Wo stehe ich?

lucien

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Liebe Klavier-Community, :001:
ich schreibe heute hier, weil ich nach nun 14 Monaten Unterricht kaum einschätzen kann, wie mein Fortschritt im Vergleich zu anderen zu bewerten ist.
Da man als Klavierspieler ja meistens allein an seinem Instrument sitzt, fehlt mir schlicht der Vergleich.
Bin 39 Jahre alt.
Mein Weg ist vielleicht etwas intensiver als üblich: Ich übe täglich ca 90 min.
Für mich ist das keine Belastung, sondern eher wie Atmen.
Diese Woche habe ich den ersten Band der Schule ‚Tastsinn‘ offiziell abgeschlossen.
Mein Lehrer meinte nun, wir haben jetzt 10 Prozent und lassen die weiteren Lehrbücher erst einmal beiseite und beginnen direkt mit den Meisterwerken der klassischen Literatur.
Unterricht pro Woche 90 min.
Morgen steht eine besondere Einheit an:
Wir haben einen Zeitblock von 115 Minuten am Stück geplant, um tief in die Interpretation und die Klangfarben einzusteigen.
Ich merke, dass der reine Klang für mich dann wie eine Energiequelle wirkt – ich brauche in diesen zwei Stunden keine Pause und fühle mich danach energetisch voll aufgeladen.
Oft spiele ich direkt nach dem Heimkommen noch weiter, um die Impulse des Unterrichts zu verarbeiten.
Da ich keinerlei Vergleich zu anderen Schülern habe, wollte ich einfach mal fragen:
Ist dieser direkte Übergang zur Originalliteratur nach 14 Monaten ein üblicher Zeitrahmen?
Wie habt ihr den Moment erlebt, als die ‚Schulbücher‘ endeten?
Und kennt ihr dieses Gefühl auch, dass die Musik so präsent wird, dass alles andere um einen herum – sogar Müdigkeit oder die Zeit – völlig in den Hintergrund tritt?
Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Herzliche Grüße,

B.🎹
 
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Und wenn sich hier zahlreiche User melden und Dir zeigen, dass sie in der gleichen Zeit schon deutlich weiter als Du gekommen sind - was dann?

CW
 
Meine Erfahrung ist, dass einem mit diesen Vergleichen nicht geholfen ist. Das Ding ist ja, egal was die anderen treiben, es hat überhaupt keinen direkten Einfluss auf das eigene Spiel. Die Sache beginnt im Kopf. Ich hab da erlebt, dass es auch relativ gleich ist, wie "weit" einer tatsächlich ist, sondern es auf die Erwartungen einer Person ankommt. Jemand, der nur Augen für virtuose Literatur hat, mag unzufrieden sein, auch wenn er super vorankommt - oder, anderes Beispiel: jemand hat eine Idee und weiß, dass (vielleicht auch wie) er etwas ausdrücken möchte, dies gelingt aber nicht so ganz. Dann überzeugt auch wenig, wenn andere meinen, dass es doch gut war.
Viel wichtiger als die "Quelle" der Stücke (Originalliteratur kann schließlich auch einfacher als etwas aus Klavierschulen sein und umgekehrt) finde ich übrigens, wie du es spielst :001:
 
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Wie habt ihr den Moment erlebt, als die ‚Schulbücher‘ endeten?
Gar nicht ... ich hatte nie Unterricht, und daher git es bei mir nicht den Übergang zwischen "Schulbuch" wie du es nennst und "Meisterwerken". Es war eher die langsame Entwicklung von vorsichtigem Vorantasten bei gleichzeitigem Notenentziffern zu Klavierspielen. Und das hat auch mehr als 14 Monate gedauert (das waren eher 3 Jahre).
Und kennt ihr dieses Gefühl auch, dass die Musik so präsent wird, dass alles andere um einen herum – sogar Müdigkeit oder die Zeit – völlig in den Hintergrund tritt?
Natürlich kenne ich dieses Gefühl ... ich würde es nicht missen wollen.
Am besten klappt das bei mir mit Stücken, die richtig gut sitzen ... oder mit Improvisation.

Edit:
Man muss sich ja nicht zwingend miteinander messen ... aber manchmal kann man ganz gut was voneinander lernen, wenn man sich zuhört oder anderen auf die Finger schaut ... manche geben ja frecherweise sogar ungefragt Tipps.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und wenn sich hier zahlreiche User melden und Dir zeigen, dass sie in der gleichen Zeit schon deutlich weiter als Du gekommen sind - was dann?

