Oberdämpfer renovieren - neue Filze

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Neuklavierbastler

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Hallo, ich bin neu hier und, ermutigt durch viele andere Threads hier, in denen Bastler nicht gleich abgewatscht werden, sondern hilfreiche Tipps bekommen, wende ich mich mit meinen Fragen an die Kenner in dieser Runde.

Ich habe ein Klavier geschenkt bekommen, von Eduard Nold & Sohn aus Frankfurt/Main. Alter unbekannt, aber wahrscheinlich Gründerzeit. Es steht noch ganz gut da, keine Risse, kein Wasserschaden, äußerlich sehr schön anzusehen, und es lässt sich auch stimmen, soweit sich das um diese Jahreszeit sagen lässt. und ich habe Lust, mich daran auszuprobieren, ohne gleich einen Profi heranzuziehen, da ich noch nicht weiß, ob es sich wirklich lohnt, viel Geld zu investieren. Zeit dagegen habe ich gerade.
Ich habe die Tasten und den Rahmen mit den Hammerköpfen und Dämpfern herausgenommen und alles gründlich gereinigt, und auch schon gefunden, wo ich neue Scheiben für den Waagebalken bekomme, und auch Einflechtband und anderes, aber ich finde niemanden, der Filz für die Dämper verkauft.
Die Dämpfer scheinen ja generell ein Problem bei Oberdämpfern zu sein, aber zur richtigen Einstellung derselben bin ich noch gar nicht vorgedrungen, denn zunächst einmal müssen einige der Filze ersetzt werden, weil sie völlig ausgefranst sind. Wer kann mir weiterhelfen, wo ich den richtigen Filz dafür bekomme? Das Holz ist noch intakt, es geht nur um den Filz selbst.
Über hilfreiche Tipps würde ich mich sehr freuen!
 
Henry

Henry

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, ohne gleich einen Profi heranzuziehen, da ich noch nicht weiß, ob es sich wirklich lohnt, viel Geld zu investieren.
Auch wenn Du Dich selbst ans Werk machen möchstest, wäre die Hinzuziehung eines Kollegen nicht das Verkehrteste, wenn Dir etwas daneben geht, wirst Du dann ohnehin einen brauchen - also besser, es geht erst garnichts daneben ;-)


zunächst solltest Du das Instrument vielleicht erst einmal auseinanderbauen, die Mechanik herausnehmen, ein paar Photos machen und hier reinstellen, damit wir uns zumindest schon mal einen optischen Überblick verschaffen können.

Oberdämpferfilz scheint es leider nicht mehr zu geben, ich habe da soeben bei Jahn so wie bei Meyne nachgeschaut - Baumgärtel hat das noch im Angebot gehabt, leider gibt es die nicht mehr :cry2:
 
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Neuklavierbastler

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Danke für die schnelle Antwort. Mit dem Hinzuziehen eines Kollegen ist das so eine Sache. Der Klavierbauer hier in der Nähe, den ich dazu angerufen hatte, antwortete lapidar, er wäre nur bereit zu helfen, wenn ein richtiger Auftrag für ihn daraus würde. Nicht sehr hilfreich...
Die Mechanik habe ich schon herausgebaut und den Dreck von Jahrzehnten herausbefördert. Fotos lade ich hoch, ich hoffe, sie sind aufschlussreich.
Im Großen und Ganzen habe ich als Laie den Eindruck, dass sich das Instrument zumindest so weit herrichten lässt, dass mein Sohn seine ersten Klavierversuche daran unternehmen kann, ohne dass jemand Ohrenkrebs bekommt. Der Klang ist weich und voll - bis auf den lästigen Nachhall, den ich durch das Ersetzen der Filze und Nachjustieren der Dämpfer einigermaßen in den Griff zu bekommen hoffe.
Oder liege ich da völlig falsch und habe einen hoffnungslosen Fall hier stehen?
Gibt es denn für die Filze eine Alternative?
 

