Steinway B, Seriennummer 60103 (1887)

Danke für deine interessanten Gedanken. Ich verwende ethyl2 cyanacrylat oft, ist eigentlich eher ein 60 Sekunde Kleber. Das gute ist, dass man nach dem Zusammenpressen noch korrigieren kann. Wie das bei Stegstiften geht? Ich nehme da auch Epoxi, aber danach kriegst du die Stifte nie wider raus.
Mal eine andere Idee: du könntest ja auch gewöhnlichen Holzleim reinkippen. Stift raus Holzleim rein Stift rein. Der ist zwar weich, in der Praxis könnte er aber eben deshalb durchaus die Nebengeräusch blockieren...Ich denke er würde einen Film zwischen Metall und Holz bilden und so klirren verhindern. Theoretisch bindet er damit einen Teil der Klangenergie, aber dieser Effekt ist verschwindend gering. diese Massnahme könnte man jedenfalls rückgängig machen. Hat das jemand mal probiert?
 
Dürfte nicht zielführend sein.

Man macht hard caps, eben WEIL sie hart sind...

Aber Stifte mit irgendeiner weichen Leimpampe kleben zu wollen, das mag die Stifte kleben und vorm Herausfallen sichern.

Nur, wenn es dann tatsaftig federt, wo soll die Klangübertragung sein? Leim, der duktil bleibt, der eine Viskosität eta oder nue hat...., ist immer ein dämpfendes Element.
Das vernichtet, dämpft Vibrationen und setzt sie in Wärme um.
Sowas ist Im Klavier weitenteils unerwünscht.
 
Nur, wenn es dann tatsaftig federt, wo soll die Klangübertragung sein? Leim, der duktil bleibt, der eine Viskosität eta oder nue hat...., ist immer ein dämpfendes Element.
Das vernichtet, dämpft Vibrationen und setzt sie in Wärme um.
Sowas ist Im Klavier weitenteils unerwünscht.

Ich fürchte, da stimme ich mit Dir überein, das scheint mir keine saubere Lösung zu sein; ich sehe nicht, wie Stift und Steg sich da verhärtend fixieren können. Nun, ich höre auf Expertenrat, aber die Experten, die ich bisher traf, konnten durchaus Lösungen akzeptieren, die sie selbst nicht auf dem Radar hatten. Ich werde Frederik einfach die Tube Sekundenkleber zeigen, ihm den Hintergrund erklären, wo ich das herhabe, und dann höre ich mir an, ob, und wenn ja, warum er das Scheiße findet. Und wenn nicht, dann machen wir das einfach, weil es nichts zerstört, außer potentiell einen Stegstift, den man mit Gewalt entfernen muß.
 
Es gab in einem anderen Thread die Frage nach dem Knacken, Agraffen, Protec und ob's nicht doch die Wirbel sind.

Ich habe das mal dokumentiert, damit die Frage dann doch recht eindeutig beantwortet ist, auch wenn ich jetzt gelernt habe, dass meine Stimmer nicht die besten sind. Hier eine kurze Stimmsequenz eines Tons, nachdem der Flügel 5 Jahre nicht gespielt und gestimmt wurde:

https://drive.google.com/open?id=16t9l5J_VLg64AdKbBbFi2po0V-QD8vCH
https://drive.google.com/open?id=1bZGSLvUCzMIX2Z7pjbPHYzcsSRMXQAff

Interessanterweise gab es für diesen Bereich des Flügel, also mit umsponnenen Saiten, den Hinweis, dass Protec nicht das geeignete Mittel sei. Es könne "kriechen" und dann in die Umspinnung gelangen, woraufhin die Saite anfangen würde zu scheppern.

Offenbar gibt es aber Alternativen, die eben dieses Kriechen verhindern und der nächste Stimmer, der das Instrument dann zum ersten Mal richtig durchgestimmt hat, nahm das Schmiermittel auch bei den umsponnenen Saiten. Wobei, die von ihm verwendeten Menge sah eh nach so wenig aus, dass sowieso nichts nichts bis zur Umspinnung gelangen könnte. Bis heute scheppert im Baß auch nix.
 
