Ist der gleiche Klavierlehrer für Mutter und Sohn sinnvoll?

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12. Mai 2021
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Liebe Forumsmitglieder, vor allem liebe Klavierlehrer,

ich wende mich etwas ratsuchend an euch. Ich selber spiele kein Klavier, aber mein Sohn (10 Jahre) hat im Oktober damit angefangen, wegen des Lockdowns hatte er allerdings nur drei Klavierstunden. Meine Frau hat gleichzeitig mit ihm angefangen und weil die Klavierlehrerin meines Sohnes ausgefallen ist, stellt sich die Situation so da, dass die Bekannte, die ins Haus kommt und meine Frau unterrichtet, anschließend auch den Sohn unterrichtet. Dabei gab es auch eine lange lockdown-bedingte Pause und der Unterricht findet erst seit April wieder statt. Die erste Klavierlehrerin meines Sohnes hat im Übrigen in der Ganztagsbetreuung der Schule unterrichtet und da sind seit November alle Aktivitäten ausgesetzt.

Ich persönlich kann nicht beurteilen, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn Mutter und Sohn den gleichen Lehrer haben. Sofern Unterricht stattgefunden hat und meine Frau was Neues gelernt hatte, war der Sohn regelmäßig sauer, weil die Mutter schon wieder was Neues konnte. Ein Freund hat mir nun geraten, einmal in diesem Forum nachzufragen, was ihr davon haltet. Es muss keine lange Antwort sein, nur einfach ein kurzes Statement.

Über Antworten freue ich mich sehr und bedanke mich schonmal dafür,
ein ratsuchender Vater
 
Also ich habe auch als Mutter die gleiche KL wie mein Sohn und meine Tochter. Die beiden hatten zuerst Unterricht, und haben gleichzeitig angefangen. ich bin dann ein paar Monate später dazu gestoßen, allerdings als Wiedereinsteigerin (aber mit sehr, sehr geringen Vorkenntnissen von vor 15 Jahren oder so...).

Ich hatte eher Sorge, dass es zwischen den Kindern Konkurrenz gibt. Aber das hat die KL sehr schön gelöst mit verschiedenen Büchern, Stücken... der Große ist fixer im Notenlesen (und spielt eigentlich nur, weil er soll, dafür macht er es aber ganz ordentlich), die Kleine ist dafür ehrgeiziger und musikalischer und will jetzt demnächst noch Querflöte dazu lernen. Beide sind megastolz, wenn sie im Unterricht was aus meinen Noten spielen dürfen. Noch bin ich ihnen etwas voraus, aber der Vorsprung schrumpft grad sehr rasant. Und das motiviert die Kinder eher, glaube ich. Und natürlich, wenn sie jetzt im Onlineunterricht immer live sehen, wie ich meine Stücke beim Vorspielen versemmele.... :-D

Auch, dass sie sehen, wie zäh das Üben manchmal sein kann und dass man da wirklich in kleinen Abschnitten vorgeht. Da ist es glaube ich schon gut, das als Eltern auch vorzuleben. Auch das tägliche Üben. In der Pubertät sind sie noch nicht, Vorbild zieht bei uns noch...

Also bei uns klappt es gut mit dem Familienunterricht, ausser dass sich die KL manchmal schon recht drauf verlässt, dass ich Fragen der Kinder beantworten oder mit den Kinder mitzählen kann oder bei Notenproblemen helfe. Das finde ich dann eine wirklich ungünstige Konstellation, die ich gar nicht mag. Auf der anderen Seite sehe ich so auch direkt die Defizite in ihrem Unterricht (vor allem zu wenig Übestrategien), das würde man ja sonst als Eltern kaum mitkriegen.

Ich werde das mit dem gemeinsamen Unterricht aber vermutlich bald trotzdem nicht weiterführen, weil ich nach dem lockdown neue KL für uns suchen gehe. Und ich glaube, dass für uns alle drei im Grunde vom Typ und Anspruch her jeweils unterschiedliche Lehrer richtig wären.

