M. Dupré: Cortège et Litanie op. 19 Nr. 2 - ein frappierender Druckfehler?

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Lisztomanie
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Hallo zusammen,

da ich dieses wunderschöne Stück (scil.: M. Dupré: Cortège et Litanie op. 19 Nr. 2) zur Zeit spielen darf, habe ich mich mal nach Aufnahmen selbigen Werkes umgeschaut, und eine Originalaufnahme von Marcel Dupre, die er 1959 mit der Mercury Label in St-Sulpice (Paris) aufgenommen hat.


Beim genauen Hören ist mir jedoch ein enormer Unterschied betreffs der letzten Druckseite zum Notentext aufgefallen:

Wer die Noten nicht hat, mögen sie sich hier in der Beispielansicht die letzte Seite des Notentextes anzeigen lassen.

Der letzten Seite entspricht dieser Abschnitt der Aufnahme:

Marcel Dupré plays Cortege et Litanie at St Sulpice - YouTube

Beim genauen hinhören fällt Folgendes auf: Während im Druck die Akkordkaskaden über der Oktave E-e im Pedal von oben nach unten notiert sind, spielt Dupré sie - meiner Meinung nach klanglich auch viel sinnvoller - von unten nach oben.

Wer hat jetzt Recht? Druck oder Aufnahme?

Übrigens: Meines Wissens korrespondiert die Fassung der Aufnahme auch mit der Orchesterfassung, was ein weiterer Hinweise auf einen Fehler oder aber einen gezielten Eingriff des Komponisten darstellt: Wenn die Änderung aber von Dupré selbst veranlasst wurde, dann fragt man sich natürlich: Warum, wenn er es doch anders spielt? :D

Herzliche Grüße

Euer Lisztomanie
 
Lisztomanie
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Es findet sich übrigens noch ein "Fehler" im Vergleich zu Dupres Aufnahme im Druck:

Im ersten Takt des vorletzten Systems lesen wir im Druck bei den Akkorden folgende Harmoniefolge: E G Fis F

Dupré spielt aber: E G Fis A

Er ersetzt also den F-Dur-Quartsextakkord durch einen A-Dur-Quartsextakkord, so das dieser Takt identisch ist mit dem dritten Takt des selben Systems.
 
Lisztomanie
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Davon abgesehen sind die Schlussakkorde und so manche andere Stellen des Werkes auf fast allen Orgeln und auch auf der Orgel der Aufnahme unspielbar, da ihr Pedal nur von C-f' geht - Dupré fordert ein g' im Pedal - und ihr Manualumfang C-g''' beträgt - Dupré fordert hier sogar ein h''' im Manual. Das sind alles Stellen, die man nach unten oktavieren muss. Und dann gibt es da natürlich noch die Stellen, die man so, wie sie notiert sind gar nicht wirklich spielen kann, und die man mittels Pedalkoppel aus dem Manual ins Pedal übernehmen muss... - oder könnt Ihr folgenden geforderten Akkord nur mit der linken Hand greifen?

Gis - Dis - gis - h

:D :D :D
 
Mindenblues
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... - oder könnt Ihr folgenden geforderten Akkord nur mit der linken Hand greifen?

Gis - Dis - gis - h

:D :D :D

Meinst du Gis - dis - gis- h? Ja, kann ich. Aber hilft dir leider auch nicht weiter.

Bzgl. der Dupré-Aufnahme seiner eigenen Komposition könnte es auch sein, dass sich der Komponist eben alle möglichen Freiheiten lässt (will Druckfehler natürlich nicht ausschließen, sowas kommt ja vor!). Ich glaube, ein Komponist ist der letzte, der sich sklavisch an die selbst vorgegebene Notation hält - frei nach dem Motto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" ...
 
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agraffentoni
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Davon abgesehen sind die Schlussakkorde und so manche andere Stellen des Werkes auf fast allen Orgeln und auch auf der Orgel der Aufnahme unspielbar, da ihr Pedal nur von C-f' geht - Dupré fordert ein g' im Pedal - und ihr Manualumfang C-g''' beträgt - Dupré fordert hier sogar ein h''' im Manual. Das sind alles Stellen, die man nach unten oktavieren muss. Und dann gibt es da natürlich noch die Stellen, die man so, wie sie notiert sind gar nicht wirklich spielen kann, und die man mittels Pedalkoppel aus dem Manual ins Pedal übernehmen muss... - oder könnt Ihr folgenden geforderten Akkord nur mit der linken Hand greifen?

Gis - Dis - gis - h

:D :D :D
Marcel Dupré hat viele seiner Konzerte in USA gespielt, dort ist der Tonumfang C-g'
im Pedal und C-c"" fast überall Standard. Wurde übrigens in Sacre-Coeur von Cavaille Coll auch so verwirklicht.
Wenn mit der Pedalkoppel etwas übernommen werden kann, macht man das einfach so.
Das braucht in den Noten nicht extra notiert zu sein.

Grüße

Toni
 
Rheinkultur
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Marcel Dupré hat viele seiner Konzerte in USA gespielt, dort ist der Tonumfang C-g'
im Pedal und C-c"" fast überall Standard. Wurde übrigens in Sacre-Coeur von Cavaille Coll auch so verwirklicht.
Die Abbildung der verlinkten Probeseiten zeigt ein Portrait des in eigener Sache tätigen Komponisten an einem Instrument, das den verlangten Tonumfang aufweist...!
 
agraffentoni
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Das ist er auch...

Zu Sacre-Choeur:
Die Anekdote mit diesem Fürst kann man im Buch "Orgeln, Orgeln! Konzepte, Kuriositäten, Kontinente" nachlesen.
Btw.: sehr empfelenswert, das Buch
 
 

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