Kartellamt - ein nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag

Viola

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Kartellamt... Kartoffeln, Zucker... ich mache mir so meine Gedanken: natürlich spreche ich mich mit meinen KollegInnen um mich herum ab, versuche, die Kundschaft neben der ortsansässigen bezuschussten Musikschule mit Klavierunterricht zu versorgen - die Wartelisten existieren kaum noch, Jahr für Jahr wächst das Heer neuer ausgebildeter Klävierpädagoginnen mit neuen extremen Preisvorstellungen (nach unten, "ich fange ja gerade erst an"). Und die sind auch sehr nett, geben sich Mühe, schauen nicht so auf die Uhr, die Kundschaft ist es zufrieden. Und ich leiste Aufklärungsarbeit - wg. einer Art "Mindestlohn" - damit die Schere nicht NOCH weiter auseinander klafft. Ich habe seit der Euroumstellung nicht mehr erhöht!!!

Soll ich nun mich/uns mal beim Kartellamt wg. Preisabsprachen anzeigen? Wäre eigentlich logisch, dass wir das nicht "dürfen"... auch wenn die Musikschulen natürlich eine offene gesetzlich geregelte Preisstrucktur haben. Wo ist da der Unterschied zu den Kartoffelbauern, die auf dem unterste Preisniveau ihrer Erzeugnisse angelangt sind und jetzt einfach sagen: billiger geht nicht mehr?!? Aber das Kartellamt sagt: böse, böse!!

Soll ich KollegInnen vielleicht mal beim FA anschwärzen, damit sie ihre Dumpingpreise abschaffen? Hier bei mir in der Gegend kommt eine Dame ins Haus für 10€ pro Stunde... wie schafft die das? Die Leute sind hoch zu frieden, die Kinder üben und die Dame hat viel zu tun. Nebenbei bietet sie noch Seminare für Ernährung an... an den Wochenenden. Ein Multitalent eben. Musik studier hat sie nicht, spielt aber überall bei Gottesdiensten, Chören, Jugend musiziert...

OK, Klavierlehrkraft ist trotz Diplom kein geschützter Beruf. Jeder kann und darf das anbieten. Ich darf auch Kartoffeln anbauen und verkaufen, oder verschenken...

Also, wer geht mit mir zum Kartellamt *megagrins* - ich meine, man sollte doch mal den Berlinern Kollegen Bescheid geben, dass die hier glatt 1,50 Euro pro Zeitstunde MEHR verdienen können als an Berliner Musikschulen (ich habe da grauenhaftes gehört!!)!

Also eigentlich bin ich FÜR eine Preisbindung oder Mindestlohn für ausgebildete Klavierlehrkräfte in einer nach oben hin offenen Scala.
Sonst landen wir noch irgendwann im Kartoffelacker...

So, sagt mal, was haltet ihr von Preisabsprachen untereinander?
 
fisherman

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Ihr braucht keine Preisabsprachen. Bei "Künstlern" funzt das eh nicht. Was Ihr machen könnt / solltet: Auf Verbandsebene Richtlinien geben (Honorarordnung/-richtlinien) und versuchen, diese auch durchzusetzen. Zur Gänze wirds nicht funktionieren, aber ein Anfang wäre gemacht. In Zeiten des ungezügelten (www)-Marktes werden sich Ultra-Dumpings nicht verhindern lassen, aber eine offizielle Orientierung würde manchen zum Nachdenken anregen. Außerdem hilft es bei Kunden, wenn man schwarz auf weiß darlegen kann: "Also für den Großraum XYZ ist ein Mindestsatz von 55,- Euro angegeben. Ich kann den für Sie um 10,- Euro tiefer setzen, aber mehr geht nicht."

Wir haben in unserer Branche folgende Situation:
Für eine Leistung XYZ gibt der Berufsverband AGD z.B. 12.000,- an
Der ähnliche Berufsverband BDG nennt z.B. 7.500,- (Die Diff. ist erklärbar!)
Damit kann man dem Kunden leicht klarmachen, dass man vielleicht für 6.000,- arbeiten kann, aber NIEMALS für die im www kursierenden 200,-.

Fazit: Honorarrichtlinien helfen!!!
 
pianochris66

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So, sagt mal, was haltet ihr von Preisabsprachen untereinander?

