LO-Zwischenprüfung: Vorspiel zu "Liebster Jesu, wir sind hier"

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Lisztomanie

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Hallo zusammen,

ich habe am Donnerstag Zwischenprüfung in LO und soll dafür ein Choral samt Vorspiel vorbereiten. Da mein Orgellehrer mir einige Tipps am Beispiel "Lieberster Jesu, wir sind hier" (GL 520/EG369/KG38) gegeben hat, habe ich mich für diesen Choral entschieden (das Vorspiel von Bach (Kanon auf der Quinte) aus dem Orgelbüchlein habe ich auch vor kurzem gespielt). Das mit dem Harmonisieren ist kein Probelm, es geht mir nur um das Vorspiel: Geplant ist ein (freieres) Fugato wobei der c.f. auf einem Solo-Manual gespielt werden. Das Vorspiel darf ruhig kurz sein, sollte aber dennoch gewissen formellen, künstlerischen und liturgischen Ansprüchen genügen. Leider habe ich im Moment aber extrem wenig Zeit und sehr viel um die Ohren, da gleichzeitig noch andere Prüfungen laufen und ich mich zur Zeit auch im (Vor-)Abiturstress befinde.

Daher würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr mir bei der Vorbereitung/Komposition des Vorspiel etwas helfen könntet. :D

Mein erstes Problem, mit dem ich mich zur Zeit sehr rumschlage, ist die Entwicklung eines geeigneten Kontrasubjekts sowie die Auswahl eines geeigneten Abschnitts des c.f. als Fugenthema. Ich glaube, wenn ich diesen Anfang hätte, würde ich schon leicht ein ordentliches Stückchen weiterkommen - daher würde ich mich sehr freuen, wenn Ihr mir dabei helfen würdet! :D

Herzliche Grüße

Euer Lisztomanie
 
Lisztomanie

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Planänderung: Ich habe mich umentschieden und spiele jetzt "Ein Haus voll Glorie schauet" - GL 639. Das ist eines meiner absoluten Lieblingskirchenlieder!

Hier mein Satz und das Vorspiel. Ich überlege, ob ich das Vorspiel noch etwas verlängern soll - und würde mich deshalb möglichst schnell über Eure Meinungen zum Satz wie zum Vorspiel freuen! :D

Den Anhang Ein Haus voll Glorie schauet - Partitur.pdf betrachten
Den Anhang Ein Haus voll Glorie schauet - Vorspiel - Partitur.pdf betrachten

Herzliche Grüße

Euer Lisztomanie

P.S.: Drei Fragen habe ich noch: 1. Ist es schlimm, das nicht der komplette Choral im Vorspiel vorkommt? 2. Kann man beim Spiel des Satzes vor dem "Gott, wir loben Dich" (g-h-a-fis-d) noch ein kurzes trompetenartiges "Zwischenspielmotiv" (absteigende Linie d'' d'' d'' c'' h' a') einfügen, ohne die - theoretisch singende - Gemeinde zu verwirren? 3. Darf man den Schlußton halten und "unten drunter" die Harmonik noch etwas verändern - als eine Art "Mini-Nachspiel"?

P.P.S.: Das Vorspiel ist "Alla Grand Choeur Dialogue de E.Gigout" konzipiert - also sind die Manualiter-Stellen mit Grand jeu, die anderen mit Plein jeu zu spielen. :D

P.P.P.S.: Die gewisse Ähnlichkeit mit dem Orgelbuch-Satz ist durch Zufall entstanden, weil das einfach die Harmonisierung ist, die am besten klingt - zumindest habe ich noch keine andere alternative gefunden - ihr? Und ist diese Ähnlichkeit bei der Prüfung "schlimm"?
 
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mick

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Lieber Lisztomanie,

wie schon erwähnt, ist Orgel nicht so mein Ding. Aber in deinem Liedsatz gibt es ein paar Stellen, die ein Prüfer bemängeln könnte:

T. 3, ZZ 2: die Durchgangsnote H im Bass müsste zum A gehen, der Sprung zum Fis ist eher unglücklich. Entweder zweimal c (die verminderte Quinte abwärts wäre kein Problem) oder die Stelle etwas umschreiben.

T. 8, ZZ 2: die Septime der Doppeldominante gehört nach unten aufgelöst. Der Sprung zum h ist sch...e. Du kannst zwei Achtel g-fis und dann eine Viertel e (anstelle des h auf ZZ 3) schreiben, das h dafür im Alt - oder auf die Sept ganz verzichten.

