Qualität von Klavierunterricht


S
Spielerin
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Hallo

ich bin recht verunsichert über die Qualität des Klavierunterrichts für meinen Sohn (10) und mich (fast 50), und bitte - da hier viele Fachleute sind - deshalb um euren Rat bzw. Einschätzung.

Mein Sohn hat seit einem Jahr Unterricht, ich seit ca. 8 Monaten. Mein Sohn hat vorher Flöte gespielt, trommelt, kannte Noten. Ich selbst bin unmusikalisch, bislang kein Instrument, kannte vor dem Unterricht keine einzige Note.

Der Kl ist staatlich geprüfter Musiklehrer, soweit sympathisch, wir haben jeweils 30 Min / Woche Unterricht (einzeln).

Das Problem:

Wir haben mit so Liedchen im 5-Tonraum angefangen, ohne Bassschlüssel und viel weiter sind wir auch heute noch nicht. Mein Sohn hat eben gerade angefangen den Bassschlüssel zu lernen, er soll jetzt mit der Europäischen Klavierschule (Band 1) anfangen. Ich kann den Bassschlüssel schon etwas länger, hatte irgendwann darauf bestanden. Ich übe teils mit Heumann (hatte ich angeschleppt als ich mit den Liedchen aufhören wollte, KL war nicht begeister), bin da bei "Lang, lang ists her" und seit kurzem mit "Fingerkraft" (bin hier bei Nr. 23) und mit Noten vom KL ("Freude schöner Götterfunken", Etwas mit Terzen).

Es kann sein, dass wir etwas wenig geübt haben.

(Bei meinem Sohn ist es allerdings so, dass ich den Eindruck habe, er weiß auch nicht so recht, warum er länger als maximal 10 Minuten üben sollte: er spielt seine Liedchen, geht schon und fertig. Da ist irgendwie nichts zum üben, zum festbeißen.)

Mir sind über die Monate immer mehr Zweifel gekommen und es schien mir seltsam, können wir nicht arg wenig?
Ist das wirklich ein vernünftiger Unterricht?

Zudem bin ich etwas genervt über Unzuverlässigkeiten und habe den Eindruck, dass der KL sich nicht besonders für den Unterricht interessiert.

Mein Sohn ist loyal, "verteidigt" seinen KL, will so weitermachen. Das ist recht typisch für ihn, auch eine Art der Unsicherheit. Er würde von sich aus nicht wechseln, auch keine Probestunde woanders nehmen.

Ich möchte ihn nicht drängen, will aber auch nicht, dass er aus falsch verstanderner Loyalität und aus Unsicherheit schlechten Unterricht hat, Zeit verschwendet, den spaß verliert und so weiter. Er wollte Klavier unbedingt lernen und er soll die Chance auf guten Unterricht haben. Er selbst ist - wegen des Loyalitätskonflikts - zu klein über einen wechsel zu entscheiden, ich wäre alt genug, bin aber zu unsicher was denn nun "normal" wäre.

Also, wegen der Wünsche meines Sohnes - und auch ich fände einen Wechsel unangenehm..- würde ich bleiben, wenn das nicht heißt, uns beiden - vor allem dem Kind - die Chance zu nehmen vernünftig Klavier spielen zu lernen.

Das war lang, hoffentlich hat eine/r was dazu zu sagen.
Vielen Dank und viele Grüße

Spielerin
 
S
Stephan
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Zweifel

Hallo, liebe "Spielerin", wie mein Titel schon sagt, sind Sie im Augenblick am zweifeln, ob der Klavierlehrer die richtige Didaktik und Methodik einsetzt. Als Außenstehender muss man da vorsichtig sein, weil man weder seine Methodik, noch die Unterrichtsprogression von Ihnen und Ihrem Sohn kennt. Ich selber bin ebenfalls Klavierlehrer, und mache z.B. die Lehrinhalte und Lehrnethoden nicht nur vom Alter und Ausbildungsstand, sondern auch von einem kleinen Test zu Beginn (in spielerischer Form) abhängig.
Grundsätzlich würde ich Ihnen zustimmen, wenn Ihr Sohn mit 10 Jahren und nach einem Jahr Unterricht nur Lieder im Fünftonraum spielt. Wobei die Frage bleibt, ob dies nur einstimmig geschieht. In Ihrem Fall wäre ich übrigens Heumann gegenüber genauso skeptisch wie der Kollege. Das einzige Werk von ihm, das ich ggf. einsetzen würde ist die "Barmusik", um das Spektrum über die Klassik hinaus zu erweitern, und die Schüler mit den entsprechenden Klangmöglichkeiten vertraut zu machen. Ansonsten bietet Heumann derartige Klassik-Light-Werke an, die die Freude am Werk verderben, eine ungebührliche Antizipation oft großartiger Kompositionen darstellen, und den angehenden Klavierspieler letztlich frustrieren. Es gibt leichte Originalwerke zu Hauf, die für den Unterrichtsprozess eingesetzt werden können.

Grundsätzlich kann man aber wohl auch sagen, das die Entscheidung Ihres KL für die "Europäische Klavierschule, Bd 1, sehr gut ist. Ich persönlich frage mich dabei, warum dieses Werk nicht schon früher zum Einsatz gekommen ist, zumal ihr Sohn durch Flöte und Trommel gewisse Vorkenntnisse zu haben scheint. Andererseits habe auch ich mitunter die Erfahrung gemacht, das ein Vorkurs für dieses Werk auch nicht immer falsch ist (z. B. in Gestalt von der Schule von Schaum, Bd 1, oder durch Übungen, die ich für die Schüler selber schreibe).

