Soll ich mit dem Orgel Spielen aufhören (am verzweifeln!!)?

Dieses Thema im Forum "Orgel-Forum" wurde erstellt von Blümchen, 17. Juli 2016.

Schlagworte:
?

Soll ich aufhören?

  1. Ja

    26,3%
  2. Nein

    73,7%
  1. Blümchen
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    Blümchen Guest

    Hallo ihr Lieben,

    ich spiele seit knapp 3 Jahren Orgel. Ich mache zur Zeit auf den zweijährigen C-Kurs, von dem ich ein Jahr schon vorüber ist. Davor habe ich 4 Jahre Klavier gespielt. Ich übe ca. 4 Stunden in der Woche...

    Ich stehe immer wieder im Zwiespalt, ob ich aufhören soll.
    Ich habe das Gefühl, dass ich einfach schlecht und unbegabt bin. Ich habe 4 x einen Werktagsgottesdienst begleitet (vierstimmig, ein Orgelwerk von Bach zur Kommunion und zum Auszug) und ansonsten hatte ich noch zwei Auftritte. Ist das wenig???
    Vor Gottesdiensten bin ich immer total aufgeregt und am zittern. Ich habe Angst, dass die Leute über mich reden, falls ich schlecht spiele (kam noch nicht vor... =D).
    Außerdem kann ich auch nicht gut harmonisieren (also eine einstimmige Melodie) und verstehe so Sachen wie Sechstakkord nicht.
    Dann hab ich auch immer das Gefühl, dass ich total lange brauche, um Literaturstücke spielen zu können.
    Zudem setzt mich meine sehr musikalische Verwandtschaft total unter Druck, die meinen, ich soll mehr Gottesdienste spielen, ich soll am Sonntag spielen, etc. Ich will sie nicht enttäuschen, in dem ich aufhöre. Ebenso wenig will ich den Pfarrer und meine Gemeinde enttäuschen.
    Mein Orgellehrer bringt mir auch nichts bei, der lässt mich halt die Stücke durchspielen, erklärt nichts, bespricht keine schwierigen Stellen, etc. Aber ansonsten ist der schon ganz nett. Meine Klavierlehrerin war viel besser... Ich kann aber nicht wechseln, weil es bei uns nur noch einen zweiten Orgellehrer gibt und der ist noch viiiiiiiel schlimmer....

    Ich gehe jetzt zwar immer üben, aber habe eigentlich keine Lust mehr und sehe auch keinen Sinn mehr im Üben. Eigentlich will ich will ich es aber können und fände es schon schön, wenn ich einmal in der Woche einen Gottesdienst begleiten könnte. Aber ich frage mich, ob ich das überhaupt jemals schaffe. Und dann denk ich mir wieder, ich habe es jetzt schon so weit geschafft, also schaff ich das auch. Und dann hab ich wieder so Gedanken, dass ich den C-Kurs noch fertig mach und dann aufhöre. Das Aufhören könnte ich dann damit begründen, das ich umziehe um mit dem Studieren anzufangen... Wenn ich das aber so machen würde könnte ich ja auch gleich aufhören und nicht noch mehr Zeit verschwenden.

    Was meint ihr? Was soll ich machen? Wie war es bei euch? Wie lange habt ihr gespielt, bis ihr regelmäßig einen Gottesdienst begleitet habt?

    Ich bin echt verzweifelt und ich grüble über diese Frage schon seit 4 Monaten, komm aber zu keinem Ergebnis.

    Danke fürs Durchlesen und für alle Antworten.

    Lg Blümchen
     
  2. LankaDivore
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    LankaDivore

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    Uff das ist eine ganz schwierige Frage, die außer dir selbst eigentlich niemand beantworten kann. Du musst für dich entscheiden, ob du das alles weitermachst oder nicht.