Wenn ich jetzt aber das Gefühl gehabt hätte, dass die Kinder meinetwegen nicht Klavier spielen wollen oder da in so ein Konkurrenzdings verfallen, dann hätte ich den Kindern halt ein Jahr Unterrichtsvorsprung gelassen und mir dann von ihnen "Nachhilfe" geben lassen. In dem Stadium sind wir jetzt vermutlich dann eh bald... :blöd:und ich freu mich für die zwei, dass sie mich bald überflügeln.

Eigentlich ist es aber auch toll, wenn alle Klavier spielen, wir spielen auch immer wieder mal in wechselnden Duos vierhändig, das macht richtig Spaß.

Kommt vielleicht einfach auf die gesamte Familiensituation an, was da wie sonst noch an Emotionen mitschwingt.

Meine Kleine ist, glaub ich, schon recht stolz, dass sie das mit dem Klavier gut kann und ihrem großen Super-Schlaubi
-Bruder da auch mal das Wasser reichen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Viva la musica.... so verschieden ist das, die Klavierlehrerin bittet mich extra nicht zu helfen ... sondern sie will selbst sehen, wo es beim Kind hakt.... wir haben verschiedene Lehrerinnen....
 
@Viva la musica.... die Klavierlehrerin bittet mich extra nicht zu helfen ... sondern sie will selbst sehen, wo es beim Kind hakt....
Womit wir beim Thema „Hilfestellungen durch Familienmitglieder“ sind. Hilfe ist nur dann sinnvoll, wenn sie daraus besteht, z.B. an etwas Bestimmtes aus dem Unterricht zu erinnern, neu erlernte rhythmische Bodypercussion-Übungen zu überprüfen usw. Niemals darf elterliche Hilfe ein zweiter Unterricht sein. Denn dann vermischen sich für die Kinder die Rollen und es besteht sogar die Gefahr, dass Falsches eingeübt wird.
 
die Klavierlehrein bittet mich extra nicht zu helfen ... sondern sie will selbst sehen, wo es beim Kind hakt....
Das wäre mir wesentlich lieber, weil das sind oft unschöne Situationen, wo dann von meiner Kleinen wütende Tränen vergossen werden, wenn es nicht gleich klappt. Mein Großer wiederum empfindet jegliche Einmischung von mir als Zumutung und da hat er recht! Diese Woche soll ich ein Stück mit ihm durchzählen. Jetzt übt er immer, während ich arbeite, wenn ich da bestimmt keine Zeit zu hab... ;-)
 
Das ist bei uns auch so, die andern mit ihren Instrumenten wollen auch keine Einmischung. Insofern bin ich dankbar für diese entlastende Worte der Lehrerin. ( ich misch mich nämlich gern ein ) ...aber heute habe ich ein schönes Spiel entdeckt für eines der Kinder, welches Flöte lernt. Ist sehr gut im Blattspielen. Aber eher verkrampft in der Gestaltung. Ich hab dann eine paar Töne gesungen und sie jeweils gebeten das nachzuspielen. Das fand sie gut. So was freut mich dann immer.
 
Ich kenne mehrere Fälle, wo das jüngere von zwei sehr guten Kindern besser war, das war natürlich unschön für das ältere Kind.
Prominentes Beispiel: Ira und George Gershwin. Eigentlich ging man in der Familie davon aus, mit Ira den ambitionierteren Musiker am Start zu haben. Der fühlte sich aber schon bald stärker durch die Sprache der Texte als durch die Sprache der Töne inspiriert und aus George wurde der bekannte Musiker. In meiner Studienzeit bekam ich es mal mit der Kurt-Weill-Foundation zu tun und Amateuraufnahmen in die Hände, auf denen Ira Gershwin als Librettist singt und Kurt Weill als Komponist singenderweise am Flügel agiert... - im Nachhinein fühlten sich zu Lebzeiten alle mit ihrer Spezialisierung auf den Job, der ihnen am besten lag, durchaus ganz wohl.

