Logos von Klaviermarken (ausgelagert)

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fisherman

fisherman

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Ich finde den Schriftzug von Kawai zum Beispiel so schlimm, dass ich schon so voreingenommen bin
Könnt Ihr beiden mir mal verraten, wieso? Als Designer bin ich sehr an "Volkes Meinung" interessiert, da der KAWAI-Schriftzug sohl in handwerklicher als in ästhetischer Hinsicht eigentlich recht ordentlich ist. Außerdem passt die Anmutung hervorragend. Smoking.

Schriftzüge, die mir Magenschmerzen bereiten:

BECHSTEIN (moderne Variante) - passt vielleicht auf einen Schiffsdiesel, aber nicht auf ein Klavier. Igitt. Da seh ich immer den fetten neureichen Berliner der 20/30er Jahre mit Zigarre im Mund und Verachtung für die kleinen Leute.

STEINGRAEBER: Handwerklich unsauber. Die einzelnen Buchstaben passen nicht exakt zueinander. Und eine "gebrochene Schrift" darf man eigentlich nicht sperren. Das war der (unbeholfene) Versuch, sich aus einer fälschlich empfunden "3.Reich-Anmutung" zu lösen. Dabei sind die BECHSTEIN-Lettern viel mehr “30/40e“r als die unschuldige und viel ältere Lettern von Steingraeber.

STEINWAY hatte über eine gewisse Phase einen Schriftzug, bei dem das "O" in "SONS" falsch und zu klein war. Da könnte ich nicht drauf spielen vor lauter Ablenkung.

Raffiniert einfach hat das YAMAHA gelöst. Als Multi-Konzern baut man ja nicht nur Klaviere, sondern auch Elektronik, Motoren und Motorräder. Die haben Ihren technischen Schriftzug für die Flügel/Klaviere einfach extrem spationiert und ihm so Eleganz und Glanz verliehen.
 
fisherman

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Es ist nicht der Schriftzug an sich. Ich verbinde das nur nicht mit einem Klavier. Seit meiner Kindheit schleppe ich mein Yamaha-Klavier mit mir herum - und schon immer stört mich der Name. Bei Yamaha denke ich tatsächlich an Motorräder - und das will ich nicht, wenn ich Klavier spiele :-)
DAS kann ich ja nachvollziehen (wenngleich Du einmal die Schriftzüge Moped/Klavier vergleichen solltest). Es erklärt aber nicht das:
Ich finde den Schriftzug von Kawai zum Beispiel so schlimm
?????
 
B

BrittaS

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fisherman, das Logo gefällt mir eben nicht auf einem Klavier. Ich möchte am liebsten ein weißes Klavier und da sticht das schwarze große "KAWAI" einfach unschön hervor – finde ich. Mag sein, dass das Logo an sich gut gestaltet ist, mir sagt es eben nicht zu.

Dazu kommt, dass ich in den 80-ern die Windjacken von K-Way getragen habe und an die muss ich auch bei dem Namen denken.

Alles in allem suggerieren mir die Namen Yamaha und Kawai etwas Praktisches. Und ein Klavier ist nicht praktisch.
 
fisherman

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Die Serifen und die Assoziation einer schlicht hochskalierten Freeware-Typo.
Danke für Auskunft ;-)

Was haben Frauen eigentlich immer gegen Serifen? Ohne die wäre das Lesen eine Qual. Und: An einem klassischen Instrument eine serifenlose Schrift???

Ich denke, das Logo ist älter als "freeware" ;-)

Was man aber feststellen muss: Die Typen sind einfach zu fett, um klassisch oder gar lieblich zu wirken. Und die Anmutung von "freeware" kommt sicherlich daher, dass der Schriftzug katastrophal schlecht ausgeglichen ist.
 
