Plädoyer für Klavierbauer

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hubschrauber

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Hier tauchen ja immer wieder Klavierspieler auf, die mit begrenztem Budget auf der Suche nach einem gebrauchten Klavier sind. Ich möchte, nach den Erfahrungen, die ich auf der Suche nach meinem Instrument gemacht habe (siehe https://www.clavio.de/forum/klavier...ren/14865-argumente-fuer-fluegel-gesucht.html), allen Suchenden ans Herz legen, nicht nur große Klavierhäuser sondern auch kleinere Klavierbauer zu besuchen.

Bei den Klavierhäusern hatte ich den Eindruck, dass dort die Instrumente, die bei Kauf eines Neuinstruments in Zahlung genommen werden, nur soweit hergerichtet werden, dass sie wieder verkaufsfähig sind. Wenn da die Optik nicht mehr schön ist, kommt halt schwarze Farbe drauf. Diese Instrumente sind bestimmt OK, aber etwas besonderes findet man dort vermutlich eher selten.

Meine Besuche bei den Klavierbauern waren umständlicher (da sie verkehrstechnisch nicht so günstig liegen und extra ein Termin ausgemacht werden muss) und zeitaufwendiger (ich bin bei keinem der Klavierbauer beim Erstbesuch in unter 2 Stunden fertig gewesen), aber allein schon die Atmosphäre war ganz anders. Keine durchgestylten Verkaufsräume, statt dessen war die Liebe zu den Instrumenten deutlich spürbar. Ich fand dort gute und sehr gute alte Instrumente, die mit viel Liebe wieder hergerichtet worden waren. Es wurde mir genau berichtet, was an dem jeweiligen Instrument gemacht worden war. Da war Qualitätsbewusstsein spürbar (in so ein Klavier müssen natürlich Abel-Hammerköpfe mit Mahagoni-Stiel rein, da kann ich doch keine billigen Hammerköpfe reinmachen) und auch eine gewisse Anhänglichkeit bei aufwendigen Restaurierungen (es wäre schön, wenn der Blüthner-Flügel hier in der Gegend verkauft würde, damit ich ihn weiter betreuen kann). Preislich fand ich die Klavierbauer auch günstiger, wobei das bei den arg unterschiedlichen Instrumenten natürlich schwer zu beurteilen ist.

Soweit mein Eindruck (gilt natürlich nur für mich und den Stuttgarter Raum).

Liebe Grüße
Susanne
 
fisherman

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Susanne, Du hast mind. 10 Likes verdient!!!
 
PianoCandle

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hab grad das 9. Herzchen vergeben - das 10. kommt bestimmt noch ;);)

In der Tat, es macht Sinn, auch kleine und mittelgroße Werkstätten oder Fachleute ganz bewusst in die Klaviersuche einzubeziehen.
Allerdings finde ich trotzdem diesen Hinweis wichtig: Hier wie dort ist die gesamte Bandbreite der Qualitätsnuancen möglich. Pauschale Kategorisierungen und/oder Wertungen lassen die Wirklichkeit einfacher erscheinen als sie ist. Letztlich muss jede/r Kaufwillige individuell dort hin finden, wo er/sie, nach entsprechend eingehender Prüfung, sein/ihr Vertrauen für gerechtfertigt hält.

Gruß
Martin
 
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Styx

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Ja Susanne, ich muß an dieser Stelle aber auch mal die seriösen Klavierfachhandlungen verteidigen. Diese existieren insbesondere vom Verkauf, Werkstatt ist viel Arbeit für recht wenig Gewinn, damit lassen sich gerade Fachgeschäfte im Innenstadtbereich kaum über Wasser halten.

Viele Grüße

Styx
 
hubschrauber

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Ja Susanne, ich muß an dieser Stelle aber auch mal die seriösen Klavierfachhandlungen verteidigen. Diese existieren insbesondere vom Verkauf, Werkstatt ist viel Arbeit für recht wenig Gewinn, damit lassen sich gerade Fachgeschäfte im Innenstadtbereich kaum über Wasser halten.
So ähnlich meinte ich es eigentlich auch: Geschäfte in zentraler Innenstadtlage mit der entsprechenden Miete können es sich eben kaum leisten, ein richtig altes Instrument aufwendig zu restaurieren. Für wen so ein Instrument beim Kauf aber in Frage kommt (da kann man mänlich ganz viel Klang fürs Geld bekommen :D), der sollte sich dann auch mal bei Klavierbauern umsehen.

