Klavier vs. Flügel- Frust! Legt sich das?

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Carnina
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Liebe Alle!
Ich war stiller Mitleser und muss mal meinem Frust Luft machen. Bzw wäre ich über Tips froh.

Ich spiele seit meiner Kindheit Klavier, aufgrund meiner Familien-Situation habe ich auf einem Grotrian Steinweg Flügel begonnen. Dann kam Auszug/ Umzug usw. Der Flügel in unerreichbarer Ferne, also kam ein E Piano. Billig musste es sein als Student. Nachdem ich aber wieder intensiv und exzessiv spiele, habe ich mir ein Klavier geliehen (Hoffmann V131) und muss sagen, ich bin tot unglücklich. Ich hab es zwar probegespielt, aber so krass den Unterschied zwischen Flügel und Klavier nicht erwartet.
Ich habe das Gefühl meine Finger sind träge, zäh in den Tasten, mir entgehen Noten weil ich gewohnt bin, auch bei bereits angespielter Taste, erneut anschlagen zu können.

Nein Frust ist riesig. Ein Flügel ist preislich auch gemietet nicht drin. (Ausnahme der winzige Yamaha GB1). Ich habe das Gefühl ich bin nicht mehr „beweglich genug“. Da fällt mir das auf dem E-Piano Roland FP30 sogar noch leichter.

Frage. Gewöhnt man sich dran? Verlier ich den Anschlag/Technik wenn ich mich drauf adaptiere? Lohnt sich ein billiger Yamaha GB1 eher wenn es um das spielgefühl geht.

Verzweifelte Grüße
 
alibiphysiker
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Liebe Alle!
Ich war stiller Mitleser und muss mal meinem Frust Luft machen. Bzw wäre ich über Tips froh.

Ich spiele seit meiner Kindheit Klavier, aufgrund meiner Familien-Situation habe ich auf einem Grotrian Steinweg Flügel begonnen. Dann kam Auszug/ Umzug usw. Der Flügel in unerreichbarer Ferne, also kam ein E Piano. Billig musste es sein als Student. Nachdem ich aber wieder intensiv und exzessiv spiele, habe ich mir ein Klavier geliehen (Hoffmann V131) und muss sagen, ich bin tot unglücklich. Ich hab es zwar probegespielt, aber so krass den Unterschied zwischen Flügel und Klavier nicht erwartet.
Ich habe das Gefühl meine Finger sind träge, zäh in den Tasten, mir entgehen Noten weil ich gewohnt bin, auch bei bereits angespielter Taste, erneut anschlagen zu können.

Nein Frust ist riesig. Ein Flügel ist preislich auch gemietet nicht drin. (Ausnahme der winzige Yamaha GB1). Ich habe das Gefühl ich bin nicht mehr „beweglich genug“. Da fällt mir das auf dem E-Piano Roland FP30 sogar noch leichter.

Frage. Gewöhnt man sich dran? Verlier ich den Anschlag/Technik wenn ich mich drauf adaptiere? Lohnt sich ein billiger Yamaha GB1 eher wenn es um das spielgefühl geht.

Verzweifelte Grüße
Liebe Carnina,

ich selbst habe bis zum Beginn meines Klavierstudiums nie die Möglichkeit gehabt auf einem Flügel zu üben, und habe eigentlich 17 Jahre meines Lebens nur auf Klavieren geübt, und davon 14 Jahre lang auf SEHR schlechten (aber immer gut regulierten/gestimmten) Klavieren. Somit kann ich dein Leid wirklich sehr gut nachvollziehen.

Meine Erfahrung ist: Man kann auch mit einem Klavier weit kommen, wenn man wenigstens einigermaßen regelmäßig auf guten Flügeln spielen/üben kann. Ich hatte meist einmal pro Woche Unterricht auf einem sehr guten Flügel, und konnte manchmal als "singuläres Ereignis" auf einigermaßen guten Flügeln üben. Hier habe ich dann oft auch viel am Pedal gearbeitet, und einfach versucht, so viel von dem Spielgefühl "nach Hause" mitzunehmen. Dennoch ist es natürlich ein Nachteil. Gerade eine gute Pedaltechnik kann man an den meisten Klavieren meines Erachtens kaum lernen.

Wenn ein Flügel zur Zeit wirklich nicht in Reichweite ist, wäre es somit vielleicht eine Idee sich nach Präsenzunterricht mit gutem Flügel umzusehen, und vielleicht auch eine auswertige Übemöglichkeit mit Flügel (z.B. in einer Kirche oder einer Schule) zu organisieren, wo du dann alle 1-2 Wochen mal üben kannst. Außerdem würde ich mich an deiner Stelle nach einem guten Klavierstimmer umsehen, der dein Klavier so gut wie möglich reguliert. Das ist wirklich wichtig!