    Ich kann dir in einigen Punkten nachfühlen. Auch ich bin gerade in C-Ausbildung (habe allerdings die ersten Prüfungen schon hinter mir) und kenne das Gefühl, mich selbst unter Druck zu setzen sehr gut. (Dafür habe wir hier übrigens noch eine Spezialistin, die bezüglich der GD's genau die selben Probleme hat wie du. @devasya kann in diesem Thread glaube ich eine hervorragende Antwort verfassen).:-)

    Ich glaube du solltest dich nicht fragen "sind 4 GD's wenig?", sondern "habe ich die 4 GD's ordentlich gespielt?" Denn das ist es doch, was am Ende wichtig ist. Was bringt es dir jetzt, jeden Sonntag in der Kirche zu sitzen, wenn dundas eigentlich (noch) gar nicht willst und kannst? Du musst niemandem etwas beweisen.
    Dass am gerade am Anfang vor Gottesdiensten aufgeregt ist, ist komplett normal. Als ich das wrste mal da saß (und da musste ich wirklich nur einen einzigen Choral begleiten) habe ich ernsthaft überlegt, rückwärts vvonder Bank zu fallen und einen Ohnmachtsanfall vorzutäuschen. :-D Kein Witz! Daran gewöhnt man sich aber mit der Zeit. Aber auch später ist man vor jedem GD noch ein wenig aufgeregt, das muss auch so sein, sonst leiert man irgendwann nur noch seine Chorälchen runter, sackt das Geld ein und wartet auf den nächsten GD, den man verhauen kann. Das ist nicht wirklich sinnvoll.

    Auch das man nicht gleich harmonisieren oder einen Generalbass begleiten kann, ist völlig normal. Das sind alles Dinge, die du in der Ausbildung bzw. von deinem Lehrer lernst. Wo wir gerade beim Thema Lehrer sind: warum sprichst du nicht einfach mal mit ihm über den Unterricht? Du sagst, seine Methode sagt die nicht wirklich zu, dann versuch einfach mal, ganz vernünftig mit ihm darüber zu reden. Lässt er dich im Unterricht wirklich nur Stücke durchspielen oder sieht er das ganz anders? Ihr müsst irgendwie auf einen Nenner kommen, ansonsten hilft vielleicht doch nur ein Lehrerwechsel (was mitten im Kurs natürlich eher ungünstig ist). Was ist denn an dem anderen Lehrer so schlimm?

    Was heißt bei dir "lange zum Literaturspielen brauchen?" Wie lange in etwa? Dass man nicht alles sofort kann, ist normal. Und mit 4 Stunden Üben pro Woche, also etwa 30min pro Tag, lernt man nicht allzu schnell, das ist einfach so.
    Aus deinem Text lässt sich klar erkennen, dass du eigentlich keine Lust mehr hast, aber auch nicht aufhören willst. Das heißt, dass die ja doch was am Orgelspielen liegt. Willst du nur die anderen nicht enttäuschen oder auch dich selbst nicht? Nur für die anderen, brauchst du sir das nicht antun, dafür ist das zu viel Aufwand.
    Ich würde an deiner Stelle auch Abstand von der Aussage nehmen "das Aufhören könnte ich damit begründen, dass ich umziehe etc." Das sind Ausreden und zwar nicht nur für die anderen, sondern auch für dich selbst.

    Mir scheint irgendwie, du bräuchtest mal einen Motivationskick. Hast du Freunde, die die selben Interessen haben oder irgendwie anders die Gelegenheit, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen (wobei du da hier schon ganz richtig bist):-D? Vielleicht könnte es auch helfen, win paar GD's zu begleiten, einfach um Routine und Sicherheit und zu bekommen und sich .damit vielleicht zu motivieren.

    All in all: die Entscheidung ist ganz klar schwierig, aber die meisten Fragen kannst nur du selbst beantworten. Du musst einfach offen und ehrlich zu dir selbst sein und dich wirklich mal fragen "was will ich eigentlich?" Dann wird die Antwort irgendwann ganz von selbst kommen. Und wie gesagt: ich glaube ein Lehrerwechsel, eine Veränderung des Unterrichtsklimas und irgendeine Art von Motivationsschub könnte bei dir Wunder wirken.:-)

    LG
    Lanka

    Entschuldigt die Tippfehler, aber ich werde um 00:12 nichtmehr anfangen, irgendwas zu korrigieren. Morgen.....vielleicht :-D)

    Ach Mist, du bist katholisch. Ersetz das "GD" einfach durch Messe.

