"Original" Feurich - restauriert vs. "Moderner" Feurich - neu

Miko

Miko

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Moinsen,

ein 160/162cm Feurich, ist aktuell, je nach Farbe, neu um 11.500-12.000€ zu haben ist, inkl. Transport, vor Ort intonieren und stimmen und 5 Jahren Garantie. Wie hier zu lesen ist findet so mancher die aktuellen Feurich sehr akzeptabel, und als "Referenz" wird gern der YT Paul Barton genannt.

Zum Vergleich ein gleichgroßer "Original" Feurich aus den 1970/80iger, komplett überholt/restauriert - Bestandteile überarbeitet/gereinigt oder ersetzt. Neue Saiten, Wirbel, Hammerköpfe/Filze, Dämpfer, Fänger, Auslösung ... gut erhaltener Elfenbeintastaturbelag, Gehäuse lackiert etc. etc.

Spielt sich sehr angenehm (leicht), sehr schöner, warmer singender Ton, angeschlagen klingen die Töne erstaunlich lange nach, ohne merklich abzuflachen. Meine mich für die "Sound Produktion" begleitende Pianisten war begeistert und mochte gar nicht aufhören zu spielen.
Preislich reduzierter soll er wohl um die 14K zu haben sein.

Nun die Frage aller Fragen: ist ein komplett überarbeiteter "Original" Feurich der besagten Jahre den vergleichbaren bzw. leicht höheren Preis gegenüber einem aktuellen, neuen Feurich wert?

Deutliche Preisnachlässe vom ursprünglichen Aufruf habe ich auch bei allen anderen Händlern erlebt- meist bevor ich überhaupt groß danach gefragt hätte. (Komplett ) überarbeiteter Flügel 1920/30iger Jahre, mit Preisschild 15K wurde dann für 10K angeboten. Ein 1930iger Jahre Blüthner, komplett! überarbeitet (@OE1FEU eingedenk Deiner Bedenken bzgl. der Variationsbreite der Definition komplett) für 18K wird auch mit Nachlass angeboten (wieviel weiß ich nicht).
Bei allen immer (auch) als Argument, man brauche Platz für neue Instrumente, die noch im Lager warten...
Sind die aufgerufenen Preise also Phantasiepreise um verkaufsfördernd einen "Nachlass generieren" zu können, oder ernst gemeint und weil die Flügel, aus welchen Gründen auch immer, schon ne Weile stehen gibt’s echte Rabatte?
 
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Sven

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Um mal auf die Frage aus dem Titel einzugehen:
Afaik hat der aktuelle Feurich mit dem ursprünglichen Feurich nur noch den Namen gemeinsam.
Stattdessen könntest du dir auch eien anderen aktuellen Chinakracher kaufen.
Dass du trotzdem lieber den Freurich hättest, zeigt wie gut die Idee ist, einen bekannten Markennamen zu übernehmen, um unter diesem seinen eigenen Ramsch anzubieten.

Suche dir das Instrument, das unbedingt zu dir will.
Unabhängig vom Namen.
 
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jensen1

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Spielt sich sehr angenehm (leicht), sehr schöner, warmer singender Ton, angeschlagen klingen die Töne erstaunlich lange nach, ohne merklich abzuflachen. Meine mich für die "Sound Produktion" begleitende Pianisten war begeistert und mochte gar nicht aufhören zu spielen.
Da hast du doch die Antwort schon gefunden. Darüber hinaus finde ich es immer etwas schwierig, wenn gefragt wird: "Was würdet ihr tun." Die Entscheidung kannst du nur selbst treffen. Die oben zitierten Sachverhalte wären auch Dinge, die mir an einem Instrument gefallen würden, bzw. wenn ich nicht aufhören wollte zu spielen, wäre es ein zu mir passendes Instrument.

Ich würde generell das Wort Chinakracher nicht verwenden, und insbesondere auf die aktuellen Feurich Instrumente bezogen ist das eine Abwertung eines vom Preis-/Leistungsverhältnis her guten Angebotes.

Dass Markennamen verkauft werden und die angebotenen Produkte nichts mehr mit dem Original zu tun haben ist sachlich richtig. Deswegen müssen die angebotenen Produkte aber noch lange kein "Ramsch" sein.
 
MicAA

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In dem Artikel geht's um einen Verkauf in die Schweiz, also um einen Export aus der EU. Dabei waren Artenschutzregelungen schon immer problematisch.
 
Miko

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Das hatte ich auch so im Hinterkopf, daß das nur bei Export ins Ausland eine Thema sein könnte. Beim Transport von der Werkstatt des Klavierbauers zu mir würde wohl kaum jemand danach fragen.

