Klavier spielen lernen ohne Notenkenntnisse oder sonstiges.

Geht es oder geht das nicht?

  • Ja

    Stimmen: 5 27,8%
  • Nein

    Stimmen: 13 72,2%

  • Umfrageteilnehmer
    18
Die Frage ist doch: Wie will jemand, der etwas so einfaches wie Notenlesen nicht gebacken bekommt, überhaupt die schwierigen Herausforderungen am Tasteninstrument meistern?

Klavier spielen ist um mehrere Größenordnungen schwieriger als Noten lesen.

Kann man richtig Klavier lernen, wenn man schon eine der leichtesten Übungen vermeidet? Was passiert dann bei der ersten richtigen Hürde?
 
Die Frage ist doch: Wie will jemand, der etwas so einfaches wie Notenlesen nicht gebacken bekommt, überhaupt die schwierigen Herausforderungen am Tasteninstrument meistern?

Klavier spielen ist um mehrere Größenordnungen schwieriger als Noten lesen.

Kann man richtig Klavier lernen, wenn man schon eine der leichtesten Übungen vermeidet? Was passiert dann bei der ersten richtigen Hürde?

Da schliesst Du von Dich auf andere. Was für einen Menschen schwer ist und was einfach ist, ist individuell sehr unterschiedlich.
 
Es ist ja nicht nur das reine Lesen der Noten. Da gehört schon etwas mehr dazu. Notenlängen, Takte, Vorzeichen, Auflösungen, Pausen, Wechsel von Notenschlüsseln und dergleichen. Das dauert schon eine ganze Weile bis man das alles drin hat.
 
Es geht doch gar nicht primär um das Entziffern der Notensymbole.

Sondern was vor allem wichtig ist, ist, dass man nicht blöd Selbstdressur betreibt, um "ein Stück spielen zu können", sondern sozusagen die "Legobausteine" kennenlernt, aus denen Musik besteht, und auch, wie diese Legobausteine in der Musikerwelt genannt werden, um sich mit anderen gut verständigen zu können.

Mir ist schon immer VÖLLIG unverständlich, wie man so drauf sein kann, dass man etwas nicht wissen will, also alles tut, um darum herumzukommen, etwas wissen zu "müssen".

Wissen ist Macht, Wissen bedeutet besseres Selbstwertgefühl, mehr Möglichkeiten, mehr Spaß an der Sache.

Aber das kriegt man manchen Leuten nicht vermittelt.

Ich kenne einen jungen Mann, der seit Jahren in einer Bigband (die auch bei Wettbewerben sehr erfolgreich ist) Bass spielt, sowohl nach ausgeschriebenen Noten als auch nach Akkordsymbolen.
Dieser Typ weiß tatsächlich nicht, wie Dur-, Moll- oder verminderte Dreiklänge aufgebaut sind und kann Dir auch nicht eine große oder kleine Terz auf dem Bass vorspielen.

Als ich ihm sagte "ey, das gibt's doch gar nicht, wie kann man jahrelang diese Musik machen und weder wissen, dass F#0 ein verminderter Dreiklang ist, noch wissen, dass das die Töne F# A C sind?", reagierte er beleidigt, meinte, ich "würde ihn bloßstellen", und sagte, schließlich habe es ja bislang irgendwie hingehauen. (Na gut, man muss zugeben, bei Bass-Spielern ist diese "Zufriedenheit" mit einem äußerst niedrigen Kompetenzlevel ganz besonders verbreitet...)

Ich könnte gar nicht so spielen, da ich die ganze Zeit wüsste, dass das, was ich da tue "gelogen" bzw. "gemogelt" ist und somit nicht "real" und nicht kompetent.

Manche Leute wollen nicht das "Reale" und nicht kompetent sein. Ihnen reicht es, mit der Holzlatte rumzufuchteln und sich einzubilden, das sei ein Schwert und sie ein Ritter.
 
Wenn man nur ein einziges Stück irgendwie spielen will, kann man das wahrscheinlich mit dieser Methode (wobei, ich könnte es nicht aber es sind ja hoffentlich nicht alle so vergesslich wie ich).
Wenn man aber Klavier spielen will kommt man meines Erachtens um einen Lehrer nicht herum.
 
Manche Leute wollen nicht das "Reale" und nicht kompetent sein. Ihnen reicht es, mit der Holzlatte rumzufuchteln und sich einzubilden, das sei ein Schwert und sie ein Ritter.
Stimmt. Und manchmal beneide ich diese Menschen, denn oft sind sie glücklich und zufrieden mit sich und dem, was sie da tun.

Wenn man aber Klavier spielen will kommt man meines Erachtens um einen Lehrer nicht herum.
Die Aussage ist mir zu pauschal. Schließlich gibt es Gegenbeispiele. Was aber nichts daran ändert, dass ein guter Lehrer für die allermeisten Menschen der beste Weg sein dürfte, Klavier spielen zu lernen.
 