CW
Dann freue ich mich und werde mehr üben.
Das ist doch kein Wettbewerb.
Liebe Grüße
 
Ich habe gleich von Anfang an die "Meisterwerke klassischer Literatur" gespielt.
(AMB, Nannerl Notenbuch, Mikrokosmos)
Warum soll man sich mit komischem künstlichem Kram aufhalten, anstatt gleich Musik zu machen?

Für mich klingt das alles sehr Merkwürdig. Als würde es dir mehr auf das Erreichen irgendeines Status ankommen.
"Schule ‚Tastsinn‘ offiziell abgeschlossen"

Würde es dir wirklich um dich selbst und dein Erleben (mit) der Musik ankommen, wären solche Vergleiche egal.

Ich halte es da mit Baryshnikov: Ich will nicht besser sein, als jemand anderes, sondern als ich gestern.
 
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Sehr gut finde ich, dass Du Dich einem Lehrer anvertraut hast. Ihr geht den Weg gemeinsam.

Für mich ist das keine Belastung, sondern eher wie Atmen.
Für mich ist konzentriertes Üben wie Meditation - danach ist der Kopf frei.

Und kennt ihr dieses Gefühl auch, dass die Musik so präsent wird, dass alles andere um einen herum – sogar Müdigkeit oder die Zeit – völlig in den Hintergrund tritt?
Nach dem Klavierunterricht bin ich meist wacher als vorher. Erschöpft aber aufgedreht, könnte man wohl sagen.
 
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Für dein Commitment glaube ich, dass es echt einen gut strukturierten Lernplan braucht, denn mit dem Aufwand, den du betreibst, kannst du viel rausholen... Aber das hängt alles davon ab, wo du denn eigentlich hin willst? Was sind deine Ziele? Jedenfalls würde ich meine Fühler weit über dein Klavierschulbuch hinaus ausstrecken.

Andererseits könntest doch auch einfach Schülerkonzerte besuchen (bist du in einer Musikschule?) um mal zu hören, wie andere Lernende spielen und vorallem irgendwann auch mal selbst auftreten. Und das ganz ohne Vergleichsgedanken, wer ist besser, wer ist schlechter. Schau einfach dass du ein bisschen unter die Leute kommst, Bühnenerfahrung bekommst usw ^^

Oder vergleiche dich doch einfach mit den Besten. Studiere ein Stück ein, nimm dich auf und vergleiche das dann mit einer professionellen Interpretation. Versuche herauszuhören, wie der Interpret Dynamik, Artikulation, Phrasierung, Agogik und den Spannungsbogen im Allgemeinen herausarbeitet – und dann hast du 100 Baustellen, an denen du dich abarbeiten kannst.
 
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  • #10
Dann freue ich mich und werde mehr üben.
Ah ja - so, so. Is' ja prima.

Und ich hatte doch fast den Eindruck, dass bei Dir die für einen erwachsenen Anfänger typische Ungeduld und Unsicherheit ("hab' ich Talent?, bin ich musikalisch?, mach' ich alles richtig?") zuschlägt.

CW
 
Zuletzt bearbeitet:
  • #11
Musik zu erlernen, sich darin zu verbessern, das ist etwas so ureigenes, dass man sich "Vergleiche" mit anderen jedweder Art oder Unart besser verbieten sollte.

Man kommt subjektiv voran, wird immer besser - aber wie schnell das geschieht, und ob "genügend schnell", oder "minder schnell" im Vergleich mit anderen, so what?

Von solcherlei Vergleicherei sollte man sich frei machen. Es sei denn, man wisse sich als einen Super-IQler, dem alles im Leben immer auch schnell und schneller zufällt als den armen minderbegabten Mitmenschen... die man hoffentlich mit derartigen Vergleichen verschont. Man muss ja aus solchen Umständen nicht auch noch zu lasten seiner Mitmenschen "Honig ziehen".
Und man wisse, bei IQs oberhalb von 150 oder 160 ist die allerweiteste Mehrheit der Mitmenschen SO ÜBEL WEIT hinter einem, dass man in bestimmten Kreisen damit dann schon wieder als "sozial behindert" gilt, weil man es mit seiner Hochintelligenz oft unglaublich schwer hat, seine Enttäuschung über das lahme Hirn der Mitmenschen zu verbergen - sie damit abnervt, und im Ergebnis als "Hirnie" alleine bleibt.

