"Kleine Mirakel"

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Romantiker

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kennt ihr das auch wenn ihr euch ein stück anhört und am anfang ganz unbedarft seid, weil ihr es noch nicht kennt und es zunächst irgendwie "nicht unnormal" klingt, doch aufeinmal hört ihr plötzlich auf das zu tun, was ihr gerade getan habt, weil da auf einmal etwas passiert. die musik nimmt euch gefangen und es entsteht ein kleines wunder.

ich wollte mal einen thread machen um stücke zu sammeln, bei denen es euch so ging. ich denke es hängt dabei auch immer sehr vom interpreten ab, beim einen klingt es uninteressant und beim anderen wird es zum erlebnis.
ich habe außerdem die erfahrung gemacht, dass es oft gar nicht die technisch "überanspruchsvollen" stücke sein müssen, sondern es können durchaus auch "einfache" stücke sein, die ein interpret mit einer solchen intensität zum leben erweckt, dass es einen fesselt. (natürlich gehts aber auch mit solchen "brocken", z.B. hatte ich so ein erlebnis auch schon bei der "magischen ravel nixe" ;) )


ich mache mal den anfang mit diesem bezaubernden stückchen:
http://www.youtube.com/watch?v=8VaNyRtzsDU

Das Des-dur nocturne op.27 nr.2 von chopin. als ich das das erste mal gehört hab, dachte ich nach den ersten paar takten....chopin nocturne. also um das zu erklären, von der stimmung her passte es in mein bild der nocturnes und war somit erst einmal nix besonderes, aber man sollte ja immer erst zu ende hören..
martha argerich (die ich sowieso aufs aller tiefste verehre) vollbringt hier ein mirakel für mich. sie belebt dieses kleinen nachtstück mit solcher intensität, dass es mich jedesmal ergreift. sie spielt so farbig und benutzt das klavier quasi dazu eine stimmung auszudrücken und löst sich damit vom reinen notentext.

und da kommt mal wieder ein spruch zum tragen, der für mich schon immer viel wahres in sich hatte:

Musik ist nur Musik, wenn sie berührt!

egal auf welche weise sie berührt, das kann ganz unterschiedlich sein, hauptsache es wird etwas vermittelt, denn ansonsten sind es nur irgendwelche töne aneinandergereiht


also ich freue mich auf weitere stücke von euch!
 
rolf

rolf

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mich haben viele Stücke "gepackt" - aber manchmal gibt es Erlebnisse, da erinnere ich mich ans erste hören:
Schubert Streichquintett im Radio - da war ich wie paralysiert!!
Verdis Requiem live im Freiburger Münster - total erschlagen!!
Wagners Walküre live in Bayreuth - ich kannte vorher nur den Walkürenritt, aber was ich da gehört hatte, hatte mich vom ersten Takt an umgehauen (Levine, Polaski, Tomlinson)
 
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tornado12

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Ein großes Mirakel wäre dann die:
:kuss: 9. Symphonie von Mahler! :kuss:

In Lübeck beim Schleswig-Holstein-Festival mit Mariinsky-Theater-Orchester
unter dem Baton von Valery Gergiev.:kuss: Da können einem schon die Tränen kommen!
(ein Herr neben meinem Bruder hat im Adagio zu schluchzen angefangen)

Einen schönen, lieben Gruß richtet aus:
Der Anton
 
Moderato

Moderato

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Ich möchte gerne Rolfs Formulierungen übernehmen:
Schubert B-Dur Sonate im Radio von Svjatoslav Richter: Am Anfang dachte ich ,das hält er nicht durch,- dann wie paralysiert.
Haydn, Die Schöpfung in einer katholischen Kirche:- total erschlagen
Beethoven Bagatelle op 126/6 live von Gotthard Kladetzky: -in Trance versetzt, dann regelrecht aufgeschreckt "aufgewacht", weil "vergessen", was ich doch eigentlich kannte.

Gruss
Manfred
 
M

Monaco

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... und dann habe ich da noch die Steigerung des Mirakels erlebt:

Nocturne op.posthum cis-Moll (Chopin) gespielt von Claudio Arrau

Nach dem ersten Hören und Entdecken sitzt Du das erste mal am Klavier, die Noten des besagten Stückes vor Dir und egal wie mühsam und holprig der erste Kontakt aussieht:
wenn die "Besonderheit" des Stückes (v.a. die Harmonien) das erste Mal aus den eigenen Fingern herausgekrochen kommen, dann jagt es Dir einen kleinen Schauer über den Rücken.

Leider ist das meist ein nur kurzes Glücksgefühl, denn danach beginnt die Arbeit, manchmal auch gefolgt von der Ernüchterung, daß sich die Magie des ersten Hörens in der Wiederholung als banal erweist.
 
T

tornado12

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Die "Sinfonischen Etüden" von Schumann! Wunderschön! Beim ersten Hören
haben sie sich mir nicht geöffnet, aber dann... BOOOM! WUNDERSCHÖNE MUSIK!
Aber auch der späte Beethoven wie die "Große Fuge". Toll ist diese Musik!
 
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myway

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http://www.youtube.com/watch?v=lF6IBWTDgnI

Ich find die Pianisten dort so süß;)

etwas ernsthafter: Annie Fischer mit dem A-Dur Konzert von Liszt in irgendeiner Rundfunkaufnahme, die Details weiss ich nicht mehr und das ist manchmal gut so, denn an manches überirdische denkt man lieber zurück als es wieder und wieder zu hören;

LG
 
T

tornado12

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Die Brahms Sonaten op. 34a und 38!:kuss::kuss::kuss::kuss:(jetzt hab ich die mir zu verfügungsstehenden Smileys aufgebraucht...)
 
N

Neapolitaner

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Heute beim Chopin-Wettbewerb hat mich wieder die Kombination Polonaise op.53 -> Ballade f-moll voll aus heiterem Himmel erwischt. :cry::cry:
Sauerei wenn man nicht darauf gefasst ist. :D

Dabei war der Pianist meiner Ansicht nach noch ziemlich mäßig.

mich haben viele Stücke "gepackt" - aber manchmal gibt es Erlebnisse, da erinnere ich mich ans erste hören:
Schubert Streichquintett im Radio - da war ich wie paralysiert!!
...

Sofort nach dem ersten Hören?
Ich fand die am Anfang gar nicht sooo toll... (außer der 2te Satz)
Erst nach und nach wurde das Ding immer besser.

Das kann aber auch viel davon abhängen wer das spielt...

Aber auch der späte Beethoven wie die "Große Fuge". Toll ist diese Musik!

Ich hab die jetzt grad voll im Ohr. :D


PS : Die Cavatina aus Beethovens ursprünglich gleichem Streichquartett B-Dur ist auch stark mirakelgefährdet.
 
 

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