Produziert unser Schulsystem musikalische "Analphabeten"?

LMG

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das eigentümliche an dieser Rasselbande, die kein Problem damit hat, akribisch für die Mopedfahrerlaubnis und anschließend für den Kfz-Führerschein zu lernen, ist dass sie absolut gar keinen pädagogisch wohlmeinenden Motivationsschub benötigt, um die jeweils aktuellen Modeerzeugnisse der neuesten Charts im Ohrknopf dröhnen zu lassen ;);) das alles können die voller Elan, ohne dass sie dazu angeschubst werden müssten[...]
...bestimmt werde ich für diese Haltung schlimm gehauen - außer von Hasenbein (wie ich hoffe)


Hi Rolf, also ich glaube, die Genannten lernen gern für Moped und Auto, weil sie einen offenkundigen Sinn darin sehen. Außerdem ist Lappen teuer und wenn das nicht klappt gibts zuhause Dampf. UND Moped und Auto sind natürlich cool.

Und aus demselben Grund sind sie auch motiviert, die neuesten chart-Erzeugnisse via Ohrhörer zu hören ( auch manchmal gar im Unterricht ! )

Keinen Sinn hingegen sehen viele - wenn man sie nicht irgendwie dorthinführt oder / und in komprimierter Form mit Informationen versorgt oder sie sich versorgen lässt - zunächst in der Betrachtung von Opern usw.

Das könnte den Grund haben, dass sie sich z.B. ihre Lieblings-chart-Dinger, die meisten dauern ja nur so 2 bis 5 Minuten - allein schon 1000 Mal angehört haben ( um sie evtl. entsprechend auf dem Schulhof in coolness-Gesprächen rechtfertigen und verteidigen zu können, anderen Präferierungen jedoch Absagen erteilen zu können ) - dass aber ein "klassisches" Werk von über 1 Stunde Länge eventuell auch beängstigend auf die Jugendlichen wirken könnte und von vornherein kritisch beäugt wird: Die Leute AHNEN, dass in diesem Werk evtl. nicht alles so ist, wie sie gern mögen, und einfach auszudiskutieren wäre es nämlich auch nicht. ;)

So bleibt bei vielen Teens eben diese bestimmte "Reserviertheit" gegenüber komplizierteren Dingen....

Komprimiert man aber - nehmen wir an, als Lehrkraft - das WICHTIGSTE aus ein paar UMFANGREICHEREN Klassischen Werken, können sie es sich vielleicht besser merken - und evtl. unterstützt man den Lernprozess, indem man den Jugendlichen ein wenig Verantwortung überträgt, z.B.: Dass sie Teile der ( etwas größeren geplanten ) Aufgabe SELBST erledigen sollen, z.B. unter SELBSTSTÄNDIGER und SELBSTVERANTWORTLICHER Verwendung von Web-Quellen.

Insofern ist mein Vorschlag weiter oben ( z.B. Wikipedia selbst lesen, ABER dabei auch lernen ) mein voller Ernst. Tun sie das dann natürlich NICHT, gibts keine gute Note. Ein wenig Denke sollte auf einer Schule schon erwartet werden können.

LG, Olli !
 
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rolf

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Hi Rolf, also ich glaube, die Genannten lernen gern für Moped und Auto, weil sie einen offenkundigen Sinn darin sehen.
...ist ja rührend!... irgendwelche unfertigen Pappnasen*), die weder wählen dürfen noch voll geschäftsfähig sind, sehen in diesem oder jenem (teuren muttifinanzierten) Vergnügen einen Sinn... na, das ist ja überaus wichtig!!... hähä, ich bin immer mehr für den Schulnikolaus :D:D:D

____________
*) das hat nichts mit Teilnehmer Pappnase zu tun! der hat die Schule hinter sich und bringt klasse Rätselfragen :)
 
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Rubato

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Ist es eigentlich schlimm, wenn ein Mensch sich gar nicht für (klassische) Musik interessiert, sondern z.B. für Kunst oder fürs Hobbygärtnern ? Oder für Geschichte oder für Tiefseeforschung ? Warum die vermeintliche Sonderstellung von Musik ?