Hallo Viola,

so sehr ich Deinen Frust nachvollziehen kann möchte ich doch darauf hinweisen, dass Preisabsprachen in Deutschland verboten sind. Dass die gängige Praxis in vielen Bereichen anders aussieht wissen wir alle. Ein festgesetzter Mindestlohn kann auch derart als Schuss nach hinten losgehen, dass dann angstellte KL weniger verdienen als z.Zt. wenn der jeweilige Arbeitgeber sich auf den festgesetzten Mindestlohn beruft. Alles nicht so einfach beim Thema Recht vs Gerechtigkeit:-).

LG
Christian
 
LMG

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Hier bei mir in der Gegend kommt eine Dame ins Haus für 10€ pro Stunde... wie schafft die das? Die Leute sind hoch zu frieden, die Kinder üben und die Dame hat viel zu tun. Nebenbei bietet sie noch Seminare für Ernährung an... an den Wochenenden. Ein Multitalent eben. Musik studier hat sie nicht, spielt aber überall bei Gottesdiensten, Chören, Jugend musiziert...

Hi Viola ;)

Hmm, man hört tatsächlich einen Hauch von Unmut aus Deinen interessanten Zeilen heraus.. 8)

Zur Frage "wie schafft die das ?" ( denn sie kommt ja ins Haus, wie Du sagst, und da muss sie ja auch Wege zurücklegen ( wenn sie schlau ist und viele Leute im Umkreis wohnen, dann natürlich eher kurze Wege .. ) Das schafft die bestimmt deswegen, weil zu dem Preis ist das ja eigtl. eine Gefälligkeit und muss nicht irgendwo auftauchen, außer in der eigenen Tasche :D ... man lässt Schriftliches dann lieber weg, denk ich, das belastet nur.. ;)

Außerdem: Bedenke ihre Nebentätigkeiten, da kommt bestimmt gut was zusammen, ich denke, gemäß Bibel, sie hat ihre " Talente gut eingesetzt, auf dass sie sich bezahlt machen" *ggg*

LG, Olli !

PS.: Und so beim Umherfahren sieht sie ja so ganz nebenbei ganz viele verschiedene schöne Klaviere zum drauf Spielen, bei ihren Schülern / Kunden. Vielleicht kann sie ihren Preis ja sogar etwas erhöhen, ohne dass maßgeblich viele Schüler kündigen... *g*
 
Viola

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Also Du meinst, lieber Cristian, dass es wirklich verboten ist, sich gegenseitig preislich aufeinander anzugleichen? Aber ich dachte eigentlich, das wäre das Prinzip der freien Marktwirtschaft: der eine kommt und bietet günstiger an, da muss der andere nachziehen...

Was für eine Rolle spielt dann dabei das Kartellamt?
 
pianochris66

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Das ist wohl richtig, liebe Viola. Aber das hat nichts mit Preisabsprachen zu tun sondern ist die freie (ich lasse das "und soziale" bewusst weg) Marktwirtschaft. Das Kartellamt hat die u.a. die Aufgabe, Preisabsprachen zu verhindern und wenn diese Absprachen doch passieren und rauskommen entsprechend zu pönalisieren. Wie gut das in Deutschland funktioniert sieht man ja z.B. bei den Tankstellen oder Energielieferanten:-).
 
Peter

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Bechsteinfan
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...der eine kommt und bietet günstiger an, da muss der andere nachziehen...
Das ist keine Preisabsprache sondern Orientierung an der Konkurrenz. Aber Du hast schon Recht: Es kommt auf das Gleiche raus und im Alltag gibt es natürlich auch die verbotenen Absprachen.

Ich weiß auch nicht, ob ein Verband da was bewirken könnte. Aus meiner Branche kenne ich es so, dass die, die so billig anbieten, überhaupt kein Interesse daran haben, irgend welche Absprachen zu treffen oder sich in Verbänden zu organisieren.
 
Rheinkultur

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Kartellamt? Nein. Weder muss irgendjemand eine neue Behörde gründen noch eine bestehende mit neuen Aufgaben versorgen.

