechanisches" Übegebiet, auf dem man sich mit "Tonleitern und Akkorden" beschäftigen kann und wo es auf Hören nicht so ankommt, ist gänzlich irrig.
 
Tastenjunkie

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Hallo Marlene!

Leider starb Liszt ganz kurz vor der Erfindung des Stagepianos, so dass er von dessen segensreicher Technik nicht mehr profitieren konnte. Die Entwicklung bei diesen "stummen Reiseklaviaturen" ist laut neusten Insider-Informationen mittlerweile sogar so weit, dass sogar Töne rauskommen, die man wahlweise über siebartige Öffnungen im Gehäuse der Reiseklaviatur oder über spezielle Ohrenschützer mit Kabel daran hören kann. Muss man aber nicht, es gibt auch Reiseklaviaturen, die keine Töne erzeugen, die heißen dann "Masterkeyboards". ;)

LG

TJ
 
Moderato

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... aber auf keinen Fall für Einsteiger / Amateure!...
Das ist wohl richtig. Aber mein KL hat als Klavierstudent an der Folkwangschule in Essen eine stumme klappbare Reisetastatur mit Wissen seines Professors als Übunginstrument benutzt. Er hat sie immer noch. Der Umfang ist wesentlich geringer, der sichtbare Tastenteil ist wie eine normalen Tastatur und das ganze Gehäuse aus Holz. In der Mitte ist ein Gelenk, zusammengeklappt ist das an einem Griff leicht zu transportieren wie ein schmaler Koffer. Aber die Tastatur hat keine echte Gewichtung. Man wird sie wohl auch nicht mehr bekommen können. Das ist was fürs Museum. Aber offensichtlich war sie früher für den professionellen Bereich nicht unüblich.
Hier sieht man eine ähnliche Lösung (nach unten scrollen)
 
hasenbein

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Ehrlich gesagt halte ich diese stummen Tastaturen lediglich für ein Placebo.

Pianisten haben ja typischerweise immer Angst, daß sie nicht genug geübt haben und daher entweder die Geläufigkeit nicht reicht oder sie das Stück nicht richtig drauf haben.

Pantomimt man auf einer stummen Tastatur, gibt man sich selber das beruhigende Gefühl, ja alles menschenmögliche zur professionellen Vorbereitung getan zu haben. Und schon hat man ein bißchen weniger Lampenfieber, schon spielt man gelassener, schon klappt alles besser.

Bei solch einem erfahrenen Spieler ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich ungünstige Gewohnheiten durch die stumme Tastatur einschleichen, gering, da er gut etablierte audiomotorische Regelkreise besitzt.
 
Rheinkultur

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Hierzu ein prominentes Zitat:
"Man hat sogenannte "stumme Claviaturen" erfunden; versuche sie eine Weile lang, um zu sehen, daß sie zu nichts taugen.
Von Stummen kann man nicht sprechen lernen."

Quelle? Robert Schumanns "Musikalische Haus- und Lebensregeln".
Ohne das Gehör als überprüfende Instanz ist kein sinnvolles Musizieren möglich.
Allerdings besitzen viele Kliniken und vergleichbare Einrichtungen sehr wohl Klaviere und/oder Flügel, zumal dort oftmals auch ein kulturelles Angebot existiert. Sinnvoller ist es also, sich nach Musiziermöglichkeiten vor Ort zu erkundigen. Selbst das Mitbringen eines mit Kopfhörer spielbaren Digitalpianos wäre einer "stummen Klaviatur" noch vorzuziehen.

In Krankenhäusern, Seniorenresidenzen und ähnlichen Institutionen kann man ganz unverhofft auch zum gemeinsamen Musizieren mit Bewohnern oder Gästen kommen. Vor einem ökumenischen Gottesdienst in einem Krankenhaus wurde ich mal von einer Patientin angesprochen, die eigentlich als professionelle Sängerin tätig war. Eine kurze Verständigung genügte - schon gab es zwei Alt-Arien aus Händels "Messias" zusätzlich im Ablauf eines Gottesdienstes, an den man sich heute noch gerne erinnert.