    Na super, ich wollte eigentlich um 12 ins Bett und da bin ich in diesem Thema reingestolpert, ist ja erst halb eins:müde:
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2016
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  3. dussek
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    dussek

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    Gleich mal vorweg: Ich spiele schon seit 30 Jahren Orgel und mehr als 400 Messen und Kasualien im Jahr, und trotzdem .... ist meine sensible Künstlerseele bei jeder noch so freundlichen Kritik an meinem Orgelspiel noch immer so erschüttert, dass ich reflexartig gleich erst mal ans Aufhören denke. Und du kannst dir denken, wieviel Kritik in 30 Jahren zusammen gekommen ist, besonders zu Zeiten, als ich noch nicht so versiert war wie heute :cry2:.

    Aufhören tu ich trotzdem nicht. 1. aus finanziellen Gründen 2. weil lobende Worte 100mal häufiger sind als kritische und (berechtigte) Kritik diszipliniert und 3. weil ein Pfarrer mal meinte, dass die Organisten die nach ihm am zweitmeisten kritisierten Akteure im Gottesdienst sind, und die Pfarrer schmeißen ja auch nicht gleich hin ...

    Aber bei dir gehts ja um andere Gründe:

    Ich habe nach zwei Jahren angefangen in der Messe zu spielen und habe dann regelmäßig 1 x die Woche werktags gespielt (unter Aufsicht des Hauptorganisten). Ich glaube es ist einfach nur wichtig, regelmäßig zu spielen um Routine zu bekommen.

    Wenn die Leute nicht schlecht reden, scheints ja nicht schlecht gewesen zu sein. Also von wegen unbegabt ..... Ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und ich glaube die Gemeinden sind immer sehr verständnisvoll gegenüber Anfängern, sollen ja angeblich auch Christen sein die da in der Kirche sitzen.:heilig:
    Wahnsinnig nervös war ich anfangs auch immer, und gaaannz schlimm waren die feuchten bis nassen Hände.

    Ist erst mal vollkommen unwichtig, dafür gibts Orgelbücher. Und ich kenne betagte Organisten, die spielen daraus seit Jahrzehnten. Wenn aber mal anfängst selbst zu harmonisieren, was ich nur empfehlen kann, lass dich nicht von der Angst vor den unzähligen Arten von möglichen Parallelen abschrecken, die hört eh kein Mensch (mag hier mancher anders sehen);-)

    Falls du wirklich demnächst anderswo hinziehst ist das ja kein Grund oder Entschuldigung zum Aufhören, sondern ne Riesenchance. Dort kannst mit neuem Orgellehrer und so ganz neu anfangen und es kennt dich keiner, was auch ein Vorteil sein kann.

    Ich hab über das Orgelspielen meine Frau und auch meine Ex-Freundin kennengelernt und mich finanziell über Wasser gehalten, wenn es in meinem eigentlichen Beruf grade nix zu verdienen gab. Du siehst, Orgelspielen ist mehr als nur Orgelspielen .... Also mach weiter:super:

    Gute Nacht:schlafen:
    dussek
     
  4. Nora
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    Nora

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    Schreib' doch einfach mal die Vor- und Nachteile der jeweiligen Entscheidungen für Dich auf. So eine simple Pro-und Kontra-Liste hat mir schon geholfen, wenn ich mich nicht entscheiden konnte.

    Wenn Du einen Bezug zur Musik hast, solltest Du versuchen, den Spaß am musizieren wieder zu finden - egal mit welchem Instrument.
     
  5. Klavirus
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    Klavirus

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    Lehrer wechseln. Mehr üben.
    Nicht immer andre fragen, was Du wollen sollst. :denken:
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2016
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  6. Orgeltante
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    Orgeltante

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    Ich denke auch, Lehrerwechsel wäre sinnvoll. Es gibt ja vielleicht in den Nachbargemeinden einen besseren Lehrer? Ansonsten solltest du dir klar werden, welche Art von Musik du machen MÖCHTEST. Es ist nicht einfach in einer musikalischen Familie einen nichtmusikalischen Weg einzuschlagen (umgekehrt auch nicht), aber wenn du die Musik nur machst um deine Familie zufrieden zu stellen, dann lass es lieber (sagt die, die absolut fürs Orgelspiel brennt und jeden ermutigt das lernen zu wollen!). Man sollte im Leben im Rahmen des Erlaubten das machen, was man will. Es ist leider zu kurz um nur die Dinge zu tun, die man soll.
     