Es kann ja auch sein, dass der Mann mit der Konstellation zufrieden ist.
Zum einen das - und zum anderen: leiden denn Sohn und Mutter persönlich unter dem Kräftemessen, indem dieses für destruktive Machtkämpfe gegen die Person der/des Gegenübers instrumentalisiert wird? Mitunter wird so eine vermeintliche oder auch tatsächliche Rivalität recht impulsiv und rustikal ausgetragen. Rauh, aber herzlich, wenn man so will. Ein harmonieliebender und auf Ausgleich bedachter Partner macht sich dann gerne schon mal eine Sorge zu viel. Vielleicht finden beide ja einmal wirklich ein Musikprojekt, bei dem sie mit ihren individuellen Stärken und Schwächen gemeinsam präsent sind, ohne sich dabei gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Ein Machtwort des Partners als Drittem ist dann überflüssig und kontraproduktiv, vor allem, wenn dabei für irgendeinen Kontrahenten Partei ergriffen wird.

Mehr als von Mutter + Sohn kenne ich das Problem von zwei Geschwistern, die beide gut und gerne spielen.
Ist Dir dabei auch schon mal die Wahrnehmung begegnet, dass generationenübergreifende Übereinstimmungen auffallend oft geschlechterübergreifend feststellbar sind - dass Söhne sehr viel von Müttern und Töchter sehr viel von Vätern übernehmen und im eigenen Kontext weiterentwickeln? Das müsstest Du aus eigenem Erleben kennen: indem Du selbst viel Musik schreibst, hast Du mit Deinem Vater wahrscheinlich mehr als mit Deiner Mutter gemeinsam, obwohl beide als evangelische Kirchenmusiker nominell den gleichen Beruf ausüben. Und meine eigene künstlerische Orientierung, die zur Laufbahn als Berufsmusiker geführt hat, ist glasklar mütterlicherseits familiär verankert - väterlicherseits hatte niemand auch nur den Hauch eines Hauches von Affinität zur Musik. Da war Musik stets überflüssiger Quatsch - allenfalls mein mittlerer Cousin hat sich als Jugendlicher das ausrangierte Harmonium der örtlichen Dorfkirche zum Kaputtspielen zugelegt und dilettiert heute ein wenig auf einem Keyboard, ohne beruflich irgendwas mit Musik zu tun zu haben.

LG von Rheinkultur
 
@Viva la musica Ich glaube diese Situation ist wie es @Ratsuchender gerne hätte, aber mit 10 Jahren Altersunterschied würde es mit zweitem Kind auch nicht klappen.
Die zwei Kinder versuchen Dich einzuholen - die Kleineren profitieren oft von den älteren Geschwistern. Ideal!
Natürlich auch kein Patentrezept.

Wenn er hingegen genau die Aussage, die Du in Deinem "Machtwort" sehr agressiv und konfrontativ formuliert hast, wertschätzender und lösungsorientierter formuliert, dann sähe ich deutlich größere Chancen, dass damit was erreicht werden kann.

Ich glaube, er formuliert das durchaus wertschätzend, aber seine Frau geht nicht auf seine Argumentation ein und nimmt ihm damit den Wind aus den Segeln.

@Stilblüte Mit 10 Jahren in vier Chören? Respekt! Logisch, dass Du Musik zum Beruf gemacht hast...
 

@Sven
Du schenst die Verhältnisse gut zu kennen. Ich vermute, das Kind ist von dir. Du hast sie kennengelernt und gefragt:
„Darf ich bitten? Oder wollen wir erst tanzen?“
@Ratsuchender lass @Sven die Frau, gründe eine neue Patchworkfamilie und dann hast Du die günstigere Geschwisterkinder-Situation. :teufel:

Unterm Strich tut mir jetzt @Ratsuchender ein wenig leid und ich hoffe, er nimmt sich das nicht zu sehr zu Herzen, sondern sieht's mit Humor und greift die Anregungen auf.
Den Anderen geht es nicht zwingend besser ausser @Viva la musica ;-)
 
Hallo,
die Frage beschäftigt mich in der Klavierlehrerrolle selbst, deswegen ein paar Worte ...

in manchen Fällen hatte ich sowohl ein Elternteil als auch das Kind unterrichtet.

