"My Romance" - Richard Rodgers

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Liebe Clavioten,

im letzten Viertel-Jahr habe ich seit längerer Zeit mal wieder fast täglich geübt, weil ich drei Stücke für ein Amateur-Konzert in der Kirchengemeinde vorbereiten wollte. Das Konzert lief ganz gut, es wurde auch alles gefilmt und aufgenommen. Es ist allerdings sehr schwierig auf einem kleinen Flügel in einer großen Steinkirche einen nicht-matschigen Sound hinzubekommen. Zu viel Hall ist auch nichts... Deshalb, weil das Zeug nun mal geübt war, habe ich zuhause nochmal eine Aufnahme-Session gemacht. Und hier ist die erste Kostprobe davon:

"My Romance" von Richard Rodgers und Lorenz Hart.

Wie von den meisten Jazz-Standards gibt es davon kernige Sinatra-Versionen, verspielte Ella-Versionen und lyrische Klavier-Trio-Versionen von Bill Evans. "My Romance" ist bekannt, wird aber gar nicht so häufig gespielt. Ich setzte mich damit schon seit Jahren auseinander und fand es schwierig, die langen Passagen in und um C-Dur irgendwie halbwegs reizvoll zu gestalten. Aber trotzdem ist es eine sehr schöne Nummer!

Viel Spaß damit!

LG

TJ

Voilà:

 
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Gefällt mir sehr gut!

Mich würde interessieren, wie bei dieser Aufnahme ungefähr das Verhältnis von Improvisiertem zum geplanten Arrangement war. 😊
 
Gefällt mir sehr gut!

Mich würde interessieren, wie bei dieser Aufnahme ungefähr das Verhältnis von Improvisiertem zum geplanten Arrangement war. 😊
Gute Frage! Mein Arrangement ist ziemlich starr. Wie gesagt ich spiele das Stück schon seit Jahren, sowohl solo als auch im Band-Kontext und war mit meinem freiem Spiel irgendwie nie zufrieden, es klang wie gewollt/verkrampt übers Knie gebrochene Improvisation über eine vollendete Melodie, der eigentlich ohnehin nichts hinzuzufügen ist. Und kurioserweise höre ich das selbst in den Versionen der ganz großen Pianisten (siehe unten) genau so. Deshalb habe ich angefangen mir den Gesamtablauf und das "Material", das ich in den jeweiligen Passagen platziere, zurecht zu legen und entsprechend zu üben. Nach dem Baukastenprinzip: In Teil A kommt Pattern/Lick X, in B kommt Y und um von A nach B zu kommen verwende ich Skala M oder N. Das tritt sich dann mit der Zeit fest. Rhythmik und Ausgestaltung der Patterns/Licks und deren Verbindung variieren natürlich je nach Laune und Tagesform. Also, wenn Du eine Zahl haben willst: Wirklich improvisiert ist diese Einspielung zu maximal 10 %, eher nur 5 %.



 
So - nämlich eigenartig zurechtgelegt - hört es sich leider auch an. Sorry.
Hab jetzt nicht alles durchgehört, aber besonders auffallend ungeschickt klingt dieser Schritt von C nach D im Bass, den Du am Anfang jedes Chorusses machst. Auch diese Oktavpassage in der Intro klingt, als würdest Du sie aus einem (schlechten) Notenbuch abspielen.

Mit ängstlichem Zurechtlegen (überdies unter Verwendung langweiliger oder unpassender "Legobausteine") wirst Du Dich nicht verbessern.

Gleichzeitig sei aber auch ausdrücklich anerkannt, dass das Einspielen von Jazz-Solopiano-Aufnahmen echt anspruchsvoll ist, und jeder, der sich dieser Herausforderung stellt, hat meine Achtung!
 
Ich sehe Einiges völlig anders als hier bereits seltsamer Weise kundgetan wurde.
Sehr schöne Aufnahme..
Es swingt recht subtil. Und wenn schon größtenteils vorher zurechtgelegt. So What. Meine alten Ohren haben nicht zu reklamieren.
Jede Musik besteht zum großen Teil aus Klischees. Duke Ellington hat von Johnny Hodges nicht verlangt, jedes seiner samtweichen Soli neu zu erfinden. Sondern das Solo solle bitte jedes Mal schöner kligen..
 
Na, dann ist Dein Sinn für Jazz, Groove, Improvisation und auch Tonsatz/Komposition aber reichlich schwach ausgeprägt.

Tastenjunkie ist in der Hinsicht klar besser als Du, denn er hat sofort verstanden, was ich meine, und kann nicht umhin, mir zuzustimmen.

Es geht hier NICHT darum, das Zurechtlegen (bzw. Immer-wieder-sehr-ähnlich-Spielen) zu verdammen. Kein bisschen. Sondern darum, wie und mit welchem Mindset es Tastenjunkie hier getan hat. Das ist ein GRUNDSÄTZLICHER Unterschied.
 
Ja, ich habe natürlich schon verstanden, was Du gemeint hast @hasenbein, das schließt aber nicht aus, dass hier auch andere Diskussionsteilnehmer relevante Beiträge liefern.

Dass Du es nötig hast, in dieser Konsequenz und unschönen Penetranz wirklich so gut wie alle Jazz-Themen hier zu kapern und damit konstruktiven Austausch im Keim zu ersticken, sagt mehr über deine Persönlichkeitsstruktur aus als über die musikalischen Fähigkeiten all derer, deren Schaffen oder deren Ansichten Du kommentierst. Aber das ist ja nicht neues und wird sich in diesem Leben wahrscheinlich nicht mehr ändern.