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  7. Dorforganistin
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    Dorforganistin

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    Ob Du aufhören sollst oder weitermachen, das kannst Du Dir nur selbst beantworten.

    Allerdings vermisse ich in Deiner Aufzählung etwas, nämlich, was Dich dazu brachte, Dich überhaupt auf die Orgelbank zu setzen. Waren das nur Impulse von außen, oder hattest Du irgendwann einmal tatsächlich Lust dazu?
    Wenn Du nur spielst, um anderen Menschen einen Gefallen zu tun (Verwandtschaft, Pfarrer...), dann lass es. Das gilt nicht nur für die Orgel. Wenn Du selbst keinen Spaß am Instrument hast, kommst Du mit "mehr üben" auch nicht unbedingt weiter.
    Wenn Du aber Spaß daran hast/hattest, dann mach weiter. Durststrecken sind völlig normal, auch nach Jahren der Beschäftigung mit der Materie. Das wurde ja schon ausgiebig beschrieben.
    Ich habe auch Tage, da komme ich vom Üben nach Hause, total begeistert von mir selbst, und würde sofort jede Konzertanfrage annehmen, und an anderen Tagen frage ich mich, was ich da eigentlich tue und warum mir jemand für mein Orgelspiel Geld gibt. :konfus:

    Überlege doch einmal, was Dir, ohne Input von außen, an der Orgel am meisten Freude bereitet. Und wenn Du es weißt, mach mehr davon.
     
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  8. devasya
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    devasya

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    Hallo Blümchen,

    willkommen im Forum :-)

    Die Frage, bzw. die Entscheidung, ob du mit dem Orgel spielen aufhören sollst, oder nicht, kann ich dir nicht abnehmen bzw. da musst du für dich selbst eine Entscheidung treffen. Setze dich mit dem Thema auseinander und höre auf dein Bauchgefühl. Wichtig ist, dass DU die Entscheidung triffst.

    Ganz am Anfang aber eine Frage an dich: macht dir das Orgel spielen Freude? :-)

    Ich kann viele deiner Zweifel gut nachvollziehen. Auch ich hab' manchmal Momente, wo ich mich für unbegabt halte oder schwierigen Situationen (Gottesdienste, Orgelkonzerte) lieber ausstelle. Aber den Gedanken, dass Spielen (oder den C-Schein) aufzugeben, hatte ich kein einziges Mal.

    Wieso hälst du dich denn für unbegabt und schlecht? Orgel spielen und alles, was damit zusammenhängt, ist schwierig. Man muss auf vielen Ebenen vieles gut können. Und das ist, grade am Anfang, eine Herausforderung. Versuch dich auf deine Stärken zu konzentrieren und dir auch immer wieder zu sagen, dass jeder "sein eigenes Tempo" hat. Ich spiele seit zwei Jahren Orgel, hatte davor sechs Monate Klavierunterricht und hab' noch keinen einzigen GD begleitet. Was aber auch okay ist, wie ich finde. Manchmal hilft es auch, ein paar Dinge etwas gelassener zu sehen ;-)

    Ich würde an deiner Stelle auch nicht sofort den Lehrer wechseln... ich kann verstehen, dass dich diese Dinge stören, aber vielleicht wäre es für den Anfang auch eine Möglichkeit für dich, mit ihm darüber zu sprechen? Sag ihm doch, dass du dir mehr Feedback wünscht oder auch mal ein Stück näher anschauen und dann mit ihm besprechen möchtest. Wenn er ansonsten "ganz nett" ist, kann es doch auch gut sein, dass er deine Kritik gerne aufnimmt und sie dann im Anschluss auch umzusetzen versucht. Ist nicht immer einfach, aber reden und die Dinge offen ansprechen, kann vieles bewirken ;-) Lehrer wechseln kannst du ja immer noch, falls sich doch nix ändern sollte.

    Zum Spielen und Üben noch'mal: bei mir ist es auch so, dass manche Stücke langsamer von der Hand gehen, als andere. Ich denke, dass das ganz normale Prozesse sind. Auch beim Üben generell. Manchmal erlebt man einen "kleinen Schub nach vorne" und macht Fortschritte, und dann kommen aber auch wieder Phasen, in denen "alles stagniert" und man überspitzt formuliert das Gefühl hat, "auf der Stelle zu spielen". Sowas gehört aber dazu, wie ich finde.

