Literatur über musikalische Topoi/Klangrede

P

PianoPuppy

Dabei seit
Okt. 2010
Beiträge
2.317
Reaktionen
12
Hallo liebe Leute,

Bin wieder mal auf der Such nach etwas Literatur - Thema Topoi und/oder wiederkehrende Motive in der Musik. Hat da jemand einen guten Tip für mich?

Weiters möchte ich mir noch was zum Thema Klangrede zulegen und habe jetzt einmal das Buch von Hanoncourt, Musik als Klangrede: Wege zu einem neuen Musikverständnis. Essays und Vorträge, ins Auge gefasst. Gibt es zu dem Thema noch ein Buch, das man unbedingt haben muß?

Freue mich auf eure Anregungen!

LG, PP
 
I

Idoitmyway

Dabei seit
März 2012
Beiträge
111
Reaktionen
15
zu Deiner ersten Frage .... wäre dieses Buch vielleicht interessant:
Harald Barlow and Sam Morgenstern: "A Dictionary of Musical Themes"
(Es enthält, alphabetisch nach Komponisten gegliedert, etwa 10 000 Themen.
Ausserdem einen recht praktikablen Suchindex (man sucht in der Tabelle nach den
ersten max. acht Noten und bekommt dann überraschend zahlreiche Nennungen
mit dem Notenbild der entsprechenden Themen (sieh dazu mal bei Google nach)
Leider kommt man an das Buch nicht leicht ran (ich hatte es nach 2-3 Monaten aus USA erhalten)

Liebe Grüsse
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Ambros_Langleb

Ambros_Langleb

Dabei seit
Okt. 2009
Beiträge
9.242
Reaktionen
11.882
zu Deiner ersten Frage .... wäre dieses Buch vielleicht interessant:
Harald Barlow and Sam Morgenstern: "A Dictionary of Musical Themes"
(Es enthält, alphabetisch nach Komponisten gegliedert, etwa 10 000 Themen.
Ist ein "Topos" in der Musik gleich "Thema"? Wozu braucht man dann diese Duplizität der Begriffe? In der Literatur ist ein Topos ein Gedanken- und Ausdrucksklischee, z.B. der "locus amoenus", und damit etwas anderes als Stoff / Thema. In der antiken Literatur wird die Verwendung von Topoi geradzu erwartet, und die Kunst (und daraus resultierendes Rezeptionsvergnügen) besteht in der Variierung, Weglassung, Erweiterung der Topos-Komponenten und -Requisiten. in der modernen Literatur dagegen wird er oft vermieden, umgebogen, parodiert. Der Begriff ist m.W. erst in der Neuzeit aus der Rhetorik in die Literaturwissenschaft übertragen; der wichtigste Name in diesem Zusammenhang ist der des Romanisten Ernst Robert Curtius und sein Buch "Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter" (1948, viele Neuauflagen bis heute), bis heute ein der ersten Adressen zum Thema - untechnisch geschrieben und eine spannende Lektüre.

Vor diesem Hintergrund eine neugierige Frage: Was soll ich mir unter Topik in der Musik vorstellen? Ein Inventar stereotypischer Klang- und Strukturmuster? Gut, aber wie wird, angesichts des viel höheren Abstraktionsgrades von Musik gegenüber der Literatur, hier die Wiedererkennung des Musters sichergestellt und gleichzeitig die Klischeehaftigkeit vermieden, die manche "Unterhaltungsmusik" stigmatisiert?

Auskunftheischende Grüße,

Friedrich
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
I

Idoitmyway

Dabei seit
März 2012
Beiträge
111
Reaktionen
15
ich habe reagiert auf die Formulierung "wiederkehrende Motive"
tatsächlich ist auch das zunächst ein eher vager + schillernder Begriff.
(Themen-formulierung und Themen-fortschreibung findet man als einen von vielen Topoi in der Literatur).
Ich wollte nur helfen + denke nun : Piano Puppy wird uns schon noch präziser benennen, was sie sucht.
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
G

Gomez de Riquet

Guest
Lieber Friedrich,

Was soll ich mir unter einem Topos in der Musik vorstellen?
Ein Inventar stereotypischer Klang- und Strukturmuster?
so kann man das tatsächlich formulieren. In der Spätrenaissance bzw. im Frühbarock,
als Sprachähnlichkeit zum musikalischen Ideal erhoben wurde, haben sich Tonsatzmuster
herausgebildet, die als musikalische Topoi bezeichnen werden, z.B. der Lamento-Baß,
eine chromatisch (seltener diatonisch) absteigende Baßlinie als Grundlage musikalischer Klage,
dasselbe Phänomen in allen Stimmen und verkürzter Gestalt: der absteigende Halbtonschritt,
als Seufzermotiv, in der Oper Molltonarten mit drei oder vier b-Vorzeichen als Ausdruck
der Düsternis (ombra-Szenen), das Ostinato als Ausdruck von Besessenheit.

