Tafelklavier restaurieren

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lenozzedifigaro

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Ein Hallo an alle,

ich bin bald stolzer Besitzer drei historischer Tafelklaviere um 1790. Ich habe vor ein paar Jahren bereits eine Ausbildung zum Klavierbauer angefangen, diese jedoch aufgrund meines beginnenden Studiums wieder abgebrochen (Ich habe weiterhin jedoch ein gutes Verhältnis zu meinem egemaligen Meister).
Leider haben wir in der Zeit, die ich in der Ausbildung verbracht habe, nie über historische Instrumente gesprochen, weswegen ich mein Wissen in diesem Bereich eher als rudimentär bezeichnen würde.
Bevor ich mich nun in die Restauration stürze und mehr kaputt mache, als ich gut mache, würde ich mich über anregende Literatur sehr freuen !

Wer kann mir hier Literatur, die eine Art "Restaurationsleitfaden" darstellt, empfehlen.

Weiter wäre ich sehr dankbar, wenn mir jemand "gute" Ersatzteilshops verraten kann.

Vielen Dank im Voraus !


Maxime
 
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Styx

Guest

eher negativ - diese Köpfe haben zumeist noch eine so völlig andere Größe als jene aus dem 19. und 20. Jahrh. Ich wage sogar zu bezweifeln daß Abel solche HK noch befilzt und beledert - auch hier sollte man sich selbst der Kunst widmen. Einzig Flachkopfwirbel sind noch bei Baumgärtel beziehbar, eben so wie historischer Saitendraht. Ob diese Teile dann allerdings wirklich dem Original entsprechen, sei dahingestellt, verschiedene Hersteller hatten auch alle so ihre eigenen Legierungen, die Wirbel waren zudem meist handgeschmiedet.
Mit dem selber schnitzen ist es auch nicht so ohne weiteres getan, ich kann ned einfach aus einem Stück Lindenholz irgendwas zurecht schnitzen - hier sind umfangreiche Materialkenntnisse gefragt, welche über den Beruf des Klavier/Cembalobauers hinaus gehen (sofern man es originalgetreu wieder herstellen will), da begegnen einem mitunter Holzarten, die gibt es garned :D

Viele Grüße

Styx
 
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lenozzedifigaro

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Hallo,
also mir ist klar, dass man die Ersatzteile nicht einfach von der Stange kaufen kann ! Aber evtl. gibt es, berühmten Klavierbauern nachempfundene "Roh"-ersatzteile.

Aber ich werde mich damit wohl begnüge müssen zu "Basteln".
Nun bleibt nur noch die Frage nach der Literatur offen!

Danke schoneinmal im Vorraus !
 
klaviermacher

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eher negativ - diese Köpfe haben zumeist noch eine so völlig andere Größe als jene aus dem 19. und 20. Jahrh. Ich wage sogar zu bezweifeln daß Abel solche HK noch befilzt und beledert - auch hier sollte man sich selbst der Kunst widmen. Einzig Flachkopfwirbel sind noch bei Baumgärtel beziehbar, eben so wie historischer Saitendraht. Ob diese Teile dann allerdings wirklich dem Original entsprechen, sei dahingestellt, verschiedene Hersteller hatten auch alle so ihre eigenen Legierungen, die Wirbel waren zudem meist handgeschmiedet.
Mit dem selber schnitzen ist es auch nicht so ohne weiteres getan, ich kann ned einfach aus einem Stück Lindenholz irgendwas zurecht schnitzen - hier sind umfangreiche Materialkenntnisse gefragt, welche über den Beruf des Klavier/Cembalobauers hinaus gehen (sofern man es originalgetreu wieder herstellen will), da begegnen einem mitunter Holzarten, die gibt es garned :D

Viele Grüße

Styx
Hallo Styx und Maxime,

Abel Abel Pianoparts - Flügel- und Pianohammerköpfe befilzt tatsächlich historische Hammerköpfe, auch die von Tafelklavieren. Noch spezialisierter ist nur DESFOUGERES - Regarnissage de marteaux pour pianos - Marteau Piano ERARD, PLEYEL , pianos anciens.
Für die Besaitung empfehle ich Pianos Stephen Paulello | Piano Technologies Er hat ganz weichen Saitendraht auch zur Auswahl - je nachdem was die Konstruktion des Instruments erfordert.

