TransAcoustic von Yamaha

raffaello

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Ich habe den Artikel auch gestern Abend gelesen und mich gefragt, warum dann wohl das AvantGrand von Yamaha VIER Lautsprecher/Tonkanäle spendiert bekommt, wenn bereits EIN "Transducer" ausreicht, um bei der FAZ einen solchen Jubelsturm entfachen zu können. Vorgestellt wurde das TransAcoustic offenbar schon vor Monaten, z.B. hier: (EN) Yamaha's new TransAcoustic Technology - Yamaha Musikmesse 2013 - YouTube. Wenn die Leute einen solchen Kompromiss haben wollen, dann würde ich ihn an Stelle von Yamaha auch auf den Markt bringen. Am Ende geht es doch immer um die Quadratur des Kreises: es soll klingen wie ein Klavier, aber niemand darf es hören.

Besonders erheitert hat mich in dem Artikel übrigens den letzten Satz: "Die Technik hat das Potential, die Bühnen dieser Welt zu revolutionieren [...]". Vor meinem geistigen Auge wird da der über den Resonanzboden abgespielte Klavierton wieder mit Mikrofonen aufgenommen ;-)

Mein Verbesserungsvorschlag an Yamaha: jeder Saite einen eigenen Transducer spendieren. Am besten in Form eines Hammers!
 
xentis

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Ich finde das schon sehr interessant. Gerade wenn man in einer Wohnung Probleme mit den Nachbarn hat (kenn ich irgendwie :floet: ) und nicht mit Kopfhörern spielen will.

1000 Eur Aupreis zum Silent ist ja moderat. Nur schade, dass es scheinbar zunächst nur im U1 kommt und nicht in den Flügeln.
 
klaviermacher

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Bin ich auch gespannt wie das klingen soll...
Wie Fisch oder wie Fleisch :D

:floet:

LG
Michael
 
K

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Abgesehen davon, dass Yamaha nicht wie beschrieben das Silent-Klavier erfunden hat:
Wo liegt der Unterschied z.B. zu einem Kawai K5 ATX-f, das schon vor Jahren auf dem Markt kam?
 
raffaello

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Es gibt jedenfalls bereits Digitalpianos mit Resonanzboden. Bilder vom Innenleben des CA95 habe ich hier gefunden. Demnach arbeitet Kawai auch mit einem Transducer. Das Klangerlebnis sollte daher in die gleiche Richtung gehen. Obwohl bei einem echten Klavier dann möglicherweise doch Saitenresonanzen angeregt werden könnten, immerhin bewegen sich die Dämper ja auch im Silent-Betrieb mit :D
 
pille

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Ihr könnt mich gerne für verrückt erklären, aber ich finde auch, dass das eine gute Sache sein könnte. Interessant für jeden, der -aus welchen Gründen auch immer- gezwungen ist "leise" Klavier üben zu müssen. Klar könnte man auch die Stereoanlage dazu misbrauchen, aber so ist es halt einfacher und ich könnte mir sogar vorstellen, dass es besser nach "Instrument" klingt, wenn der ganze Resonanzboden schwingt.
Allerdings muss ich sagen, dass ich ebenfalls nicht verstehe, was der Unterschied zu der von KAWAI schon seit langem in den besseren DIGIS verbauten Technologie ist.

Cheers,

Wolf
 
xentis

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Ihr könnt mich gerne für verrückt erklären, aber ich finde auch, dass das eine gute Sache sein könnte. Interessant für jeden, der -aus welchen Gründen auch immer- gezwungen ist "leise" Klavier üben zu müssen. Klar könnte man auch die Stereoanlage dazu misbrauchen, aber so ist es halt einfacher und ich könnte mir sogar vorstellen, dass es besser nach "Instrument" klingt, wenn der ganze Resonanzboden schwingt.
Allerdings muss ich sagen, dass ich ebenfalls nicht verstehe, was der Unterschied zu der von KAWAI schon seit langem in den besseren DIGIS verbauten Technologie ist.

Cheers,

Wolf
Bei Kawai wird das anscheinend nur für die tiefen Resonanzen verwendet, der Rest kommt normal über Lautsprecher. Ich hab es so verstanden, dass es bei Yamaha dann keine Lautsprecher im Instrument gibt.
 

YamahaFan

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Naja, nachdem ich mir das YT Video so anhörte musste ich bissl schmunzeln. Vorallem auf die Frage der Zielgruppe musst ich Lachen. Aber am besten finde ich ja diesen Satz in dem Artikel:
"aber was, wenn man sein Klavier nicht ganz stumm schalten, sondern nur auf Zimmerlautstärke spielen will? Dann half nur der Anschluss externer Lautsprecher, was einen erheblichen Verkabelungsaufwand erfordert und im Wohnzimmer unschön aussieht.:confused:.

Sollten da lieber ein USB-Bluetooth Modul anpreisen womit ich den Sound Kabellos an einer HiFi Anlage anschliessen kann. Zumal ja noch ein Kabel vom Transducer auch weg geht. Sieht sicher sexy aus mitten underm Flügel das 2 m Stromkabel :floet:.