Meiner Ansicht nach ist aber das Inhaltliche nicht das eigentliche Problem, sondern die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Lehrer. Sprechen Sie ihn doch bei einer guten Tasse Kaffe einfach offen darauf an, bitten Sie ihn, Ihnen als Laien doch seine Methodik zu erläutern, äußern Sie doch ruhig konstruktive Kritik oder Zweifel, sagen Sie ihm ruhig, dass Sie persönlich diese Vorgehensweise für eine demotivierende Unterforderung halten. Für einen gelingenden Unterrichtsprozess ist auch eine offene, und von Vertrauen getragene zwischenmenschliche Atmosphäre unerlässlich.
Ich wünsche Ihnen gute Klärung und Freude am Erfolg ! Stephan
 
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Grace
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Also so rein subjektiv gesehen, wie sich das hier anhört, würde ich sagen:

Dem Bauchgefühl folgen und den KL wechseln.

Wenn man nicht wirklich mit Begeisterung im Unterricht ist und der KL auch eine gewisse Begeisterung und Motivation während der Stunde rüberbringt, dann würde ich mich durch diese 30 min. "durchquälen", was für mich keinen Sinn macht.

Man will ja auch Erfolge sehen und spüren und wenn Du jetzt da Gefühl hast, Du lernst zu langsam oder zu wenig, dann stimmt was mit dem Unterricht bzw. mit dem KL nicht. Vielleicht ist er ja pädagogisch auch einfach nicht so toll ... das erinnert mich ein bisschen an meinen alten Mathelehrer. Der schimpfte sich zwar Lehrer, war aber weit von Pädagogik entfernt und konnte mir daher auch nichts vermitteln. :neutral:
 
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DoctorGradus
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Mit der Europäischen Klavierschule habe ich damals auch gelernt und es ist glaube ich eine solide Klavierfibel.

Ich glaube Stephan hat das nötige gesagt.

@Grace: Ich glaube du bist da vielleicht etwas voreilig. Vielleicht erklärt der Lehrer ja noch, warum er in dieser Geschwindigkeit vorgeht.
 
C
Chrissi
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Wie gut spielen denn die anderen Schüler des KL?
So aus der Ferne lässt sich die Qualität des Unterrichts leider nicht beurteilen.
Bevor Du wechselst weil es nicht schnell genug voran geht würde ich mich ganz ehrlich fragen, ob Du wirklich alle so geübt hast wie der KL es fordert.

"Bei meinem Sohn ist es allerdings so, dass ich den Eindruck habe, er weiß auch nicht so recht, warum er länger als maximal 10 Minuten üben sollte: er spielt seine Liedchen, geht schon und fertig. Da ist irgendwie nichts zum üben, zum festbeißen." (Spielerin)
Ein 10-jähriges Kind ist nicht immer in der Lage alleine sinnvoll zu üben. Oft werden die Stücke einfach nur durchgespielt und das wars dann. Vieles klappt schon beim 1.Mal und trotzdem muss man es wiederholen damit es fest verankert wird. Mein Lehrer hat mir früher immer daneben geschrieben wie oft ich eine Stelle täglich üben muss, oder mich meine Etüden auswendig lernen lassen, da ich sonst alles vom Blatt gespielt hätte. (Er war übrigens ein sehr renomierte Geigenlehrer.)

Falls das Vertrauen in den Lehrer schon zerstört ist, bleibt Dir nur noch ein Wechsel. Ich würde mir aber vorher gut überlegen wie Dein Sohn reagieren wird. Wenn er sehr am KL hängt könte es sein, dass er die Lust verliert und zwar mehr "übt", aber trotzdem weniger lernt.
 
S
Spielerin
Guest
Hallo zusammen,

vielen Dank für die vielen Beiträge und Anregungen. Ich hoffe, dass ich damit mehr Klarheit bekomme worin das Problem liegt und wie es zu lösen ist.

Habe beim Lesen der Beiträge schon gemerkt, dass es wahrscheinlich tatsächlich nicht so sehr die Methode des KL ist, welche mich stört, sondern mehr der Unterricht. Dass also unser geringer Fortschritt vielleicht schon auch was damit zu tun hat, dass der Unterricht wenig ambitioniert ist.

Denn guter Klavierunterricht hat ja mehrere Ebenen:

die Methode, bzw. Auswahl der Stücke
da ist er vielleicht ganz gut, bzw. wegen der Unterforderung könnte man mit ihm reden, obwohl ich das schon recht ergebnislos versucht habe. Dass ich damals den Heumann angebracht hatte, lag ja auch daran, dass vom KL nichts Rechtes kam. Und er hat in Bezug auf meinen Sohn darauf bestanden, dass der Bassschlüssel erst jetzt nach einem Jahr gelernt wurde. Als kleine Begleitung links. Vorher haben wir alles zwar mit beiden Händen gespielt, aber auch die linke Hand im Violinschlüssel dieselben Noten. Ich dachte ehrlich gesagt recht lange, dies sei die übliche Art Klavier zu spielen.

und der Unterricht selbst.
Und da habe ich den Eindruck, der KL interessiert sich nicht besonders dafür. Immer wieder werden kurzfristig Termine abgesagt bzw. verschoben.Speziell der Unterricht meines Sohnes beginnt immer mindestens 5 Minuten später, aufgehört wird dennoch einigermaßen pünktlich. Zu Beginn geht der KL erst mal aufs Klo - spiel dich schon mal ein - und immer wieder wird auch während des Unterrichts kurz telefoniert. Ich finde, das dürfte alles nicht sein. Vielleicht erwarte ich zu viel, aber ich wünsche mir für die 30 Minuten wirklich volle Aufmerksamkeit. Da würde mich interessieren: ist das üblich? Wie machen das die anderen KL? Werden z.B. Noten für den Schüler während des Unterrichts kopiert?