Meine Absicht war es, im Rahmen meiner Möglichkeiten eine stimmige, schöne, runde und im Idealfall erkennbar jazzige Soloversion von My Romance hinzubekommen. Und das ist mir gelungen.
 
OK, schade, dass auch Du hier postest, um Dir einen Dopaminschub abzuholen, nicht um zu lernen. Da hätte ich Dich nach diversen Posts in der Vergangenheit tatsächlich anders eingeschätzt.
 
Zu "My Romance" habe ich noch ein nettes Geschichtchen:

Im zarten Alter von 15 Jahren - als bis dahin allenfalls mitteltalentierter aber strebsamer Musikschulbub - war ich mit meiner Schulklasse zu einem mehrwöchigen Austausch an einer Highschool im ländlichen mittleren Westen der USA.

Eines Morgens erschien ich pflichtbewusst zu einer der "classes" auf meinem individuellen Stundenplan aber der Raum war leer (es hatte einen Raumwechsel gegeben, von dem ich nichts mitbekommen hatte). Es stand nur ein Ghetto-Blaster da, auf dem eine Kassette mit Instrumental-Jazz lief. Das habe ich dann erstmal minutenlang auf mich wirken lassen. Später habe ich die Lehrerin darauf angesprochen und gesagt, dass ich die Musik sehr cool fand. Zum Ende des Austauschs am Abschiedstag hat sie mir die Kassette geschenkt.

Die habe ich dann jahrelang viel gehört und mir irgendwann das Original auf Vinyl besorgt.

Es war "Waiting for Spring" von David Benoit.

Der gilt ja eher als Smooth Jazzer, wurde aber für diese Platte auch von der othodoxeren Jazz-Welt sehr gelobt.


Und seitdem geht mir "My Romance" nicht mehr aus dem Kopf, diese Version wird auch auf ewig meine liebste bleiben.


 

harmonisch für meine Ohren (als nur passiver Gelegenheits-Jazz-Konsument) auf jeden Fall reizvoll gestaltet.
Rhythmisch klingen einige Stellen schonmal etwas unentspannt, andere dann wiederum richtig gut beschwingt, durchaus Dopaminabholtauglich. Ich nenne jetzt mal exemplarisch 1:35 (merkwürdig hektisch) im Vergleich zu ab 1:50 (da wirkt das ganze Zusammenspiel rechts links auch rhythmisch durchaus organisch, ungezwungen).
 
Ich werde darauf (s.u.) nicht explizit antworten. Bitte unterlasse es meine Fähigkeiten zu beurteilen. Da sind andere Leute anderer Ansicht. Ist eigentlich eh Wurst , aber z. B. einer der besten Vibrafonisten hält meine Arrangements denen von David Friedman ( kennst du nicht ) für ebenbürtig. Musst du ständig dein Halbwissen mit so viel Häme verbrämen? Und nein, ich bin nicht beleidigt.
Lieber Gott, ich danke dir für die Ignore Funktion.
Na, dann ist Dein Sinn für Jazz, Groove, Improvisation und auch Tonsatz/Komposition aber reichlich schwach ausgeprägt.

Tastenjunkie ist in der Hinsicht klar besser als Du, denn er hat sofort verstanden, was ich meine, und kann nicht umhin, mir zuzustimmen.

Es geht hier NICHT darum, das Zurechtlegen (bzw. Immer-wieder-sehr-ähnlich-Spielen) zu verdammen. Kein bisschen. Sondern darum, wie und mit welchem Mindset es Tastenjunkie hier getan hat. Das ist ein GRUNDSÄTZLICHER Unterschied.
 
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Ich werde darauf (s.u.) nicht explizit antworten. Bitte unterlasse es meine Fähigkeiten zu beurteilen. Da sind andere Leute anderer Ansicht. Ist eigentlich eh Wurst , aber z. B. einer der besten Vibrafonisten hält meine Arrangements denen von David Friedman ( kennst du nicht ) ebenbürtig. Musst du ständig dein Halbwissen mit so viel Häme verbrämen? Und nein, ich bin nicht beleidigt.
Lieber Gott, ich danke dir für die Ignore Funktion.
Niemand, auch nicht der Weihnachtsmann, kann ohne zu konfabulieren irgendjemandes Fähigkeiten aufgrund eines kurzen Forenkommentars beurteilen. Deshalb muss sich auch niemand verteidigen.

Ich danke Dir @walsroderpianist für Deinen subtil-konstruktiven Beitrag zu meiner subtil-swingenden Einspielung.

Manche halten ja schon das kleinste positive Feedback gleich für toxische Lobhudelei, die jede geradlinige Motivation unumkehrbar kontaminiert. Aber man sollte die Leute - in diesem Fall die Empfänger des Feedbacks - nicht unterschätzen. Die meisten wissen ziemlich genau, wo sie stehen und lesen einerseits konstruktive Kritik auch zwischen den Zeilen, brauchen aber auch ermunternde Worte.

Terence Fletcher ist, auch wenn er jemanden zu einer Jahrhundert-Performance angetrieben hat (andere dagegen in den Suizid), trotzdem ein hochpathologisches Arschloch, das nicht auf die Menschheit losgelassen werden sollte. Und die Charlie-Parker-Anekdote stammt aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen 1. Advent.

Amen!
 

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