Ich ... beispielsweise ... habe erst mit 16, 17 Jahren begonnen, sehr wenig Unterricht zu haben, und das auch mit ca. anderthalb Jahren nciht besonders lang. Wegen des späten Startes am Klavier und wegen der kurzen Länge des Unterrichtes werde ich - als Kind aus einfachem, sparsamem Hause - auf immer gehandicapt sein in irgendwelchen Klavier-Vergleichen, aber interessiert es mich?
Nö.
Ich komme voran, ich spiele Chopins Nocturnes und Walzer, und ich habe noch nie - wenn denn ich doch mal vergleichen wollte ... - jemanden am Klavier gefunden, der NOCH WENIGER Unterricht hatte, aber weiter gekommen sei. ... Aber hierauf stolz sein zu wollen, den Stolz ggfs. vergleichend an andere heranzutragen, zu deren Ärger uu.? nee. Wozu?

Das hat mit meiner eigenen Entwicklung null zu tun.

Ich bedaure die Menschen, denen man kleinkindlich immer das Vergleichenwollen oder -müssen einimpfte. Kinder aus höheren Familien, "Erbakademiker" oft, Ärzte, Rechtsanwälte, Kinder, die oft vom Anspruch ihrer Ellies sich gepeinigt sahen, oder gar überfordert. Opfer ihrer familiären Sozialisation. Dass sie Kohle hatten, dass sie zum Klavierunterricht, zum Ballettunterricht, zum Reitunterricht, zum Golfen, zum Tennis gescheucht wurden, um dann überall "die Besten" sein zu müssen, sich vergleichen zu wollen, von den Ellies verglichen worden mit anderen - es sind mir doch eher arme Irre. In ihrem "Erfolgsstreben" verpeilt, sich ausgeliefert zu sehen an den anerzogenen Ehrgeiz. Reiche, aber unglückliche Kinder, oft ( = nicht immer).
 
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  • #14
Ach, ein bisschen Sportsgeist gehört schon dazu, auch zum Klavierspielen… Immerhin gibt es auch Klavierwettbewerbe, und daran wächst man sicherlich auch, wenn man nicht gewinnt.
 
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  • #15
Natürlich vergleicht man! Nur so kommt man weiter. Als Kind habe ich bei Vorspielen Stücke von den größeren Kindern gehört, die mich fasziniert haben, die ich auch unbedingt spielen können wollte.
Im Unterricht macht dein Lehrer dir etwas vor, das klingt so göttlich, das möchtest du auch können.
Du hörst ein Konzert mit wunderbarer Musik und denkst: Da will ich hin.
Nur, wann man dahinkommt, das ist nicht wichtig. Es sei denn, eine Aufnahmeprüfung oder ein Konzert steht an und die Stücke müssen bis dahin so schön wie möglich sein.
Es ist albern von unserer Gesellschaft, Leistung, Vergleichen, Streben nach Qualität so negativ zu sehen. Wenn man das macht, wird man in jedem Fall schlechter.
Einer meiner Reitercoachs sagte mir mal: Gib dich nicht mit Mittelmaß zufrieden!
Um zu erkennen, was Mittelmaß ist, muß man die Bandbreite kennen.
Vergleichen heißt: Was ist gut, und wo stehe ich gerade?
Sich vergleichen, um sich zu erhöhen bringt nichts, außer Bebauchpinselung.
 
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  • #16
Habt Ihr gesehen, dass der Themenersteller (m/w/d) um Löschung des Kontos gebeten hat? Vermutlich liest er/sie/es hier gar nicht mehr.
 
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  • #17
Noch ist das Konto da. Und dieser Thread lässt sich auch unangemeldet lesen.

Vielleicht hilft manches ja auch anderen.
 
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  • #20
Von solcherlei Vergleicherei sollte man sich frei machen. Es sei denn, man wisse sich als einen Super-IQler, dem alles im Leben immer auch schnell und schneller zufällt als den armen minderbegabten Mitmenschen... die man hoffentlich mit derartigen Vergleichen verschont. Man muss ja aus solchen Umständen nicht auch noch zu lasten seiner Mitmenschen "Honig ziehen".
Ich nehme das mal nur als Aufhänger. Hat gar nix mit Dir oder diesem Faden zu tun:
Ich empfehle mal Hanno Sauer "Klasse - die Entstehung von oben und unten" zu lesen und soweit wie möglich nüchtern zu reflektieren.
Es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen zu vergleichen...
 
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