Hilfreich ist folgende Überlegung: Wer alles als Einzelkämpfer auf eigene Faust regeln möchte, kann sich auch nur innerhalb des eigenen Aktionsbereichs betätigen. Tut sich hingegen der Einzelanbieter mit Gleichgesinnten zusammen, sieht die Sache schon anders aus. Kennst Du Fachkolleg(inn)en und tauschst Dich mit denen über berufsstandsspezifische Probleme aus - darunter auch die Frage der Preisgestaltung? Dann ist es vermutlich kein Problem, sich über Mindesthonorare einig zu werden, bei deren Unterschreitung schlicht und ergreifend niemand mehr von seiner Berufsausübung leben kann. Wer in größerem Umfang "schwarz" spielt, da die Kunden mangels Absetzbarkeit der Dienstleistung auf eine Quittung verzichten, macht sich allerdings nicht nur gegenüber der Konkurrenz, sondern auch gegenüber zuständigen Behörden verdächtig, da das erwirtschaftete "Schwarzgeld" ja irgendwo verbleiben muss. Es wird konsumiert, es werden Anschaffungen getätigt, obwohl angeblich die betreffende Person wenig bis gar nichts verdient? Da wird das Finanzamt möglicherweise schon hellhörig, bevor ein seriöser Kollege dubiose Mitanbieter anschwärzt. Was etwaige "Preisabsprachen" betrifft: Es ist gut so, dass Preisgestaltungen individuell verhandelbar sind. Es ist aber auch gut so, dass unter einem gewissen Mindestsatz selbst Berufsanfänger und Erstanbieter grundsätzlich nicht spielen oder unterrichten - und zwar alle in der Region!

Netzwerkstrukturen sind allerdings keine neue Erfindung - es gibt sie bereits in der Form von Berufsverbänden, oft schon seit Jahrzehnten. Ich selbst gehöre dem Vorstandsteam eines Bezirksverbands im Deutschen Tonkünstlerverband (DTKV) an; der zuständige Landesverband unterhält u.a. eine Arbeitsgruppe "Berufsständische Vertretung". In "meinem" Bezirksverband befassen wir uns genau mit der von Dir angesprochenen Thematik, darüber hinaus gibt es eigene Veranstaltungen und einen regen Austausch der Mitglieder untereinander. Angesichts regelmäßig durchgeführter Honorarumfragen kennt man auch auf Länder- und Bundesebene diese Problematik. Andere Berufsverbände für Musikpädagogen und konzertierende Künstler füllen ähnliche Betätigungsfelder aus.

Macht man in seinem eigenen Wirkungsbereich derartige "Dumping-Dienstleister" ausfindig, überzeuge man diese, ihre Preisgestaltung branchenüblichen Gepflogenheiten anzupassen. Sollten diese Aufklärungsbemühungen ignoriert werden, bleibt nur, diese innerhalb der Branche konsequent zu isolieren. Grundsätzlich gilt: Wer besser als andere ist, sollte höhere Preise als andere nehmen können - auch in Krisenzeiten.

OK, Klavierlehrkraft ist trotz Diplom kein geschützter Beruf. Jeder kann und darf das anbieten.
Geschützt sind die akademischen Grade ("Diplom") sehr wohl, nicht aber die allgemeine Berufsbezeichnung "(Klavier-)Lehrer" - ähnlich wie bei irgendwelchen obskuren "Geistheilern", Esoterikern und sogenannten "Lebensberatern". Nun empfiehlt sich freilich die Unterscheidung, wozu der Unterricht überhaupt dienen soll. Ist Wissensvermittlung und qualitativ hochwertiges Musizieren gefragt? Da stoßen die Billiganbieter schnell an ihre individuelle Leistungsgrenze - und die keineswegs anspruchslose Kundschaft sucht schon "jemanden vom Fach", auch ohne sich die Zeugnisse der Lehrkraft zeigen zu lassen. Oder geht es eher um eine Art Beschäftigungstherapie, bei der zwischendurch auch mal das Klavier angefasst werden darf? Wo Fortschritte am Instrument nicht allzu wichtig sind, fühlen sich vermutlich viele ambitionierte Kolleg(inn)en als Lehrkraft nicht gerade wohl. Hauptsache, die Kasse stimmt, gleichgültig, ob die Schüler was lernen - so denken sicherlich nicht viele bei uns, zumal man sich ja doch aus tiefem persönlichem Interesse heraus mal irgendwann für den Musikerberuf entschieden hat, bei dem seit ewigen Zeiten schon die geforderte Qualifikation und die tatsächlichen Einkommensperspektiven in einem mehr oder minder ausgeprägten Mißverhältnis zueinander stehen. Verschiedene Berufsverbände beschäftigen sich mit der Fragestellung, wie man dieses Mißverhältnis nicht weiter ausarten lassen kann, damit wir nicht "irgendwann im Kartoffelacker landen". Übrigens gibt es bei den Verbänden und Netzwerken sehr wohl interne "Black Lists", auf denen unseriöse Auftraggeber (z.B. Nichtzahler) und ebensolche Dienstleister (z.B. Billigspieler und "Schattenwirtschafter") registriert werden - und es ist gang und gäbe, dass man sich untereinander über diese auch austauscht.

