Restauration J. Hauschulz Berlin vom Amateur

E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Möchte mich und mein Projekt hier einmal vorstellen, und meine Dankbarkeit für dieses Forum zeigen, welches in großem Maße zu meinem jetzigen Wissensstand beigetragen hat.
Zunächst: ich würde mich als relativ geschickten Hobbybastler bezeichnen. Begonnen habe ich damit, indem ich als Teen Radios und andere technische Geräte auseinandergenommen, studiert und später mit wachsendem Erfolg repariert habe. Später kamen Restaurationen von alten Möbeln dazu.
Auch eine alte Pendeluhr konnte ich erfolgreich durch komplette Demontage, Reinigung und Ölung wieder zum Laufen bringen. Mit weiteren Details möchte ich euch jedoch nicht langweilen.
Seit vielen Jahren spiele ich Gitarre und Bass und betreibe ein kleines Privat- Studio. Vor einem Jahr begann ich mir selbst Klavier beizubringen und schaffe schon ganz gut den Canon in D von Pachelbel.
Übte bisher auf einem 61 Tasten Bontempi Schrott Keyboard, dem ich per Midi am Computer respektable Töne entlocken konnte.
Als ich dann aber an einem richtigen Klavier saß und merkte, wie gefühlvoll man damit spielen konnte, musste ich auch eines haben.
So eins besorgt bei Ebay für einen Euro 10km entfernt vom Heimatort. Dank „Muskel-Udo“, der schon bei „Wetten Dass“ seine Kraft demonstrierte und Steffen (beiden meinen Dank), einem ehemaligen Rausschmeißer im Bordell, befindet sich das Instrument (Oberdämpfer) nun bei mir.
„J. Hauschulz Berlin“ steht dran. 2 Beläge fehlen, einige Tasten funktionieren nicht, das Furnier ist an manchen Stellen gehoben, abgehoben und es fehlen kleine Stücke. Im Stimmstock ist ein kleiner Riss über einer Basssaite. 2 Hammernusskapseln sind gebrochen, mehrere Bändchen gerissen. An einigen Hebegliedern sind die Federn defekt. Und natürlich sehr verstimmt.
Nun begann ich es wieder herzurichten. Habe mich viel belesen und weiß wirklich viel von Aufbau, Funktion und Bezeichnungen.
Nun bin ich so weit, dass die Klaviatur soweit gängig ist, dass die 8 tiefsten und die 2 höchsten Töne vorerst außer Kraft gesetzt wurden, indem ich die defekten Hebeglieder in der Mitte mit denen am Rand getauscht habe.
Die Tasten bearbeite ich gerade mit Schleifpapier und Schleifpaste. Filze bürste ich auf. Saiten habe ich gereinigt, so dass die Basssaiten ihren alten Kupferglanz zu Tage treten ließen.
Jetzt ist das Stadium erreicht Teile zu besorgen: Federn, Bändchen und die2 fehlenden Tastaturbelege aus Elfenbein (muss ich wohl Plastik nehmen oder weiß jemand wo man Elfenbeinbeläge ergattern kann?).
Und die ersten Fragen treten auf:
Wie entferne ich die defekten Bändchen? Die sind ja in der Hammernuss eingeleimt. Sollte ich die mit Klammern nehmen?
Wie spane ich erfolgreich den kleinen Riss im Stimmstock aus?
Es werden meinerseits sicher noch mehr solch unqualifizierte Fragen an dieser Stelle auftauchen, mit welchen ich die werten Forumsmitglieder belästigen werde.
So manch einem werden sicher die Haare zu Berge stehen, dass solch ein Amateur, wie ich mich an diese Arbeit wage.
[/IMG]
http://www.funpic.de/photos/7/2/7
/1/7/371727_ec734304cb_e.jpg

http://www.funpic.de/photos/4/2/7/1/7/371724_b66d9bc9ab_e.jpg
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
klaviermacher

klaviermacher

Dabei seit
Apr. 2008
Beiträge
8.053
Reaktionen
3.294
Hallo eff06,

Willkommen im Forum!

Ich werde versuchen Dir zu helfen - hab aber nicht immer gleich Zeit dafür ;)
Wenn der Stimmnagel keinen Halt mehr hat, dann würde ich dübbeln.

Die Bändchen kann man an die Rückseite des Gegenfängers kleben. Das ist besser als die Klammerbändchen. Die alten schneidet man vorher ganz weg. Federn, Bändchen und was Du sonst noch alles benötigst, kannst Du bei mir bekommen.Tastenplättchen aus Elfenbein hab ich auch welche. Du musst nur genau vermessen, wie lang und breit die alten sind, und welche Stärke sie haben. Auch hab ich Plättchen in unterschiedlichem Vergilbungszustand.