    Als ich angefangen habe, GD-Stücke einzuüben, habe ich eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Jetzt, mit etwas Routine, geht einiges etwas schneller: ob das Akkordgriffe sind, diverse Sprünge im Pedal oder auch nur das selbstständige Einzeichnen eines für mich passenden Fingersatzes ;-)

    Selbiges mit dem Schreiben eines passenden Vorspieles... mein Lehrer stand mehrmals mit einem breiten Schmunzeln im Gesicht neben mir, als er sich meine Versuche "eines komponierten Irgendwas" anhören musste :-) Aber mit der Zeit, wenn man sich immer wieder damit auseinandersetzt, kommen die Ideen von ganz alleine, weil man Routine entwickelt hat, in dem was man tut.

    Aber am allerwichtigsten finde ich wirklich die Frage, ob du noch Freude am Spielen hast, bzw. die Orgel wirklich "dein Instrument" ist :-)

    Lg,
    Deva
     
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  9. Rheinkultur
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    Rheinkultur Super-Moderator Mod

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    Vor einem Lehrerwechsel sollte stets eine Klärung im Dialog erfolgen - ein kompetenter und engagierter Lehrer wird dies genauso sehen. Vor vollendete Tatsachen stellen sollte man nur Personen, die nicht gewillt und/oder fähig sind, Mängel abzustellen. Auch den typischen Schüler gibt es nicht: Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Begabung, Auffassungsgabe, Lerntempo sind individuell sehr verschieden und nicht jeder meint uneingeschränkt ja, wenn er ja sagt. Wer dem Kindesalter entwachsen ist und wem aufgrund einer gewissen Lebenserfahrung schon ein bestimmtes Feedback Rückenwind beim Lernen gibt, sollte dies der Lehrkraft gegenüber auch zum Ausdruck bringen. Im Misserfolgsfalle kann man dann immer noch wechseln.

    LG von Rheinkultur
     
  10. Stephan
    Offline

    Stephan

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    Hallo Blümchen, wenn Du nach 4 Jahren Klavierunterricht und 4 Stunden Üben pro Woche die Aufnahmeprüfung bestanden hast, darfst Du und darf man davon ausgehen, das die Professoren davon ausgehen, dass Du das kannst. Wozu gibt es denn sonst Aufnahmeprüfungen?
    Außerdem ist deine Übezeit wirklich sehr gering für ein solches Ziel. Wenn man dies in Rechnung stellt gegenüber der bestandenen Prüfung, ist die Wahrscheinlichkeit m.E. sehr hoch, dass Du dafür auch begabt bist. Aber Du läßt Dich sehr von anderen Leuten unter Druck setzen, was ebenso kontraproduktiv ist, wie ein Orgellehrer, dem die Sache ziemlich egal ist, und der pflichtgemäß seinen Stoff herunterorgelt. (Wahrscheinlich ein Regionalkantor, dessen Arbeitsvertrag ihn dazu verpflichtet). Ich würde mehr an mich selbst denken: Mach diese Ausbildung für Dich, und bring sie zu einem guten Ende. Du bestimmst, wann Du für einen GD gut genug vorbereitet bist. Sag regelmäßg Nein, wenn es sein muss. Ich würde aber eine solche Ausbildung nicht abbrechen, und zwar aus Prinzip: es ist nie schön, Torsen und Ruinen in der Lebensgeschichte stehen zu haben. Das C-Studium vermittelt ein breites Wissen, und einen Überschuss an Möglichkeiten, die man ein Leben lang weiter entfalten kann. Wenn Du später studierst, nimm Dir doch mal einen guten Orgellehrer und vervollkommne Dich auf reiner Hobbyebene. Und wenn Du richtig Lust dazu hast, kannst Du ja dann auch Vertretungen spielen, die ein wenig die Kasse klingeln lassen.
    Noch zu den Harmonisierungen: ich selbst habe mit vorbereiteten Generalbaßbezeichnungen und Leadsheets angefangen, weil ich Sorge hatte, beim GD nicht fantasievoll genug zu harmonisieren. War die Lösung schlechthin...
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juli 2016
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  11. Rheinkultur
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    Rheinkultur Super-Moderator Mod