Allerdings finde ich trotzdem diesen Hinweis wichtig: Hier wie dort ist die gesamte Bandbreite der Qualitätsnuancen möglich. Pauschale Kategorisierungen und/oder Wertungen lassen die Wirklichkeit einfacher erscheinen als sie ist. Letztlich muss jede/r Kaufwillige individuell dort hin finden, wo er/sie, nach entsprechend eingehender Prüfung, sein/ihr Vertrauen für gerechtfertigt hält.
Ich hatte von den beiden Klavierbauern, die ich besucht hatte, nur für einen eine Empfehlung und die nur als guter Klavierstimmer. Nach den ausführlichen Gesprächen hatte ich aber bei beiden ein gutes "Bauchgefühl".
Gäbe es außer Empfehlungen und Gefühl noch weitere mögliche Prüfungen? Konkurrenzgutachten werden ja wohl eher abgelehnt (fänd ich auch auch blöd).

Gruß, Susanne
 
PianoCandle

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... Geschäfte in zentraler Innenstadtlage mit der entsprechenden Miete können es sich eben kaum leisten, ein richtig altes Instrument aufwendig zu restaurieren...
Wie gesagt, Susanne: Dein Plädoyer für kleinere Betriebe finde ich begrüßenswert. Doch das oben Zitierte erscheint mir voreilig und auch nicht wirklich nötig, um damit das Plädoyer für die Werkstätten oder Einzelfachleute zu belegen.
Es gibt sehr wohl Fachgeschäfte, und auch solche in besten Lagen, die sich hoch anspruchsvolle Werkstätten halten und erstklassig überarbeitete "beseelte" Instrumente älterer Baujahre anbieten können.
Ich gehe auch davon aus, dass hier auf clavio etliche Vertreter/innen von Betrieben mitmachen, auf die eben das zutrifft.

Gruß
Martin
 
S

Styx

Guest
Wie gesagt, Susanne: Dein Plädoyer für kleinere Betriebe finde ich begrüßenswert. Doch das oben Zitierte erscheint mir voreilig und auch nicht wirklich nötig, um damit das Plädoyer für die Werkstätten oder Einzelfachleute zu belegen.
Es gibt sehr wohl Fachgeschäfte, und auch solche in besten Lagen, die sich hoch anspruchsvolle Werkstätten halten und erstklassig überarbeitete "beseelte" Instrumente älterer Baujahre anbieten können.
Ich gehe auch davon aus, dass hier auf clavio etliche Vertreter/innen von Betrieben mitmachen, auf die eben das zutrifft.
Naja, so ganz unrecht hat Susanne aber nicht damit, es gibt allerdings immer wieder Ausnahmen. Ich sag mal ein Beispiel: Ein mir sehr gut bekanntes Markeninstrumentefachgeschäft welches auch über eine hervorragende Meisterwerkstatt verfügt, ist doch eher daran interessiert Instrumente zu verkaufen - gleich ob neu, oder überholt. Es ist aber verständlich - nehmen wir mal eine einfache Rechnung:Ein Klavierbauer bekommt im Monat beispielsweise 2.500€, ein Klavierverkäufer mit außerordentlich guter Bezahlung meinethalber genau so viel. Nur läßt sich ein Klavier schneller verkaufen als zu richten.....die Werkstatt bringt nicht wirklich Umsatz.

Viele Grüße

Styx
 
D

daedalus52

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Gäbe es außer Empfehlungen und Gefühl noch weitere mögliche Prüfungen?
Ja, gibt es!

Beispiel aus meiner Instrumentensuche:
Klavierbauer sagt: "...und die Hammerköpfe sind frisch abgezogen!"
Ein Blick offenbart allerdings tiefe Riefen im Filz - Prüfung nicht bestanden!

Fazit: Man sollte sich möglichst viel Fachwissen aneignen, denn wer nichts weiß, muß alles glauben!

MfG

Wolfgang
 

S

Styx

Guest
Keine Ahnung - habe mir den Meisterbrief nicht zeigen lassen, war aber auch nicht nötig...
ich sag mal so...es muß ja nicht zwangsläufig ein Meisterbrief vorliegen, es gibt sogar hervorragende Fachleute welche sich vorwiegend autodidaktisch ausgebildet haben (natürlich auch mit Hilfe alter Meister) ein recht erfolgreicher Flügelfabrikant gehört zum Beispiel zu jenen.
Jedoch ist der umgekehrte Fall leider sehr viel häufiger; zum Beispiel, "russische Straßenmusik Geiger seien gute Spezialist für Klavier, also nicht seien Musikmachen, sondern Klaviermachen - in Deutschland man sagen Klavierbauer. Und deutsche Scheiß, Nikolai machen Arbeit für halbe Preis" :D :D :D

Viele Grüße

Styx
 
 

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