LG
Michael
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Klaviermacher, vielen Dank für die angebotene Hilfe. Momentan bleiche ich gerade das Elfenbein mit Wasserstoffperoxyd. Anschließend poliere ich sie noch schön auf. Die Plättchen sind 50 mm lang und 22 mm breit. Dick sind sie 1 mm.
Hier taucht nun der erste Begriff auf, den von dem ich leider noch nichts gehört habe: Gegenfänger. Meinst du jene Stelle, die ich auf folgendem Foto mit einem roten Pfeil markiert habe?

Schönen Dank auch für dein Angebot der Beschaffung der nötigen Teile. Muss aber bis nach dem Urlaub warten, da benötige ich meine wenigen Taler leider.
Gruß Toralf
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Oh danke. Aber richtig schön soll es erst noch werden. Momentan quäle ich mich halt noch mit der Klaviatur ab. Sieht teilweise wie frisch gebaut aus.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
klaviermacher

klaviermacher

Dabei seit
Apr. 2008
Beiträge
8.053
Reaktionen
3.294
Ich habe es ja im Chat schon gepostet - nun auch hier...
Das Bändchen wäre dort anzubringen, wo der rote Pfeil ist - jedoch nur, wenn es ursprünglich mit dem Gegenfänger verleimt ist (blauer Strich), was ja offensichtlich nicht der Fall ist.

Wenn die Bändchen mit der Hammernuss, wie hier gezeigt verleimt sind, bohre ich ein Loch an die Stelle, wo der grüne, längere Strich ist und leime dort das Bändchen ein, verkeilt mit einem Stück Holz - z.B: Zahnstocher..



LG
Michael
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Schön Michael, das hier noch mal zum Nachschlagen zu haben.
Gestern habe ich mir eine Filzmatte in entsprechender Stärke gekauft und die Tasten-Unterfilze mit Hilfe eines 5 Cent Stückes als Schablone herausgeschnitten, während ich im TV "geliebte Clara" (Schumann) verfolgt habe. :)
In ein paar Tagen bin ich dann so weit, das ich die Hammermechanik einbauen kann und diese dann bearbeiten werde. Dauert alles ein wenig länger, muss halt auch noch arbeiten.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Wenn es endlich so weit ist, werde ich gern mp3 files an dieser Stelle veröffentlichen, zur Beurteilung meines Gesamtwerkes. Das kann aber noch eine Weile dauern. Jetzt muss ich mich erst mal für einen Auftritt am WE vorbereiten, an welchem unser 30 jähriges Bühnenjubiläum gefeiert wird.
Danach gehts ab in den wohlverdienten Urlaub.

Mephisto: klar habe ich vor die fehlenden Belägen mit Elfenbeinplättchen zu komplettieren.
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
So: zurück aus dem Urlaub. Aus- und braungebrannt. Dremel Samstag auch noch durchgebrannt. Trotzdem mit brennendem Eifer weiter am Klavier gearbeitet. In brennder Hitze (wohne unter dem Dach) mit neuem Dremel Tasten weitergeschliffen. Nun hier auf Arbeit; muss was trinken, habe Brand.:)
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
So. Jetzt mal ne richtig dumme Frage: Hab die Möglichkeit ein altes Klavier auszuschlachten. Wie ist das mit den Saiten: will die abspannen und dann orgentlich reinigen. Einfach nur, um Ersatz daheim zu haben (meine sind ja bis jetzt alle ganz). Macht das überhaupt Sinn? Oder ist das Saitenmaterial irgendwann einfach ermüdet?
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Je länger ich an meiner angefangenen Arbeit sitze, desto akribischer werde ich. Das kostet natürlich viel Zeit. Bin nun dabei die Achsenlöcher der Hammernusskapseln etwas weiter aufzubohren und die Achsen ein klein wenig runterzuschleifen, wodurch die Hämmer wieder leichtgängig werden.

Das Anbohren der Hammernuss lasse ich lieber. Mit Hilfe von Bügeleisen und nassem Lappen erwärme ich den Knochenleim und entferne den Gegenfänger, um dort später die Bändchen einzuleimen. Habe beschlossen sämtliche Bändchen zu ersetzen.

Die Hammerkopfe selbst habe ich so abgezogen, dass die Riefen der Saiten nicht mehr sichtbar sind.





 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
klavierrestaurator

klavierrestaurator

Dabei seit
Dez. 2008
Beiträge
631
Reaktionen
171
Hi!

Ich glaube nicht, dass du die saiten als ersatz verwenden kannst... da müssen die länge, die durchmesser (kern, kupfer...) und eigentlich material gut du den restlichen saiten und dem klavier passen... wenn eine oder zwei basssaiten reissen (passiert normal beim stimmwirbel), kann man sie flicken. Ist viel gescheiter ale andere/neue saiten zu verwenden. Die hört man immer...