Zum Üben:
genau das stört mich eben, dass meinem Sohn im Grunde kaum je gesagt wurde wie viel er üben soll. Mit mir wurde über sein Üben nicht gesprochen. Ich habe fast den Verdacht, wenn wir wir gar nicht geübt hätten wäre das auch nicht kommentiert worden.

Andere Schüler von ihm kenne ich nicht. Bei einem Vorspielabend ist meinem Mann aufgefallen, dass es einige wenige sehr gute Spieler gibt (in einer Band), KL spielt auch in einer Band, und ansonsten Anfänger, dass also das Mittelfeld fehlt.

Mittlerweile hat mein Sohn gestern gesagt, er möchte doch mal eine Probestunde woanders, vielleicht wäre das weniger langweilig. Sein Wunsch zu bleiben liegt ja nicht daran, dass ihm der Unterricht gefällt, sondern daran, dass er den KL "voll nett" findet. Loyalitätskonflikt eben.

Wir haben jetzt etwas Zeit zum Nachdenken, weil KL diese Woche verreist ist und danach sind Osterferien.
Vielleicht versuche ich danach mit ihm zu reden , wobei das schwierig ist, weil ich fürchte, er ist eben so, das ist seine Art.
Dazwischen werden wir wohl mal woanders eine Probestunde nehmen /vielleicht bezahlt / um einfach mal zu erleben wie Klavierunterricht woanders aussehen könnte. Wobei ich fürchte, so Sachen wie ob Termine pünktlich eingehalten werden und wie aufmerksam der Lehrer ist, merkt man ja nicht sofort. sofort merkt man eigentlich nur, ob der KL sympathisch ist. Und sympathisch ist der unsrige ja eigentlich.

Viele Grüße

von der etwas verzagten Spielerin
 
Pirata
Pirata
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Hallo Spielerin,

das du derzeit etwas verzagt bist, dass kann ich dir gut nachfühlen. Ich hab deine Geschichte aufmerksam gelesen und möchte dir jetzt einfach mal schreiben, wie es bei mir im Unterricht so abläuft.

Ich habe Anfang Februar angefangen Klavierunterricht zu nehmen und konnte vorher halbwegs den Violinschlüssel lesen (durch Flötenunterricht vor 25 Jahren). Bassschlüssel hab ich ab Januar angefangen mir ein wenig selbst beizubringen, mit Hilfe des von dir erwähnten Heumann Buches). Du siehst also, ich bin wirklich absolute Anfängerin.

Ein Mal die Woche ist Unterricht, ein 3/4 Stunde. Während des Unterrichts geht er im Normalfall nicht ans Telefon, sondern lässt den Anrufbeantworter rangehen. Er wirkt interessiert und würde es sicherlich sofort merken, wenn ich mal nicht geübt hätte.

Wir arbeiten mit der Europäischen Klavierschule und sind da etwa in der Mitte eingestiegen, da ich mir über den Januar schon ein wenig selbst erarbeitet hatte in Sachen Bassschlüssel. Im 5-Ton-Raum befinden wir uns auch noch aber ich denke da kommen wir bald heraus. Es wurde von Beginn an mit Violin- und Bassschlüssel gespielt und natürlich ist ein ganzer Schwung Kinderlieder dabei, er versucht aber immer die allerschlimmsten Lieder wegzulassen, weil er erwachsene Schüler nicht völlig demotivieren will mit den Liedchen.

Natürlich kann ich es nicht direkt vergleichen, da ich dich und deinen Sohn noch nicht spielen gehört habe. Aber allein die Überlegung, dass ihr euch nach der langen Zeit noch im 5-Ton-Raum bewegt, wo ich denke das ich da bald raus bin, lässt bei mir die Alarmglocken läuten.

Dazu dann noch das unangenehme Gefühl, dass er euch nicht so wichtig behandelt wie ihr es als Schüler verdient habt.

Ich glaube ihr würdet gut daran tun euch zumindest mal einen anderen KL anzuschauen.

Viel Glück und lass die Ohren nicht hängen. Das findet sich :)
 
Klavier Volker
Klavier Volker
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Und da habe ich den Eindruck, der KL interessiert sich nicht besonders dafür. Immer wieder werden kurzfristig Termine abgesagt bzw. verschoben.Speziell der Unterricht meines Sohnes beginnt immer mindestens 5 Minuten später, aufgehört wird dennoch einigermaßen pünktlich. Zu Beginn geht der KL erst mal aufs Klo - spiel dich schon mal ein - und immer wieder wird auch während des Unterrichts kurz telefoniert. Ich finde, das dürfte alles nicht sein. Vielleicht erwarte ich zu viel, aber ich wünsche mir für die 30 Minuten wirklich volle Aufmerksamkeit. Da würde mich interessieren: ist das üblich? Wie machen das die anderen KL? Werden z.B. Noten für den Schüler während des Unterrichts kopiert?

Hallo,

mal ganz ehrlich meine Meinung. Ein KL bekommt für die halbe Stunde in der er Tätig ist, eine Menge Geld. Und da sind solche Dinge, wie Du oben beschreibst völlig indiskutabel. Für mich gäbe es keine Minute des zögerns, den KL würde ich vor die Tür setzen und mein Geld sinnvoller in einen "richtigen" Kl inverstieren.