Um ehrlich zu sein, war einer meiner Hauptgründe warum ich mir vorerst mal ein Digi-zugelegt hatte auch das leise bzw. mit Kopfhörern spielen. Worüber ich mich im nachhinein selbst ohrfeigen könnte. :-x

Also mir oder meinen Nachbaren reicht völlig die Moderator Funktion.
Wem das noch immer zulaut ist hängt sich noch ne Lage Filz dazu.
 
pille

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Bei Kawai wird das anscheinend nur für die tiefen Resonanzen verwendet, der Rest kommt normal über Lautsprecher. Ich hab es so verstanden, dass es bei Yamaha dann keine Lautsprecher im Instrument gibt.
aber wie wird denn der Schall auf den Resonanzboden übertragen? einfach über einen schwingenden Spulenkern?? Wenn ich mich recht erinnere geschieht das bei KAWAI eben genau über Lautsprecher.
 
Jonathan

Jonathan

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Diese Idee an sich ist eigentlich genial, hat aber in der Umsetzung ein paar Nachteile:
Durch die große Fläche eines Resonanzbodens (im Vergleich zu einem Lautsprecher) ist der Resonanzboden eher für die Wiedergabe tiefer Töne geeignet, er hat eine tiefe Eigenresonanz.
Um dennoch hohe Töne klar hörbar zu machen, muss der Boden an einer anderen Stelle in Schwingung versetzt werden, an der er weniger Masse hat. Deshalb erstrecken sich die Stege ja über die gesamte Fläche.
Yamahas System regt den Boden aber nur an einer einzigen Stelle zum Schwingen an (vermutlich irgendwo in der Mitte). Ergebnis ist dann ein relativ dumpfer und unnatürlicher Klang.
Aus genau diesem Grund haben gute Hi-Fi-Anlagen verschieden große Lautsprecher, die jeweils einen passenden Frequenzbereich abdecken.

Neben dieser Sache gibt es noch was zu bedenken:
Der Resonanzboden ist aus Holz, welches im Laufe der Zeit arbeitet. Die Saitenanlage, Stege, Boden und Hämmer "gewöhnen" sich aneinander und und bilden einen mehr oder weniger homogenen Klangapparat.
Das "Schwingungsmodul" bleibt jedoch statisch und ist somit immer ein Störfaktor im eingespielten System.

Mal sehen, was daraus wird...
 
K

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Diese Idee an sich ist eigentlich genial, hat aber in der Umsetzung ein paar Nachteile:
Durch die große Fläche eines Resonanzbodens (im Vergleich zu einem Lautsprecher) ist der Resonanzboden eher für die Wiedergabe tiefer Töne geeignet, er hat eine tiefe Eigenresonanz.
Um dennoch hohe Töne klar hörbar zu machen, muss der Boden an einer anderen Stelle in Schwingung versetzt werden, an der er weniger Masse hat. Deshalb erstrecken sich die Stege ja über die gesamte Fläche.
Yamahas System regt den Boden aber nur an einer einzigen Stelle zum Schwingen an (vermutlich irgendwo in der Mitte). Ergebnis ist dann ein relativ dumpfer und unnatürlicher Klang.
Aus genau diesem Grund haben gute Hi-Fi-Anlagen verschieden große Lautsprecher, die jeweils einen passenden Frequenzbereich abdecken.

Neben dieser Sache gibt es noch was zu bedenken:
Der Resonanzboden ist aus Holz, welches im Laufe der Zeit arbeitet. Die Saitenanlage, Stege, Boden und Hämmer "gewöhnen" sich aneinander und und bilden einen mehr oder weniger homogenen Klangapparat.
Das "Schwingungsmodul" bleibt jedoch statisch und ist somit immer ein Störfaktor im eingespielten System.

Mal sehen, was daraus wird...
Ist ja sehr interessant daß du jetzt schon weißt daß das dumpf klingt, ohne jemals eines gehört zu haben...
 
agraffentoni

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Bei Kawai wird das anscheinend nur für die tiefen Resonanzen verwendet, der Rest kommt normal über Lautsprecher. Ich hab es so verstanden, dass es bei Yamaha dann keine Lautsprecher im Instrument gibt.
ich hab in Stuttgart in den 90ern von Schimmel so etwas ähnliches gesehen. Es sollte wohl als Ergänzung zur Stereoanlage gedacht sein.
Da waren, wenn ich mich recht erinnere 'Erreger' für die tieferen Frequenzen am Flügel-Resonanzboden montiert, die hohen Frequenzen wurden durch normale Hochtöner abgestrahlt.
Der Geschäftsinhaber berichtete, daß der ehem. Chef von Lipp ihm berichtete, daß das ein alter Hut sei, weil in den 50ern oder früher schon ausprobiert...