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Peter

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Bechsteinfan
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Evtl. kannst Du hiervon die besten Filze verwenden.
Hier sind noch drei weitere Oberdämpferteile/-mechaniken gelistet.
 
Henry

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Die Dämpfung im oberen Diskant machen schon einen sehr mitgenommenen Eindruck - wie sehen denn die restlichen Dämpferfilze aus?

Da droben, wo bereits die Motten gespeist haben, ist ohnehin keine gute Dämpfung zu erwarten, in sofern würde da ein neuer Dämpferfilz auch nicht wirklich was bringen.

Ich habe schon "Bastelarbeiten" gesehen, wo man in die Oberdämpfungspüschel einfach mal Unterdämpferfilz rein geklebt hat - ist nicht sinnvoll, da der Oberdämpfungsfilz eine ganz andere Spannung aufweist.

Der Oberdämpfungsfilz hat die Lamellenstruktur zu den Saiten hin, und verhält sich wie eine Feder (entsprechend abenteuerlich erweist sich auch das einleimen eines solchen Filzes)

Der Unterdämpfungsfilz hingegen hat seine Lamellen parallel zu den Saiten und ist abgesteppt.

Dieser übt natürlich keinen Federdruck auf die Saiten aus - braucht er ja auch bei der Unterdämpfung ned.

Oberdämpferfilze aus ausgedienten Oberdämpfungsmechaniken zu verwenden....man kann es versuchen - ob die dann auch passen ist ne ganz andere Geschichte.

Hier fehlt wirklich Micha Seelig (Klaviermacher) welcher vielleicht eine Lösung gefunden hätte, die alten Oberdämpferfilze wieder zu sanieren.

Von der akustischen Anlage macht das Instrument (was ich vom Photo her sehen kann) einen recht vernünftigen Eindruck - es ist jedoch eine angestemmte Platte wo bei einer Stimmung der Kammerton 435 Hz keineswegs übersteigen sollte.
 
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Neuklavierbastler

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Hallo Henry,
danke für die Einsichten. Habe ich das richtig verstanden, dass die ausgefransten Dämpfer im Diskant nicht so viel ausmachen? Das sind wirklich die, die am schlimmsten aussehen, Fotos von den anderen lade ich morgen mal hoch, heute schaffe ich das nicht mehr. Vielleicht muss ich die ja gar nicht austauschen?
Bei den gebrauchten Filzen hätte ich auch die Sorge, dass man die nicht so ohne Weiteres einsetzen kann, die sehen auch ganz anders aus als unsere. Aber vielleicht können die alten ja tatsächlich noch weiter dienen? Oder gibt es im Zweifel einen anderen Filz, den man da nutzen kann? Auf Michael Szecsenyi (das ist doch Micha Seelig Klaviermacher?) war ich hier im Forum auch schon aufmerksam geworden und habe dann entdecken müssen, dass er nicht mehr unter uns ist...

Was die Mechanik insgesamt angeht, freue ich mich, dass ich da nicht so falsch lag mit meiner Einschätzung, keinen hoffnungslosen Fall hier stehen zu haben. Wie gesagt, es klingt eigentlich noch recht gut.
Wir haben bisher versucht, auf 420 hz zu stimmen, weil es insgesamt ca. einen Halbton zu tief war, das passt ja mit Deiner Einschätzung zusammen. Was ist eine angestemmte Platte?

Danke schon mal fürs Mitgrübeln, ich lade morgen noch Bilder hoch. Inzwischen warte ich auch auf die anderen bestellten Filze.

Schönen Abend, viele Grüße,
Vanadis
 
Henry

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Habe ich das richtig verstanden, dass die ausgefransten Dämpfer im Diskant nicht so viel ausmachen?

Ja, das ist das interessante an Oberdämpfungsmechaniken, daß die Dämpfung im Diskant langsam abnimmt, so daß man im Gegensatz zu Unterdämpfungsmechaniken keinen deutlichen Bruch zu den ungedämpften Höhen mehr hat.