Wer nun meint, das motorische Üben auf einer stummen Tastatur könnte praktischen Nutzen nach sich ziehen, darf sich ebenfalls von Robert Schumann entgegnen lassen: "Aller Passagenkram ändert sich mit der Zeit; nur, wo die Fertigkeit höheren Zwecken dient, hat sie Werth".
Mit den "höheren Zwecken" dürfte nichts anderes als der musikalische Gehalt gemeint sein...!

LG von Rheinkultur
 
hasenbein

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Ohne das Gehör als überprüfende Instanz ist kein sinnvolles Musizieren möglich.
Ich korrigiere (wichtig!):

Ohne das Gehör (äußerlich / innerlich) als führende und Bewegung auslösende Instanz (zusammen mit der Emotion) ist kein sinnvolles Musizieren möglich.

Selbstverständlich hat das Gehör innerhalb des audiomotorischen Regelkreises auch überprüfende Funktion; es ist jedoch Eigenschaft schlechten Instrumentalunterrichts und schlechten Spiels, wenn das Gehör primär "überprüfend" tätig ist. Letzteres ist leider auch eine sehr verbreitete Klein-Fritzchen-Vorstellung.
 
Tastenjunkie

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...also, wenn ich so was bräuchte, würde ich das hier nehmen: Roland RD-64

So viel gute Tastatur und ordentlichen Digi-Klang bekommt man für so wenig Geld, so wenige Kilogramm und so kompakte Abmessungen meiner Meinung nach momentan nirgendwo anders. Es gibt sogar Rucksacktaschen dazu, die den Transport extrem einfach machen.

Man kann auch für mehr Geld eine Antiquität ersteigern, die ist dann aber wohl nur sehr bedingt brauchbar.
 
Rheinkultur

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Ich korrigiere (wichtig!):

Ohne das Gehör (äußerlich / innerlich) als führende und Bewegung auslösende Instanz (zusammen mit der Emotion) ist kein sinnvolles Musizieren möglich.

Selbstverständlich hat das Gehör innerhalb des audiomotorischen Regelkreises auch überprüfende Funktion; es ist jedoch Eigenschaft schlechten Instrumentalunterrichts und schlechten Spiels, wenn das Gehör primär "überprüfend" tätig ist. Letzteres ist leider auch eine sehr verbreitete Klein-Fritzchen-Vorstellung.
Das trifft natürlich zu. Selbstverständlich genügt es nicht, auditiv musikalische Fehlleistungen aufzuspüren - es geht darum, aus dem gehörsmäßig Wahrgenommenen die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und diese auf das Instrument zu übertragen. Das Gehör übernimmt also nicht die Funktion eines passiven Beobachters, sondern eines aktiv Regelimpulse setzenden Korrektivs.
 

hasenbein

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Das trifft natürlich zu. Selbstverständlich genügt es nicht, auditiv musikalische Fehlleistungen aufzuspüren - es geht darum, aus dem gehörsmäßig Wahrgenommenen die richtigen Erkenntnisse zu gewinnen und diese auf das Instrument zu übertragen. Das Gehör übernimmt also nicht die Funktion eines passiven Beobachters, sondern eines aktiv Regelimpulse setzenden Korrektivs.
Ist richtig - aber so ausgedrückt sitzt das Gehör in Deiner Beschreibung immer noch "mittendrin" in der Ereigniskette bzw. im Ereigniskreis.

Das ist aber noch sehr unvollständig. Das Gehör muss auch ganz am Anfang der Ereigniskette stehen. Das heißt, Musizieren, das damit beginnt, daß eingeübte Bewegungen ausgeführt werden, und bei dem erst dann das Ohr aktiv wird und der Regelkreis startet, ist immer suboptimal!

Bewegung darf nie die Hauptsache sein, die durchs Gehör kontrolliert und geregelt wird, sondern das Gehör ist der "Chef", und die Bewegung ist eine notwendige, durchaus untergeordnete Funktion, ohne die die Realisation als tatsächliche Schallwelle ja nun mal nicht möglich ist.

"Korrektiv" finde ich in diesem Zusammenhang sehr unglücklich als Begriff, da das impliziert, daß wenig gelungene Klänge übers Ohr wahrgenommen werden und daraufhin korrigiert werden.

Da diese Klänge jedoch schon erklungen sind, ist das gar nicht mehr möglich! Das Ohr kann also niemals als "Korrektiv" wirken, sondern man kann nur mehr dahin gelangen, audiomotorisch zu spielen und dadurch weniger unerwünschte Klänge auftreten zu lassen.
 
