Problemschüler, 9 Jahre


Leoniesophie
Leoniesophie
Dabei seit
7. Juni 2010
Beiträge
1.103
Reaktionen
418
Und außerdem ist beispielsweise der Begriff "Selbstwertgefühl" auch oft irreführend. Denn eigentlich bedeutet er, daß eine Person ein Gefühl für seinen Selbstwert hat, soll heißen, daß ein Angeber in den wenigsten Fällen ein ausgeprägtes Selbstwertgefühl hat und umgekehrt jemand, der sehr zurückhaltend ist, wenig Selbstwertgefühl hat. Angemessenes Selbstwertgefühl ist zum Beispiel bei Kindern ein Zeichen für Schulreife. Deswegen irren sich diejenigen, die meinen, durch Vorschulprogramme oder vorzeitiges Üben von Rechenaufgaben oder irgendwelchem intellektuellem Kram ein Kind auf Schulreife zu trimmen. Wenn dann so ein armer Schlumpf in der Schule mal angepustet wird, bricht er gleich in Tränen aus und dann ist das ganze intellektuelle Wissen wertlos.
 
violapiano
violapiano
Dabei seit
12. Aug. 2008
Beiträge
3.964
Reaktionen
12
Hm, ich glaube, das Problem ist hier in dem Kontext eher, dass die Meinung, Jeden Wert schätzen zu müssen, den objektiven Blick verstellt- und eigentlich auch mehr noch...:floet:

Ich finde den Anstoß von Hasenbein gut- Wert- was ist das- für wen- und warum?

Gibt es kollektive Werte? Oder sind es eher Normen?
 
C
chiarina
Guest
Nein. Man kann nicht wählen, was man denken will. Denken passiert einfach, als ein Ergebnis aller bisherigen Ereignisse im Leben des denkenden Organismus.

Es gibt im Menschen keine "dem Denken übergeordnete Instanz", die gewissermaßen als beobachtendes Bewußtsein durch Denken (!) das Denken steuern könnte.

Schon Schopenhauer hat es prägnant auf den Punkt gebracht: "Der Mensch kann was er will; er kann aber nicht wollen, was er will."

Leider kann ich mich dazu nicht qualifiziert äußern - vom Denken versteh' ich nichts. :D

Aber eins weiß ich: die Fragestellung eines freien Willens des Menschen etc. ist ein hochkomplexes und für mich sehr interessantes Thema. Und ich frage mich, woher hier manche so sicher sind. Klar kann das so sein, wie du sagst, lieber hasenbein, aber ist die Möglichkeit tatsächlich auszuschließen, dass es anders sein könnte? Wie kommt es z.B., dass Zen-Meister ein derartig anderes Bewusstsein als wir "Normalos" entwickeln können, dass sogar Urinstinkte wie Erschrecken etc. nicht mehr vorhanden sind?

In dieser Arbeit "Freier Wille in der Geschichte der Philosophie"

http://www.wissiomed.de/mediapool/9...r_Geschichte_der_Philosophie_und_Religion.pdf ,

vertreten Philosophen jedenfalls sehr unterschiedliche Standpunkte.

Meinung ist nicht Wissen und sollte man nicht seine Standpunkte dann auch als Meinung äußern?

Liebe Grüße

chiarina
 
hasenbein
hasenbein
Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
9.339
Reaktionen
8.942
Wie kommt es z.B., dass Zen-Meister ein derartig anderes Bewusstsein als wir "Normalos" entwickeln können, dass sogar Urinstinkte wie Erschrecken etc. nicht mehr vorhanden sind?

1) Erschrecken etc. sind sehr wohl auch in "Erleuchteten" vorhanden, aber sie identifizieren sich nicht mehr damit. Das ist der einzige Unterschied.

2) "Bewußtseinsveränderungen" können nicht willentlich herbeigeführt werden, sondern geschehen einfach. Man kann nicht beschließen, Zen-Meister zu werden, und man kann nicht systematisch darauf hinarbeiten. (Das betonen alle Zen-Meister immer wieder, ich weiß ja nicht, woher Du Deine Informationen über Zen so hast...)

LG,
Hasenbein
 
hasenbein
hasenbein
Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
9.339
Reaktionen
8.942
Meinung ist nicht Wissen und sollte man nicht seine Standpunkte dann auch als Meinung äußern?

Einerseits ist es richtig, daß das Einzige, was man wirklich unzweifelhaft wissen kann, "Ich bin" ist.