Mit zunehmender Ausdifferenzierung der Gesellschaft und der Entwicklung eines historischen Bewußtseins
werden Tonsatzklischees zum Ausdrucksträger: In der Oper haben z.B. Tanzeinlagen die Funktion, den
gesellschaftlichen Stand der Agierenden zu beschreiben (höfischer Tanz oder Anleihen bei der Volksmusik).
Der mit der Kirchenmusik assoziierte 'stile antico' (Kontrapunktik, plagale Kadenz, Modalität) steht für
Transzendenz, Ernst, Besinnung.

Gut, aber wie wird, angesichts des viel höheren Abstraktionsgrades von Musik gegenüber der Literatur,
hier die Wiedererkennung des Musters sichergestellt und gleichzeitig die Klischeehaftigkeit vermieden,
die manche "Unterhaltungsmusik" stigmatisiert?
Die Wiedererkennung funktioniert erstaunlich gut, zur Not vollkommen unbewußt
und auch bei Laien: Musterbeispiel ist die Vermischung der Stilebenen in der "Zauberflöte".
Die Wirkmächtigkeit dieser Topoi und zugleich deren Abnutzungseffekt kann man
in der Filmmusik bewundern.

Herzliche Grüße,

Gomez
 
Ambros_Langleb

Ambros_Langleb

Dabei seit
Okt. 2009
Beiträge
9.242
Reaktionen
11.882
Lieber Christoph,

ich hatte schon ein bißchen darauf spekuliert, daß Du Dich durch meine unilluminierte Fragerei aus der Reserve locken lassen würdest. Herzlichen Dank für die Aufklärung!

Friedrich
 
P

PianoPuppy

Dabei seit
Okt. 2010
Beiträge
2.317
Reaktionen
12
Lieber Gómez,

Herzlichen Dank, du hast mir die Arbeit abgenommen, und so schön hätte ich das nicht hinbekommen. ;)

Ich hätte mein Anliegen wohl besser erklären sollen - tatsächlich suche ich Bücher zu drei verschiedenen Themen:

musikalische Topoi:

In den Büchern und Artikeln, die ich bisher gelesen habe, wird das Thema immer nur gestreift und es werden stets die gleichen Muster beschrieben: Passus duriusculus (Lamentobass), Saltus duriusculus, Seufzermotiv, Exclamatio (aufsteigende Sexte). Naja, wenn ich sonst nichts finde, muß ich mich wohl doch durch Matthesons "vollkommenen Capellmeister" kämpfen.

wiederkehrende Motive:

Hiermit meine ich häufig zitierte Stellen in der Musik, wie z. B. das Dies Irae Motiv.

An dieser Stelle herzlichen Dank an "Youdoityourway" für den Tip. Es ist nicht ganz das wonach ich Ausschau halte - das Buch von Barlow und Morgenstern ist, wenn ich das richtig verstanden habe, eine umfassende Sammlung von Motiven aus den unterschiedlichsten Werken, ganz unabhängig davon, ob sie auch an anderen Stellen vorkommen. Kann aber gut sein, daß es so ein Buch, wie ich es mir vorstelle, gar nicht gibt.

Bei der Suche nach "A Dictionary of Musical Themes" bin ich über eine Datenbank gestolpert, die wohl mit den Informationen dieses Buches gefüllt ist - man kann darin auch eine Notenfolge eingeben, und die Datenbank spuckt alle darin erfassten Werke (bzw. Motive einzelner Werke) mit dieser Notenfolge aus: The Multimedia Library's Electronic Dictionary of Musical Themes

Klangrede:

Nun da habe ich ja eigentlich schon das Buch von Hanoncourt mal vorgemerkt - werde das mal kaufen, vielleicht finde ich dort auch Information und weiterführende Literatur zu den Topoi.

Herzlichen Gruß, PP
 
 

Top Bottom