Gruß Volker
 
C
chiarina
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Meiner Ansicht nach ist aber das Inhaltliche nicht das eigentliche Problem, sondern die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Lehrer. Sprechen Sie ihn doch bei einer guten Tasse Kaffe einfach offen darauf an, bitten Sie ihn, Ihnen als Laien doch seine Methodik zu erläutern, äußern Sie doch ruhig konstruktive Kritik oder Zweifel, sagen Sie ihm ruhig, dass Sie persönlich diese Vorgehensweise für eine demotivierende Unterforderung halten. Für einen gelingenden Unterrichtsprozess ist auch eine offene, und von Vertrauen getragene zwischenmenschliche Atmosphäre unerlässlich.
Ich wünsche Ihnen gute Klärung und Freude am Erfolg ! Stephan


Hallo Spielerin,


um zu einer Entscheidungsfindung zu kommen, bei der du dich wirklich wohl fühlst, gib doch deinem Lehrer in einem persönlichen Gespräch noch einmal die Chance, deinen Fragen Rede und Antwort zu stehen. Wahrscheinlich weiß dein Klavierlehrer gar nicht, wie du dich fühlst! Wie Stephan möchte ich dich ermuntern (auch wenn du vielleicht unsicher bist), dieses Gespräch zu suchen - du hast ein Recht auf Antworten, denn du bezahlst seine Arbeit! Du weißt doch auch ziemlich genau, was dich stört - nach dem Gespräch wirst du sicher eher wissen, was du tun möchtest!

Nur Mut und viel Erfolg ;)

chiarina
 
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DoctorGradus
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Und da habe ich den Eindruck, der KL interessiert sich nicht besonders dafür. Immer wieder werden kurzfristig Termine abgesagt bzw. verschoben.Speziell der Unterricht meines Sohnes beginnt immer mindestens 5 Minuten später, aufgehört wird dennoch einigermaßen pünktlich. Zu Beginn geht der KL erst mal aufs Klo - spiel dich schon mal ein - und immer wieder wird auch während des Unterrichts kurz telefoniert. Ich finde, das dürfte alles nicht sein. Vielleicht erwarte ich zu viel, aber ich wünsche mir für die 30 Minuten wirklich volle Aufmerksamkeit. Da würde mich interessieren: ist das üblich? Wie machen das die anderen KL? Werden z.B. Noten für den Schüler während des Unterrichts kopiert?

Hey,

mein Klavierlehrer hat damals auch meist kurz das Zimmer verlassen. Ich glaube aber das war eher um mir den Stress der Vorspielsituation zu nehmen. Er war bei geöffneter Tür im Nebenraum, aber halt außer Sicht ;-) Nichts schlimmer als in den ersten Takten am fremden Klavier daneben zu greifen, dann ging erstmal garnichts mehr.

Telefonieren oder andere Dinge tun finde ich sind jedoch nicht akzeptabel.

Wenn Du und dein Sohn beide unterricht nehmt würde es sich vermutlich empfehlen wenn Du Probestunden bei anderen Lehrern nimmst, das kann ja durchaus auch parallel zum Unterricht beim jetzigen Lehrer nehmen. Dann kannst du vergleichen wie sich andere Lehrer verhalten.
 
hyp408
hyp408
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Ein Klavierlehrer, der immer 5 Minuten zu spät anfängt, während der Stunde gar aufs Klo rennt oder telefoniert ist völlig unakzeptabel. Versuchs bei einem anderen, der den Du da gerade hast, taugt nichts.

Gruss
Hyp
 

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cisco82
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Hallo,

also deinen Beiträgen zu entnehmen geht es ja nicht nur rein um die Qualität, sondern scheinbar auch um die persönliche Ebene die nicht so richtig zu stimmen scheint.
In so einem Fall würde ich auch dazu raten, zumindest Probestunden bei anderen Lehrern zu nehmen, dann werdet ihr sehr schnell merken was euch gut gefallen hat und was nicht, und gegebenenfalls den Lehrer wechseln.

Ein offenes Gespräch kann auch einiges bewirken, zumindest wenn Zeiten nicht gehalten werden oder während des Unterrichts telefoniert wird. Ist das die Ausnahme kann man darüber hinwegsehen, wenn dann auch mal ein paar Minuten draufgeschlagen werden bei der Stunde, aber wenn das häufiger vorkommt hätte ich dafür kein Verständnis. Immerhin bezahlst du für diese Dienstleistung.

Ich habe auch gerade einen Lehrerwechsel hinter mir, da ich auch sehr unzufrieden war und ich kann nur sagen, dass wenn das Bauchgefühl nicht mehr stimmt, der Unterricht immer eine latente Unzufriedenheit mit sich trägt.
Ich habe den Wechsel nicht bereut.

Viele Grüße

Christian
 
hyp408
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Ein paar - ungeordnete - Gedanken zum Thema!

Das Problem KL an sich sehe ich grundsätzlicher:
Vieles hier im Thread atmet den Geist eines Lehrer - Schüler Verhältnisses mit entsprechender Verteilung der Autoritäten. Als erstes sollten wir den Klavierunterricht als Dienstleistungsverhältnis definieren. Der Dienstleister (Klavierlehrer) erbringt eine Leistung und wird dafür auf Stundenbasis entlohnt. Was ich persönlich für absolut wichtig halte (und auch selbst gemacht habe) ist, die Dienstleistung vorher zu definieren. Niemand käme auf die Idee, einen Maler (Dienstleister) mit den Worten zu beauftragen: "Hier ist das Wohnzimmer, ich hätte es gerne schöner, machen Sie mal - Zeit spielt keine Rolle".