Kann leider inhaltlich gar nichts beitragen, finde diesen Faden aber sehr spannend zu lesen und hatte das Bedürfnis, das mitzuteilen :011::super:. Danke fürs Teilen dieser Doku!

Liebe Grüße und noch viel Freude mit der "Dauerleihgabe", sie ist sichtlich bei Dir in besten Händen.
Gernot
 
Nach der Heizperiode, einigermaßen heftigem Üben und erheblichen Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit, war es an der Zeit, den Flügel mal wieder stimmen zu lassen. Es hat mir schon immer in den Fingern gekribbelt, selbst Hand anzulegen und habe mit einem schlechten Stimmhammer auch früher schon ein paar abgerutschte Töne versucht zu zu bändigen. Der Stimmhammer war allerdings überhaupt nicht für das Instrument geeignet und wackelt mehr als er saß, weswegen ich eher Angst um die Wirbel hatte.

Also habe ich tief in mich hineingehorcht und noch tiefer in den Geldbeutel gegriffen und mir dieses Teil geleistet:

Stimmhammer1.jpg

Und nachdem ich in den letzten Wochen ein wenig mit einer Android App namens "Smart Piano Tuner" herumgespielt und den entsprechenden Thread des Entwicklers im pianoworld-Forum gelesen habe, (http://forum.pianoworld.com/ubbthreads.php/topics/2733539/1.html) habe ich das Teil mal in Betrieb genommen, um überhaupt einmal zu sehen, wie sich der Flügel in der App abbildet.

SmartPianoTuner1.jpg


Und da es nach dem Nachziehen nicht komplett kaputt klang, bin ich mutig geworden und habe vor zwei Tagen das gesamte Instrument komplett neu gestimmt und es dabei auch von 439,1 auf 440Hz gezogen.


Die Chöre/Unisons habe ich ausschließlich nach Gehör gestimmt und denke, dass die Stimmung auch einigermaßen stabil ist. Es ist auf jeden Fall zu hören, dass vereinzelte Töne nicht ganz sauber sind, aber das sind eher einzelne Saiten (mittlerweile 40 Jahre alt, Agraffen 130 Jahre alt), die auch einzeln nicht mehr sauber klingen und dementsprechend als Chor ebenfalls nicht komplett sauber hinzubekommen sind.

Und mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden, erstaunlicherweise. Hier die dazugehörige Hörprobe mit Brahms Op.118 No.2. Wie man hört, habe ich auch in Sachen Aufnahmetechnik etwas dazugelernt.

https://drive.google.com/open?id=1ozX388jxik8QGqM6w0Xz_6_o_PW8YdFG

So oder so, nach etwas über 2 Stunden ward es vollbracht. Im Juni kommt dann trotzdem mein Lieblingstechniker wieder und wird dann auch einiges zu intonieren haben.
 
Sehr schön gespielt, der Brahms wird leider oft zu langsam gespielt, aber so ist es sehr schön. Die Stimmung klingt gut. Ich würde den Flügel aber möglichst nicht komplett hoch und runter stimmen. +/- 1 Herz sind normale Schwankungen durchs Jahr. Vielleicht kann man durch das auf Chor schleifen der Hämmer noch was rausholen?
 

Gerade wollte ich mir die App anschauen und siehe da, die ist schon auf meinem Smartphone. Weiß gar nicht wann ich die wofür installiert habe. :-D
 
Sehr schön gespielt, der Brahms wird leider oft zu langsam gespielt, aber so ist es sehr schön. Die Stimmung klingt gut. Ich würde den Flügel aber möglichst nicht komplett hoch und runter stimmen. +/- 1 Herz sind normale Schwankungen durchs Jahr. Vielleicht kann man durch das auf Chor schleifen der Hämmer noch was rausholen?