Marlene

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[...]es gibt auch Reiseklaviaturen, die keine Töne erzeugen, die heißen dann "Masterkeyboards".
So etwas in der Art meine ich und die verfügen über „halb-gewichtete“ Tasten.

Je nachdem, was die Person darf und wo die Klinik ist, besteht vielleicht die Möglichkeit, ab und an beim örtlichen Klavierhändler zu spielen.
Es würde vermutlich für eine Weile nicht einmal die Fähigkeit vorhanden sein überhaupt zu sitzen.

Naja, 4,5 kg ist das Gewicht von 3 großen Wasserflaschen, wenn der Arm noch dran ist und Klavierspielen kann, wird das wohl schon zu tragen sein.
Es geht darum dass man das Ding auf die Oberschenkel nehmen müsste – bei halbliegender Position. Es müsste also handlich sein und um die 49 Tasten haben. So etwas gibt es unter der Bezeichnung Midi-Keyboard aber was ist mit „halb-gewichtet“ gemeint?

Suchergebnisse - Seite 1

Ist „halb-gewichtet“ ein Mittelding zwischen schwammigem Keyboard- und Klavieranschlag?
 
Rheinkultur

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"Korrektiv" finde ich in diesem Zusammenhang sehr unglücklich als Begriff, da das impliziert, daß wenig gelungene Klänge übers Ohr wahrgenommen werden und daraufhin korrigiert werden.

Da diese Klänge jedoch schon erklungen sind, ist das gar nicht mehr möglich! Das Ohr kann also niemals als "Korrektiv" wirken, sondern man kann nur mehr dahin gelangen, audiomotorisch zu spielen und dadurch weniger unerwünschte Klänge auftreten zu lassen.
Auflösen lässt sich diese Problematik mit der Unterscheidung zwischen einem "äußeren" und einem "inneren" Gehör: Das "äußere" ist auf das Erfolgen eines Klangereignisses angewiesen - was noch nicht stattgefunden hat, ist auch noch nicht zu hören. Das "innere" Gehör verbindet sich hingegen mit der Klangvorstellung, die zunächst stimmig sein muss, bevor der eigentliche Schall vom Instrument erst zu vernehmen ist. Im Einstudierungsvorgang und beim Arbeitsprozess selbst übernimmt das Gehör aber auch schon mal korrigierende Funktionen: Klanglich Unausgereiftes und Unstimmiges ist bei der fortgesetzten Studienarbeit am Werk aufzuspüren und zu eliminieren.

Das Gehör muss auch ganz am Anfang der Ereigniskette stehen. Das heißt, Musizieren, das damit beginnt, daß eingeübte Bewegungen ausgeführt werden, und bei dem erst dann das Ohr aktiv wird und der Regelkreis startet, ist immer suboptimal!
Völlig zutreffend - das Gehör ist selbstverständlich vor dem ersten und bei allen folgenden Arbeitsschritten ständig aktiv. Sich verselbständigende motorische Abläufe ohne das vorab aktive Gehör machen künstlerisch keinen Sinn. Aber genau dieses Szenario droht ja beim Einsatz einer stummen Klaviatur. Wenn es anders wäre, könnte man im Studiobetrieb eine Menge Geld sparen hinsichtlich hochwertiger Monitorboxen für die beteiligten Musiker: Wenn das Sich-selbst-hören keine allzu wichtige Rolle spielte, könnte man die Aufwendungen für das technische Equipment stattlich reduzieren. Es würde sich dann allerdings schnell herausstellen, dass das ein Sparen am falschen Ende wäre...!
 