In sofern sind jetzt diese Schäden - wie in den oberen Diskantdämpfern - nicht wirklich problematisch.

Wenn die Dämpferfilze ansonsten noch gut beieinand sind (und nicht gerade halb rausgefressen oder verkrustet) wird die Dämpfung mit den alten Dämpfer auch ned schlechter funktionieren als mit neuen.

Die Schwierigkeit liegt beim Einstellen der Oberdämpfung um optimale Dämpfungseigenschaften zu erzielen - da braucht es etwas Geduld und Feingefühl (nebst passendem Werkzeug)

Das Neubefilzen der Oberdämpfung, ist ein "Spaß" für sich - die Filze verhalten sich wie eine Feder welche gestaucht eingeleimt werden muß - paßt man ned auf, springt der Filz wieder raus.

Der Dämferfilz muß mit seiner gesamten Rückseite im Dämpferpüschel kleben bleiben, erst dann kann man loslassen.

Von daher kann hier im Grunde genommen nur schnell abbindender Warmleim (Knochenleim) verwendet werden - von Sekundenkleber rate ich ab.....Fingerkuppen gehören nicht in eine Klaviermechanik.

Wenn also eine Oberdämpfung noch soweit intakt ist - laß sie wie sie ist.


Zur angestemmten Gußplatte - @Peter hat es ja bereits erklärt, man könnt auch sagen "die Platte endet am Stimmstock".

Im Gegensatz zur gefensterten Platte - diese geht bis zur Traufhöhe des Klavieres, und umrahmt den Stimmstock.

420 Hz ist natürlich merklich tief, bei 427 Hz wäre man einen viertel Ton unter dem Kammerton.

Will man mit anderen Instrumenten zusammenspielen, ist es natürlich am sinnvollsten das Instrument genau einen halben Ton drunter zu lassen und dann alles einen Halbton höher zu transponieren.

Der Vollpanzer (Vollpanzerplatte) bedeckt zusätzlich noch vollständig den Stimmstock - ist die stabilste und zugleich die schwerste Plattenkonstruktion welche inzwischen bei allen Klavieren und Flügeln verwendet wird.

Bei der angestemmten Platte, wie es bei Dir der Fall ist, wird der Stimmstock ausschließlich von den Rasten gehalten und erfährt keine Unterstützung durch die Gußplatte.

Eine solche Konstruktion läuft der Gefahr des "zu hoch stimmens" einen Stimmstockabriss zu erleiden.

Solch einen Schaden begegnete mir schön des öfteren - in 3 Fällen konnte ich den Schaden wieder mittels Verleimung und durchgehenden Bolzenschrauben beheben in den anderen Fällen waren die Rasten in Mitleidenschaft gezogen, so daß man für das Klavier nichts mehr tun konnte.

Gebrochene Rasten zu erneuern ist zwar möglich, jedoch steht ein solcher Aufwand in keinem Verhältnis zum Wert des Instrumentes - eine neue Raste anzufertigen....mei, dafür kriegt man bereits ein neues Markenklavier.
 
Henry

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Offensichtlich gibt es Satzzeichenbegrenzungen, daher fahre ich hier mal fort:

420 Hz ist natürlich merklich tief, 427 Hz wären ein Viertelton unter dem Kammerton.

Wenn andere Instrumente (die sich nicht stimmen lassen) da zu mitgespielt werden, so ist ein Halbton unter dem Kammerton sicherlich am sinnvollsten - muß man halt transponieren.

Ich würde zudem auch noch da zu raten, den bisher nur angeleimten Stimmstock zusätzlich mit der Raste zu verschrauben um einen Stimmstockabriß vorzubeugen - auch wenn die Bemalung darunter leidet.

Zu diesem Zweck würde ich Plattenschrauben verwenden 12 x 100mm
 
 

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