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    Der ganze Faden an sich lässt erkennen, dass die Verantwortung für die künstlerische Tätigkeit von der Erstellerin des Themas allzu oft an andere abdelegiert wird. Zum einen ist das Ziel allgegenwärtig, immer die Erwartungen anderer zu erfüllen, vor allem die der "sehr musikalischen Familie". Die sitzt aber nicht an der Orgel, sondern die Fragende selbst. Dazu kommt eine Lehrkraft, die möglicherweise wenig mit der Aufgabe anfangen kann, eine Schülerin mit dem Wunsch nach nachhaltigem Feedback und viel Zuspruch und Ermutigung engagiert zu betreuen. Bessere Kommunikation zwischen beiden Parteien könnte manches leichter machen, das sagte ich schon. Bitte damit nicht länger warten.

    Zum anderen ist der Ansatz grundfalsch, eine Forengemeinde aus der Anonymität heraus zur Entscheidung in einer Frage heranzuziehen, die man sich ausschließlich selbst beantworten kann. Sinnvoller ist es, sich selbst darüber klar zu werden, wo man steht und was man eigentlich will. Eine zielgerichtete Einstellung zum eigenen Musizieren ist die Grundvoraussetzung dafür, überhaupt auf diesem an Herausforderungen nicht armen Terrain voranzukommen. Diese Entscheidung kann und soll einem kein anderer abnehmen.

    Diese richtige Formulierung möchte ich lediglich in einem Aspekt ergänzen: Sage nur Nein und lehne etwas ab, wenn eine Alternative greifbar ist, damit Du nicht gewissermaßen mit leeren Händen dasteht. Wer irgendwo fehl am Platze ist, hat prinzipiell die Möglichkeit, anderswo am richtigen Platz zu sein - und diesen gilt es zu finden.

    LG von Rheinkultur
     
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  12. Blümchen
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    Blümchen Guest

    Erst mal Danke für alle Antworten! Das Forum ist echt toll, so was hab ich schon lange gesucht!

    @ LankaDivore:
    Ich war zufrieden mit den GD =D. Und die Gemeinde hat mich auch gelobt...

    Ich muss bald wieder spielen und habe mir überlegt, eine Krankheit vorzutäuschen =D. Werd ich aber net machen…

    Mein Lehrer ist jemand, der sein Geld kassieren will – und das mit möglichst wenig Aufwand. Er kürzt meine Stunden meisten um ca. 5 – 10 Min., aber das ist mir egal, er bringt mir eh nicht so viel bei… Auch beim C-Kurs, bei dem er unterrichtet, kommt er andauernd zu spät. Und Lehrerwechsel kommt nicht in Frage. 1. Ist er auch Lehrer im C-Kurs und 2. Gibt es bei uns keinen besseren als ihn. Und was ist so schlimm an ihm? 1. Ich hab das Gefühl, dass Orgeln für ihn keine Leidenschaft sondern nur Beruf ist. 2. Er will alles möglichst Zeit sparend machen. 3. Er wird ungeduldig wenn ich was nicht verstehe (Zeit sparen) 4. Er erklärt mir schwierige Stellen nicht gescheit und wenn ich die Stelle nicht kann, „überhört“ er sie irgentwann.

    Für ein Orgelwerk (also Präludium und Fuge) von Bach brauch ich etwa 4 – 6 Monate, bis ich das kann. Wie soll ich das später mal machen? Ich kann ja auch nicht immer die gleichen Stücke spielen…


    @Orgeltante:
    Lehrerwechsel geht nicht, da es in der nächsten Stadt nur zwei Lehrer gibt. Eben meinen und noch einen anderen. Der ist aber noch schlimmer... In die übernächste Stadt brauch ich ca. eine dreiviertel Stunde :(


    @Dorforganistin:
    Ich bin durch meinen Opa auf die Idee gekommen. Ich hab es aber nicht gemacht, weil er es wollte, sondern, weil ich es selber wollte. Ich wollte GD begleiten können, weil ich Gläubiger Katholik bin und in meiner Gemeinde mitwirken wollte... Und weil ich nicht wie andere Jugendliche mit 16 oder so mit dem Instrument aufhören wollte, sondern weiter spielen wollte, aber da hätte mir bei Klavier einfach die Motivation gefehlt... Und jetzt ist mein Opa soo stolz und ich will ihn nicht enttäuschen
     
