Ich schon. Das Teil hat einen neuen Boden und damit auch neuen Steg bekommen und man sieht, dass die Stegstifte gerade sind, die Saitenlängen also gleich. Vom tatsächlichen Klang von 1887 dürfte da überhaupt nichts mehr zu hören sein.
In der Beschreibung steht nichts von neuem Boden und neuen Stegen - da steht gespänter Boden, also alt. Die Stege sehen aber in der Tat neu aus. Das mit den schrägen Stiften kann ich schwer erkennen - auf den Fotos 9+10 sieht man Steg-Ausschnitte vom Bass und Teile der Mittellage, wo man die Schräge der Stifte nicht so gut erkennen kann wie im Diskant, der nicht abgebildet ist. Aber wir hatten es ja schon in dem anderen nicht-restaurierten Fall, das dieses Element flöten gegangen ist.
Sowas ist schade, weil zusammen mit der neuen Mechanik und den neuen HK ist das so, als wenn man einem 300SL seinen Reihensechzylinder rausreissen und gegen ein 1.5k-Turbomötörchen ersetzen würde (mir geht es hier nur um den Charakterveränderung eines solchen historischen Produkts. Das so etwas technisch noch an weiteren technischen regulatorischen Hürden scheitert, ist hier mal egal), der gleiche Leistung und Drehmoment mitbringt, aber.. Schon merkwürdig: im Automobilbau würde niemand einen derartigen Motorwechsel eines Klassikers akzeptieren - der Wagen hätte danach kaum noch einen Wert. Bei Klavieren scheint das aber völlig anders zu sein. Wahrscheinlich, weil die Anzahl sehr alter Instrumente im Markt im Verhältnis so hoch ist wie Autos o h n e H-Kennzeichen auf der Straße - und umgekehrt: wirklich junge Instrumente (abgesehen von
Yamaha und
Kawai) sind in etwa so selten anzutreffen wie Oldtimer. Und u.a. auch wegen dieser hohe Zahl der alten Instrumente fällt dann die Unterscheidung zwischen wertlosen Altinstrument und historischer Perle ungemein schwerer.
Jedenfalls ist das ein schön aussehender, und wahrscheinlich auch gut klingender
Flügel, nur halt ohne seinen Sechszylinder..