Ich habe mir vor der ersten Stunde Gedanken gemacht, wieviel Zeit ich zum Üben aufbringen kann und will (also z.B. 1-2 Stunden am Tag konzentriert). Daraufhin hat meine Klavierlehrerin gesagt: Bei durchschnittlicher Begabung kann man damit als "Alt-Schüler" die Russische Klavierschule in 2-3 Jahren durcharbeiten (das steht auch als Regelzeit auf eben dieser Schule). Wir haben weiterhin vereinbart, dass wir alle 3 Monate ein Gespräch führen werden, in dem besprochen wird wo wir sind und wie das Ziel neu justiert werden kann (muss). Also, entweder ich bin im Zeitplan - dann ist alles In Ordnung, oder ich bin es nicht. Wenn ich nicht im Zeitplan bin, heisst das entweder übe ich zu wenig oder falsch oder ich habe zu wenig Talent oder der pädagogische Ansatz ist falsch. Kann ja sein, dass ich manchmal zu wenig Zeit habe, um die 1-2 Stunden pro Tag zu üben, dann weiss ich aber auch (und meine KL sagt es mir) dass die zeitlichen Ziele so nicht zu halten sind. Dann kann ich mir meine Prioritäten neu setzen. Bisher konnte ich alle "Fehlzeiten" ausgleichen und ich liege immer noch "auf Kurs" (sprich nach 15 Monaten bin ich mit Teil 1 durch).

Also wichtigster Punkt (jeder Pädagogik): Ziele vereinbaren und regelmäßig gemeinsam überprüfen. Das können bestimmte Stücke zu einem bestimmten Zeitpunkt sein oder bestimmte Stellen in bestimmten Schulen etc.

Das vermeidet dann auch eines der größten Probleme im Instrumenten-Unterricht: Da der Klavierlehrer in der Regel vom Klavierunterricht leben muss, wird er den Absprung von Schülern so gut es geht vermeiden. Die Erfahrung zeigt, das Überforderung das größte Risiko für einen Abbruch darstellt (jedenfalls häufiger als Unterforderung). Speziell bei der Arbeit mit Kindern wird deshalb meistens der Anforderungshorizont sehr niedrig gelegt (sollen doch die Eltern den Druck aufbauen ....) - verständlich, aber nicht unbedingt geeignet, schnelle Fortschritte zu erzielen. Zielvorgaben und gemeinsame Überprüfungen der Ziele (in diesem Fall Eltern, Kinder, KL) führen da eher zum Ziel (und wenn dabei rauskommt, dass der kleine Ballak nie ein kleiner Mozart wird - um so besser: Geld gespart, ein guter Fussballer mehr, ein schlechter Klavierspieler weniger - so what).

Was das Telefonieren des Dienstleisters im Unterricht angeht: In der Kirche und im Konzert gehts auch mal 45 Minuten "ohne". Die Nummer steht im Display und ein guter Klavierlehrer wird nach 3 oder 4 Einheiten auch mal 15 Minuten (unbezahlte) Pause machen um Rückrufe zu tätigen. Mein Bankberater telefoniert nicht, während er an mein Geld will, mein Masseur tut das nicht und mein KL auch nicht. In dringenden Notfällen - Okay, wenn dann die Zeit nachgeholt wird.

Wenn ein KL es nicht schafft, sein "Geschäftchen" auf nach den Unterricht zu verschieben, würde ich ihn als inkontinent bezeichnen. Dann sollte er bei der BG Antrag auf Arbeitsunfähigkeit stellen und von seiner Rente leben. Ich hab noch nie erlebt, dass ein Opernsänger wärend der Vorführung gesagt hat: Tschuldigung, ich muss mal eben ... kein Pfarrer, kein Lehrer (in der Schule), kein Arzt während der OP tut das ... ich mache das auch nicht in zeitlich überschaubaren Geschäftsbesprechungen und halte das auch für sehr unhöflich (von notfällen - Novovirus - mal abgesehen, aber dann sollte man sich sowieso von anderen Menschen fernhalten).

Ein Dienstleister sollte immer sein Geld wert sein! Also, der Musik-Student, der für 20 Euro eine Stunde Unterricht gibt, ist vielleicht billiger als der professionelle Klavierlehrer, der 40 Euro für 30 Minuten verlangt - dieser wird in der Regel jedoch besser sein. Von ihm kann ich verlangen, dass er mir reinen Wein über mein Talent einschenkt, die Pädagogik entsprechen meiner Fähigkeiten modifizieren kann, sich an Zielvereinbarungen hält oder mir erklärt, warum Ziele nicht erreicht werden können (in 90 % der Fälle wird es an mir liegen). So wird man letztendlich trotz erheblicher Mehrkosten mehr "Können" für sein Geld erwerben als beim GelegenheitsKlavierbeibringer.

Ohne eigene Anstrengungen wirds aber auch mit dem besten KL nichts. Um vernünftige Fortschritte zu erzielen ist es nun mal nötig, ausreichend zu üben. Das mag je nach Talent variieren, aber in jedem Fall ist dazu Fleiss und Ausdauer notwendig. Wenn ich die Aufgaben, die mir mein KL gestellt hat zu 100 % beherrsche (also fehlerfrei nach Taktell in der vorgeschriebenen Geschwindigkeit und mit den ensprechenden Nouancen spielen kann) wird dem KL nichts anderes übrig bleiben, als mir neue (dann im besten Fall graduiert schwierigere Aufgaben zu stellen). Wer nach 8 Monaten immer noch einstimmig im 5-Finger Raum unterwegs ist hat deshalb den falschen Klavierlehrer oder ist stinkfaul oder hat definitiv kein Talent. Kann man die beiden letzten Fälle ausschliessen, ist es angezeigt, den KL zu wechseln. Ist man sich nicht sicher, macht es immerhin Sinn, es mal mit einem anderen KL zu versuchen. Berücksichtigt man dann meine Vorschläge weiter oben, weiss man nach weiteren 4 Wochen, ob man Geld und Zeit nicht besser für etwas anderes aufwendet.