Grüße

Toni
 
Jonathan

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Doch, ich habe es schon gehört und zwar in dem verlinkten Video. Und es liegt nicht am Mikrofon...
Der akustische Flügelklang wird nämlich ganz gut wiedergegeben, dagegen klingt es beim Cembalosound vom "Erreger" relativ dumpf.
Der "Cembalosound" über den Resonanzboden vom Flügel ausgegeben wird sicher einer der Hauptgründe sein, sich dieses Instrument zuzulegen....:cool:
 
J

jensen1

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Doch, ich habe es schon gehört und zwar in dem verlinkten Video. Und es liegt nicht am Mikrofon...
Die Aussagekraft des Videos ist nicht gegeben. Durch geschickte oder missliche Mikrofonpositionierung ist alles möglich, von dumpfem bis zu hellem Klang.

Generell ist auch die These falsch, dass es dumpf klingen muss, weil der Resonanzboden eine zu tiefe Eigenfrequenz hat. Es ist möglich, dass Signal so zu entzerren, bevor man es auf den Transducer gibt, dass es am Ende richtig klingt. Wenn der Resonanzboden also beispielsweise tatsächlich zu wenig Höhen wieder geben sollte, so könnte man ein Filter konstruieren, was die Höhen gezielt anhebt. Bei der Konstruktion von Lautsprechern macht man es beispielsweise auch so, um Wiedergabefehler auszugleichen, oder den Übertragunsbereich zu vergrößern.

Generell finde ich die Idee mit dem Transducer sehr gut und es könnte im Bereich der besseren Digitalpianos zu einer echten Verbesserung führen, weil m.E. insbesondere die Wiedergabe mit Stereo-Lautsprechern nicht annähernd dem entspricht, was ein Klavier klanglich in den Raum projiziert.

Das Schimmel-System hatte ich mir seinerzeit in den neunziger Jahren auch mal angehört, aber es hatte mich nicht überzeugt. Es war nicht klanglich neutral und die Aussage war, dass es für bestimmte Musikinstrumente besser geeignet sei, als für andere. Hier sehe ich aber dann doch einen gut konstruierten, linear klingenden Lautsprecher als überlegen an. Der Resonanzboden im Klavier wirkt mit seinen Eigenschaften klangfärbend, was ja im Klavier als Teil der Klangentstehung beabsichtigt ist. Im Gegensatz dazu sollte bei der Musikwiedergabe der Lautsprecher jedoch klanglich neutral sein, um das wiederzugeben, was tatsächlich in der Aufnahme ist. Betreibt man einen hohen Aufwand, z.B. mit aktiven Lautsprechern und entsprechenden Filtern, so kann man den Lautsprechern ihre systembedingten Fehler weitestgehend austreiben, so dass sie dann wirklich relativ neutral klingen.
 
Tastenjunkie

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...es wird sicherlich Einzelne geben, für die Transacoustic die Antwort auf alle offenen Fragen (bzgl. der Lärmvermeidung beim Klavierspielen ist). Die Zielgruppe ist ja sehr genau umschrieben: Es sind die tausenden von Pianisten, die ungern über Kopfhöhrer und ungern bei (unrealistischer) Zimmerlautstärke über die Stereoanlage spielen. Jetzt können sie endlich ohne Lautsprecher bei direkt vom Resonanzboden kommender und deshalb total natürlicher (aber immer noch unrealistischer) Zimmerlautstärke spielen. Also total undigital, quasi Natur pur am Klavier und der Nachbar kann nicht meckern. Und das für läppische 1000 Euro mehr... ein Traum!

Und: Wenn man in einer Soul/Blues/Fusion-Band außer Klavier auch gerne mal Rhodes oder Clavinet spielt, dann kann man sich künftig dank Yamahas Innovationskraft das teure Geld für PA und/oder Keyboardverstärker auf der Bühne oder im Proberaum sparen. Einfach einen C3-XTA-Flügel hinstellen und, Alter,... wass'n Sound, wasse Brett...!!! (vorausgesetzt der kleine Transducer schaft mehr als Zimmerlautstärke)

Also ich glaube nicht, dass Transacoustic das nächste große Hybrid-Piano-Ding wird. Aber man muss Yamaha lassen, dass sie es (im Gegensatz zu anderen Herstellern, wie wir aus einem anderen Faden wissen) wesentlich besser verstehen ihre vermeintlichen Neuentwicklungen und Innovationen im großen Stil zu hypen.

Silent find ich gut, bzw. nützlich und brauchbar. Das gibts jetzt seit 15 Jahren (oder so) und es ist immer noch gängig. Kürzlich war ich auf einem großen Rock-Konzert, wo der Gitarrist und Sänger gelegentlich auch am Flügel saß. Der Flügel kam dann immer aus dem Bühnenboden hochgefahren, war aufgeklappt, Mikros und Kabel waren aber nicht zu sehen. Es war ein Kawai-Flügel mit Silent-Kästchen dran. Kabel rein ab ins Mischpult, fertig! Die Klavier-Klangqualität ist bei Rock-Piano eh ein bisschen sekundär, aber für die Optik muss eben ein Flügel dastehen. Ein liebevoll intonierter Bösi oder S&S oder Yamaha CF auf der Bühne wäre da aber eh verlorene Liebesmüh.

Bin gespannt ob in 15 Jahren noch von Transacoustic gesprochen wird.
 
 

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