Schimmel Klavier - 40 Jahre NICHT gestimmt

fbuckert

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Ich war zuletzt bei meinen Eltern und habe ein paar Töne auf dem Schimmel-Klavier (früher 70-Jahre) gespielt, auf dem ich als Kind damals (..ohne großen Erfolg...) gelernt habe. Es klang GRAUSAM!

Auf die Frage, wann das Klavier denn das letzte Mal gestimmt wurde, sagte meine Mutter : "Noch nie!". Und ich fürchte sie hat recht.
Zwischen meinem Klavierspiel und jetzt liegen 40 Jahre, 2 Umzüge und die letzten 20 Jahre Fußbodenheizung. Das Klavier wurde in den letzten 40 Jahren auch 'geschont' und diente im Wesentlichen als Unterlage für die Bilder der Verwandtschaft.

Ich weiß, dass ist aus der Ferne und ohne Bilder schwer zu beurteilen aber womit muss ich rechnen, wenn ich das Instrument wieder in einen spielbaren Zustand versetzen will. Was kann da in der Zeit kaputt gegangen sein, oder kann ein einfaches 'nachstimmen' reichen?

Gruß
Friedrich
 
fisherman

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Es kann. Aber das wird ohnehin ein mehrmaliges Stimmen sein müssen. Dann wird sich zeigen, ob das Klavier Schaden genommen hat. Hellsehen kann hier niemand und "Könnte"-Aussagen nützen Dir auch nix.
 
Tastenjunkie

Tastenjunkie

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Mir ist vor einer Weile auch mal ein mindestens 30 Jahre nich gestimmtes Schimmel begegnet. Das klang nicht sauber, aber für 30 Jahre nicht gestimmt noch erstaunlich gut....
 
Mawima

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Nach dieser Zeit und den Umständen kann viel sein, muss aber nicht. In jedem Fall muss es mehrfach gestimmt werden, bis es die Stimmung wieder gut hält. Eine Regulierung, damit es sich auch wieder gut anfühlt wird auch nötig sein. Für einen schönen, gleichmäßigen Klang kann man noch eventuell abziehen und intonieren.

Wenn die 2 Umzüge und die Standbedingungen keine Schäden verursacht haben, dann sollte das ausreichen. Wie die Sachlage wirklich ist, sagt Dir am besten der Klaviertechniker vor Ort. Alternativ kannst Du noch Bilder vom Innenleben hier einstellen, dann wirst Du noch etwas mehr Kommentare bekommen.

Liebe Grüße
Martin
 
Mawima

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Prophylaktisch einen neuen Bass drauf machen würde ich nicht. Hoch gezogen ist schnell. Das kostet nicht viel und dann weiß man mehr.
 
K

Klavierbaumeister

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Klar, auf die Schnelle mal so an die 200 cent hochjagen - schönen Gruß an die Gußplatte :teufel:


Was ist denn Deine Vorstellung, wie ein Instrument im Neubau auf Spannung gebracht wird?
In 50cent Schritten?

Selbst wenn deer Baß ein behutsames Hochziehen aushält, schön klingt der nach 30 Jahren stimmuntätigkeit nimmer.

Das heißt Bass-Saiten sollen besser klingen, wenn Sie regelmäßig gestimmt wurden?
:konfus:



Ich würde mir nicht so viele Gedanken machen:
Schimmel-Klaviere der 70er-Jahre sind super robuste Kisten.
Natürlich wird eine Stimmung nicht ausreichen, aber man kann diese Instrumente problemlos hochziehen, ohne dass man wieder was von einem "finalen Plattenbruch" lesen müsste.
 
S

Styx

Guest
Was ist denn Deine Vorstellung, wie ein Instrument im Neubau auf Spannung gebracht wird?
In 50cent Schritten?

Wir haben es hier aber nicht mit einem Neubau zu tun - weißt Du unter welchen klimatischen Bedingungen es die letzten 30 Jahre stand? Hier kann sich im Laufe der Zeit so einiges geändert haben, wer sagt denn daß die Spannungsverhältnisse der Gußplatte noch genau so wie vor 30 Jahren ist? Und wie ich ein Teil der Kollegen kenne, wird noch nicht einmal vor dem Hochziehen geprüft ob denn die Plattenschrauben noch alle fest sitzen.