  13. Blümchen
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    Blümchen Guest

    @Stephan:
    In unserem Bistum wird glaub ich so gut wie jeder zum C-Kurs zugelassen. Eine Bekannte von mir hat die Zulassungsprüfung sogar nach einem halben Jahr bestanden.
    Ja, genau, bei meinem Orgellehrer steht das im Vertrag, dass er unterrichten muss. Er ist auch "nur B-Musiker", also keine Ahnung, ob er sich absichtlich so wenig Mühe gibt oder es nicht besser kann. Auffällig ist nur, dass er mir kürzere Stunden gibt, als er eigentlich müsste...
    Kennst du zufällig ein gutes Buch um Harmonisieren an der Orgel zu lernen? Oder eine Internetseite?

    @Alle:
    Oder mir in obriger Sache irgentjemand weiterhelfen?
     
  14. dussek
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    dussek

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    210
    Weiß zwar nicht, warum das Harmonisieren für dich momentan so Vorrang hat (die Improvisation von Intonationen zu üben fände ich z. B. erst mal wichtiger), aber hier paar Literaturtipps (wobei Grundkenntnisse der Harmonielehre immer Voraussetzung sind):

    Karl Norbert Schmid: Schule der Orgel-Improvisation, Teil 1

    Ernst-Otto Göring: Improvisation - leicht gemacht

    Herbert Gadsch: Liedbegleitung einmal anders

    Hermann Keller: Schule der Choralimprovisation
     
  15. Blümchen
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    Blümchen Guest

    @ dussek:
    Ich muss es in einem Jahr können =D.
     
  16. dussek
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    dussek

    Beiträge:
    210
    Stimmt ja, in Tonsatz "mündlich", also direkt am Klavier, musste ich damals auch einen Choral harmonisieren. Dann hoffe ich, dass dir die Bücher was helfen.
     
  17. Rheinkultur
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    Rheinkultur Super-Moderator Mod

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    An dieser Gewichtung sollte sich zeitnah (ich wiederhole mich) etwas ganz Entscheidendes ändern: Priorität haben nicht Opas Idee, nicht der aktiv gelebte Glaube durch die musizierende Mitwirkung bei der Verkündigung von Gottes Wort, nicht das halbherzige Verhältnis Gleichaltriger zum Musizieren - und vor allem nicht der selbst auferlegte Glaubenssatz, bloß niemanden zu enttäuschen. Priorität hat vielmehr Dein überzeugtes Ja zur selbst gewählten Aufgabe, kirchenmusikalisch aktiv zu werden. Und dieses Ja steht überhaupt nicht der Einstellung entgegen, gläubiger Katholik zu sein - vielmehr wird der gelebte Glaube reicher durch die Möglichkeit, innerhalb des Gottesdienstes selbst aktiv mitwirken zu können. Ein großartiges Geschenk, das einem da zuteil wird - wenn man es als ein solches einzuschätzen weiß.

    Mit der Bereitschaft, diese Erkenntnisse an sich heranzulassen, bist Du auf einem guten Weg. Wenn das Lehrpersonal sich unprofessionell verhält, indem der zu erteilende Orgelunterricht lieblos, unengagiert, didaktisch miserabel und noch nicht einmal im vorgeschriebenen zeitlichen Rahmen abgehalten wird, ist wenigstens der auf der Schülerseite fatale Irrglaube an ein Vorbild entzaubert, dessen Verhalten man einfach so hinnehmen muss. Im Umkehrschluss wäre demnach bei besserer Ausbildung Dein Verhältnis zum Instrument und zum Musizieren möglicherweise ein besseres.

    Ich spreche aus der Erfahrung heraus, selbst im Verlaufe dieser Woche noch sechsmal an der Orgel zu sitzen, ohne jemals Kirchenmusik oder das Hauptfach Orgel studiert zu haben - mein Studium habe ich mit gänzlich anderen Schwerpunkten absolviert. Es herrscht vielerorts drückende Personalnot hinsichtlich geeigneter Kandidaten, die man auf unseren Orgelbänken Platz nehmen lassen kann. Da kann man sich auf hauptamtlicher Seite eigentlich eine schlechte Nachwuchsarbeit nicht leisten, zumal man nicht mit üppigen finanziellen Anreizen für entsprechende Tätigkeiten aufwarten kann. Und das wird künftig mit Sicherheit nicht einfacher - im Gegenteil. Übrigens hat der hier als "Chef" fungierende hauptamtliche Kollege mit B-Examen seinerseits noch Vorgesetzte über sich, nur mal so am Rande bemerkt... .