Tastenjunkie

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Ist „halb-gewichtet“ ein Mittelding zwischen schwammigem Keyboard- und Klavieranschlag?
„halb-gewichtet“ ein Mittelding zwischen super-schwammigem Keyboard-Anschlag und dem Anschlag von besseren Digitalpianos, der immer noch schwammiger ist als der Klavieranschlag. Also: "halb-super-schwammig"

Willst Du auf Safari gehen und im Zeltlager dann Fingersätze üben, oder was? Das halte ich ehrlich gesagt für ziemlich sinnfrei. Eine schlechte Klaviatur auf den Oberschenkeln... Da hast Du falsche Haltung, verkrampfte Haltung und schlechte Tastatur zusammen. Toll! Wenn Du Dir für die Zeit einfach Noten mitnimmst und eine Stimmgabel, und Dir die Noten innerlich oder laut vom Blatt vorsingst, und/oder ein gutes Theoriebuch durchackerst ist die Zeit wahrscheinlich besser investiert. Ein Tastaturbild in Orginalgröße, um Dir Griffe, Melodien, und Intervalle besser vorstellen zu können, kannst Du Dir als Ergänzung selbst basteln.

Ich kann dein Bedürfnis nachvollziehen. Man will am Klavier dranbleiben und sich so fühlen, als würde man weiter machen auch unter den unmöglichsten Bedingungen. Aber irgendwann wirds dann auch albern.... Ich habe mal auf einer mehrwöchigen Reise jeden Abend 10 Minuten auf der virtuellen Ipad-Tastatur Bassläufe für die linke Hand geübt. Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, aber als ich danach wieder zuhause am Klavier saß war mir innerhalb von Sekunden klar, dass es NICHTS gebracht hat (außer eben dem guten Gefühl).

LG

TJ
 
hasenbein

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Vor allem wird aus Marlenes Frage nach dem stummen Keyboard auch deutlich, daß es nicht um Spaß am Musikmachen geht, sondern daß eine Angst vorhanden ist: "Wenn ich nicht während der Reha-Wochen weiterarbeite, dann vergesse ich alles / falle zurück, und nach der Reha ist dann irgendwie alles weg und macht keinen Spaß mehr."

Irgendwie also so ein Mix aus deutschem Arbeits-Protestantismus und der typischen albernen Angst Älterer, sie seien eigentlich schon zu alt und daher sei das Lernen nur mühsam möglich.

Dabei ist das Lernen nur deswegen mühsam, weil ihnen genau diese Einstellungen im Wege stehen!

Wer nicht diese Einstellungen hat, geht nach der Reha erstmal ans Klavier, muß kurz "reinkommen", und hat dann einfach Spaß, daß er wieder spielen kann, wodurch das vor der Reha Gelernte umso schneller (und oft sogar besser als vorher!) wieder da ist.

Oder er sucht sich eine Möglichkeit, während der Reha mit Spaß zu musizieren, statt an irgendwas "zu arbeiten".

LG,
Hasenbein
 
Marlene

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Willst Du auf Safari gehen und im Zeltlager dann Fingersätze üben, oder was?
Ääähhhhm.... :shock::shock:

Wie war das noch:

nehmen wir mal an jemand muss für eine Weile ins Krankenhaus und danach lange in die Reha und kann während dieser ganzen Zeit nicht Klavier spielen.

Vor allem wird aus Marlenes Frage nach dem stummen Keyboard auch deutlich, daß es nicht um Spaß am Musikmachen geht, sondern daß eine Angst vorhanden ist: "Wenn ich nicht während der Reha-Wochen weiterarbeite, dann vergesse ich alles / falle zurück, und nach der Reha ist dann irgendwie alles weg und macht keinen Spaß mehr."
Richtig, diese Angst ist vorhanden aber ich habe mich unklar ausgedrückt. Es soll etwas zu hören sein und das am liebsten per Kopfhörer.

Hasenbein, Du magst zwar ein guter KL sein (kann ich nicht nachprüfen) und Du hast vor einigen Tagen etwas sehr beeindruckendes von Dir zum Thema schlechte KL geschrieben, was ich nicht von Dir erwartet hätte. Aber teilweise habe ich das Gefühl, dass Du Dich nicht in Deine Mitmenschen hineinversetzen kannst und deren Handeln nur aufgrund Deiner Vorstellungen und Einstellung beurteilst. Nach der Devise: So ist das! So hat das zu sein! Peng! Aus!
 
Tastenjunkie

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Vor allem wird aus Marlenes Frage nach dem stummen Keyboard auch deutlich, daß es nicht um Spaß am Musikmachen geht, sondern daß eine Angst vorhanden ist: "Wenn ich nicht während der Reha-Wochen weiterarbeite, dann vergesse ich alles / falle zurück, und nach der Reha ist dann irgendwie alles weg und macht keinen Spaß mehr."