Danke für die Blumen.

Das Ziehen auf 440 hatte einzig den Grund, dass die Stimmung wirklich vollständig von mir gemacht wurde, es also kein Nachstimmen einzelner Töne sein sollte.

Die Hammerköpfe sind vor ziemlich genau einem Jahr perfekt auf Chor angepasst worden und sind auch nicht sonderlich abgespielt. Wie gesagt, im Juni kommt noch einmal der Techniker und dann wird das kontrolliert und auch einige Töne nachintoniert.
 
Mal wieder ein Update, das dann doch etwas umfangreicher ist. Nachdem ich den Flügel doch einigermaßen brauchbar selbst stimmen kann, habe ich den Termin mit dem Techniker auf jetzt verschoben und dabei sind 2 Sachen klar im Fokus:

  • Alles mögliche zu probieren, den einen ekligen kaputten Ton zu fixen
  • Das Instrument endlich einmal komplett durchzuintonieren, nachdem es nun richtig eingepielt ist
Während ich hier sitze, höre ich im Hintergrund, wie der Flügel durch das Intonieren verändert wird und in einer Stunde werde ich dann mal ein wenig spielen und dann besprechen, wie es mit dem Intonieren weitergeht, welche Möglichkeiten und Grenzen es gibt.

Davor stand noch eine Aktion, nämlich den einen kaputten Ton irgendwie zu reparieren und die Unreinheit wegzubekommen. Dazu haben wir schon mehrere Ansätze in den letzten Jahren verfolgt:

  • Einschlagen des vorderen Stegstiftes - bereits massive Verbesserung
  • leichtes Abdämpfen der betroffenen Saite mit einem Filzstückchen - noch besser
Aber Tatsache ist, dass der Ton immer noch unsauber einschwingt und mich einfach nervt. Also nächster Schritt: Auffüllen des Risses im Steg mit Epoxyharz.

Saite aushängen, Stegstift ziehen:

Saite Aushaengen.jpg

Anrühren:

Anrühren Epoxy.jpg

Applizieren:

Einbringen Epoxy.jpg

Reinigen:

Reinigen Steg.jpg

Fertig:

Epoxy gereinigt.jpg

Einen Tag aushärten lassen und dann die Saite wieder einhängen. Leider hat die Aktion nichts gebracht, dieser eine Ton ist immer noch unsauber beim Einschwingen, auch wenn ich das inzwischen vor allem meinem eigenen Hören zuschreibe und ein Außenstehender das wahrscheinlich nicht als so tragisch empfindet.
 
Wenn das gut gemacht ist mit dem Epoxy, dann ist das bombemfest und sollte eigentlich klanglich nicht auffällig sein. Vielleicht ist es jetzt wirklich nur deine Hörgewohnheit? Was sagt der Stimmer? Ansonsten hätte man bei der Aktion auch noch eine neue Saite einziehen können, vielleicht bringt das ja auch was.
 
Nachdem bisher alles fehlgeschlagen ist, noch einmal eine genaue Analyse des Problems hinter dem Steg. Es ist zu sehen, dass die Saitenführung auf dm Steg eine leicht andere, geradere Ausrichtung hat als der Rest drumherum. Und man sieht auch, dass die zweite Silie dadurch einen leicht anderen Abstand, wohl erzeugt durch eine leichte Abweichung beim Saitenanhangsstift nach links.

Ausrichtung.jpg

Dadurch ergibt sich, dass die linke äußere Saite des h direkt an der zweiten Silie anliegt. Um das als Grund für die Unreinheit auszuschließen, hat er von diesem Teil der Silie noch ein wenig Metall abgetragen:

Abfeilen.jpg
Zur Sicherheit natürlich die entsprechenden Dämpfer haerausgenommen:

Daempferraus.jpg


Zu guter Letzt noch Ersetzen der entsprechenden Saite:

 

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