Barratt

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Was man aber feststellen muss: Die Typen sind einfach zu fett, um klassisch oder gar lieblich zu wirken. Und die Anmutung von "freeware" kommt sicherlich daher, dass der Schriftzug katastrophal schlecht ausgeglichen ist.
Ja genau, damit triffst Du meinen Eindruck. Ich kann mich an "fehl am Platz wirkenden" Schriften total stören, aber oft nicht genau formulieren, was genau mich daran irritiert. Wofür hat man Profis, die so was gelernt haben und einem üblicherweise so lange Vorschläge unterbreiten, bis man ein gutes Gefühl hat? :super:

Steinway (aktuell) hat eine Schrift, die zur Marke passt, Quadratur des Kreises. Yamaha übrigens auch, nach meinem Empfinden - perfekt spationiert. Transportiert was anderes, passt aber "irgendwie". Solide, unprätenziös, geradlinig, eher kühl, aber präsent und elegant. Eine Schrift (und damit der Schriftzug) muss auf den ersten Blick unterbewusst vermitteln, was die Marke ausmacht.

Für Kawai tut es mir leid, das haben die Instrumente nicht verdient. Wirkt "billig", da entwertet der Schriftzug das Instrument. Als hätte jemand einfach eine Billigschrift groß und "fett" gemacht. Nein, die Serifen stören nicht grundsätzlich, sondern im Gesamtbild. Aber mein Gott, wenn unsereins sich ein Logo in japanischer Schrift ausdenken würde, würde den Japanern mit einem Feeling für Schriften wahrscheinlich auch irgendetwas Störendes auffallen.
 
Shigeru

Shigeru

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Ich denke mal, dass Kawai nicht nur ein exzellentes Management und ebensolche Klavierbauer, sondern auch sehr gute Designer hat. Den Schriftzug zu ändern, wäre für die Firma kein Problem (zB bei der Umstellung von RX auf GX), wenn es nötig wäre. Anscheinend ist es das aber nicht. Yamaha hat ja sein Firmensymbol auch schon sehr oft verändert. Kawai verkauft immer noch sehr gut. Shigerus zB ziehen weltweit massenhaft in Hochschulen ein und ersetzen hier ältere und neuere S&S. Denke nicht, dass die Schriftzüge bei Schimmel, Grotrian usw der Grund für die Kapitalknappheit oder Insolvenz war.
 
fisherman

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@Barrat 100% Zustimmung zum "Exkurs"

@Shigeru Keine Firma "stirbt" wegen eines falschen Logos - aber die Pflege/Qualität dessen ist durchaus ein Indikator für die Wertschätzung psychologischer Faktoren und Kundenorientierung.
Was nun Kawai angeht, so kannst Du Dir nicht vorstellen, wie Unternehmen an völlig untauglichen Logos kleben. Das ist keine Finanzfrage, sondern eine Überbewertung der eigenen Marktbedeutung, bzw. der Marktdurchdringung des Logos bei gleichzeitiger Negierung dessen Qualität. :blöd:

Man kann Logos subtil pflegen und "instandhalten" - siehe Steinway. Dafür braucht man nicht unbedingt viel Geld. Meist aber wird solange gewartet, bis sich irgendwann ein Neuer im Vorstand durchsetzen will und für 6-7-stellige Summen umfangreichst Research betreiben lässt. Dann werden Hunderte, gar Tausende von Seiten in feinstem Marketing-Denglish verfasst und am Schluss wird ein "falsches", schlechtes Logo ganz brutal durch ein anderes, ebnso schlechtes Logo ersetzt ;-)

Bei Kawai kommt natürlich – wie Barrat schon schrieb – das kulturelle (Nicht)Verstehen dazu. Japanische Ästhetik ist extrem hoch anzusiedeln***, aber für uns nicht so leicht verständich. Wenn Japaner allerdings "westlich" designen, kommt manchmal suboptimale Qualität heraus.