    LG von Rheinkultur
     
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  18. LankaDivore
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    LankaDivore

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    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der andere Lehrer noch schlimmer ist. Du lernst bei dem doch nichts, eenn er dir nichts erklärt. "Überhören von Fehlern ist das schlimmste was man machen kann. Rede mit ihm, oder hör bei ihm auf, das hat ja so keinen Sinn. Das ist nur Zeit- und Geldverschwendung. Du bist sicher, dass es da keine anderen Organisten in deiner Umgebung gibt? Das kann ich mir kaum vorstellen. Ich glaube auch ein C-Organist kann dir mehr beibringen als dein jetziger Lehrer.:super:

    Warum brauchst du dafür so lange? Nur um den Notentext zu lernen? Da hilft dann eigentlich nur, mehr zu üben.

    EDIT: bevor du jetzt auch noch mit dem Harmonisieren anfängst (das kann man in kurzer Zeit lernen) würde ich erstmal Liturgisches Zeugs und Choräle lernen. Das gut zu können ist wichtiger als der Harmoniekram. Oder müsst ihr keine Liste mit 50 Chorälen vorlegen, ausndenen die Prüfer sich ein paar aussuchen? Du musst die ja jetzt noch gar nicht perfekt können, aber wenigstens schonmal üben. Und was willst du zur Prüfung eigentlich an Liturgischen Sachen spielen?:-)
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juli 2016
  19. Dorforganistin
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    Dorforganistin

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    Andererseits wird der Glaube aber auch nicht dadurch kleiner, dass man sich andere Möglichkeiten sucht, seine Talente in der Gemeinschaft einzubringen. Also, sollte er zumindest nicht. (Okay, ich bin nicht katholisch, keine Ahnung, wie streng das gesehen wird bzw wie streng es jemand sieht, der/die katholisch ist.)

    Wenn es nach einem Teil meiner Verwandtschaft ginge, wohnte ich irgendwo in einer netten Stadt in einer großen Altbauwohnung mit hohen Decken und einem Flügel und würde Kindern aus gut situierten Familien Klavierunterricht geben. Da es aber nicht nach der Verwandtschaft geht, sondern ganz allein nach mir, wohne ich halt aufm Land in einem krummen kleinen Fachwerkhaus, arbeite mit Laienchören und spiele ab und zu Orgel. :-)

    Ansonsten, mach wirklich erstmal eine Bestandsaufnahme. Schau, was in Deiner Region die Anforderungen an die Prüfung sind bzw die Prüfungsordnung, und dann mach eine Liste, was Du schon kannst und wo Du stehst, und auch, was Dir besonders Spaß macht. Und dann erstellst Du Dir einen Lern-/Übungsplan - falls Du die Sache weiterhin durchziehen möchtest. Mach nicht alles auf einmal. Wie @LankaDivore sagt, häppchenweise geht's auch.
     
  20. revelator
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    revelator

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    18
    Ich hätte noch einen Vorschlag betreffend Improvisation, den ich von meiner Lehrerin bekommen habe. Sie selbst besitzt eine vielfältige Sammlung zu diesem Thema, findet folgendes aber am besten:

    Grundlagen der Orgelimprovisation - Christiane Michel-Ostertun

    oder im Internet kostenlos und auch katholisch :heilig: :coolguy:
    www.lingualpfeife.de und dort u.a. die Tutorials zur MusikTheorie oder ihn eben direkt über Youtube suchen. Da gibts auch ein Video (hab ich noch nicht angeschaut) direkt über Sextakkorde :bye:


    Und als Entscheidungshilfe vielleicht noch eines.. Ich würde mir Orgelmusik anhören, die ich gern spielen wollen würde. Wenn Du magst auch vielleicht mal fernab von GB oder GL. Ich selbst mag oft zB auch französische Werke.. und dann eben dabei überlegen: Möchte ich das mal irgendwann spielen können?

    Wünsche Dir die nötige Kraft in der Entscheidungsfindung :denken:
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juli 2016