I - V (Quintschritt) Verbindungen

Dieses Thema im Forum "Klavier und Jazz" wurde erstellt von Heglandio, 21. Feb. 2007.

  1. Heglandio
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    Heglandio

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    I - V oder V - I (Quintschritte) Verbindungen

    Hallo zusammen

    Da Fred ja einen super Post mit seiner Pentatonik geliefert hat, will ich mal anschließend auch eine einfache Übung präsentieren. Hierbei geht es um einfache Quintschritte (Quartschritte), welche man in zwei Tonarten macht:

    Wir gehen von einer einfachen klassischen Kadenz aus:

    I (Tonika) – V (Dominante)

    Cmaj7 G7 = Quintschritt (in C-Dur)

    …Von C nach G aufwärts ist es genau eine reine Quinte und von C abwärts bestaunen wir die rein Quarte (das Umkehrintervall). Daher die Bezeichnung Quint/Quartschritt. Es sind beides konsonante Intervalle, welche die keine Spannung besitzen und sehr rein klingen.

    Jetzt dürfen Musiker kreativ sein und kehren das Ganze um:

    C7 nach Gmaj7 = wieder ein Quintschritt

    Daraus kann man schon eine Menge Variationen erschaffen:

    Bsp.:

    Cmaj7 – G7 - C7 - Gmaj7 (danach könnte man zu G7 modulieren, ist ja nur ein Ton der verschoben wird und wieder die Schleife: G7 - C7 - Gmaj7 spielen)

    Voicings (in enger Lage):

    Cmaj7 – G7(9, ohne Grundton) – C7(9, ohne Grundton) – Gmaj7

    http://j.domaindlx.com/directly/Imaj7 - V7 - I7 - Vmaj7.mid


    Voicings mit nur den Funktionstönen (Shell-Voicings genannt):

    1 – 7 (Cmaj7), 3 – 7 (G7), 3 – 7 (C7) – 1 – 7 (Gmaj7)

    http://j.domaindlx.com/directly/Shell-Voicings.mid

    Shell-Voicings mit Melodielinie (wie im Bebop):

    Die Melodielinie kann nach belieben mit mehr Chromatik, Umspielungen etc. verziert werden. Ich habe die Linie nach meinem Gehör gesetzt und werde die harmonisch nicht erläutern. Ist irgendein Gemisch aus diatonischen Quintschritten und Alterationen.

    http://j.domaindlx.com/directly/Mit Melodielinie.mid

    Vielleicht hat Fred oder Pianomobile noch einige Dinge zum verbessern?

    Bis dahin viele Grüsse: Heglandio
     
  2. Heglandio
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    Heglandio

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    wird überarbeitet...
     
  3. thomasz
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    thomasz

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    Hallo Heglandio,
    ich bin zwar nicht Fred oder pianomobile, möchte aber trotzdem was zu deinem Posting anmerken.
    V-I-Verbindungen gibt's zwar massenhaft (das beliebte "Quintenkarrussell" in vielen Standards).
    Aber das Gegenstück dazu, also direkte I-V-Verbindungen kommen zumindest im modernen Jazz eigentlich eher selten vor (wenn man mal vom Rock-Jazz absieht), man schiebt gern eine II dazwischen. Typisches Beispiel dafür sind die Takte 8 bis 10 im Blues: Während man hier im traditionellen Blues (mal angenommen: in C) einen Wechsel von C(7) (Takt acht) auf G7 (Takt 9 und 10) hat, vermeidet man das im modernen Blues und schiebt in Takt 9 einen dm7 dazwischen. (Oder sehen die Experten das anders?)
    Zitat von dir: "Jetzt sind Jazz-Musiker kreativ und kehren das Ganze um:
    C7 nach Gmaj7 = wieder ein Quintschritt
    Jetzt landen wir streng genommen in der Tonart G-Dur, da C7 die V von I in G-Dur ist."
    Das verstehe ich nicht. C7 ist doch nicht die V von G-Dur. Das wäre vielmehr D7. Dagegen passt C7 nicht in G-Dur rein; das bb in C7 kollidiert mit G.
    Leider kann ich mir deine midis nicht anhören, meine momentane Internet-verbindung lässt das nicht zu.
    Gruß, Thomas
     
  4. Heglandio
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    Heglandio

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    Ja, sorry gemeint ist eigentlich F-Dur, wie dumm, kleiner Denkfehler. Wobei man dann einen IIm7 in F-Dur machen müsst und das wollte ich nicht, da ich nur maj7 und Dominant benutze. Es geht ja darum, aus: Cmaj7, C7, G7 und Gmaj7 einigermaßen brauchbares Improvisationsmaterial zu zaubern. Das war mein Ursprungsgedanke. :-) gut, vielleicht ein wenig eingeschränkt, aber es war ein Gedanke.