Irgendwie also so ein Mix aus deutschem Arbeits-Protestantismus und der typischen albernen Angst Älterer, sie seien eigentlich schon zu alt und daher sei das Lernen nur mühsam möglich.

Dabei ist das Lernen nur deswegen mühsam, weil ihnen genau diese Einstellungen im Wege stehen!

Wer nicht diese Einstellungen hat, geht nach der Reha erstmal ans Klavier, muß kurz "reinkommen", und hat dann einfach Spaß, daß er wieder spielen kann, wodurch das vor der Reha Gelernte umso schneller (und oft sogar besser als vorher!) wieder da ist.

Oder er sucht sich eine Möglichkeit, während der Reha mit Spaß zu musizieren, statt an irgendwas "zu arbeiten".

LG,
Hasenbein
Sehr schön !!!

Wenn's nicht gerade mehr als 3 Monate sind, dann gönn dir doch mal eine Pause, Du machst doch sonst genug am Klavier. Ich nutze solche Zwangspausen gerne dazu, mal bewußt aus dem Fleißiger-Amateur-Pianist-Hamsterrad rauszukommen. Bisher hat sich das im Nachhinein IMMER positiv ausgewirkt, man geht dann wieder frischer an die Sache ran, ist weniger übersättigt, nimmt klanglich Dinge wahr, die vorher von der täglichen Routine zugekleistert waren. Insgesamt: Lieber eine Pause, als krampfhaft weiterdaddeln.

Marlene, Du bist jetzt Künstlerin, und Künstler dürfen Kunstpausen machen ... ;-)

Mein Lehrer hat mir in ähnlichem Zusammenhang mal die Frage gestellt:
Sag mal, übst Du um besser zu werden oder um dein Gewissen zu beruhigen?
 
Wiemalte

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Sehr schön !!!

Wenn's nicht gerade mehr als 3 Monate sind, dann gönn dir doch mal eine Pause, Du machst doch sonst genug am Klavier. Ich nutze solche Zwangspausen gerne dazu, mal bewußt aus dem Fleißiger-Amateur-Pianist-Hamsterrad rauszukommen. Bisher hat sich das im Nachhinein IMMER positiv ausgewirkt, man geht dann wieder frischer an die Sache ran, ist weniger übersättigt, nimmt klanglich Dinge wahr, die vorher von der täglichen Routine zugekleistert waren. Insgesamt: Lieber eine Pause, als krampfhaft weiterdaddeln.

Marlene, Du bist jetzt Künstlerin, und Künstler dürfen Kunstpausen machen ... ;-)

Mein Lehrer hat mir in ähnlichem Zusammenhang mal die Frage gestellt:
Sag mal, übst Du um besser zu werden oder um dein Gewissen zu beruhigen?
War eigentlich Marlene selbst gemeint?
 
hasenbein

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Aber teilweise habe ich das Gefühl, dass Du Dich nicht in Deine Mitmenschen hineinversetzen kannst und deren Handeln nur aufgrund Deiner Vorstellungen und Einstellung beurteilst. Nach der Devise: So ist das! So hat das zu sein! Peng! Aus!
Wieso? Ich habe die Situation doch richtig analysiert. Deine Motivation, nach diesem Keyboard zu suchen, ist nicht, weil Du dann Spaß mit Musik haben willst, sondern eine Angst, aus der heraus Du (egal ob stumm oder mit Sound) an Langweiligem wie "Tonleitern und Akkorden" arbeiten willst, um nicht rauszukommen.

Daß ich so den Nagel auf den Kopf getroffen habe, löst in Dir Unbehagen aus; das bedeutet aber nicht, daß ich mich nicht in Dich hineinversetzen konnte! Dafür, daß wir uns nicht kennen, konnte ich mich sogar sehr gut in Dich hineinversetzen. (Habe übrigens einige erwachsene Schüler, die immer gerne zu mir kommen, und daher weiß ich gut, wie die typischerweise so drauf sind.)

Natürlich kannst Du es gerne anders machen, als ich vorschlage, wenn Du meinst, Du weißt es besser als ein erfahrener Klavierlehrer; aber dann musst Du auch mit den Konsequenzen leben.

LG,
Hasenbein
 
 

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