Wer sich dafür interessiert - ein tolles Büchlein:
Lob des Schattens: Entwurf einer japanischen Ästhetik
 
Barratt

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Man kann Logos subtil pflegen und "instandhalten"
Ein guter Graphiker flanscht bei einer etablierten Marke auch nicht von heut auf morgen ein völlig neues Logo drauf, sondern ändert es peu-à-peu behutsamst über Jahre hinweg.

Täuscht mich mein Eindruck oder befindet Bösendorfer sich nicht in einem solchen Prozess? Kommt mir so vor, als sei da etwas im Gange...
 

fisherman

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@Barratt
Sorry, ich kann leider keine so hübsch versteckten Exurse machen ;-). Ja, den gleichen Eindruck habe ich bei Bösendorfer auch, ohne jetzt nachgesehen zu haben.
 
dilettant

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Ich hab meine Frage vorhin wegen OT zurückgestellt. Da mich aber Typografie interessiert und die Diskussion hier fortgeführt wird, eine Frage:
Was heißt "ausgeglichen" in Bezug auf Schriftarten? Geht es um die Abstände, oder um die Typen selbst (Verhältnis von dicken und dünnen Beinchen)?

Übrigens fällt mir auf: Auf der Website von KAWAI sind die Buchstaben des Logos stark unterschnitten (Kerning). Der Schriftzug auf den Instrumenten, jedenfalls den Digis, ist gesperrt, so dass trotz Serifen der Schriftzug total auseinanderfällt. Fishi, bezieht sich Deine Kritik auf das Instrumentenbeschriftung oder auf das "richtige" Logo?

Gruselig - so eine uneinheitliche Verwendung des Schriftzugs! Ich hab mir früher mal die CD-Richtlinien bei Siemens angeschaut - da war genau festgelegt, wann das Logo in schwarz (statt türkis) erscheinen darf, wo es z. B. bei Firmenfahrzeugen anzubringen ist, wie mit dem Firmennamen im Fließtext umzugehen ist, wie viel Abstand der Schriftzug zu anderen Gestaltungselementen haben muss, etc. Im Vergleich dazu scheint bei Kawai eher Wildwuchs zu herrschen. Auch die Verbindung des KAWAI-Schriftzugs mit verschiedenen Slogans ist uneinheitlich geregelt und die Typografie von Logo und Slogan passt höchst selten zusammen.

Vielleicht ist das
der Schlüssel zum Verständnis des Phänomens.
 
Barratt

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@fisherman

Du musst den Text, den Du wegpacken möchtest, weil er an die Stelle z. B. meilenweit am Topic vorbeigeht, markieren, dann auf das Icon "Einfügen" gehen, dort auf Spoiler klicken, bei dem Popup eingeben, was auf dem Spoiler draufstehen soll, dann erscheinen die entsprechenden Befehle in eckigen Klammern, und wenn Du es dann abschickst, verschwindet der Text hinter dem Spoiler-Button.
 
espresso

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War etwa mein neues Kawai Anlass dieser Diskussion?:coolguy:
 
Marlene

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Könnt Ihr beiden mir mal verraten, wieso? Als Designer bin ich sehr an "Volkes Meinung" interessiert, da der KAWAI-Schriftzug sohl in handwerklicher als in ästhetischer Hinsicht eigentlich recht ordentlich ist.
Ist dieser gemeint?

Diesen Schriftzug finde ich total einfallslos. Ich glaube allerdings mich zu erinnern, dass ich schon Flügel mit einem "weicheren" Kawai-Schriftzug gesehen habe.

Diesen finde ich auch nicht viel schöner.

Allerdings passt er zur Herkunft des Flügels; ich könnte mich bei einem SK-EX unter den Fingern schnell dran gewöhnen.
:-);-)
 
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@Marlene
Für mich ist der Shigeru-Schiftzug völlig überdreht und gekünstelt. Kursive Versalien sind eigentlich ein No-Go und wenn Du Dir die Schmuclckbögen mal wegdenkst, wirst Du erkennen, wieso. Nur diese Bögen machen das Ding halbwegs (naja, eher: kaum) erträglich. Das sind "glissandi", die einen eigentlich krummen Akord verschleiern...