So, das waren meine Gedanken hierzu.

Gruss

Hyp
 
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Spielerin
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Hallo hyp 408,

ernstes Thema, trotzdem, ich habe mich prima amüsiert und fast tot gelacht.

Richtig ist, dass mein Talent sicher als mäßig zu bezeichnen ist und besonders fleißig war ich bis jetzt auch nicht.

Im Ergebnis werde ich tatsächlich versuchen mal woanders Probestunden zu bekommen und finde deine Anregung vorher Zielvorgaben etc. zu besprechen, sehr gut. Ich bin da wirklich sehr naiv und unbedarft rangegegangen.

Danke für die ausführliche antwort - danke auch an alle anderen, die sich die Mühe gemacht haben zu antworten!

Gruß
Spielerin (schon besser gelaunt)
 
hyp408
hyp408
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chiarina
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Zielvorgaben und gemeinsame Überprüfungen der Ziele (in diesem Fall Eltern, Kinder, KL) führen da eher zum Ziel (und wenn dabei rauskommt, dass der kleine Ballak nie ein kleiner Mozart wird um so besser: Geld gespart, ein guter Fussballer mehr, ein schlechter Klavierspieler weniger - so what).

.......

Wenn ein KL es nicht schafft, sein "Geschäftchen" auf nach der Unterrichtszeit zu verschieben, würde ich ihn als inkontinent bezeichnen.



Hallo hyp408,

offensichtlich hast du ganz klare Ziele und Vorstellungen, was deinen Klavierunterricht angeht. Das finde ich erst einmal klasse!

Als Klavierlehrerin sehe ich mich auch durchaus als Dienstleister, der Angebote macht und kundenorientiert ist.

Jedoch gehen die Zielvorstellungen von Kindern/Eltern/Erwachsenen bzgl. des Klavierunterrichts oft sehr auseinander. Deine Ziele kann ich für dich vollkommen akzeptieren und anerkennen, bei einigen deiner Aussagen aber( s.o.) muss ich doch sehr schlucken.

Bist du wirklich der Meinung, dass ein Klavierunterricht nur dann sinnvoll ist, wenn das Kind ein kleiner Mozart wird???

Glaubst du nicht, dass auch weniger begabte Kinder Spaß am und Erfolg beim Klavierspielen haben können?

Glaubst du nicht, dass Übezeit sich durchaus an die Realität ( Schule, andere Interessen, bei Erwachsenen starke berufl. Beanspruchung...) anpassen kann, solange einigermaßen regelmäßig geübt wird, Spaß am Klavierspielen herrscht und Fortschritte/Erfolge sichtbar sind?

Verwechselst du nicht deine Ziele mit eventuellen Zielen anderer?

Glaubst du, dass deine Ziele allgemeingültig für guten Klavierunterricht sind?

Ist es nicht möglich, dass ein Klavierlehrer in seltenen Fällen auch mal auf's Klo gehen darf, wenn allgemein ein Klima des Vertrauens, des Interesses und der Sympathie herrscht?


So sehr ich es gut finde, dass Ziele formuliert und überprüft werden und dass ein Klavierlehrer natürlich nicht ständig aufs Klo rennen, telefonieren, zu spät anfangen ...sollte, so sehr habe ich im Klavierunterricht auch noch andere Ziele als die von dir beschriebenen. Bei der Bewerbung an einer Musikschule würden als ausschließliche Zielvorstellung die schnellen Fortschritte des Schülers jedenfalls niemals ausreichen (so habe ich dich jedenfalls verstanden).

Spaß am Klavierspielen, Entdeckung von Musik- und Klanglandschaften, Schulung des Gehörs und der Klangvorstellung, Entwicklung von Kreativität und Selbständigkeit, selbst entwickelte Problemlösungsstrategien, Übetechniken sind neben der Entwicklung einer fundierten Spieltechnik zur Realisierung der Klangvorstellung, dem Wissen über Musik/Musiktheorie/Epochen/Stile, dem Kennenlernen des riesigen Spektrums von Musik nur einige Ziele. Daraus können je nach Begabung, Interesse, Übezeit sehr unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Meinst du nicht, jedes dieser Ergebnisse hat seine Berechtigung?

Vielleicht ärgert dich ja auch auch eine eventuell geartete Vorstellung, man dürfe von einem Lehrer nichts erwarten (du schriebst etwas von Autorität und Machtverhältnis). Das war natürlich früher so und tritt sicher auch heute noch auf. Ich finde auch, dass Eltern, Kinder ... manchmal ruhig etwas kritischer sein könnten. Koelnklavier hat glaube ich mal geschrieben "Die Leidensfähigkeit von Elter, Kindern etc. ist bisweilen unermesslich." (oder so ähnlich). Bei Problemen sollte man meiner Meinung nach jedenfalls immer als erstes ein klärendes Gespräch führen, um wieder zu dir, Spielerin, zurückzukommen. Aber das habe ich ja weiter oben schon geschrieben.