Zuletzt muss man zwischen Klavier spielen und Klavier üben unterscheiden: Üben kann man auf einem Klavier meines Erachtens dennoch gut, da beim Üben doch auch sehr viel im Kopf passiert. Spielen (oder "Spielen üben") sowie Gehörschulung (gemäß der klanglichen Eigenheiten des Klaviers/Flügels) auf dem Klavier ist nach meiner Erfahrung frustrierender.

P.S.: Dennoch bin ich oft etwas pissig, wenn ich (innerhalb unserer Musikhochschule) merke, dass eigentlich nahezu alle Hauptfachstudenten die meiste Zeit ihres Lebens auf Flügeln üben konnten. Ich finde es schon auch etwas unfair, dass es dann doch auch an sowas hängt...
 
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Tastatula
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Das Problem kann auch darin liegen, dass Du in der Zwischenzeit auf einem Digitalklavier gespielt hast.
Dann ist es mehr der Unterschied zwischen künstlich und echt. Ein Digi-Klavier nimmt den Anschlag immer an, ein Klavier ist da durchaus kapriziöser, ist man zu forsch, schallert es, ist man zu seicht, kommt kein Ton. Dann verstimmen sich die Dinger auch noch.
Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Flügel und Klavier, aber der ist nicht so groß - falls das Klavier einigermaßen gut ist - , dass man die Freude daran verlieren muß.
Ich hatte mal eine Lehrerin - eine grandiose Pianistin -, die einen garstigen alten Flügel hatte. Er wirkte so verramscht, dass ich, als ich anhob meine hochnäsigen Finger im Unterricht in der ersten Stunde daran zu legen, dachte: Hier kann ich überhaupt nicht zeigen, was ich alles geübt habe. Hier geht ja nix musikalisch.
Dann setzte sich meine Lehrerin an das Instrument und zeigte mir, wie man verschiedene Stellen so spielen könnte.
Ich wurde auf meinem Stuhl immer kleiner, schämte mich immer mehr und stellte fest: Wer wirklich Musik macht, holt sie aus einem Stück Holz noch hervor.
Seitdem quengele ich auch in Konzerten nicht mehr über Instrumente - auch dort hat man durchaus unterschiedliche Kameraden.
Gewöhn Dich an Dein Klavier. Du wirst merken, es wird besser! Gib ihm eine Chance!
 
alibiphysiker
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Ihr macht mir gerade wirklich Mut! Auf einem Flügel üben kann ich leider nirgends. Ich weis dass das ein Luxusproblem ist, aber ich kann’s nicht ändern dass ich immer einen zur Verfügung hatte. Das war halt „Arbeitsgerät“ zuhause. Ich merk einfach dass mein e Piano eine bessere Repetition hat als das Klavier und ich bei schnellen Stellen in den Tasten kleben bleib oder ich muss spielen als würde ich einen Bottich Maische treten. 🙁 anscheinend muss ich wohl umlernen.
 
Tastatula
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Ja, das kann sein. Gib Dir Zeit.
 
MinimalPiano
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Ich kann dich verstehen. Wer mal einen Flügel spielte, kann nur schwer zurück. Letztes Mal hat mich eine Nachbarin eingeladen und mir ihr Klavier gezeigt. Man war die Mechanik träge :angst: . Ich wollte nix sagen, aber ich hätte kaum Freude draran, ausser man kennt es nicht anders.

Schon mit Gebraucht versucht? Abseits von Premium Marken gibt es immer wieder Schnäppchen (je nach Zustand).
Gebrauchte können ja auch je nach Händler gemietet werden, evtl Mietkauf Vertrag etc
Es gibt immer eine Möglichkeit, besser als unzufrieden mit seinem Instrument zu sein.
 
Tastenscherge
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habe ich mir ein Klavier geliehen (Hoffmann V131) und muss sagen, ich bin tot unglücklich. Ich hab es zwar probegespielt, aber so krass den Unterschied zwischen Flügel und Klavier nicht erwartet.
Ich habe das Gefühl meine Finger sind träge, zäh in den Tasten, mir entgehen Noten weil ich gewohnt bin, auch bei bereits angespielter Taste, erneut anschlagen zu können.
Könnte auch an dem Klavier liegen. Ich kenne das Modell jetzt nicht, aber spiel einfach mal andere Klaviere an und such dir eines, was einen leichteren Anschlag hat. Oder besser gesagt einen Anschlag, der dir entgegen kommt.
 