Gruß
Rubato
 
rolf

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Ist es eigentlich schlimm, wenn ein Mensch sich gar nicht für (klassische) Musik interessiert,
nein das ist nicht schlimm!
aber wenn es ein Schulfach namens Musik gibt, dann ist es nicht zuviel verlangt, wenn die lieben Schülerlein sich für ne angemessene Note auf den Hintern zu setzen haben, ohne Buhu und Motivationsblabla -- schafft man das Schulfach Musik ab, bon, dann muss auch niemand wegen dieses Fachs buhu machen :):)
 
Cathain

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Ich wär ein Fan vom Abschaffen..... denn bei mir hat das Fach Musik dafür gesorgt dass ich erst mitten im Studium angefangen habe meinen Traum des Klavierspiels wieder vorsichtig auszugraben
 
rolf

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nu ja, Reibungsverluste :):) bei mir hat das Fach Chemie dafür gesorgt, dass ich bis heute absolut nichts damit zu tun habe :):)
 
Rheinkultur

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Hi Rolf, also ich glaube, die Genannten lernen gern für Moped und Auto, weil sie einen offenkundigen Sinn darin sehen. Außerdem ist Lappen teuer und wenn das nicht klappt gibts zuhause Dampf. UND Moped und Auto sind natürlich cool.

Und aus demselben Grund sind sie auch motiviert, die neuesten chart-Erzeugnisse via Ohrhörer zu hören ( auch manchmal gar im Unterricht ! )

Keinen Sinn hingegen sehen viele - wenn man sie nicht irgendwie dorthinführt oder / und in komprimierter Form mit Informationen versorgt oder sie sich versorgen lässt - zunächst in der Betrachtung von Opern usw.
Ich glaube, dass es eher um eine Spielart des Egoismus als um Sinnsuche geht. Möglichst viel Genuß bei möglichst wenig Anstrengung - damit lassen sich die meisten Menschen zunächst mit Erfolg ködern. Auf lange Sicht funktioniert dieser falsch verstandene Hedonismus alles andere als gut und er macht vor allem nicht dauerhaft glücklich. Bei Arbeitslosigkeit kann man das noch recht leicht nachvollziehen: Keine Funktion haben und trotzdem versorgt sein, aber eben auf eher geringem materiellen Niveau, womöglich mit behördlichem Druck, endlich mal wieder einen Job anzunehmen, dazu gesellschaftlich isoliert sein - das ist es ganz sicher nicht. Daran ändert die "künstlerische" Thematisierung dieses Zustandes herzlich wenig: Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken (Qualitäts-Asipunk aus Duisburg). Es gibt auch eine andere Variante: Verwöhntes Kind reicher Eltern, nichts gelernt, nichts geleistet, trotzdem üppig versorgt aus Papis Geldbeutel. Für manchen zunächst eine Wundererscheinung aus dem Schlaraffenland. Vielen von uns dürften solche Personen schon begegnet sein - schaut man genauer hin, sind das auf die Dauer die frustriertesten und unglücklichsten Zeitgenossen. So weit her ist es allerdings nicht mit dem wohligen Zufriedenheitsgefühl des Nichts-Leisten-Müssens.

Vor diesem Hintergrund empfehlen sich klare Vorgaben und Ansagen mit der Auflage, diese auch zu befolgen, da Einsichtsfähigkeit erst im Zuge längerer Lern- und Entwicklungsvorgänge erlangt wird. Ohne Druck von oben/außen entscheiden sich wohl die meisten Menschen immer für den Weg des geringsten Aufwands. Dass so keine großen Schritte nach vorne möglich sind, erkennt so mancher erst, wenn es zu spät ist. Sind Sanktionen für das Nichtbefolgen vorgesehen, sollten diese auch mit dem erzieherischen Gedanken zum Einsatz gelangen, dass Strafen für ein Fehlverhalten idealerweise selbigem auf dem Fusse folgen sollten.

Autoritäre Strukturen sind erst dann fragwürdig zu nennen, wenn sich damit verbundene Machtpotentiale abseits des Gefüges von Ursache und Wirkung verselbständigen, also beispielsweise persönliche Schikanen gegen untergeordnete Hierarchie-Ebenen zum Einsatz gelangen, die mit dem Erziehungsziel nicht mehr im Einklang stehen.