Viele Grüße

chiarina
 
hyp408
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Hallo hyp408,
Bist du wirklich der Meinung, dass ein Klavierunterricht nur dann sinnvoll ist, wenn das Kind ein kleiner Mozart wird???

Das kommt drauf an wie "klein" klein ist. Aber Instrumentenunterricht ist nur sinnvoll, wenn ein Mindestmass an Talent vorhanden ist und auch der freie Wille (des Kindes), sich für das Erlernen des Instruments anzustrengen. Wenn es nur der Wille der Eltern ist einen "kleinen Mozart zu haben" bringt das alles nichts - und wenn das Kind lieber Fussball spielt als Klavier zu üben sollte es Fussball spielen.


Glaubst du nicht, dass auch weniger begabte Kinder Spaß am und Erfolg beim Klavierspielen haben können?

Eher nicht (kommt natürlich auf das Mass der "Wenigerbegabung" an). In der Regel haben wenig begabte Kinder 1-2 Jahre Unterricht, wenig Spass dabei und nach weiteren 3 Jahren haben sie das Erlernte vergessen. Damit wird viel Geld zum Fenster rausgeschmissen (ich erspare mir den Hinweis auf den Verbleib der Kohle:D). Mir persönlich ist kein Musiker bekannt (und ich kenne ganz viele) der mit wenig Begabung dieses Hobby zur seiner (und anderer Menschen) Freude ausführt (ausser vielleicht ein paar ganz abgefuckte Tanzmusiker ... Originalzitat: "Besser als Kloputzen").

Glaubst du nicht, dass Übezeit sich durchaus an die Realität ( Schule, andere Interessen, bei Erwachsenen starke berufl. Beanspruchung...) anpassen kann, solange einigermaßen regelmäßig geübt wird, Spaß am Klavierspielen herrscht und Fortschritte/Erfolge sichtbar sind?

Absolut! Das hab ich ja geschrieben. Wenn ich weniger übe, komme ich auch langsamer voran. Aber dass muss mir halt auch mal jemand klar machen und dazu gehört auch, das der Klavierlehrer sagt: Entweder mehr üben und im Zeitplan bleiben oder so weitermachen und länger brauchen. Erst dann weiss ich woran ich bin und kann meine Prioritäten setzen. So vermeidet man auch Frustration. Es geht im Moment nicht so schnell voran weil ... (ich gerade Abi mache, ich pro Woche drei Tage im Ausland arbeite, ich eine neue Freundin habe (mit 50 hihihi ....))

Verwechselst du nicht deine Ziele mit eventuellen Zielen anderer?

Ich hab immer nur von meinen Zielen gesprochen (wenn ich sie konkret benannt habe). jeder muss wissen welche Ziele er hat. Der eine will nach 2 Jahren "Für Elise" spielen (möchte ich in 20 Jahren noch nicht können), der andere will Weihnachtslieder begleiten können .... alles ehrenwerte Ziele, die aber mit dem KL besprochen werden sollten, damit dieser weiss woran er ist (und dann hoffentlich auch den Mut hat zu sagen: Das wird nur was mit 8 Stunden üben am Tag - wenn die Ziele zu hoch sind).

Glaubst du, dass deine Ziele allgemeingültig für guten Klavierunterricht sind?

Nein, wie schon gesagt, jeder hat seine eigenen Ziele ...

Ist es nicht möglich, dass ein Klavierlehrer in seltenen Fällen auch mal auf's Klo gehen darf, wenn allgemein ein Klima des Vertrauens, des Interesses und der Sympathie herrscht?

Ich würde diesen Teilaspekt nicht als essentiell ansehen. Der Threadstarter schrieb allerdings in etwa: "In der Regel beginnt der Unterricht damit, dass der Lehrer mit den Worten "Spiel Dich schon mal ein" aufs Klo geht ..."

Spaß am Klavierspielen, Entdeckung von Musik- und Klanglandschaften, Schulung des Gehörs und der Klangvorstellung, Entwicklung von Kreativität und Selbständigkeit, selbst entwickelte Problemlösungsstrategien, Übetechniken sind neben der Entwicklung einer fundierten Spieltechnik zur Realisierung der Klangvorstellung, dem Wissen über Musik/Musiktheorie/Epochen/Stile, dem Kennenlernen des riesigen Spektrums von Musik nur einige Ziele. Daraus können je nach Begabung, Interesse, Übezeit sehr unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Meinst du nicht, jedes dieser Ergebnisse hat seine Berechtigung?

Auch hier sind wir einer Meinung. Wer allerdings nach 8 Monaten (bei Talent und Fleiss) noch im 5-Finger-Raum einstimmig unterwegs ist, dem nützt auch nichts, wenn er Problemlösungsstrategien beherrscht und weiss, was eine Gavotte von einem Two-Step unterscheidet. Alles andere im Zitat entspricht meinen Vorstellungen von einem ordentlichen Klavierunterricht.

Vielleicht ärgert dich ja auch auch eine eventuell geartete Vorstellung, man dürfe von einem Lehrer nichts erwarten (du schriebst etwas von Autorität und Machtverhältnis).

Nein, mich ärgert, wenn manche Leute immer noch der Meinung sind, dass sich der Klavierlehrer dankenswerterweise herablässt, mich kleines und hoffnungsloses Lichtchen zu unterrichten... Das Gegenteil ist der Fall: Wenn ich ordentlich bezahle, kann ich vom Klavierlehrer erwarten, dass er seiner Profession Ehre macht: D.h. mich vernünftig fördert (aber auch fordert), mir ein Feedback über meine Leistungen gibt, sich selbst mit Pädagogik und Didaktik vertaut gemacht hat und mich als Kunden und Mitmenschen mit Respekt behandelt (dazu gehört, nicht zu telefonieren und nicht aus nichtigem Grund weniger als die vereinbarte Zeit zu unterrichten).