Wenn mich jetzt Eltern darauf ansprechen, ob ich sie auch unterrichten würde, oder umgekehrt, Schüler, ob ich ihr Kind aufnehme:
ich treffe keine absolute Entscheidung dazu, aber sehe es mittlerweile skeptisch und
lehne es auch eher ab.

Für mich war Klavierunterricht und Spielen und das Verhältnis zum Lehrer immer etwas, was viel mit Freiraum zu tun hatte ( wenn ich keinen "doofen" Lehrer hatte, das kam auch vor ).
Eltern-Kind Beziehungen gehören wahrscheinlich in der Regel mit zu den engsten, intensivsten und schwierigsten unsres Lebens ( darf man das so sagen? ) und für mein Gefühl beisst es sich irgendwie, wenn beide Parts dann den selben Lehrer haben.

Es ist nicht komplett schief gegangen in den Fällen, die ich kannte, und war für mich auch sehr interessant
und schön. Wenn es harmonisch läuft, kann es ein Ansporn sein für alle Beteiligten, aber wo schafft man in einer Familie die Harmonie immer aufrecht zu erhalten? Das wäre wahrscheinlich schon wieder unnatürlich...
 
Hallo @Piano17 und willkommen im Forum.

Meine Erfahrungen mit dem Unterrichten mehrerer Personen der selben Familie waren weit überwiegend positiv. Generell ablehnen würde ich das deshalb keineswegs. Man muss halt immer genau hinsehen: Wie ist das Verhältnis der beteiligten Familienmitglieder untereinander? Können sich Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren ergeben? Wie ambitioniert (verbissen, in Konkurrenz zueinander) sind die Beteiligten?
Und ganz, ganz wichtig finde ich immer das offene Gespräch mit den Schülern darüber.

Das Ganze lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt immer vom Einzelfall und dem eigenen Fingerspitzengefühl ab.
 
Danke. Ja, da stimme ich voll zu. Und wie sich etwas entwickelt, weiss man ja nie, daher immer beobachten.
 
Ich melde mich noch einmal zurück, habe über vieles nachgedacht und auch wenn ich die ultimative Lösung unseres Problems natürlich (noch) nicht gefunden habe, bin ich doch froh, hier um Rat gefragt zu haben, es sind doch sehr viele verschiedene Ansätze und Gedanken zusammengekommen, die sehr interessant sind und das "Problem" grundsätzlich näher beleuchten.

Mit diesem Argument muss man vorsichtig sein. Wir kennen den Sohn nicht, wissen aber, dass er in den Dingen, die er tut, eher zur oberen Leistungsklasse gehört. Das heißt: So ein Kind braucht auch Input! Die verdorren, wenn sie nichts zu tun haben! Was heißt denn schon "Kind sein" ? Ich hab als Kind alles mögliche gemacht, zeitweise in vier (!) Chören gesungen + Klavierunterricht, ich fand das toll.