Die Frage ist doch: Wie will jemand, der etwas so einfaches wie Notenlesen nicht gebacken bekommt, überhaupt die schwierigen Herausforderungen am Tasteninstrument meistern?

Ein Gutteil der klassischen Ausbildung – vielleicht sogar mehr als die Hälfte – befasst sich mit der Fähigkeit, Notenwerte in Handbewegungen umzusetzen. Da geht es nicht ums Notenlesen, sondern um eine "fest verdrahtete" Verbindung zwischen, Spieler und Klaviatur. Es geht darum, beim "Lesen" einer Note instinktiv die richtige Taste zu drücken.

Die Methode ist ein so integraler Bestand des klassischen europäischen Klavierspiels, dass man es sich anders nicht vorstellen kann.
Es heißt, dass man Klavier "ohne Noten" schneller lernt als mit. Ich finde das durchaus plausibel. Man "spart" sich einen wesentlichen Teil der Ausbildung, der objektiv nichts mit der Beherrschung des Instuments zu tun hat, sondern sich alleine mit der Umsetzung von Notation befasst.
Die Komplexität des Vorgangs "Notenlesen" erklärt wahrscheinlich auch, dass die Blues- und Barrelhouse-Pianisten sich das Notenlesen nicht mal eben schnell nachträglich aneignen konnten.
 
Ein Gutteil der klassischen Ausbildung – vielleicht sogar mehr als die Hälfte – befasst sich mit der Fähigkeit, Notenwerte in Handbewegungen umzusetzen.

Ein Gutteil, ja. Aber gefühlt lief das 'nebenbei'.

Die Methode ist ein so integraler Bestand des klassischen europäischen Klavierspiels, dass man es sich anders nicht vorstellen kann.

Suzuki?

Es heißt, dass man Klavier "ohne Noten" schneller lernt als mit. Ich finde das durchaus plausibel. Man "spart" sich einen wesentlichen Teil der Ausbildung, der objektiv nichts mit der Beherrschung des Instuments zu tun hat, sondern sich alleine mit der Umsetzung von Notation befasst.

Ich bin froh, im Klavierunterricht Noten gelernt zu haben. Hat mir Saxophon, Gesang und Klarinette enorm geholfen. Und beim Verstehen von Musik, Harmonielehre und Co.

Beim Erlernen des Klaviers lernt man sowieso viel viel mehr als nur die Beherrschung des Instruments. Oder zumindest kann ich das nur für alle hoffen.

Grüße
Häretiker
 
Ein Gutteil der klassischen Ausbildung – vielleicht sogar mehr als die Hälfte – befasst sich mit der Fähigkeit, Notenwerte in Handbewegungen umzusetzen. Da geht es nicht ums Notenlesen, sondern um eine "fest verdrahtete" Verbindung zwischen, Spieler und Klaviatur. Es geht darum, beim "Lesen" einer Note instinktiv die richtige Taste zu drücken.

Eine visuell-motorische Kopplung ist (leider!) auf dem Klavier bis zu einer gewissen Grenze möglich - im Gegensatz zu Streichinstrumenten oder dem Gesang. In gutem Unterricht lernt man das aber nicht so. Da wird eine Bewegung nicht ans Notenbild gekoppelt, sondern an den Klang. Und wenn man nach Noten spielt, ergibt sich die Bewegung nicht aus dem Gelesenen, sondern aus dem innerlich Gehörten.
 

Hallihallo,

ich bin neu hier und wollte mal eine wahrscheinlich dumme Frage stellen. :D Es gibt ja solche Videos auf YouTube (
View: https://www.youtube.com/watch?v=zdrrMMszLaE
) die Zeigen einem ja genau die Note die du spielen musst und so weiter. Aber kann man damit wirklich lernen Piano zu spielen. Also halt das man sich dieses Video 1 Million (so in etwa) mal anguckt und dann halt aus dem Kopf es spielt. Man lernt dadurch zwar nur erst dieses eine Lied und sonst nichts. Aber ich meine wenn man es ja spielen kann, wieso brauch man dann Noten? Und man kann ja mehrere lernen.

Mfg Christian.
:D


Ja, geht.:geheim:
Hatte ich auch mal so gemacht. Wenn du nur eine handvoll Stücke einüben möchtest ist das so ok.
Falls du mehr möchtest wirst du schnell an deine Grenzen stoßen. Schon deswegen weil nicht alles als midi angeboten wird.:bye:
 
Woher soll ich denn wissen, wie es klingen soll, wenn ich es noch nicht gespielt habe. ;-)

Besteht Hoffnung, dass ich als Späteinsteiger dieses innerliche Gehör noch entwickle?