Und was den Führerscheinerwerb für die Teilnahme am Individualverkehr betrifft: Das erwähnte Moped oder das Auto sind keine "coolen" Prestigeobjekte, sondern Gebrauchsgegenstände, um notwendige Fahrten von A nach B durchführen zu können, ohne dabei auf den (meist preisgünstigeren) ÖPNV ausweichen zu können. Die wenigsten Mitmenschen sind ohne Führung von oben oder von außen aus freien Stücken in der Lage, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und Erfordernisse einschätzen zu können. Auch Musikverständnis lässt sich nicht herzaubern, sondern entwickelt sich erst mit der Zeit - und ohne erzieherisches Einwirken vermutlich kaum bis überhaupt nicht. Es entscheiden viele Komponenten darüber, ob am Ende eines Entwicklungsprozesses musikalische Entscheidungskompetenz oder musikalischer Analphabetismus entsteht.

LG von Rheinkultur
 
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Ist es eigentlich schlimm, wenn ein Mensch sich gar nicht für (klassische) Musik interessiert, sondern z.B. für Kunst oder fürs Hobbygärtnern ? Oder für Geschichte oder für Tiefseeforschung ? Warum die vermeintliche Sonderstellung von Musik ?

Gruß
Rubato

Weil Musik eine FREIE KUNST ist ;)

https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Freie_K%C3%BCnste


Und daher müssten wir eigentlich den Begriff "Kunst" oben in Deiner Frage evtl. präzisieren, z.B. "Malerei" oder "Bildhauerei".

Außerdem: Musik spielt ja in jeden der oben von Dir genannten Bereiche sogar mit hinein:

"Kunst": z.B. ein Musikwerk zu komponieren.

"Hobbygärtnern": Da hören manche doch gern im Radio auch Musik dazu, während sie Blumen in die Beete vor dem Pavillon pflanzen, oder sie beschäftigen sich mit irgendwelchen Theorien, dass Gummibäume bei Mozartbeschallung besser wachsen und Hülsenfrüchtler vielleicht ungern Ungewohntes hören ( :D z.B. Penderecki oder Cage oder so :D ) und sich dann abwenden - oder zerfallen.

"Geschichte": Vollkommen undenkbar, zum Beispiel die NS-Zeit ohne die Beeinflussung einiger Hörer durch bestimmte Musikarten ( Märsche, usw. ) und Textgestaltungen zu betrachten.

"Tiefseeforschung": Der Gesang der Pottwale beim Aufstöbern eines Riesenkalmars wäre bestimmt als Tischgesang zu interpretieren. Auch die Ausbreitung von Schallwellen unter Wasser wäre hier relevant.

Zusätzlich noch die Sache, die ich gestern Nacht kurz ansprach:

Zumindest als Klavierspieler hat man wesentlich mehr Möglichkeiten, durch direkte Einflussnahme auf ein vorhandenes Werk sofort beim Vorspielen dieses an unterschiedliche Zuhörer zu übermitteln, als es etwa der Betrachter einer Büste, eines Bildes, eines Textes oder eines Pottwals oder Kalmars hätte. Die Musik ist in gewisser Hinsicht also FLEXIBEL und universell und bietet mehr Möglichkeiten, da sie GRUNDLEGENDER ist als die anderen genannten Bereiche und sogar noch in DIVERSE weitere Bereiche hineinspielt, die noch nicht genannt wurden!

LG, Olli !
 