An einer Stelle wurde bezüglich der Freizeitgestaltung meines Sohnes geschrieben, das wäre doch viel zu viel Programm und man müsse "doch auch mal Kind sein". Und dazu der oben zitierte Satz mit dem "Input". Ich wüsste gerne, wie alt die Schreiberin (Stilblüte) ist, aber ich würde auf eher jung tippen, eine junge Erwachsene, vielleicht Anfang/Mitte zwanzig. Ich spiele darauf an, weil wir exakt diese Diskussion nahezu regelmäßig führen und ich ohnehin das Gefühl habe, dass die Frage, wie sehr man die Freizeit der Kinder verplant, zum Zeitgeist gehört. Der Satz, man müsse "doch auch mal Kind" sein, kam vor einigen Jahren, als es um die Olympiaförderung ging und wochenlang fast jeden Tag Training war, wortwörtlich von mir. Die Tochter eines guten Freundes ist Leistungsschwimmerin im Landeskader und trainiert inzwischen 10x die Woche. Weil die Woche nur 7 Tage hat auch zweimal pro Tag, teilweise morgens von 6 bis 7 Uhr, ehe die Schule beginnt. Keiner dieser Leistungsschwimmer/innen kennt was anderes, keiner zieht dieses Konzept in Frage, alle machen das "gern". Die verbringen natürlich auch derart viel Zeit miteinander und teilen alle das gleiche "Schicksal" (ohne das jetzt negativ bewerten zu wollen), dass sie wie eine zweite Familie zusammenwachsen. Für einige ist das auch tatsächlich die "Familie" geworden, weil sie zuhause nämlich keine mehr haben. Ein anderes Kind (ein Junge) hier im Bekanntenkreis macht Zehnkampf und wird so jeden Tag in ein anderes Training gefahren. Auch er kennt es nicht anders. In allen Fällen höre ich regelmäßig dieses Input-Argument und "Talente müssen gefördert werden", doch gerade zu Beginn der Corona-Krise hat sich herausgestellt, dass solche Kinder völlig in sich zusammenbrechen, wenn ihnen dieser "Input" wegbricht, weil sie nämlich gar nicht wissen, wie sie sich mit sich selbst beschäftigen können, wie sie sich selbst Input geben können, wenn keiner von außen kommt.

Ich will diese ganzen Lebensentwürfe gar nicht schlecht reden, aber ich bin etwas nachdenklich geworden. Dreimal die Woche Sport ist gegen das, was ich in meinem Umfeld alles erlebe und höre, vergleichsweise wenig. Und der Klavierunterricht findet bei uns im Haus statt. Im Gegenzug erlebe ich, dass alle Kinder verplanter werden, weil es das spontane Treffen anderer Kinder im Zeitalter von Hort und Ganztagesschule nicht mehr gibt. So werden sehr viele Talente gefördert, das ist richtig, die Kinder aber auch um die Erfahrung gebracht, kreativ werden zu können und zu müssen. Aber so sind die Zeiten, in denen wir leben. Und schließlich sind wir alle Teil derselben Gesellschaft.

@Rheinkultur: Mit Interesse habe ich deinen Beitrag über das gemeinsame Musizieren gelesen, mit Interesse vor allem deshalb, weil ich diese Welt so gar nicht kenne. Du schreibst praktisch aus dem Nähkästchen eines Berufsmusikers, was am Hobbyklavierunterricht in unserer Familie natürlich vorbeigeht. Gerade Sänger braucht speziell meine Frau gar nicht, das ist dann doch nicht ganz unsere Welt (meine auch nicht), wir besuchen auch keine Chorveranstaltungen, dahin hat es uns noch nie gezogen.

Also ich habe auch als Mutter die gleiche KL wie mein Sohn und meine Tochter. Die beiden hatten zuerst Unterricht, und haben gleichzeitig angefangen. ich bin dann ein paar Monate später dazu gestoßen, allerdings als Wiedereinsteigerin (aber mit sehr, sehr geringen Vorkenntnissen von vor 15 Jahren oder so...).

Ich hatte eher Sorge, dass es zwischen den Kindern Konkurrenz gibt. Aber das hat die KL sehr schön gelöst mit verschiedenen Büchern, Stücken... der Große ist fixer im Notenlesen (und spielt eigentlich nur, weil er soll, dafür macht er es aber ganz ordentlich), die Kleine ist dafür ehrgeiziger und musikalischer und will jetzt demnächst noch Querflöte dazu lernen. Beide sind megastolz, wenn sie im Unterricht was aus meinen Noten spielen dürfen. Noch bin ich ihnen etwas voraus, aber der Vorsprung schrumpft grad sehr rasant. Und das motiviert die Kinder eher, glaube ich. Und natürlich, wenn sie jetzt im Onlineunterricht immer live sehen, wie ich meine Stücke beim Vorspielen versemmele.... :-D