Ich zumindest stelle da bei mir Fortschritte fest, alleine dadurch, dass ich es zulasse. Ich lerne zwar erst einmal aus den Noten, aber dann koppeln sich Bewegungen und Klang aneinander.

Beim Chor singen funktioniert es schon länger recht gut. Obwohl ich wirklich nicht vom Blatt singen kann, finde ich bei Komponisten die ich gut kenne, die richtigen Töne. Aus den Noten erfahre ich die Richtung und welcher Ton es nun wirklich ist, sagt die Erfahrung.
 
Ich zumindest stelle da bei mir Fortschritte fest, alleine dadurch, dass ich es zulasse. Ich lerne zwar erst einmal aus den Noten, aber dann koppeln sich Bewegungen und Klang aneinander.
Ja. Wenn ich das Stück kenne und die Musik verinnerlicht habe, dann geht da was in diese Richtung. Auch wenn es um die Melodie geht. Aber sobald es mehrstimmig wird (also mehrstimmig im Sinne von mehr als eine Stimme) dann klingt da bei mir innerlich leider nix.

Aber mein KL arbeitet daran, indem ich immer mal wieder was nach Gehör spielen soll.
 
Woher soll ich denn wissen, wie es klingen soll, wenn ich es noch nicht gespielt habe. ;-)

Besteht Hoffnung, dass ich als Späteinsteiger dieses innerliche Gehör noch entwickle?
Ich bin sicher, dass es auch für Späteinsteiger möglich ist, das Gehör entsprechend zu schulen. Du kannst zum Beispiel eine einfache (dir aber unbekannte) Melodie aufs Pult legen, den ersten Ton anschlagen, nachsingen, dann den zweiten erst singen (falls es ein größeres Intervall ist: schrittweise heransingen) und anschließend am Klavier kontrollieren, ob es stimmt. Etc...

Um eine Klangvorstellung mehrstimmiger Gebilde zu bekommen, ist eine intensive Beschäftigung mit der Harmonielehre unverzichtbar. Und zwar nicht nur, indem man Bücher liest, sondern das Gelesene auch praktisch hörend am Klavier nachvollzieht.

Das Ganze kostet natürlich nicht wenig Zeit - aber es spart später beim Lernen neuer Stücke diese aufgewendete Zeit mehrfach wieder ein!

Was sicher auch hilft, sind diese Tipps aus Schumanns Haus- und Lebensregeln:
  • Bemühe dich, und wenn du auch nur wenig Stimme hast, ohne Hülfe des Instrumentes vom Blatt zu singen, die Schärfe deines Gehörs wird dadurch immer zunehmen. Hast du aber eine klangvolle Stimme, so säume keinen Augenblick sie auszubilden, betrachte sie als das schönste Geschenk, das dir der Himmel verliehen!
  • Singe fleißig im Chor mit, namentlich Mittelstimmen. Dies macht dich musikalisch.
  • Wie wird man aber musikalisch? Liebes Kind, die Hauptsache, ein scharfes Ohr, schnelle Auffassungskraft, kommt, wie in allen Dingen, von Oben. Aber es läßt sich die Anlage bilden und erhöhen. Du wirst es, nicht dadurch, daß du dich einsiedlerisch tagelang absperrst und mechanische Studien treibst, sondern dadurch, daß du dich in lebendigem, vielseitig-musikalischem Verkehr erhältst, namentlich dadurch, daß du viel mit Chor und Orchester verkehrst.
  • Es ist des Lernens kein Ende.
 
Jaja, den Seinen gibt's der Herr im Schlaf...
 
Ich glaube nicht das man mittels Tutorials das Klavier spielen lernen kann. Man kann dann mit viel üben das eine Stück spielen aber klavier spielen besteht ja aus soviel mehr. Noten , vom Blatt spiel, Improvisieren und natürlich Musik Theorie und vielem mehr. Das erlernt man nicht anhand von Tutorials , dafür bedarf es eines guten Lehrers
 
Na ja. Noten lernt man früher oder später. Ein gutes beispiel das heutzutage das lernen auch anders stadfindet sieht man auf werdemusiker.de. Einen Eintieg in das Klavierspiel anhand von Tutorials. Wer sich den Youtube-Kanal durckklickt, kommt bald drauf das das Notenlernen kein muß ist, aber viele Möglichkeiten mehr bringt. Auch wenn er am Anfang keine Noten lehrt, spricht er laufen davon. Man bekommt unweigerlich mit das die Existieren. Später wenn dann die Möglichkeiten der Musiktheorie aufgezeit werden, wir jeder neugierig und will wissen was es mit Noten so auf sich hat. Bis man dann fest stellt, das das ja gar nicht so wild ist.
Sicherlich ist eine Klavierlehrer der was kann immer die beste möglichkeit das Klavierspielen zu lernen. Man kann aber durchaus auch anders beginnen. Hauptsache das interresse ist geweckt.
 

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