Der andere Schriftzug hat hingegen zwar Brutal-Lettern, ist aber handwerklich halbwegs i.O. und den meint

@dilettant vermutlich, wenn er vom "Auseinanderfallen" spricht. Und da hat er in der Tat recht, denn hier wurde das Spationieren einfach zu weit getrieben. Der Grat zwischen "gut ausgeglichen***" und "auseinanderfallen" ist sehr schmal - gerade bei so kritischen Kombinationen wie K-A, A-W.

Yamha spationiert übrigens auch ganz extrem, aber mit deren Lettern funt das halbwegs - wie kleine Goldpunkte in der schwarzen Fläche. Wird soger halbwegs edel.

"Schlecht augeglichen" bezog sich auf den von mir gegoogelten "offiziellen" KAWAI-Schriftzug.

16630-d4ff1fb8e542198fec2456f0bb3ae788.jpg

Generell müssen alle Versalworte mehr oder weniger weit - abhängig von der Schrifttype - spationiert werden, also mit größeren Buchstabenabständen versehen. (Recht ordentlich übrigens bei der Subline oben, die ich noch etwas weiter gehalten hätte). Diese wiederum müssen anschließend MANUELL unterschnitten werden (Kerning). Ziel ist es, das Wort nicht auseinanderfallen zu lassen und GLEICHZEITIG die Weißräume zwischen den unterschiedlichen Lettern optisch gleich harmonisch zu halten und einen ruhigen Lesefluss zu gewährleisten.

Das obige Beispiel zeigt, wie man es nicht macht. Wenn man einmal davon ausgeht, dass die Kombination A-I nicht weiter unterschnitten werden sollte, so ist das der Startpunkt. Jetzt müsste das W natürlich etwas weiter von A weg und dieser Abstand wiederholt sich OPTISCH auf der anderen Seite. Dann landet man beim Sorgenkind K-A. Das muss jetzt deutlich unterschnitten werden (Abstand verringert) - in diesem Beispiel würden dann beide Buchstaben ineinander laufen, was erlaubt ist, wenns gut aussieht. Tut es das nicht, wird die Kombi K-A zum Maß der Dinge und alle weiteren Buchstaben müssten nun deutlich voneinander abgesetzt werden, was wiederum dazu führen kann, dass dann dat Jantze auseinanderfällt.

Also nix für Maschinen, sondern wirklich eine Tüftelei, für die es keine allgemein gültigen Regeln gilt.

Und natürlich gibt es auch Ausnahmen: Schrifttypen, die bei Versalkombinationen eng einfach besser aussehen, auch wenn die Weißräume katastrophal sind oder gar unwichtig, wie z.B. bei

16631-c4ea97f44d451f6c824729901250ccf8.jpg

Hier ist natürlich alles ultraeng, wirkt aber als "Gesamtschmuckstück" (auch wenn man es buchstabieren muss. Das F ist natürlich zu weit weg...

Wers für sich nachprobieren möchte und wem dann irgendwann die Augen aus dem Kopf fallen: Einfach den Schriftzug auf den Kopf stellen und schon sieht man alle Fehler bei der Spationierung.
 
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Peter

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Bechsteinfan
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Jetzt habe ich mir nur wegen dem Faden Kawai-Schriftzüge angeschaut (interessiert mich eigentlich nicht die Bohne :-D ).
Mit fällt nichts Negatives auf. Man kann "KAWAI" auf den ersten Blick erkennen. Reicht!
 
fisherman

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Übrigens, zum Thema Logo-Pflege und weil ich mich über das "falsche" O im alten S&S Schriftzug ausgelassen habe:

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Hier haben eigentlich alle Lettern ungleiche Dickten (T und O v.a.) und "WAY" ist gar nicht ausgeglichen.

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Am Klavier - in goldenen Lettern auf Schwarz - wird der Unterschied im Wert noch deutlicher.
 
 

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