Rheinkultur

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Ist es eigentlich schlimm, wenn ein Mensch sich gar nicht für (klassische) Musik interessiert, sondern z.B. für Kunst oder fürs Hobbygärtnern ? Oder für Geschichte oder für Tiefseeforschung ? Warum die vermeintliche Sonderstellung von Musik ?
Sagen wir so: Wer durch seine körperliche Konstitution benachteiligt ist, wird im Sportunterricht selbst bei fleißigem Bemühen nicht allzuweit über die Note vier hinauskommen und empfänglich sein für den Gedanken, das Schulfach Sport abzuschaffen. Eine Sonderstellung für ein bestimmtes Fach (in diesem Falle Musik) sehe ich nicht. Eine gewisse Allgemeinbildung abseits eigener Zentralinteressen ist nämlich durchaus nicht schädlich. Eine Inselbegabung kultivieren und alle unwillkommenen Fächer außen vor lassen - das kann sich bitter rächen. Auch der mit sportlichen Ambitionen spärlich gesegnete Zeitgenosse vermag von körperlicher Bewegung und einer gewissen Fitness durchaus zu profitieren, könnte die durch (schul-)sportliche Betätigung in jungen Jahren übermittelte Botschaft lauten.

Die Problematik ist meines Erachtens eine andere: Wer an einer Allgemeinbildenden Schule unterrichtet, beschäftigt sich mit der Quadratur des Kreises; er muss etwas objektiv Unmögliches möglich machen. Es geht nämlich darum, einen extrem heterogenen Personenkreis individuell bestmöglich auf die Zeit nach dem Schulabschluss vorzubereiten. Da gibt es einerseits Personen, die die Inhalte des unterrichteten Faches in ihrem späteren Leben praktisch niemals mehr brauchen werden. Andere wiederum werden in dieser Fachrichtung zum Spezialisten und zur Kapazität, die das Fach eines Tages selbst auf hohem Niveau unterrichtet. Und zwischen diesen beiden Extrempositionen gibt es so viele Zwischenstufen, wie es existente Personen gibt. Einen gemeinsamen Nenner, der jedem ein Optimum an Förderung garantiert, gibt es schlicht und ergreifend nicht - weder für angehende Künstler, noch für Garten- und Landschaftsbauer, noch für Historiker, noch für Tiefseeforscher. So gesehen sind die Schulmusiker in guter Gesellschaft mit allen anderen Fachrichtungen, die es in unseren Schulen noch gibt.

LG von Rheinkultur
 
Cathain

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Im endeffekt müsstest du doch schon vor der Schule ansetzen. Ich musste damals eine grausame musikalische Früherziehung und dann in der Grundschule einen grausamen Blockflötenunterricht über mich ergehen lassen. Beides hat dazu geführt, dass ich damals obwohl ich Interesse an der Musik hatte mich nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen wollte.
Als der Wunsch Cello oder Klavier aufkam rieten besagte Musiklehrer "erstmal" zur Blockflöte weil es günstiger sei und man dann ja "mal schauen" könne. Mit der kleinen von der Schule ausgesuchten chinesischen Plastikblöckflöte war dann der letzte Funke relativ schnell dahin und das "mal schauen" war dann am Ende.

Ähnlich zog sich das durch den restlichen Unterricht. Der Quintenzirkel ist einfach -wenn man kein Instrument spielt und keine Klangvorstellung hat - als würde man die chinesische Schrift lernen ohne zu verstehen, was man dort schreibt. Wir sollten Dreiklänge singen ohne uns jemals wirklich mit Intervallen auseinandergesetzt zu haben. - Wie soll das gehen? Im endeffekt hat es dazu geführt, dass die meisten mit klassischer Musik nichts mehr zu tun haben wollten.

Wobei die Liebe zur Klassik ja auch Geschmackssache ist. Wenn ich erzähle, dass ich klassischen Gesangsunterricht nehme , dann schauen mich auch begeisterte Musiker zuweilen etwas entsetzt an ^^
 
Rheinkultur

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LMG

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Hi Rheinkultur ;)

ja, und da kann ich mir sogar vorstellen, dass das von der bisher besprochenen Problem-Zielgruppe mit relativem Interesse angehört wird ! ( hab allerdings bisher lediglich in Quadrivium ( Maderna ) und in Trivium I reingehört, Rest später. ). Ich könnte mir vorstellen, sowas sogar AUCH manchmal ganz gern zu hören, allerdings nat. nicht immer und fortwährend. ;)

LG, Olli !
 