Das heißt Bass-Saiten sollen besser klingen, wenn Sie regelmäßig gestimmt wurden?
:konfus:

Alte Baßsaiten klingen ohnehin nimmer soo schön, aber nur weil sie nie "nachgestimmt" wurden zu glauben sie seien so gut wie neuwertig, ist ebenfalls ein Irrglaube.


Viele Grüße

Styx
 
klaviermacher

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Es ist ja gar nicht selten, dass ein Klavier 30 Jahre nicht gestimmt wurde. Das heißt, es ist ungefähr einen halben Ton zu tief. Ich mache das so, dass ich zunächst die Plattenschrauben prüfe und es beim diesem ersten Termin zunächst auf Kammerton +2 oder 3 Hz hochstimme und gucke was noch zu tun ist. Meistens ist die Zeit begrenzt, da man ja eher zufällig zu solch einem lange nicht mehr gestimmten Klavier kommt. Also habe ich etwa 1,5 - 2 Stunden Zeit. Das geht sich zeitlich aus, aber es ist natürlich keine Konzertstimmung. Danach bespreche ich mit dem Kunden was noch alles zu tun wäre, wie etwa reinigen, regulieren usw.. Als nächster Stimmtermin wird 4-6 Wochen später reichen, dann kann man fein stimmen und gegebenenfalls die weiteren Arbeiten durchführen. Bis dahin sollte man einfach nur viel spielen.

LG
Michael
 

fbuckert

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Vielen Dank für die Antworten! Das gibt mir schon mal ein grobes Bild, was mich erwarten könnte.
Ich habe mir schon gedacht, dass man wohl mehrfach stimmen muss. Ich habe mich auch gefragt, ob die Saiten das nach 40 Jahren noch mitmachen?!

Einige Fachausdrücke habe ich nicht ganz verstanden:
Intonieren? - Ist das nicht ein anderes Wort für Stimmen, Beim Saxophon kann ich durch Ansatzänderung den ändern und dadurch anders intonieren - aber beim Klavier habe ich doch nur meine 88-Tasten. Da muss doch der Stimmer für sorgen, dass das korrekt intoniert.

Eine Regulierung, damit es sich gut anfühlt ?
Abziehen?

Ich hoffe ich nerve nicht, aber von dem Innenleben eines Klaviers habe ich (noch) keine Ahnung.

Gruß
Friedrich
 
klaviermacher

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Vielen Dank für die Antworten! Das gibt mir schon mal ein grobes Bild, was mich erwarten könnte.
Ich habe mir schon gedacht, dass man wohl mehrfach stimmen muss. Ich habe mich auch gefragt, ob die Saiten das nach 40 Jahren noch mitmachen?!

Einige Fachausdrücke habe ich nicht ganz verstanden:
Intonieren? - Ist das nicht ein anderes Wort für Stimmen, Beim Saxophon kann ich durch Ansatzänderung den ändern und dadurch anders intonieren - aber beim Klavier habe ich doch nur meine 88-Tasten. Da muss doch der Stimmer für sorgen, dass das korrekt intoniert.

Eine Regulierung, damit es sich gut anfühlt ?
Abziehen?

Ich hoffe ich nerve nicht, aber von dem Innenleben eines Klaviers habe ich (noch) keine Ahnung.

Gruß
Friedrich
Du nervst überhaupt nicht!

Zunächst bedeutet intonieren beim Klavier die Klangfarbe des Tones ändern. Das geht nicht durch Tonhöhenänderung, also durchs stimmen. Dazu wird der Filz bearbeitet, der an die Metallsaite trifft. Ist er zu hart, klingt das Instrument metallisch. Ist er zu weich, klingt es wattig / dumpf.
Töne die öfter angeschlagen werden neigen dazu metallisch zu werden. Die Lautstärke erhöht sich ebenso. Das liegt daran, dass sich der Filz zusammen presst und abnutzt.

Regulieren bedeutet, dass die Tasten gleichmäßig anschlagen. Die Mechanik und Klaviatur muss korrekt aufeinander abgestimmt sein. Es gibt zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Die braucht es auch, weil eben auch andere Filze und Leder der Mechanik Abnutzung unterworfen sind, die beim regulieren ausgeglichen werden können.

Abziehen ist die Tätigkeit, die Rillen zu "entfernen" die am Anschlagspunkt zur Anschlagsfläche mutieren. Dazu wird der Hammerfilz mit Schleifpapier bearbeitet.