T. 9: Das D im Bass würde ich in der oberen Oktave spielen, um die Oktavparallelen zum nächsten Takt zu vermeiden.

T. 15/16: Der Querstand dis/d' ist nicht schön. Besser wäre e-Moll in T. 15 ZZ 4.

Letzter Takt: Muss der Satz streng vierstimmig sein? Sonst würde ich im Tenor noch g dazunehmen, um den abgesprungenen Leitton zu vermeiden.

Das Vorspiel habe ich mir noch nicht angesehen. Kann ich aber gerne morgen mittag machen. Jetzt muss ich erstmal schlafen - morgen um 8.15 Uhr ist Latein-Schulaufgabe. :-o:-o

Beste Grüße, Mick
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Lieber mick, herzlichen Dank für Deine vielen guten Tipps - ich werde sie mir alle auch nachher zu Gemüte führen - denn jetzt muss ich erstmal weiter für meine Altgriechisch-Klausur lernen, die ich heute schreibe. :D - Ich habe zum Glück erst zur Dritten Unterricht....*gg*.

Dir auch viel Erfolg für Deine "Latein-Schulaufgabe".

Dass Du Dich nicht so mir Orgel auskennt, macht nichts - aber vielleicht kann ja noch jemand etwas Orgeldkundigerer noch einmal kurz einen Blick darauf werfen. :D

Herzliche Grüße

Dein/Euer Lisztomanie

P.S.: Ich muss sagen, dass das Vorspiel sicher etwas unter meinem normalen Kompositions-Niveau liegt - das ist zum einem dem Zeitdruck beim Komponieren, zum anderen aber auch dem beim Üben! auf der Ogel geschuldet. :D
 
Rheinkultur

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Hallo Lisztomanie,

zunächst Entschuldigung für die späte Rückmeldung, die ich jetzt in einem etwas ruhigeren Moment formuliere. Da man sich mit dieser Materie nicht nur in Prüfungssituationen, sondern auch später in der Berufspraxis dauernd befasst, sind Überlegungen zum LO eine zeitlose Angelegenheit. Einige grundsätzliche Gedanken zum Vorspiel und zum Liedsatz, der idealerweise in jeder Strophe anders gestaltet wird - gerade GL 639 ist besonders abwechslungsreich harmonisierbar.

Zunächst ein paar Gedanken zu Deinem Choralsatz in weiter Lage, der wie ein S-A-T-B-Chorsatz angelegt ist. Die enge Lage (drei Oberstimmen in der rechten Hand) eignet sich gut für eine bewegliche Baßlinie, die idealerweise in Gegenbewegung zum Cantus Firmus geführt wird - dann können viele satztechnische Komplikationen wie die von mick erwähnten gar nicht erst auftreten. Ein Satz von Note gegen Note ist für den Vortrag durch einen dirigierten Chor gut machbar; da der Gemeindegesang nicht dirigiert wird, ist es kein Fehler, wenn die Begleitstimmen über die Zeilenwechsel hinaus (T. 4, 9 und 15) stets in Bewegung bleiben, denn Unkundige tun sich gerade mit dem korrekten Aushalten von Tönen schwer. Besonders bei weniger oft gesungenen Liedern macht sich das bemerkbar; vermeidbare Sprünge bei Linienführungen und Akkordwechseln sorgen stets für Unruhe und Anspannung, die es gerade den eher weniger singefreudigen Gottesdienstbesuchern unnötig schwer macht. Im Geiste muss sich der Organist also stets die Frage stellen, ob der wenig erfahrene Musiklaie sich stets zurechtfinden kann oder ob Irritationen drohen.

Damit komme ich zum zweiten Teil, nämlich dem Vorspiel, das sich in seiner satztechnischen Anlage stets eindeutig vom Satzbild des begleiteten Gemeindegesangs abheben sollte. Der zum Mitsingen animierte Gottesdienstbesucher sollte möglichst problemlos erkennen können, wann das Vorspiel zu Ende ist und er mit dem Singen dran ist. Wenn die Introduktion mit dem Dominantseptakkord endet, der durch den einsetzenden Gemeindegesang zur Tonika aufgelöst wird, ist das für den satzkundigen Musiker eine absolut klare Sache - für den unkundigen Laien jedoch keineswegs. Daher ist das von Dir so konzipierte Choralvorspiel für jene Abschnitte der Liturgie gut geeignet, in der die Gemeinde nicht zum Mitsingen aufgefordert ist. Für die praktische Anwendung sonst ideal sind motivische Grundelemente, die nicht aus dem Liedanfang zu gewinnen sind, z.B. ein Sequenzmodell aus T. 10ff gestalten, dann den Liedanfang in eine Unterstimme aufnehmen, das Sequenzmodell variierend erneut aufgreifen und die Introduktion mit den letzten 2-4 Takten abschließen - fertig ist eine klare Hinführung zum Lied und alle wissen, wann's losgeht. Natürlich eignet sich auch der Liedanfang für einen imitatorisch angelegten Einstieg.