Gruss

Hyp
 
.marcus.
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Ich würde diesen Teilaspekt nicht als essentiell ansehen. Der Threadstarter schrieb allerdings in etwa: "In der Regel beginnt der Unterricht damit, dass der Lehrer mit den Worten "Spiel Dich schon mal ein" aufs Klo geht ..."
Wenn der Klavierunterricht nicht gerade mal 30min dauern würde, dann fände ich eine solche Einspielzeit sehr vernünftig. Was der Lehrer derweil macht, ist natürlich seine Sache.
Dann müsste das aber zwischen Lehrer und Schüler abgesprochen sein, dass es am Anfang der Stunde ca. 5 Min zum Einspielen gibt.

Also grundsätzlich muss es nicht das Ende der Pädagogik bedeuten, wenn der Lehrer am Anfang der Stunde verschwindet, damit sich der Schüler einspielen kann. Das wollte ich bloß sagen :D
 
C
chiarina
Guest
Nein, mich ärgert, wenn manche Leute immer noch der Meinung sind, dass sich der Klavierlehrer dankenswerterweise herablässt, mich kleines und hoffnungsloses Lichtchen zu unterrichten... Das Gegenteil ist der Fall: Wenn ich ordentlich bezahle, kann ich vom Klavierlehrer erwarten, dass er seiner Profession Ehre macht: D.h. mich vernünftig fördert (aber auch fordert), mir ein Feedback über meine Leistungen gibt, sich selbst mit Pädagogik und Didaktik vertaut gemacht hat und mich als Kunden und Mitmenschen mit Respekt behandelt (dazu gehört, nicht zu telefonieren und nicht aus nichtigem Grund weniger als die vereinbarte Zeit zu unterrichten).


Hallo hyp408,

aha, es ist doch manchmal gut, nachzufragen ;) ! Offensichtlich habe ich dich in manchem falsch verstanden! Besonders obiger Aussage kann ich nur von Herzen zustimmen!!! Übrigens lerne ich als Lehrerin auch von meinen Schülern sehr viel!

Offensichtlich hast du auch bei Spielerin einen Nerv getroffen und ihr aus dem Herzen gesprochen!

Ich bin nur dagegen, Dinge pauschal abzuurteilen und nicht differenziert zu betrachten - aber das wolltest du ja anscheinend gar nicht.

Nur einem kann ich so nicht zustimmen:

Eher nicht (kommt natürlich auf das Mass der "Wenigerbegabung" an). In der Regel haben wenig begabte Kinder 1-2 Jahre Unterricht, wenig Spass dabei und nach weiteren 3 Jahren haben sie das Erlernte vergessen. Damit wird viel Geld zum Fenster rausgeschmissen (ich erspare mir den Hinweis auf den Verbleib der Kohle:D). Mir persönlich ist kein Musiker bekannt (und ich kenne ganz viele) der mit wenig Begabung dieses Hobby zur seiner (und anderer Menschen) Freude ausführt (ausser vielleicht ein paar ganz abgefuckte Tanzmusiker ... Originalzitat: "Besser als Kloputzen").




Die Begabung von Menschen ist dermaßen unterschiedlich, dass ich diese Aussage nicht teile. Jemand kann motorisch sehr unbegabt sein, aber ein großes Bedürfnis haben, seine Gefühle in kleinen Improvisationen auszudrücken. Jemand ist motorisch fit, hat aber Probleme mit Notenlesen, Wahrnehmung, Gedächtnis... . Jemand anderer hat Probleme, Gefühle auszudrücken oder Klänge zu unterscheiden. Da gibt es ein riesiges Spektrum. Manchmal platzt auch der "Knoten" nach einiger Zeit - wo ist derjenige, der voraussagen kann, wie sich ein Schüler entwickelt! Schau doch mal in den Thread "Noch ein schwieriger Fall" im Klavierlehrerforum rein, da steht dazu einiges Interessantes. Ich jedenfalls kann einen Zusammenhang von Spaß und mangelnder Begabung nicht bestätigen (natürlich muss aber nicht jeder Klavier spielen, das ist klar).

Noch eine kleine Anekdote hierzu: ich hatte mal, als ich 20 Jahre alt und noch ganz am Beginn meines Studiums war, einen Schüler, der unbedingt mit Klavierspielen anfangen wollte. Der hatte noch nie ein Instrument gespielt und war 80 !!! Jahre alt. Seine Hände zitterten, weil er Parkinson hatte, aber er hatte eine Liebe zur Musik und einen Willen, Klavier zu lernen, das war unglaublich! Er hat sich über jeden Ton gefreut, den er spielen konnte, auch wenn er nicht über den 5-Ton-Raum hinausgekommen ist. Mich hat er damit tief berührt!!!

Ich bin absolut der Meinung, dass jemand, der Spaß am Klavierspielen hat, unabhängig von irgendeiner Begabung dies auch lernen darf, auch wenn er nur kleine Fortschritte (habe grade Fortschrotte geschrieben - Freudsche Fehlleistung? :D ) macht.

Musik und Klavierspielen gibt nicht nur talentierten Leuten etwas!!!!!

Ich wollte es ja nur noch mal gesagt haben, damit kein falscher Eindruck entsteht. Da kommt in mir immer so ein Beschützerinstinkt auf :D!

Viele Grüße

chiarina
 
 

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