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chopin92

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Hallo,

ich möchte auch gerne von meinen, erschreckenden Erlebnisse, im Schulmusikunterricht erzählen. Einfach mal so, weil ich das jetzt gelesen habe und meinen Frust jetzt los werden kann :)
Ich habe (vor 2 Jahren) ABITUR in Musik gemacht, also Musik als Leistungskurs (!!).
Wir haben gelernt, wie man den Bassschlüssel liest (C-Schlüssel und transponierende Schlüssel haben wir weggelassen, auch wenn wir mit Partituren arbeiten mussten, war das zu viel des Guten).
Eine Richtlinie vom Kultusministerium war, die Fähigkeit aus vorhandenen Tonmaterial, den Beginn einer Solokadenz für ein Konzert zu schreiben. Reaktion des Lehrers war "Das machen wir nicht- das könnt ihr sowieso nicht."
Die Kreative Aufgabe, die man offiziell ca. 10 - 15 Minuten an einem Instrument klanglich überprüfen durfte, wurde mir einfach verwehrt, weil sich keiner um den Raum gekümmert hat - Ich solle doch einfach die andere Aufgabe machen.
Naja, das sind nur wenige Frustmomente, ich glaube es geht da auch nicht darum, nur weil Leute die ein Instrument spielen das schon können. Nur weil man Klavier spielt, kann man noch lange nicht gut etwas analysieren oder ähnliches. Und dann im Leistungskurs zu sagen "Wir analysieren jetzt Akkorde, ich schreibe 3 Akkorde an die Tafel und ihr habt 15 Minuten Zeit" :evil:

Achja, zur Eingangsfrage: Wenn sogar im Leistungskurs noch erklärt werden muss, wie man einen Schlüssel liest und 15 Minuten Zeit hat für 3 Akkorde, dann haben meiner Meinung nach, die Musiklehrer, im Zusammenhang mit dem Schulsystem versagt. Hätte man durchgehend gegliederten und soliden Musikunterricht, könnte man sicher wenigstens am Ende der Schulzeit was damit anfangen wenn man will.
 
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PianoPuppy

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Im endeffekt müsstest du doch schon vor der Schule ansetzen. Ich musste damals eine grausame musikalische Früherziehung und dann in der Grundschule einen grausamen Blockflötenunterricht über mich ergehen lassen. Beides hat dazu geführt, dass ich damals obwohl ich Interesse an der Musik hatte mich nicht mehr mit dem Thema auseinandersetzen wollte.

Man sollte nicht vergessen, dass in vielen Familien Musik, abgesehen vom Konsum populärer Musik, keine Rolle mehr spielt. Nun gibt es Eltern, die sehen das als Defizit - in meinem Freundeskreis haben zwei Familien ihre Sprösslinge in die musikalische Früherziehung angemeldet, weil sie selbst sich nicht in der Lage sehen, auch nur mit den Kindern zu singen. Die Kinder sind mit voller Begeisterung dabei, ebenso wie die Eltern!

Für viele Kinder ist die Schule der Ort, an dem sie ihre erste Erfahrung mit Musik machen. Ich konnte beobachten, dass in Grundschulklassen mit Lehrern, die selbst gerne singen und musizieren, auch die Kinder sehr gerne und auch verhältnismäßig gut singen. In einer der Klassen, haben die Kinder von sich aus ständig zu singen begonnen, was für manches Aufsehen sorgte, wenn man mit der Klasse außerhalb der Schule unterwegs war - singen in der U-Bahn, im "Gänsemarsch" auf der Straße, in den Parks. Für mich war es sehr schön, das zu sehen, dem Klassenlehrer war das allerdings oft peinlich, und er hat das Singen dann meist unterbunden.

In vielen Klassen wird aber Musik nur als Pflichtprogramm runtergepult, die Lehrer können selbst nicht singen, da sie kein Instrument beherrschen wird Instrumentalbegleitung von irgendeiner CD abgespielt und die Kinder grummeln vor sich hin.