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Carnina
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Ich hab mich heute mal bis zum Erbrechen damit auseinandergesetzt. Es ist weniger „schlimm“ als heute früh. Aber man merkt dass man viel „ unnötigen Leerweg“ zurücklegt. Gerade bei schnellen repetitiven Stellen wird’s schwierig. Es braucht viel „aufwändigere“ Fingerbewegungen hab ich das Gefühl und schnell durch den schwarz-weißen „Stangensalat“ zu kommen. Ich bin sowieso erst mal vertraglich gebunden für die nächsten Monate. Mal gucken was ich dann davon halte 🥺
 
Wiedereinsteigerin38
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Ich hab mich heute mal bis zum Erbrechen damit auseinandergesetzt. Es ist weniger „schlimm“ als heute früh. Aber man merkt dass man viel „ unnötigen Leerweg“ zurücklegt. Gerade bei schnellen repetitiven Stellen wird’s schwierig. Es braucht viel „aufwändigere“ Fingerbewegungen hab ich das Gefühl und schnell durch den schwarz-weißen „Stangensalat“ zu kommen. Ich bin sowieso erst mal vertraglich gebunden für die nächsten Monate. Mal gucken was ich dann davon halte 🥺
Beim selben Vermieter das Instrument zu wechseln ist doch sicher möglich? Aber warte vielleicht noch etwas ab...
 
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Carnina
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Ich danke euch sehr für eure aufbauenden Worte! Ich werde jetzt mal 1-2 Wochen abwarten. Tauschen würde gehen, aber die Lieferung (nochmal) ist grad nicht im budget. Ich fürchte fast, dass es einfach der unterschied Flügel zu Klavier ist, der meine Begeisterung dämpft und den kann ich halt nicht ändern.
 

Tastenscherge
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Hast du bei dir in der Gegend einen Händler, der Johannes Seiler hat? Spiel doch mal das Modell Traditio 122 an.
 
Dämpferlöffel
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Vielleicht habe ich den entscheidenden Nebensatz überlesen, aber mir ist nicht klar, was Du miteinander vergleichst. Deine Erinnerung, wie der Flügel in Deiner Kindheit sich spielen lies mit der aktuellen Spielerfahrung Deines Klaviers? Da könnte Dir Deine Erinnerung einen Streich spielen. Um das auszuschließen, solltest Du vielleicht mehrere Flügel intensiv probespielen.
 
Wiedereinsteigerin38
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Vielleicht habe ich den entscheidenden Nebensatz überlesen, aber mir ist nicht klar, was Du miteinander vergleichst. Deine Erinnerung, wie der Flügel in Deiner Kindheit sich spielen lies mit der aktuellen Spielerfahrung Deines Klaviers? Da könnte Dir Deine Erinnerung einen Streich spielen. Um das auszuschließen, solltest Du vielleicht mehrere Flügel intensiv probespielen.
Das finde ich eine gute Idee! Es ist ja auch nicht auszuschliessen, dass @Tastatula recht hat:

Das Problem kann auch darin liegen, dass Du in der Zwischenzeit auf einem Digitalklavier gespielt hast.
Dann ist es mehr der Unterschied zwischen künstlich und echt. Ein Digi-Klavier nimmt den Anschlag immer an, ein Klavier ist da durchaus kapriziöser, ist man zu forsch, schallert es, ist man zu seicht, kommt kein Ton. Dann verstimmen sich die Dinger auch noch.
Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Flügel und Klavier, aber der ist nicht so groß - falls das Klavier einigermaßen gut ist - , dass man die Freude daran verlieren muß.
Du hast oben geschrieben, es sei ein billiges Digitalpiano, Roland FP30? Ich bin ja gerade umgestiegen von einem Yamaha Clavinova auf ein Yamaha Silent und ich muss mich anstrengen. Das Digi verzeiht, wahrscheinlich aufgrund seiner eingeschränkten Möglichkeiten, deutlich mehr und macht es mir leichter. (Die Herausforderung jetzt ist aber natürlich willkommen!) Wobei schnelle Repetition nicht mein Problem ist. Bei welchem Stück hast Du denn da Mühe?
 
Henry
Henry
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Nö.

Ich hatte früher mal n 250iger Försterflügel den ich aus Platzgründen nicht mitnehmen konnte.

Klavierspielen auf dem Digi hat mir irgendwie keinen Spaß gemacht, da hab ich lieber andere Instrumenteneinstellungen verwendet.

Irgendwann hab ich mir dann einen alten Oberdämpfer zugelegt um wenigstens einen normalen Klavierklang und Anschlag zu haben.

Aber an meinen alten Flügel, kommt der natürlich auch nicht ran.
 
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schmickus
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Und hier möchte ich erneut eine Lanze brechen für gut erhaltene Oberdämpfer von Ibach, Blüthner, Schwechten etc.:
Die spielen sich einfach sehr sehr angenehm! Und klingen!
 
 

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