Andererseits: Beobachte Dich einfach mal eine Zeitlang und berichte, ob Du einen Gedanken in Deinem Geist entdecken konntest, den Du "gewollt" hast. Dann können wir weiterplaudern. Ich bin gespannt! :-)

LG,
Hasenbein
 
C
chiarina
Guest
2) "Bewußtseinsveränderungen" können nicht willentlich herbeigeführt werden, sondern geschehen einfach. Man kann nicht beschließen, Zen-Meister zu werden, und man kann nicht systematisch darauf hinarbeiten. (Das betonen alle Zen-Meister immer wieder, ich weiß ja nicht, woher Du Deine Informationen über Zen so hast...)

Lieber hasenbein,

das weiß ich und ich habe nirgends etwas anderes behauptet! Aber ich kann sehr wohl beschließen, nun zu meditieren und so ein anderes Bewusstsein zu erlangen. Wieso ich dieses Beispiel gebracht habe, war die Überlegung, ob sich mit einem solchen Bewusstsein nicht auch die Voraussetzungen zu einem freien Willen verändern.


Einerseits ist es richtig, daß das Einzige, was man wirklich unzweifelhaft wissen kann, "Ich bin" ist.

Andererseits: Beobachte Dich einfach mal eine Zeitlang und berichte, ob Du einen Gedanken in Deinem Geist entdecken konntest, den Du "gewollt" hast. Dann können wir weiterplaudern. Ich bin gespannt! :-)

Ich glaube nicht, dass ich einen Gedanken "wollen" kann, habe mich aber mit diesem Thema wie gesagt noch nicht sonderlich beschäftigt. Wenn ich aber einen Gedanken habe, kann ich ihn nehmen und reflektieren, denn er sagt etwas über mich und meine Umwelt/Umgebung aus. Somit kann ich beeinflussen, welche Folgegedanken sich aus diesem Gedanken ergeben und welche Rückschlüsse und Konsequenzen ich daraus ziehe, diesen Gedanken gehabt zu haben.

Was meinst du? :)

Liebe Grüße

chiarina
 
hasenbein
hasenbein
Dabei seit
13. Mai 2010
Beiträge
9.339
Reaktionen
8.942
Die Frage ist, was ist dieses ich. Bin ich meine Hand, bin ich mein Körper oder bin ich meine Gedanken. Ich kann ja meine Gedanken beobachten; bin ich etwa über meinem Denken?

Nö, nicht "über". Ich bin das Bewußtsein, in dem alle Phänomene, darunter auch mein Denken und mein Körper, erscheinen. Gleichzeitig kann man aber nicht sagen: Hier ist ein Phänomen namens "Bewußtsein", in dem ein anderes Phänomen namens "Denken" oder "Körper" auftaucht. Sondern alles ist EINS. Trennung in verschiedene Begriffe ist lediglich etwas, was das Denken aufgrund seiner Funktionsweise unvermeidlicherweise tut. (Ohne Trennung und damit Begriffe gäbe es kein Denken; dies ist aber für das Spiel "menschliche Existenz" erforderlich, andernfalls wäre das Spiel einfach zu Ende, und das wäre doch langweilig!)

LG,
Hasenbein
 
M
megahoschi
Guest
Verschiedenen Menschen den Wert abzusprechen ist ja immer en vogue. Je nach Epoche sind das unterschiedliche Gruppen. Mal Arme, dann wieder Reiche, Übergewichtige, Dumme, Juden, Zigeuner, Behinderte...
Thumbs up!
 

C
chiarina
Guest
Dann können wir weiterplaudern. Ich bin gespannt!


Hm *grins* - also dann setze ich schon mal 'nen Kaffee auf
smileys-kaffee-840534.gif


oder noch viel besser

prost.gif


Kann ja noch ein bisschen dauern! :floet: *grins*

Liebe Grüße

chiarina
 
S
schmickus
Guest
Wir verdanken dem bedingungslosen Gutmenschentum 500 Beiträge! Danke, danke, danke und kumbaja!
 
rolf
rolf
Dabei seit
18. Feb. 2008
Beiträge
29.013
Reaktionen
19.618
WOW!!!

ich bin begeistert: tief grüblerische philosophische Fragen hat die Beschäftigung mit dem mal erfundenen mal echten klein Zaches angeregt - in dem Bürschel steckt bestimmt auch noch die komplette Weltformel nebst Schöpfungsplan :D:D:D:D
 
C
chiarina
Guest
WOW!!!

ich bin begeistert: tief grüblerische philosophische Fragen hat die Beschäftigung mit dem mal erfundenen mal echten klein Zaches angeregt - in dem Bürschel steckt bestimmt auch noch die komplette Weltformel nebst Schöpfungsplan :D

Warte, Rolf, bis zum 600sten Beitrag! :D Oder bis ich meinen Kaffee (alternativ ordentliche Cervisia, die diesen Namen auch verdient!) ausgetrunken habe! :D:D
 
R
Rudl
Guest
Ich finde der Faden sollte in: " Des Knaben Wunderhorn" umbenannt werden.

Rudl
 
 

Top Bottom