In welcher Stimmung Spinett stimmen?

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Musicanne

Musicanne

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Hallo zusammen,

In welcher Stimmung stimmt ihr eure Cembali? Wann nimmt man welche Stimmung?

Meine iPhone-App Cleartune hat folgende wohltemperierte Stimmungen zur Auswahl:
Aron-Neidhardt
Barnes' Bach
Fast Gleichschwebend
Kellners Bach
Kirnberger III
Transp. Vallotti/Young
Vallotti
Werckmeister I/III

Zusätzlich noch einige französische:
Frühe franz. Stimmung
Homogene franz.- 1/5-Komma
Rameau
Rousseau II
Rousseau III
Rousseau IV

Letzte Tage hat es mir der Klavier- und Cembalobauer gleichschwebend gestimmt. Es war die erste Stimmung seit ich es habe, es war nur wenig verstimmt. Er hat mir auch gezeigt wie ich es selber machen kann.

Viele Grüße
Musicanne
 
agraffentoni

agraffentoni

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Es kommt darauf an, was Du spielen möchtest.
Kirnberger III ist meines Wissens eine bei Cembali gerne verwendete Stimmung.
Toni
 
Musicanne

Musicanne

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Zur Zeit erarbeite ich mir zwei Stücke von Bach: Menuet in G (BWV Anh. 114) und die Musette in D (BWV Anh. 126). Bis zum nächsten Cembalounterricht dauert es noch. Mal schauen, ob ich beide bis dahin schaffe.
 
Zweitfluegel

Zweitfluegel

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Ich stimme mein Cembalo mit Valotti, weil das ein ganz guter Kompromiss ist und für unsere heutigen Ohren, die eigentlich eine gleichschwebende Stimmung gewohnt sind weniger extrem anders klingt.
Kirnberger III hat eigentlich nur einend Vorteil, dass sich diese Temperatur auch sehr leicht ohne Stimmgeät legen läßt. Werckmeister III entspricht auch der Zeit Bachs und ist die wesentlich aufgereiftere Variante. Ein großes Problem bei Kirnberger IIImist auch, dass ein zusammenspielen mit Geigen schwierig wird. Die leere E Saite der Geige liegt dann ganz woanders, als auf dem Cembalo.
Für Bach wär also mein Favorit Werckmeister III oder Valotti.
Der Vorteil von Cleartune ist ja, dass man sehr schnell verschiedene Temperaturen ausprobieren kann. Also einfach probieren. Erlaubt ist, was gefällt.
Ansonsten weiß der Cembalolehrer sicher auch, welche Stimmung am besten in welche Epoche oder Region passt. es Pässen auch nicht alle Stimmungen zu allen Instrumenten.
Auf jeden Fall viel Spaß - nicht nur beim Stimmen , auch beim Spielen.

Grüße

Zweitflügel
 
S

Styx

Guest
Nun ja, hin und wieder stimm ich ja auch mal Spinette oder Cembalis - da wurde bisher allerdings immer nur gleichschwebende Temperatur erwartet. Allerdings spreize ich Spinette nicht, da die ohnehin meist "nach oben abhauen". Ich denke hier ist bei der Stimmung auch zu berücksichtigen, welche Literatur gespielt wird - für Bach ist die gleichschwebende Stimmung sicher nicht die verkehrteste.

Viele Grüße

Styx
 
Musicanne

Musicanne

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Heute habe ich zum erstenmal mein Spinett gestimmt - in Werckmeister I/III. Hoffentlich dauert es beim nächsten mal nicht so lange. Es hört sich wieder schön an, so macht das Spielen wieder mehr Spaß. Letzte Zeit hatte das Üben nachgelassen und als ich die Stimmung überprüft habe, war es klar warum. Es war nicht sehr verstimmt, aber anscheinend genug um mir die Lust zu nehmen.

Gestern habe ich erstmal versch. Stimmungen auf mein Digitalpiano ausprobiert. Da hat mir die Werckmeisterstimmung am besten gefallen. Und nu auf mein Spinett auch. Jetzt weiß ich auch warum es nach der Stimmung durch den Klavier-und Cembalobauer anders anhörte als vorher. Hätte nicht gedacht, dass es soviel ausmacht.

Viele Grüße
Musicanne
 
K

Klavierladen

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Ja freilich, nach unten hin , also im Baß, sollte immer gut der Teilton zu hören sein.

Welchen Teilton meinst Du?
Dern ersten Teilton (= Grundton) oder den 2. Teilton (=1. Oberton = minimal mehr als die Oktave auf den Grundton)?

Und warum sollte der Teilton (welcher auch immer) besser zu hören sein, wenn Du im Bass weniger als rein, also die Oktaven enger sprich den unteren Ton zu hoch stimmst?