LG von Rheinkultur
 
musix61

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. Was Ihr machen könnt / solltet: Auf Verbandsebene Richtlinien geben (Honorarordnung/-richtlinien) und versuchen, diese auch durchzusetzen.


Fazit: Honorarrichtlinien helfen!!!

Ich habe vor einem Monat den Verband Deutscher Musikschulen (VdM) angeschrieben, um auf das immer krassere Mißverhältnis zwischen unseren Honoraren, die seit 15 Jahren nicht wesentlich erhöht wurden, und die im gleichen Zeitraum immer wieder angehobenen Gebühren, sowie die horrende Gebäudemiete, bei der zig- tausende Euro pro Jahr in den Wind geschossen werden, aufmerksam zu machen.
Ich habe auch die Frage gestellt, ob es Honorarrichtlinien für VdM- Lehrkräfte gibt:
Ich habe nicht einmal eine Antwort erhalten.
 
Rheinkultur

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Ich habe vor einem Monat den Verband Deutscher Musikschulen (VdM) angeschrieben, um auf das immer krassere Mißverhältnis zwischen unseren Honoraren, die seit 15 Jahren nicht wesentlich erhöht wurden, und die im gleichen Zeitraum immer wieder angehobenen Gebühren, sowie die horrende Gebäudemiete, bei der zig- tausende Euro pro Jahr in den Wind geschossen werden, aufmerksam zu machen.
Ich habe auch die Frage gestellt, ob es Honorarrichtlinien für VdM- Lehrkräfte gibt:
Ich habe nicht einmal eine Antwort erhalten.
Der von mir bereits erwähnte Deutsche Tonkünstlerverband (DTKV) führt regelmäßig Honorarumfragen durch, um Orientierungshilfe für freiberuflich tätige Kolleginnen und Kollegen zu geben. Die Ergebnisse sind nach erfolgter Auswertung in einem Artikel der Neuen Musikzeitung (nmz) dokumentiert, deren Bezug über den Mitgliedsbeitrag abgedeckt ist. Im Netz nachlesbar sind diese Berichte selbstverständlich auch für Personen, die kein Verbandsmitglied sind.

LG von Rheinkultur
 
Rheinkultur

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Ich weiß auch nicht, ob ein Verband da was bewirken könnte. Aus meiner Branche kenne ich es so, dass die, die so billig anbieten, überhaupt kein Interesse daran haben, irgend welche Absprachen zu treffen oder sich in Verbänden zu organisieren.
Gegenfrage: Wie funktioniert das generell mit der Preisgestaltung? Jeder Unternehmer hat zunächst mehr oder minder hohe Investitionen zu tätigen, um erst mal eine Betriebsstätte zu schaffen, von der aus er gerade mal anfangen kann, als Anbieter am Markt aufzutreten. Dazu kommen laufende Betriebskosten für den gewählten Standort und dessen Ausstattung. Erst wenn diese Kosten abgedeckt sind, erzielt er die ersten Umsätze. Wenn man sich dann überlegt, dass der Unternehmer sich und seine Familie selbst auf bescheidenem Level nach Abzug der Unkosten mit dem verbleibenden Gewinn (von dem auch noch Steuern und Abgaben abzuziehen sind) unterhalten muss, können die Preise auf legalem Niveau bei realistischem Beschäftigungsumfang einen bestimmten Betrag einfach nicht unterschreiten. Wer nicht über weitere Einkünfte neben dem zu erwirtschaftenden Arbeitseinkommen verfügt, kann dies zu Konditionen, wie sie für ungelernte Hilfsarbeiter gelten, keinesfalls schaffen. Das gilt auch für die genannte Zehn-Euro-Dame, die vielleicht aus vermögendem Hause stammt und/oder reich verheiratet ist oder sonstige Geldquellen anzapfen kann, die mit der Unterrichtstätigkeit nichts zu tun haben. Höchstwahrscheinlich sind die zehn Euro BAT - Bar Auf Tatze; ordentlich verbuchte und versteuerte zehn Euro würden sich auf bestenfalls sechs Euro reduzieren. Denn wie kommt man heutzutage schnell an ein kleines Vermögen? Ganz einfach: Man muss vorher ein großes gehabt haben...! :D:D:D