Wie so etwas aussehen könnte, seiht man hier:


LG
Michael
 
S

Styx

Guest
Es ist ja gar nicht selten, dass ein Klavier 30 Jahre nicht gestimmt wurde. Das heißt, es ist ungefähr einen halben Ton zu tief. Ich mache das so, dass ich zunächst die Plattenschrauben prüfe und es beim diesem ersten Termin zunächst auf Kammerton +2 oder 3 Hz hochstimme und gucke was noch zu tun ist. Meistens ist die Zeit begrenzt, da man ja eher zufällig zu solch einem lange nicht mehr gestimmten Klavier kommt. Also habe ich etwa 1,5 - 2 Stunden Zeit. Das geht sich zeitlich aus, aber es ist natürlich keine Konzertstimmung. Danach bespreche ich mit dem Kunden was noch alles zu tun wäre, wie etwa reinigen, regulieren usw.. Als nächster Stimmtermin wird 4-6 Wochen später reichen, dann kann man fein stimmen und gegebenenfalls die weiteren Arbeiten durchführen. Bis dahin sollte man einfach nur viel spielen.

Genau so, und nicht anders! Wobei...mit dem nach 4-6 Wochen nachstimmen, wird oft von den Kunden vernachlässigt - "paßt doch noch" wird dann oft gesagt, nur paßt des eben nimmer so genau - des Instrument braucht eine Weile bis es wieder anpassungsfähig wird, daher wäre hier Nachstimmung nach 4 -6 Wochen nach dem Hochziehen , Vor und Grundstimmung dringendst angeraten.

Viele Grüße

Styx
 
klaviermacher

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Genau so, und nicht anders! Wobei...mit dem nach 4-6 Wochen nachstimmen, wird oft von den Kunden vernachlässigt - "paßt doch noch" wird dann oft gesagt, nur paßt des eben nimmer so genau - des Instrument braucht eine Weile bis es wieder anpassungsfähig wird, daher wäre hier Nachstimmung nach 4 -6 Wochen nach dem Hochziehen , Vor und Grundstimmung dringendst angeraten.

Viele Grüße

Styx
Jeder doch wie er mag! "Dringendst angeraten" ist etwas für gefährliche Situationen, und die liegen nicht vor ;-)
Wenn man es dauerhaft in Ordnung haben will, muss man es hinterher auch regelmäßig mind. 1x jährl. stimmen lassen.

LG
Michael
 
S

Styx

Guest
Jeder doch wie er mag! "Dringendst angeraten" ist etwas für gefährliche Situationen, und die liegen nicht vor ;-)
Wenn man es dauerhaft in Ordnung haben will, muss man es hinterher auch regelmäßig mind. 1x jährl. stimmen lassen.

Mei, woll mer jetzt Erbsen zählen? Das ein Klavier ned deshalb gleich ins Koma fällt, woaß i auch - nur es stimmt einfach mal nach 4- 6 Wochen nimmer so recht...daher "dringenst angeraten"....so man sich ned sein Gehör versauen will...
:rauchen:

Viele Grüße

Styx
 
fbuckert

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Du nervst überhaupt nicht!

Zunächst bedeutet intonieren beim Klavier die Klangfarbe des Tones ändern. Das geht nicht durch Tonhöhenänderung, also durchs stimmen. Dazu wird der Filz bearbeitet, der an die Metallsaite trifft. Ist er zu hart, klingt das Instrument metallisch. Ist er zu weich, klingt es wattig / dumpf.
Töne die öfter angeschlagen werden neigen dazu metallisch zu werden. Die Lautstärke erhöht sich ebenso. Das liegt daran, dass sich der Filz zusammen presst und abnutzt.

Regulieren bedeutet, dass die Tasten gleichmäßig anschlagen. Die Mechanik und Klaviatur muss korrekt aufeinander abgestimmt sein. Es gibt zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Die braucht es auch, weil eben auch andere Filze und Leder der Mechanik Abnutzung unterworfen sind, die beim regulieren ausgeglichen werden können.

Abziehen ist die Tätigkeit, die Rillen zu "entfernen" die am Anschlagspunkt zur Anschlagsfläche mutieren. Dazu wird der Hammerfilz mit Schleifpapier bearbeitet.

Wie so etwas aussehen könnte, seiht man hier:


LG
Michael
Danke für die Erklärungen!

Ich werde mir das auf jeden Fall mit einem Fachmann vor Ort ansehen, bevor ich mir das in die Wohnung stelle.

Gruß
Friedrich
 
 

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