Und ja, ich denke schon, dass es wichtig ist, den Kindern klassische Musik nahe zu bringen - Schulen sind ja immer noch Bildungsinstitutionen und nicht Freizeitorganisation zur Aufbewahrung und Bespaßung der Kinder. Viele Kinder kommen außerhalb der Schule nicht in Kontakt mit klassischer Musik und wenn sie erst mal größer sind, hat man wenig Chancen, sie noch dafür zu gewinnen. Kinder im frühen Grundschulalter haben kein Problem mit klassischer Musik, es mag sein, dass man bei einigen das Interesse nicht aufrecht erhalten kann, aber grundsätzlich sind sie für alles offen. Deswegen sollte man diese Phase auch gut nutzen und nicht die Zeit mit 1x1 Liedern und Mathe Rap verplempern.

LG, PP
 
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Nachtmusikerin

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ich möchte auch gerne von meinen, erschreckenden Erlebnisse, im Schulmusikunterricht erzählen. Einfach mal so, weil ich das jetzt gelesen habe und meinen Frust jetzt los werden kann
Ich habe (vor 2 Jahren) ABITUR in Musik gemacht, also Musik als Leistungskurs (!!).
Wir haben gelernt, wie man den Bassschlüssel liest (C-Schlüssel und transponierende Schlüssel haben wir weggelassen, auch wenn wir mit Partituren arbeiten mussten, war das zu viel des Guten).
Eine Richtlinie vom Kultusministerium war, die Fähigkeit aus vorhandenen Tonmaterial, den Beginn einer Solokadenz für ein Konzert zu schreiben. Reaktion des Lehrers war "Das machen wir nicht- das könnt ihr sowieso nicht."
Die Kreative Aufgabe, die man offiziell ca. 10 - 15 Minuten an einem Instrument klanglich überprüfen durfte, wurde mir einfach verwehrt, weil sich keiner um den Raum gekümmert hat - Ich solle doch einfach die andere Aufgabe machen.
Naja, das sind nur wenige Frustmomente, ich glaube es geht da auch nicht darum, nur weil Leute die ein Instrument spielen das schon können. Nur weil man Klavier spielt, kann man noch lange nicht gut etwas analysieren oder ähnliches. Und dann im Leistungskurs zu sagen "Wir analysieren jetzt Akkorde, ich schreibe 3 Akkorde an die Tafel und ihr habt 15 Minuten Zeit"

Achja, zur Eingangsfrage: Wenn sogar im Leistungskurs noch erklärt werden muss, wie man einen Schlüssel liest und 15 Minuten Zeit hat für 3 Akkorde, dann haben meiner Meinung nach, die Musiklehrer, im Zusammenhang mit dem Schulsystem versagt. Hätte man durchgehend gegliederten und soliden Musikunterricht, könnte man sicher wenigstens am Ende der Schulzeit was damit anfangen wenn man will.

Ich hatte auch Musik-LK, habe aber völlig andere Erfahrungen gemacht.
Gehörbildung und Tonsatz waren etwa auf dem Niveau der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule.
Aus welchem Bundesland kommst du?

LG,
NaMu
 
Rheinkultur

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Hallo,

ich möchte auch gerne von meinen, erschreckenden Erlebnisse, im Schulmusikunterricht erzählen. Einfach mal so, weil ich das jetzt gelesen habe und meinen Frust jetzt los werden kann :)
Ich habe (vor 2 Jahren) ABITUR in Musik gemacht, also Musik als Leistungskurs (!!).
Wir haben gelernt, wie man den Bassschlüssel liest (C-Schlüssel und transponierende Schlüssel haben wir weggelassen, auch wenn wir mit Partituren arbeiten mussten, war das zu viel des Guten).
Eine Richtlinie vom Kultusministerium war, die Fähigkeit aus vorhandenen Tonmaterial, den Beginn einer Solokadenz für ein Konzert zu schreiben. Reaktion des Lehrers war "Das machen wir nicht- das könnt ihr sowieso nicht."
Die Kreative Aufgabe, die man offiziell ca. 10 - 15 Minuten an einem Instrument klanglich überprüfen durfte, wurde mir einfach verwehrt, weil sich keiner um den Raum gekümmert hat - Ich solle doch einfach die andere Aufgabe machen.
Naja, das sind nur wenige Frustmomente, ich glaube es geht da auch nicht darum, nur weil Leute die ein Instrument spielen das schon können. Nur weil man Klavier spielt, kann man noch lange nicht gut etwas analysieren oder ähnliches. Und dann im Leistungskurs zu sagen "Wir analysieren jetzt Akkorde, ich schreibe 3 Akkorde an die Tafel und ihr habt 15 Minuten Zeit" :evil:

