Pedalanweisung Satie, Fantaisie-Valse

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Pianist685

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Eine Frage an die Satie-Experten hier (wer könnte das sein, @Stilblüte vielleicht?):

In den Noten, die ich bisher zu dem Stück fand, gibt es keine Pedalanweisung. Ich kann das Achtel-b abheben und das Pedal darauf loslassen, dann habe ich die notierte Achtelpause, aber dann ist der Dreiviertel-Baßton "des" weg, der ja bis zum Taktende wohl klingen soll. Ein Sostenutopedal hat mein Klavier nicht. Auf Youtube gibt es 3 Aufnahmen, außerdem noch eine auf der Piano-Society, und alle lassen das Pedal bis zum Taktende liegen, so daß im Ergebnis die Achtelpause weg ist und aus dem b eine Viertelnote wird. Im Stück gibt es später noch zwei ähnliche Stellen mit anderen Noten, auch da wird das Pedal einfach drübergehalten. Ist das so korrekt?

Zum Vergleich der bekannte cis-Moll-Walzer von Chopin, da ist jeweils eine Sechzehntelpause, aber das Pedal soll liegen bleiben. Das ist doch so nicht spielbar. Ich kenne Aufnahmen, da wird das Pedal vor der Pause kurz losgelassen, andere Pianisten machen aus der Achtel davor einfach eine punktierte Achtel, indem sie das Pedal, wie angegeben, bis zum Taktende drüberhalten.

Vielen Dank im voraus für die Hilfe bei meinem "Luxusproblem".
 

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rolf

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Vielen Dank im voraus für die Hilfe bei meinem "Luxusproblem".
Ganz was anderes dazu:
wenn du dir den zweiten Takt deines Satie-Beispiels anschaust und überlegst, was da alles im Pedal weiter klingt... oh Weh, so viele Töne rechts... ;-)

Satie hat doch dort eine Artikulation vorgeschrieben: der kleine Bogen vom Viertel zum Achtel - wenn du das machst, wird man das hören, trotz ganztaktigem Pedal. Nicht anders ist es mit dem "absetzen" im cis-Moll Walzer.
 
mick

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Theoretisch könnte man das f des Akkordes mit rechts übernehmen und das Pedal erst mit der Achtelpause treten. In der Praxis klingt das aber doof, weil der Des-Dur-Akkord dann dünn und obertonarm wird. Das sorgt für einen hörbaren klanglichen Bruch zwischen diesem Takt und den folgenden. Man muss die Illusion einer Pause durch Artikulation und Phrasierung erzeugen.
 
rolf

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Theoretisch könnte man das f des Akkordes mit rechts übernehmen und das Pedal erst mit der Achtelpause treten.
...und wie reinigt man im zweiten Takt die vielen Achtel aus dem Klang, sodass immer nur eines nach dem anderen zu hören ist so wie es doch notiert ist? ;-) (natürlich ist dir klar, dass so eine Frage spieltechnisch unsinnig ist)
 
Ellizza

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Jetzt werde ich mal besserwisserisch sein :-D, man kann zum einen das Pedal luften soviel man will, nur der/die durchgängig zu erklingende(n) Ton/Töne muss(en)dann weiter gegriffen sein. Oder man verwendet sogenanntes Halbpedal, tritt also das Dämpferpedal nicht ganz durch, dann erklingen die tiefen Töne weiter gebunden, während die hohen nach dem Loslassen nicht weiterklingen. (Hat mit dem Abstand der Dämpfer von den Saiten zu tun. Von den dickeren, kräftiger schwingenden Saiten ist bei abgehobenen Dämpfern ein größerer Abstand erforderlich, als bei den dünneren oberen Saiten, wenn die Dämpfereinrichtung gut austrahiert ist, ergibt sich die Möglichkeit, bei einem nur bis zu einem gewissen Grad runtergetretenem Pedal, eben den Bass weiter klingen zu lassen, aber die höheren Töne mit Loslassen der Taste auch erstummen zu lassen.
 
Ellizza

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Ich lese gerade von mick , dass so natürlich mitschwingende Obertöne "abgewürgt"werden. Kommt immer darauf an, was man klangmäßig erscheinen (!) lassen will.
 
rolf

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Jetzt werde ich mal besserwisserisch sein :-D, man kann zum einen das Pedal luften soviel man will, (...)
kann man machen - trotzdem wird man den zweiten Takt nicht exakt so hinkriegen, wie er aufgeschrieben ist (durchklingende Begleitung, Melodie schön legato :-D in Achteln, aber wehe wehe wenn diese Achtel verschwimmen, ineinander klingen...)

...ist eigentlich ein alter Hut, dass die Notation eben nicht in Notenwerten das wiedergibt, was mit Pedalgebrauch alles weiterklingt (denn das wäre sehr sehr unübersichtlich)
 
Stilblüte

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@Pianist685 Ich fühle mich geehrt, aber ich hab noch nie im Leben bewusst etwas von Satie gespielt... :-DMeinung hab ich trotzdem: Ich finde, der Basston muss liegenbleiben. Er ist eindeutig als taktfüllend notiert. Dem steht die Pause entgegen - aber ich denke, die kann man auch als "Geste" Interpretieren. Die Verbindung zwischen den Tönen jeweils vor und nach der Pause ist eine andere, als die Verbindung der Töne, die durch die Pause getrennt sind. Man könnte das dynamisch oder agogisch oder beides zeigen. Allein dadurch, dass die Pause da steht, spielt man anders als wenn sie dort nicht stehen würde.
 
Ellizza

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Noch eine kleine Anmerkung, Töchterchen saß mit einem neu zu übenden Stück am Klavier, sollte das Dämpferpedal einsetzen und fragte irritiert, wegen der anstehenden Bindungen, wonach sich richten, oben oder unten. Ich empfahl spontan die Bassstimme....wahrscheinlich fällt auch auf, wenn denn Pedaleinsatz notiert ist, dass er meistens sich nach der Bassstimme sich richtet (also neuer Akkord ec.)

Edit:
Normalerweise richtet sich der Pedaleinsatz nach dem Zweck, soll nur füllender reicherer Klang sein, muss mindestens bei Harmonieänderungen das Pedal neu einsetzen. Geht es um Bi dungen, die Fingertechnisch nicht möglich sind, ist punktgenaues Treten nach dem Anschlag des ersten Tones und Loslassen knapp nach dem Anschlag des zu bindenden Tones gefordert.
Das sind nur 2 von vielen Möglichkeiten des Dämpferpedaleinsatzes.
 
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