In jedem Fall viel Erfolg bei der LO-Prüfung
und LG von Rheinkultur
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Also: Die Prüfung ist sehr gut gelaufen. Bei meinem Literaturstück war zwar einmal im Pedal ein falscher Ton (in einer der Sechzehntel-Ketten) dabei :D - aber das macht nichts.

Und nach dem Vorspiel und dem Choral hat einer aus der Prüfungskommission gleich gesagt: "Das war richtig gut!"

Ein genaue Rückmeldung - Note? - bekomme ich in der nächste Orgelstunde. Ich schreibe Euch dann mehr. Zumindest darf ich jetzt zusätzlich zu BWV 537 noch ein neues Stück spielen: Les bergers aus La Nativité von Messiaen! :D

Herzliche glückliche Grüße und vielen Dank für all die ausführlichen Tipps - ich werde sie beherzigen!

Euer Lisztomanie

der übrigens das Vorspiel doch noch mit der letzten Choralzeile auf der Tonika hat enden lassen! :D
 
LMG

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Also: Die Prüfung ist sehr gut gelaufen. Bei meinem Literaturstück war zwar einmal im Pedal ein falscher Ton (in einer der Sechzehntel-Ketten) dabei :D - aber das macht nichts.

Und nach dem Vorspiel und dem Choral hat einer aus der Prüfungskommission gleich gesagt: "Das war richtig gut!"

Ein genaue Rückmeldung - Note? - bekomme ich in der nächste Orgelstunde. Ich schreibe Euch dann mehr. Zumindest darf ich jetzt zusätzlich zu BWV 537 noch ein neues Stück spielen: Les bergers aus La Nativité von Messiaen! :D

Herzliche glückliche Grüße und vielen Dank für all die ausführlichen Tipps - ich werde sie beherzigen!

Euer Lisztomanie

der übrigens das Vorspiel doch noch mit der letzten Choralzeile auf der Tonika hat enden lassen! :D
Super, Marco ! ;)

@ von mir Fettzitiertes und @ Sonstiges:

Ich machs einfach und gratuliere schon VORHER, denn ich glaube, das Ding hast Du gepackt.

Gut gemacht !!

Und viele Grüße und weiterhin viel Spaß bei den Prüfungen
wünscht: Olli !!
 
Lisztomanie

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@ LMG (et al.): Du kannst mir gleich für die nächsten Prüfungen Glück wünschen:

Heute musste ich eine Deutschklausur nachschreiben (siehe Ich-Thread) und am Donnerstag nächste Woche habe ich Abschlußprüfung in Musikgeschichte, Orgelbau und Deutschem Liturgiegesang.

:D :D :D

Herzliche Grüße

Dein zur Zeit sehr beschäftigter

Lisztomanie
 
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Und falls ich das an dieser Stelle nochmal betonen darf: Bei soviel Stress gibt es ein super Mittel: Knabenchormusik!

:D :D :D

[video=youtube;GCIKdjVooQ0]http://www.youtube.com/watch?v=GCIKdjVooQ0[/video]
 
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Und falls ich das an dieser Stelle nochmal betonen darf: Bei soviel Stress gibt es ein super Mittel: Knabenchormusik!
Erst mal herzlichen Glückwunsch, dann greife ich das Stichwort auf und ergänze einen Link zur Aufnahmepraxis von Knabenstimmen in der Frühzeit der elektrischen Tonaufzeichnung:

[video]https://www.youtube.com/watch?v=06TGRxJ8KFE[/video]

[video]https://www.youtube.com/watch?v=21hNDu6QL9Y[/video]

[video]https://www.youtube.com/watch?v=Ns2YiZqNFls[/video]

[video]https://www.youtube.com/watch?v=d01m5PY4Ee0[/video]

Viel Spaß beim Anhören und Anschauen wünscht
mit LG Rheinkultur
 
 

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