Auch hier gilt aus meiner Sicht das vorab Gesagte: Die Dame sollte aus dem Kreise seriöser Anbieter ein Feedback erhalten, dass ihr zum einen die branchenschädigende Dimension ihrer Preisgestaltung klar macht und zum anderen verdeutlicht, dass sie sich mit in der Schattenwirtschaft erzielten Honoraren gesetzwidrig verhält. Es wird sich zeigen, ob sie sich zu branchenüblichen Konditionen immer noch am Markt behaupten kann. Es gibt keinen plausiblen Grund, warum ein hochqualifiziert ausgebildeter und auf aktuellem Stand befindlicher Pianist und Klavierpädagoge seine qualitativ hochwertigen Dienstleistungen zu geradezu sittenwidrigen Konditionen feilbieten soll. Peng, aus (sorry, hasenbein)!

Doch, leider gibt es für manche Zeitgenossen einen solchen: Die Angst, den Auftrag an jemand anderen zu verlieren, der für noch weniger Geld den Job macht. Aber Angst ist das Schlechteste und Falscheste, dass es für einen professionellen Dienstleister geben kann. Ein gesundes Selbstvertrauen ist nun mal ebenso unverzichtbar wie gesunde Bereitschaft zur Selbstkritik.

LG von Rheinkultur
 
Dreiklang

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Die Angst, den Auftrag an jemand anderen zu verlieren, der für noch weniger Geld den Job macht. Aber Angst ist das Schlechteste und Falscheste, dass es für einen professionellen Dienstleister geben kann. Ein gesundes Selbstvertrauen ist nun mal ebenso unverzichtbar wie gesunde Bereitschaft zur Selbstkritik.

Wichtig in dem Zusammenhang:
a) zu wissen, was man wert ist (und das notfalls auch gut darstellen bzw. darlegen zu können)
b) zu wissen, was man anderen wert ist (irgendwo gibts i.d.R. Grenzen nach "oben" hin)
 
fisherman

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Ich habe auch die Frage gestellt, ob es Honorarrichtlinien für VdM- Lehrkräfte gibt:
Ich habe nicht einmal eine Antwort erhalten.
Es liegt an Euch, den faulen Kopf an der Spitze, der anscheinend nur kassiert, abzusetzen. Es liegt an Euch, EUCH SELBST in Eurem Verband zu engagieren. Nicht erwarten - tun!
 
manfredkremer

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Ich - als Nicht-Klavierlehrer - finde es irgendwie erstaunlich, daß hier nur über die aus Sicht der Lehrer zu niedrigen Preise geklagt wird. Soweit ich es erkennen kann, gibt es im Angebot erhebliche Unterschiede. manche Klavierlehrer verlangen ein erkleckliches Honorar, wollen aber in den Schulferien nicht unterrichten. Der Unterricht für 10 Euro pro Stunde von einer nicht formal ausgebildenten Dame halte ich für eine absolute Untergrenze. Normaler ist oberhalb 30 Euro, ich habe mich umgesehen, weil ich einen Klavierlehrer gesucht habe.

Nun aber die Hauptsache: Bei dem Thema Preisabsprache klingt an, daß der Klavierunterricht eigentlich immer den gleichen Wert habt, egal wer ihn gibt. Wo wird dann die Qualität des Klavierlehrers berücksichtigt? Seine Fähigkeiten als Pianist, als Pädagoge, wo wird seine Erfahrung (oder der Mangel an solcher) berücksichtigt?

Vielleicht sollten Klavierlehrer mal in diese Richtung denken, und nicht nur an eine Nivellierung des Preises.

Manfred
 
Peter

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Der Unterricht für 10 Euro pro Stunde von einer nicht formal ausgebildenten Dame halte ich für eine absolute Untergrenze.
Und ich als Nichtklavierlehrer halte das für grenzunterschreitend. Und darum geht es hier auch. Bei 10 € die Stunde spielt es überhaupt keine Rolle, ob es guter oder schlechter Unterricht ist. Er ist einfach zu billig und damit zumindest in moralischer Hinsicht wettbewerbswidirg.
 
rolf

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...hoffentlich tobt keiner...