Vielen Dank für deinen Beitrag, @Viva la musica, auch sehr interessant und wieder etwas beruhigend, was die gleiche Lehrerin angeht! Wenn der Familienunterricht so gut läuft, warum suchst du dann aber neue Lehrer? Und warum jetzt doch für jeden einen anderen? Und warum versemmelst du deine Stücke beim Vorspielen? Ist das aus Nervosität, weil du so viele ungebetene Zuschauer hast? ;-)

Unterm Strich tut mir jetzt @Ratsuchender ein wenig leid und ich hoffe, er nimmt sich das nicht zu sehr zu Herzen, sondern sieht's mit Humor und greift die Anregungen auf.
Den Anderen geht es nicht zwingend besser ausser @Viva la musica ;-)

Danke für diesen Kommentar, @tomtempest, das tut richtig gut zu lesen. Nein, ich nehme mir den einen und anderen Kommentar hier nicht zu Herzen, inzwischen kann ich sogar wieder darüber lachen.
 
Ausgleich ist das Entscheidende. Wer nur eine Tätigkeit verfolgt, alles nur auf eine Karte setzt, erlebt zwangsläufig Frustration, wenn es mal nicht läuft, und das Gefühl, dass der Boden unter den Füßen, wenn man aus irgendwelchen Gründen diese eine Tätigkeit aufgeben muss. Wer nur Leistungsmusik betreibt und nichts anderes macht, verpasst genauso viel im Leben wie andere, die nur Leistungssport machen. Hinzu kommen, gerade im Kindes-und Jugendalter gesundheitliche Beeinträchtigungen und Deformationen z.B. von Knochen und Gelenken, die dazu führen können, dass man seiner geliebten Tätigkeit irgendwann gar nicht mehr nachgehen kann. Es kommt also immer auf ein gesundes Maß und Ausgleich an. Chorsingen betrachte ich als Ausgleich und Ergänzung zum Klavierspielen - sowohl in musikalischer Hinsicht als auch als soziale Komponente.
 
An einer Stelle wurde bezüglich der Freizeitgestaltung meines Sohnes geschrieben, das wäre doch viel zu viel Programm und man müsse "doch auch mal Kind sein". Und dazu der oben zitierte Satz mit dem "Input". Ich wüsste gerne, wie alt die Schreiberin (Stilblüte) ist, aber ich würde auf eher jung tippen, eine junge Erwachsene, vielleicht Anfang/Mitte zwanzig.
Bei mir steht schon eine 3 vorne. Die Zahl hinten ist dafür ganz klein :005: Den Satz mit dem "mal Kind sein" kenne ich aber auch von früher, wenngleich ich auch nie mitbekommen habe, dass über mich so gesprochen wurde. Als ich ein "junges" Kind war (unter 11), ist meine gefühlte Erinnerung, dass ich wenig Termine hatte. Dauerhaft und regelmäßig gab es zwei bis drei pro Woche: Kinderchor (immer), Klavierunterricht (immer), einige Jahre war ich in einer Jungschar, als sehr junges Kind glaub ich mal beim Kinderturnen (daran hab ich kaum Erinnerung). Schule immer nur vormittags. Am Nachmittag hab ich mit meinem Bruder gespielt, Treffen mit Freundinnen ausgemacht, meine Oma besucht, im Garten gespielt, irgendetwas gebastelt (Spielzeug war eher uninteressant). Natürlich auch ein bisschen Klavier geübt, aber bis ich ca. 12 war, hat das eine untergeordnete Rolle gespielt, Dass ich begabt war, war mir völlig unklar, und die Begabung zeigte sich wohl auch nicht in besonders schwierigen Stücken oder viel Üben, sondern (vermutlich...?!) in meiner musikalischen Auffassungsgabe.