Achja, zur Eingangsfrage: Wenn sogar im Leistungskurs noch erklärt werden muss, wie man einen Schlüssel liest und 15 Minuten Zeit hat für 3 Akkorde, dann haben meiner Meinung nach, die Musiklehrer, im Zusammenhang mit dem Schulsystem versagt. Hätte man durchgehend gegliederten und soliden Musikunterricht, könnte man sicher wenigstens am Ende der Schulzeit was damit anfangen wenn man will.
Das beschriebene Szenario ist allerdings wirklich katastrophal. An jenem süddeutschen Gymnasium, an dem ich einst Abitur gemacht habe, gibt es bis auf den heutigen Tag keinen Musik-Leistungskurs. Aber selbst seinerzeit im Musik-Grundkurs empfand ich das Level als höher im Vergleich mit diesen Ausführungen. Mit dem inzwischen pensionierten Lehrer habe ich sogar noch heute losen Kontakt. Sicherlich werde ich ihn irgendwann mal auf dieses Thema ansprechen - wahrscheinlich schlägt er dann die Hände über dem Kopf zusammen.

Vor vielen Jahren habe ich mit einer Sopranistin einen Liederzyklus eines nicht unbekannten Komponisten und Hochschuldozenten erstaufgeführt, den ich auch persönlich kennenlernen durfte. Ich wusste, dass er im Gegensatz zu mir auf einem Gymnasium mit Musikzug lange vor mir Abitur gemacht hatte (mit LK Musik). Als dieses Thema zwischen uns zur Sprache kam, sagte er mir gegenüber mit einer wegwerfenden Handbewegung, für das spätere Leben als professioneller Musiker auf einem wirklich guten Niveau sei der praktische Nutzen einer solchen speziellen Schulausbildung "gleich Null". Als Fazit denke ich: Die wirklich für die Berufspraxis relevanten Dinge passieren auch hier wohl eher außerhalb des Schulbetriebs. Vielleicht bietet sich auch hier eine Unterscheidung zwischen wirklichen "Musikgymnasien" einerseits und anderen Allgemeinbildenden Gymnasien andererseits an, an denen der Musik-LK nur als ein LK unter vielen anderen existiert. Vielleicht kennt ja einer hier solche Schulen von innen und berichtet uns von seinen Erfahrungen.

LG von Rheinkultur
 
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Jack Black

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Ich habe (vor 2 Jahren) ABITUR in Musik gemacht, also Musik als Leistungskurs (!!).

Die hier nahe gelegte "Logik" ist nicht ganz richtig, in einem Fach Abitur zu machen ist nicht gleichbedeutend damit, dass es ein Leistungskurs ist. Dass ein Musikleistungskurs zustande kommt, habe ich ehrlich gesagt noch nie gehört.

Ich gehöre zu einem der (wenn nicht dem) schülerstärksten Jahrgänge (geb. 1959, Abitur 1978), in unserer Schule gab es 1978 über(!) 1.500 Schüler und in meinem Abiturjahrgang gab es knapp 180 Abiturienten. Trotz dieser gewaltigen Zahl (die heute unerreicht sein dürfte) ist mangels Nachfrage kein Musikleistungskurs zustande gekommen. Sehr wohl habe ich Musik als 3. Abiturfach (mündliche Prüfung) gehabt.

Ansonsten verstehe ich die Aufregung nicht - wer der hier anwesenden Abiturienten und Akademiker kann denn ad hoc beweisen, dass die Wurzel aus 2 (oder Wurzel aus 3, der Abwechslung wegen) keine rationale Zahl ist? Das ist Mittelstufenstoff. Ist das besser, wenn man kein Mathe kann als wenn man kein Musik kann? Es macht eben immer jeder nur das, was ihn interessiert und daran ändert die Schule nicht wirklich viel.
 
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