(die Kundenmentalität)
also wenn ich was kaufe, dann will ich auch gute Qualität für mein Geld; und wenn ich was für mein Augensternchen brauche, dann will ich allerbeste Qualität. Zum Beispiel 150km nördlich ist ein Gymnasium, das hat einen Mathelehrer, aus dessen Unterricht ungewöhnlich viele 15-Punkte-Abiturienten und spätere Mathematikprofessoren hervorgehen; 150km südlich ist ein Gymnasium, dessen Deutschlehrer in den Ferien am Burgtheater auftritt, Lyrik, Novellen und Dramen publiziert - nun, ich habe am örtlichen Gymnasium als Elternvertreter eine flammende Rede gehalten, dass man diese Spitzenkräfte doch hierher holen soll: die verdienen ja eh überall dasselbe, und warum soll unsere Schule dann nicht mal in den Genuß kommen, warum nur die anderen?
 
Dreiklang

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(...) dass man diese Spitzenkräfte doch hierher holen soll: die verdienen ja eh überall dasselbe, und warum soll unsere Schule dann nicht mal in den Genuß kommen, warum nur die anderen?

Hm, aber die werden eben nicht wollen (?) Die werden sich sagen: mir geht's doch hier gut, wo ich bin, ich habe Familie, Freunde, mein gewohntes Umfeld, und was soll ich dann in Hinterkleinstadt? Ausser: schiebt mir gewaltig viel Kohle rüber - dann kann ich's mir vielleicht überlegen.

Oder? Ach ja: und wo packen wir die bereits angestellten (und etwas "schlechteren") Lehrer dann hin...? :cool:
 
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... oder war das eher so gemeint: wenn man explizit Qualität will, muß man eben auch mal einen etwas längeren Weg hin zu einem Experten in Kauf nehmen, inklusive einer höheren finanziellen Investition.

... so Vorbereitungsstunden auf Prüfungen u.ä. bei einem Profi sind ja eben nicht für 10 Euro zu haben (eher so für das 20-fache... wenn man sie mangels Terminen überhaupt kriegt)
 
fisherman

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Bei dem Thema Preisabsprache klingt an, daß der Klavierunterricht eigentlich immer den gleichen Wert habt, egal wer ihn gibt. Wo wird dann die Qualität des Klavierlehrers berücksichtigt? Seine Fähigkeiten als Pianist, als Pädagoge, wo wird seine Erfahrung (oder der Mangel an solcher) berücksichtigt?
Ganz einfach (siehe Ärzte, RA, Steuerberater, etc). Faktorensystem mit Untergrenze. Der Herr Prof. mit internationalem Ruf hat dann den Faktor 12, der Einsteiger ohne Studium 1, der normale Klavierpädagoge mit Studium 2,5 (Anfänger) bis 7 (30 Jahre Erfahrung). Nur so als Anregung.

So ähnlich läufts ja auch in der Praxis - nur hilft eine schriftliche Fixierung allen ungemein. Und was den h-Satz von 30,- angeht: Für einen Akademiker , der ZUDEM über zusätzliche Talente verfügen muss (also nix nur angelernt), ist das recht wenig. Mit dem Stundensatz werden Gartenbau-Hilfskräfte abgerechnet (+ Maschinenkosten).
 
Rikki

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Etwas OT:
Wir haben in unserer Branche folgende Situation:
Für eine Leistung XYZ gibt der Berufsverband AGD z.B. 12.000,- an
Der ähnliche Berufsverband BDG nennt z.B. 7.500,- (Die Diff. ist erklärbar!)
Damit kann man dem Kunden leicht klarmachen, dass man vielleicht für 6.000,- arbeiten kann, aber NIEMALS für die im www kursierenden 200,-.

Fazit: Honorarrichtlinien helfen!!!

... leider nicht immer! Meine Kunden beeindrucken irgendwelche Verbands-Richtlinien in der Regel nicht besonders (mit den AGD und BDG Honoraren hätte ich sicher einige Kunden weniger - vor allem wegen den schwerverständlichen Nutzungsrechten). Aber immerhin können sie einem etwas Sicherheit in der eigenen Honorargestaltung geben - vor allem als Berufsanfänger.
Insofern halte ich Empfehlungen für KL grundsätzlich für hilfreich.
LG
Rikki
 
 

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