Ich dachte ja immer, mich in der Materie sehr gut auszukennen, aber anscheinend tun sich da ungeahnte Lücken (bei mir?) auf.
:konfus:

Verwirrte Grüße aus dem Odenwald,

Thilo

Der Klavierladen
 

S

Styx

Guest
Welchen Teilton meinst Du?
Dern ersten Teilton (= Grundton) oder den 2. Teilton (=1. Oberton = minimal mehr als die Oktave auf den Grundton)?

Und warum sollte der Teilton (welcher auch immer) besser zu hören sein, wenn Du im Bass weniger als rein, also die Oktaven enger sprich den unteren Ton zu hoch stimmst?


Ich dachte ja immer, mich in der Materie sehr gut auszukennen, aber anscheinend tun sich da ungeahnte Lücken (bei mir?) auf.
:konfus:

Des braucht garned so kompliziert zu sein.....Du stimmst den Baß, und hörst plötzlich eine Quinte - dann ist es gut.

Viele Grüße


Styx
 
K

Klavierladen

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Des braucht garned so kompliziert zu sein.....Du stimmst den Baß, und hörst plötzlich eine Quinte - dann ist es gut.

Die Quinte die Du hörst ist der 3. Teilton des unteren Tones der Oktave (=der zweite Oberton = die Quinte auf die Oktave des Grundtons), und damit die Quinte auf den oberen Ton der zu stimmenden Oktave.
Aber wenn Du diese annähernd als Quinte hörst, hast Du den unteren Ton der Oktave aufgrund der Inharmonizität automatisch etwas zu tief gestimmt, also etwas mehr gespreizt und nicht die Oktave zu eng gestimmt, wie Du schreibst.

Oder erklärst mir bitte nochmals.


lg

Thilo

Der Klavierladen
 
hasenbein

hasenbein

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Also, ich stimme mein Spinett immer in guter Stimmung.

Denn wenn schlechte Stimmung herrscht, dann kann ich mich nicht so richtig konzentrieren.
Deshalb lege ich vorher immer diese Platte auf:
 
Q

Quinte 5 1/3'

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Der Thread ist zwar alt, aber ich ergänze noch einmal um zwei recht interessante moderat wohltemperierte Stimmungen:

-Frischknecht II

-Grenacher

Diese Stimmungen sind für "moderne" Hörgewohnheiten sehr angenehm und die Übergänge zwischen den einzelnen Tonarten sind nicht so hart wie etwa bei Kirnberger III. Es handelt sich in beiden Fällen nicht um historische Stimmungen, sondern im 20.Jhdt. entwickelte Stimmungssysteme.

Wer sich also der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat wird damit nicht glücklich. Ansonsten sind es sehr reizvolle Stimmungssysteme, die gerade an kleineren (eher barock disponierten) Orgeln gerne verwendet werden. Während Frischknecht II noch eine gewisse Bekanntheit hat, ist Grenacher ziemlich unbekannt. Bei Bedarf kann ich gerne die Centabweichungen für die Stimmung posten.

Für historische Tasteninstrumente (und deren moderne Nachbauten) empfinde ich die gleichstufige Stimmung als ungeeignet. Die Stimmung hat an romantischen Orgeln (wo aber auch eine leicht ungleichstufige Temperierung gelegt werden kann) wie auch beim Klavier/Flügel ihre Berechtigung, aber am Spinett/Cembalo, wo man sehr einfach die Möglichkeit hat eine andere Temperierung zu legen, sollte man die Möglichkeit auch nutzen. Dass Klavierstimmer von sich aus immer die gleichstufige Stimmung anbieten ist klar - das ist ihr tägliches Geschäft. Spreizstimmungen sind am Spinett/Cembalo völliger Blödsinn.
 
Q

Quinte 5 1/3'

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Kein Problem: Hier die Centabweichung für die Grenacher-Termperierung für a=0

C +2,9
Cis -1,0
D +1,0
Es +2,9
E -1,0
F +3,9
Fis -2,9
G +2,0
As +1,0
(A = 0)
B +4,9
H -2,0

Benannt ist die Stimmung nach dem ehemaligen Leiter der renomierten Orgelbaufirma Goll aus Luzern, Beat Grenacher, der diese Stimmung entworfen hat.

Im Cembalobereich wird gerne auch die von Ketil Haugsand entworfene "Haugsand 3,5"-Temperierung gelegt (die oft als "Jägermeister 3,5" bezeichnet wird - keine Ahnung woher sich dieser Name ableitet; vllt. kann hier jemand Licht ins Dunkel bringen).
 
 

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