Das mit den drei bis vier Chören + Klavier kam im Teenager-Alter, so ab 13, 14 Jahren. Mehr war es dann aber auch nicht. Ich wollte immer gerne in die Schauspielgruppe der Schule und hab das auch ein paar Mal "versucht", aber immer stellte sich heraus, dass das zu viel wird, und ich bin wieder ausgetreten. An echten Stress, im Sinne von dauerhaftem, starkem Leistungsdruck, Verzweiflung über das Pensum, Überfordertsein etc. kann ich mich nicht erinnern. Nur an die ganz normalen Fragen, Probleme und Gefühlswallungen des Erwachsenwerdens. Zu denen gehörte irgendwann auch die Frage - "Freunde Treffen" oder "Klavier üben", aber da war ich schon alt genug, das selbst zu verstehen und zu entscheiden. Das einzig schwierige war eigentlich, dass es kaum Gleichgesinnte gab, die mich wirklich verstehen konnten, obwohl fast alle meine Freunde auch irgendwie musikalisch unterwegs waren.

gerade zu Beginn der Corona-Krise hat sich herausgestellt, dass solche Kinder völlig in sich zusammenbrechen, wenn ihnen dieser "Input" wegbricht, weil sie nämlich gar nicht wissen, wie sie sich mit sich selbst beschäftigen können, wie sie sich selbst Input geben können, wenn keiner von außen kommt.
Ja, das kann sein. Geht es uns Erwachsenen anders? Ich fürchte, das hängt nicht mit ein paar wöchentlichen Terminen zusammen, sondern mit Laptop und Handy. Ich bin so heilfroh, dass es Smartphones erst gab, als ich im Studium war. Kein Online-Mobbing, keine Whatsapp-Gruppen, aus denen man ausgeschlossen ist oder in denen man ständig lesen muss. Irgendwann gab's icq, wo man "ich geh jetzt off, bis morgen" schrieb, das war lustig.
Wer sagt, dass Kinder nicht auch noch mit 12 lernen können, sich selbst zu beschäftigen? Wenn die sich lange genug langweilen, fällt ihnen schon was ein! Man kann so viel Spannendes mit einem großen Pappkarton anstellen (ich spreche aus Erfahrung). Außerdem muss ein Kind unbedingt lernen, was Langeweile ist. Langeweile ist der produktivste Kreativitätsförderer überhaupt! Bloß nicht ständig was anbieten, wenn sie motzend um die Ecke kommen.

Aber so sind die Zeiten, in denen wir leben. Und schließlich sind wir alle Teil derselben Gesellschaft.
Nun weiß ich nicht wie alt du bist :002: Aber ich merke mit dem Älterwerden, dass ich mich von "dem, was andere machen und denken" immer mehr frei mache und machen will. Natürlich füge ich mich in die Gesellschaft ein, auch sehr gerne. Aber durch meinen Beruf als Pianistin erfahre ich ununterbrochen, dass immer jemand besser, erfolgreicher und früher dran ist als ich. Ich bin sehr ehrgeizig und habe viel erreicht, und der Weg ist noch lange nicht zu Ende. Aber ich weiß inzwischen glaube ich ganz gut, wie ich mich einordnen kann in diese komische Musikergesellschaft, und damit kann ich gut leben.
Wie ich mein Leben leben will, ist meine Sache ganz allein. Beziehungsratgeber predigen es zum Glück schon länger - jeder soll lieben, wie und wen er will. Jeder Partner in seiner eigenen Wohnung? Fernbeziehung? Zwei Partner gleichzeitig? Keine Kinder? Alleinerziehend freiwillig? Macht doch, was ihr wollt, ich muss es ja nicht nachmachen! Das gleiche Selbstbewusstsein sollte man für seinen Lebensentwurf entwickeln. Es gibt immer Leute, denen das nicht passt. So ein Selbstbewusstsein zu haben, ist gar nicht so einfach, ich weiß. Aber ich merke, dass es stetig in mir wächst.
 
Nein, ich nehme mir den einen und anderen Kommentar hier nicht zu Herzen, inzwischen kann ich sogar wieder darüber lachen.
und das ist gut so @Ratsuchender (was du hier über Alpha-Menschen und wer-hat-die-Hosen-an lesen durftest, war zwar von den jeweiligen Verfassern dieser Weisheiten nicht spaßig gemeint, aber es enthält ein staunenswertes Maximum an unfreiwilliger Komik - und darüber kann und soll man lachen)
 

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