    Also:

    Was Gmaj7 nach C7 genau sein soll (Skala?)... ehrlich gesagt keinen Plan, aber es hört sich ganz anständig an:

    http://j.domaindlx.com/directly/Gmaj7 - C7(9).mid

    :-)
     
  5. Fred
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    Fred Guest

    Hi Heglandio,

    zunächst mal, großes Lob dass Du Dir solche Mühe machst. Wirklich klasse!
    Allerdings können hier Verbesserungsvorschläge meinerseits nicht ausbleiben.


    Zunächst muss ich thomasz Recht geben. I V Verbindungen sind eher selten im Jazz. Außerdem passt das Wort Kadenz nicht dazu. Kadenz kommt vom lateinischen cadere und heißt soviel wie fallen. Die Dominante „fällt“ sozusagen in die Tonika, also wäre V I eine Kadenz.

    Weiterhin hat thomasz Recht wenn er die Dominante von G Dur klarstellt. Allerdings ist die Verbindung C7 Gma7 schon möglich. Es ist zwar keine V I Kadenz, dafür aber eine Art Subdominantkadenz mit dem modalen Austauschakkord C7 aus dem gleichnamigen G Dorischen. Das hattest Du aber wahrscheinlich nicht gemeint.

    Zu Deinen Voicings im 2. Midi-Beispiel ist Folgendes zu sagen:

    1.) Zunächst gilt prinzipiell L.I.L. zu beachten! (• Low Interval Limit - The lowest point of an interval (from minor second to major 10th) below which the interval begins to sound muddy or indistinct. The limits are not absolutes, but represent areas below which there is a real risk that the resultant sound will not work well within a normal harmonic context.)
    Also, Deine Voicings sind definitive zu tief. Wie tief ein Intervall erklingen darf, kann man diversen Lehrbüchern entnehmen.


    2.) Bei Quint- und Quartfortschreitung gelten folgende Stimmführungsregeln zu beachten:

    1 <--> 5
    3 <--> 7

    will heißen:
    Grundton geht zur Quinte, Quinte geht zum Grundton
    Terz geht zur Septime, Septime geht zur Terz.

    3.) Welche Art von 2-stimmigen Voicings nimmst Du nun? Grundton und Guidetone oder 2 Guidetones? Es wäre ratsam sich zunächst für eine Variante zu entscheiden.

    Also, ich würde das Ganze noch mal ein bisschen überarbeiten.


    P.S.: uups. Habe Dienen letzten Beitrag gar nicht realisiert. Sorry!
     
  6. Heglandio
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    Heglandio

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    Ich denk mir halt, wenn ich schon Ideen habe, wieso nichts posten. Man kann ja nur dazu lernen...

    Bis zum Punkt 2.) habe ich alles kapiert.

    Die Stimmführungsregeln, auf die Shell-Voicings angewandt, sind mir nicht ganz klar. Wäre das so o.k.: (?)

    1 - 7 beim Cmaj7
    5 - 3 beim G7
    1 - 7 beim C7
    5 - 3 beim Gmaj7

    Der Grundton von Cmaj7 würde zur Quinte des G7 gehen / Septime würde stehen bleiben, da die Septime von Cmaj7 bereits die Terz von G7 ist?

    Das könnte man ja auch so spielen:

    Cmaj7 - C7 - Gmaj7 - G7 - Cmaj7 etc.:

    http://j.domaindlx.com/directly/akkorde.mid

    Mit mehr Chromatik? Ist das erlaubt?
     
  7. Fred
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    Fred Guest

    Jain. Wie ich oben schon erwähnte, gebräuchliche 2-stimmige LH Voicings bestehen entweder aus Grundton und Guidetone - in diesem Falle wandert der Grundton immer zum Grundton, egal was passiert, 1<-->5 wird nicht angewendet sondern nur 3<-->7, oder das LH Voicing besteht aus 2 Guidetones. Dann heißt es: 3<-->7.

    1<-->5 wird bei 3- oder 4-stimmigen Voicings angewendet.

    Diese Akkordfortschreitung funktioniert nicht. Bei der Folge Cma7 C7 erwartet das Ohr einen Fma7. Warum? Weil C7 in diesem Zusammenhang als V7/IV gehört wird.