Heikler wird es bei Mechanikteilen.. Die muss man wirklich selbst schnitzen. :-)

LG
Michael
 
klavierrestaurator

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michi hat recht... pianoersatzteileshop für solche instrumente findest du in 2 geschickten händen. wissen kannst du zum teil aus den büchern (es gibt ein tolles buch über tafelklaviere und sonstige bücher über hammerflügel; ich müsste die titel und autoren suchen...) und noch besser aus den erfahrenen meistern pumpen... dabei braucht man auch viel geduld, zeit und man muss über die probleme meditieren... das sagt mein meister... und es bringt einen wirklich weiter. :) und wir helfen dir auch! so weit es geht...

übrigens: herzlichen glückwünsch für die instrumente!

lg
emmanuel
 
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lenozzedifigaro

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Soo,
nun habe ich vom alten Beitzer doch nur zwei Tafelklaviere gekauft (das dritte war zu zerstört):

- Christian Baumann (1778 )
- Johannes Pohlmann (1780)

Leider ist das Baumannsche Klavier sehr in Mitleidenschaft gezogen worden: Der Korpus ist Wurmstichig und verzogen, der Resonanzboden hat böse Risse und ist im Baßbereich nach unten gedrückt, die Stimmwirbel haben absolut keinen Sitz mehr.

Das Pohlmannsche Tafelklavier ist davon verschont worden. Hier ist lediglich der Boden im Stegbereich niedergrdrückt und gesprungen.

Nun habe ich noch einige Fragen:
- Wie löst man den Steg, ohne dass man ihn zerstören muss? Wurden die Stege damals auch schon verschraubt, oder nur verleimt?!
- Ich habe den Namen des Werkzeuges zum Ausspänen vergessen. Wir haben uns damals in der Werkstatt ein solches Messer selbst angefertigt. kann man soetwas mittlerweile kaufen ?!
- Welche trickt ratet ihr zum entleimen solcher Instrumente ?!
- Einen so "verbeulten" Resonanzboden habe ich noch nie gesehen. Wie richtet man so etwas ?!



Ich bedanke mich schoneinmal für eure Zuschriften !!

Viele Grüße

Maxime
 
klaviermacher

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Hallo Maxime,

Du willst Dir historische Tasteninstrumente ohne Fachkenntnisse reparieren?
Das Mindeste was ich Dir rate: Lese Dich in die Materie der Restaurierung ein...
Frage einen Museumsrestaurator!

LG
Michael
 
agraffentoni

agraffentoni

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lenozzedifigaro

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Ich wiess, dass ich das Verhältnis pflegen muss, dennoch hat er schon angekündigt, dass er in etlichen Fragen ebenfalls überfordert ist.
Da ich ihn nicht jeden Tag anrufen möchte dachte ich daran mal hier nachzufragen. Leider wurde mir noch keine Literaturempfehlung gegeben. Ich bin am Montag 4 Wochen krank geschrieben und könnte lesen ohne Ende. Kontakt zu Restauratoren kann ich ebenfalls herstellen (die Instrumente stammen aus der Sammlung Beurmann und ich habe durch meinen ehemaligen Klavierprof Kontakt zu Michael Günther).

Aber danke für eure Mithilfe. Habt ihr Literatur zur Restauration von alten Instrumenten (auch betreffend Material und Co)
 
verdi1813

verdi1813

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Wo kommst Du denn her? In Nuernberg gibts gute Adressen!
 

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lenozzedifigaro

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Ich bin in Ludwigshafen ! Ich werde auch mal bei Neupert anfragen, habe aber schon Angst vor den Kosten zur Begradidung des Instruments !! (Ich bin mir darüber aber im Klaren .. so naiv bin ich nicht ! )
Oder habt ihr noch Geheimtipps ?!
 
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klavierrestaurator

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neupert? ich dachte du willst was historisches und gutes haben... o.O

wenn sie nicht so verzogen sind, dass sie saiten am resoboden scheppern oder die mechanik nicht geht, solltest du sie so lassen wie sie sind... auch wenn du sie begradigst, werden sie sich im kürze wieder verfen...

lg
emm
 
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lenozzedifigaro

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So,
ich habe mir nun Literatur besorgt, diese sollte dann in den nächsten Tagen eintreffen.
Nun bin ich jedoch wieder bei meinen Eltern - hier steht das Pohlmansche Klavier - und habe mir den passenden Stoff (Laut Stofffachmann ein Walkstoff besorgt (in fast dem selben Grünton).
Nun bin ich dabei, den Stoff einzupassen. Da der alte Stoff völlig kaputt war konnte ich kein Maß für den Tastentiefgang abnehmen. Wie groß ist der denn bei den alten Instrumenten ?! Kann man das pauschalisieren ?!
Alle Daten zu meinem Instrument findet ihr im Buch „Das Buch vom Klavier“ von Andreas Beurmann ab S. 48. (Falls ihr dieses tolle Buch besitzt).

Danke !!!
 
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