Ich frage mich nur, warum leimst die bändchen nicht auf die hintere seite des gegenfängers?? Du hast dir ja eine mega arbeit angetan! naja... wenn es so gemacht wird wie es original war, ist man, natürlich, sehr zufrieden. :rolleyes: das verstehe ich schon! :D

viel spaß bei der veiteren arbeit!
lg
emmanuel
 

klavierrestaurator

klavierrestaurator

Dabei seit
Dez. 2008
Beiträge
631
Reaktionen
171
ist mir gerade eingefallen; die hammerköpfe solltest du besser abziehen, glaube ich. sie sehen auf dem scheitel ziemlich flach aus. da müssten sie schön "spitzig" sein... da sollte aber jemand der sich besser auskennt noch was dazu sagen.
 
klaviermacher

klaviermacher

Dabei seit
Apr. 2008
Beiträge
8.053
Reaktionen
3.294
Uiuiui,

Die Hämmer schleift man nicht soweit, dass keine Rillen mehr zu sehen sind, sondern dass die Form stimmt und der Anschlagspunkt wieder mehr ein Punkt statt eine Fläche ist.

Das Ausleimen der Gegenfänger hingegen sieht professionell aus.

LG
Michael
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Hm, hoffe nichts gänzlich falsch gemacht zu haben, bezüglich der Hämmer. So viel war es ja auch nicht, was ich wegnehmen musste.

Ich weiß, mache mir etwas zuviel Arbeit mit den Bändchen. Aber ich habe ja nicht den Druck eines professionellen Klavierbaumeisters, der damit seine Semmeln verdienen muss. Will es eben so originalgtreu, wie möglich wieder herstellen.

Ich habe hier in anderen Beiträgen gelesen, dass man ältere Klaviere oft einen halben Ton runterstimmen muss. Beschreibt diese Vorgehensweise die Möglichkeit, dass bei korrekter 440 Hz Stimmung Saiten reissen könnten, oder betrifft das die allgemeine Stimmfestigkeit des Möbelstückes?
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Uiuiui,

Die Hämmer schleift man nicht soweit, dass keine Rillen mehr zu sehen sind, sondern dass die Form stimmt und der Anschlagspunkt wieder mehr ein Punkt statt eine Fläche ist.
Und was tut man, wenn ein Hammer all die Jahre nur zweieinhalb oder gar nur zwei von drei Saiten getroffen hat? Wenn man ihn nun neu ausrichten will, trifft er neben den alten Furchen auf die Saiten. Hier ein Beispiel für zweieinhalb aus meinem Ibach:



Oder ein Beispiel für zwei statt drei:
Passung:

Abdruck:


Ciao,
Mark
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
K

Klavierbaumeister

Dabei seit
Jan. 2008
Beiträge
1.327
Reaktionen
188
Kollege Klaviermacher hat das vielleicht etwas unverständlich formuliert:
Er wollte vermutlich sagen, dass die Zielsetzung nicht ist, einfach nur die Rillen wegzubekommen und solange "rumzufeilen" bis dies der Fall ist.

Ziel ist es, den Hammerfilz so zu bearbeiten, dass der Berührungspunkt eben wieder ein Punkt und nicht eine Strecke ist.
Wenn man den Hammer so bearbeitet, dass die Form wieder stimmt, dann sind nachher auch die Rillen wieder weg.


In Deinem Beispiel Klimperer sollte man die Filze auf jeden Fall sauber abziehen, da sonst nicht alle drei Saiten gleichmäßig angeschlagen werden, was fiese Töne ergibt und auch die Hammernusskapseln stärker beansprucht werden, wenn der Hammer jetzt zwar richtig ausgerichtet ist, aber bei entsprechender Wucht doch immer wieder seitlich in die alten Rillen abrutscht.
 
Klimperer

Klimperer

Dabei seit
Aug. 2009
Beiträge
2.179
Reaktionen
296
Ah, herzlichen Dank, KBM!
 
E

eff06

Dabei seit
Juni 2010
Beiträge
88
Reaktionen
0
Demnach muss ich sie also noch stärker abziehen. Etwa so?

2810-73ecf77cb25894e33bd88c387541d6d9.jpg
 
P

Patti123

Dabei seit
Juni 2007
Beiträge
233
Reaktionen
0
Das sieht schon besser aus!

Man versucht immer den Holzkern auf den Filz zu übertragen. Aber es gibt eben auch verschiedene Arten den Hammer zu feilen. Eine spitzere Form sorgt für einen dünneren Aufschlagspunkt, dadurch wird er Klang etwas spitzer und klarer. Dies ist häufig bei Steinway und Yamaha so. Bei Bechstein feilt man in der Regel etwas runder um dem Klang mehr Fülle zu geben.

Natürlich kommt es hierbei auch auf die Zusammensetzung des Filzes und der Elastizität an.
 
 

Top Bottom