Geht mit solchen Dingen aber teilweise auch schon etwas ins Absurde. Freundin von mir berichtet, daß sie für Auslandsreisen mit den Orchester für die nur qmm großen winzigen Perlmutbeschläge am Frosch der Bögen Zertifikate benötigen, Bögen z.B. bei der Wiederausreise aus den USA beschlagnahmt wurden etc. Insgesamt ein riesen Brimbamborium mit endlosem Papierkrieg. Einige Kollegen würden deshalb auf Reisen inzwischen notgedrungen ungeliebt Carbonbögen mitnehmen.
 
cwtoons

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Wenn das Landratsamt erfolgreich bei der Beschlagnahme der Flügeltasten gewesen wäre, was hätten die denn mit den Tasten angefangen - Mikado gespielt?

Und welchen Schaden hätten sie mit der Beschlagnahme vom deutschen Volke abgewendet?

CW
 

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JanHH

Guest
Ich frag mich auch ob die aktuellen Feurichs so gut sind wie die Händler und der Hersteller so sagen, und man findet wenig Infos, wenn man Foren wie diese aufsucht wird da immer sehr tendenziös gesprochen, Ramsch, Chinaböller, Chinakracher..

Mir ist nicht klar inwiefern der ORT wo ein Klavier gebaut wird per se die Qualität beeinflußt (von Tropen und Arktis mal abgesehen). Es ist schade dass man da keine differenzierten Informationen findet.

Sofern es stimmt was behauptet wird - sorgfältige Neuentwicklungen/Weiterentwicklungen/Überarbeitungen, hergestellt in Chinas modernster Klavierfabrik, mit einer eigenen Produktionsstraße, und von den Wienern überwacht, wüsste ich nicht, wo da der qualitative Makel herkommen sollte. Ich hab mit China zwar so das ein oder andere Problem, was die politische Lage angeht, aber was die Qualität der Ware angeht, sehe ich da erstmal nix, was zu pauschalen Abwertungen berechtigen würde.

Ich neige zu der Vermutung, dass der neue besser ist, aber natürlich ohne jede Erfahrung, nur ein schuss ins Blaue.

hab mir vor über 10 Jahren mal die Wendl+Lung Klaviere angeschaut/gespielt, haben mir sehr gut gefallen.
 
Miko

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"alea iacta est"

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Dämpferlöffel

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Ich frag mich auch ob die aktuellen Feurichs so gut sind wie die Händler und der Hersteller so sagen, und man findet wenig Infos, wenn man Foren wie diese aufsucht wird da immer sehr tendenziös gesprochen, Ramsch, Chinaböller, Chinakracher..

Mir ist nicht klar inwiefern der ORT wo ein Klavier gebaut wird per se die Qualität beeinflußt
vielleicht hilft es, die Branche zu wechseln und statt über Flügel über Autos nachzudenken. Dacia gehört zum Renault Konzern und baut unglaublich billige Autos in Rumänien. Diese Autos verkaufen sich nur über den Preis und der Preis kann so niedrig sein, weil die Lohnkosten in Rumänien niedriger sind als in Frankreich. Würde die Marke "Dacia" soviel kosten wie "Renault" würde niemand "Dacia" kaufen. Renault spricht mit dieser Marke sehr preissensible Kunden an. Den Preis kann Renault noch weiter senken, indem Dacia relativ alte Technologie verbaut, die bei Renault nicht mehr zum Einsatz kommt. Dann hat man nicht fünf Crashtestpunkte, sondern nur drei. Aber wer nur einen fahrbaren Untersatz haben will und mit gutem Grund davon ausgeht, nie einen schweren Crash zu haben, ist mit dem Dacia gut bedient, weil er ein besseres Preis-Leistungsverhältnis hat.
Können die Rumänen keine gescheiten Autos bauen? Wahrscheinlich schon, aber wenn sie nicht Drei-Stern-Autos produzieren, sondern Fünf-Stern-Autos ist der Preisunterschied geringer als er sein könnte.

Ich finde, das kann man ziemlich gut auf Instrumentenbauer übertragen. Die China-Instrumente verkaufen sich primär über den Preis. Wenn der möglichst niedrig liegen soll, kann man eben nur begrenzten Aufwand treiben, d.h. man muss an den Materialien und an der Ausführung sparen. Je weniger man an diesen Stellschrauben dreht, umso näher rückt der Preis an den der europäischen Hersteller heran.

Ob das langfristig so bleibt, ist eine andere Frage. Wenn China das Billig-Image loswird und gute Instrumente baut, , werden die Karten neu gemischt. So lange man aber das Billig-Image hat, ist es schwer, etwas anderes als "billig" zu bauen. Insofern ist Feurich ein spannender Ansatz. Ich habe noch keinen gespielt, habe aber hier im Forum den Eindruck gewonnen, als würden die, die das getan haben, die Instrumente in der "chinesischen Oberklasse" verorten.
 
 

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