Hilft Wissen beim Klavierüben, wie ist das Verhältnis von Wissen und Empfindung?

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Ich habe ein Deja-vu und das betrifft die Beiträge von dir, lieber @Dreiklang.
Das geht mir kaum anders (und ärgert mich auch. Meine Meinung ist eigentlich: man sollte irgendetwas nur einmal öffentlich irgendwo schreiben, und sich nicht wiederholen. Im Prinzip ist es damit ja schon irgendwo festgehalten. Und wenn man sich wiederholt, dann a) verliert man Zeit (habe z.B. noch einen Pack zu arbeiten jetzt am Wochenende - wünscht mir gutes Gelingen) und b) die Leute langweilen sich, weil sie verständlicherweise auch etwas Neues von einem lesen möchten)

Sogar der extravagante Pogorelich bezeichnete sich als "Diener des Komponisten" und setzte sich sehr mit dem Notentext auseinander.

Ich behaupte, kein Weltklassepianist tat letzteres nicht. Allerdings blende ich das weitestgehend aus, was Pianisten oder Musiker oder Komponisten oder Künstler so über sich sagen. Sie sprechen durch ihre Musik bzw. ihre Arbeiten, finde ich.

(Zu den anderen Dingen vlt. später mehr, bis dann)
 
Mich stört dabei nicht deine Herangehensweise an Musik. Du kannst gern so viel mit Metronom üben, wie du willst. Du kannst Stücke nur zur Hälfte spielen und sie Spezialversion nennen, du kannst Werktreue ablehnen - das alles stört mich nicht
Ehrlich, mir gefällt diese Denkweise! Im Moment frage ich mich, wieso eigentlich jemals über viele dieser angesprochenen Dinge gestritten worden ist. Die Welt ist doch wahrlich groß genug für jede Art von Beschäftigung mit Musik, für jede Art des Übens, für jede Sichtweise überhaupt. Und das Forum hier doch eigentlich auch.
 
Im Moment frage ich mich, wieso eigentlich jemals über viele dieser angesprochenen Dinge gestritten worden ist.
Mit selektivem Zitieren kann man es sich ja auch hindrehen, wie man es braucht.
Mich stört aber, wenn du Behauptungen aufstellst, die falsch sind.

Bleib also ruhig bei deiner Herangehensweise, von der du ja überzeugt bist, benutze aber nicht solche Falschaussagen über Profis, Musikhochschulen und Klavierpädagogik, um deine Herangehensweise zu rechtfertigen!
 
Entschuldige, aber zum Streiten gehören immer zwei... und ich habe da keine Lust dazu...
 
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Tja. Habe immer noch keine Lust bekommen (zum sinnfreien Herumstreiten). Vielleicht findest Du ja jemand anderen.

Sagt der relaxte
Dreiklang
 
Um auf das Thema zurückzukommen, stelle ich mir einen sehr empfindsamen Menschen vor, der aber leider noch nicht Klavierspielen gelernt hat. Er wird seine Empfindung am Klavier nicht ausdrücken können. Er braucht das Wissen, wie man das Klavier benutzt. Und auf jedem Level ist es dasselbe, wenn man eine bestimmte Technik noch nicht gelernt hat, kann man sie nicht anwenden, um seine Empfindung auszudrücken. Daher ist das Wissen aus meiner Sicht unverzichtbar.

Daß das Spielen ohne Empfindung vielleicht auch etwas technisch herüberkommt, will ich damit aber gar nicht abstreiten.
 
Ein gewisses Maß an historischem Wissen ist sicherlich notwendig um in die Gefühlswelt historischer Komponisten beim Spielen am Klavier eintauchen zu können. Das Wissen um Spieltechniken ist glaube ich so oder so obligatorisch.
 
Als Lehrer brauchst Du unbedingt Wissen, als Schüler nicht unbedingt.
Wenn z.B. ein Schüler mit einer gruseligen Interpretation daherkommt, dann ist es immer hilfreich, wenn man als Lehrer begründen kann, warum diese Art zu spielen an der Stelle vielleicht unzweckmässig ist.
Manche haben eine gute Intuition, andere nicht, und denen muss man manchmal mit Fakten klarmachen, wo der Hase läuft.
 

Als Lehrer brauchst Du unbedingt Wissen, als Schüler nicht unbedingt.
Diesem Satz stimme ich nur bedingt zu. Denn er suggeriert, dass sich Schüler zurücklehnen können, weil die Klavierlehrer ja schon den nötigen Wissens-Input geben werden. Als Schüler fängt man, was die Hörerfahrung betrifft, nicht bei Null an. Klavierspielen losgelöst von jeglichem Wissen gibt es nicht und Wissen braucht man als Schüler unbedingt (und sei es z.B. nur das Wissen darüber, dass die Melodie von Schumann ein innig verträumtes, romantisches Stück ist und deshalb mehr Agogik braucht als ein Präludium von Bach). Wissen baut sich nach und nach mit zunehmender Spielerfahrung auch bei Klavierschülern zwangsläufig auf.
 
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Um auf das Thema zurückzukommen, stelle ich mir einen sehr empfindsamen Menschen vor, der aber leider noch nicht Klavierspielen gelernt hat. Er wird seine Empfindung am Klavier nicht ausdrücken können. Er braucht das Wissen, wie man das Klavier benutzt. Und auf jedem Level ist es dasselbe, wenn man eine bestimmte Technik noch nicht gelernt hat, kann man sie nicht anwenden, um seine Empfindung auszudrücken. Daher ist das Wissen aus meiner Sicht unverzichtbar.

Daß das Spielen ohne Empfindung vielleicht auch etwas technisch herüberkommt, will ich damit aber gar nicht abstreiten.
Ich kann dir da nur zustimmen. Auch ist es meiner Meinung nach vom Lerntyp abhängig. Ich bin z.B. ein Kopfmensch. Daher helfen mir theoretische Erklärungen sehr und sie interessieren mich. Erst durch das Wissen "Warum möchte ich das auf diese Weise spielen (Ausdruck)" und "Wie setze ich das Gewollte technisch um". wird für mich das Klavierspiel interessant. Das Theoriegebäude hilft mir Dinge nicht zu vergessen. Es bildet die Ankerpunkte in meinem Gedächtnis. Für mich gehört zum "Warum" auch meine Empfindungen und nicht ausschließlich z.B. die Zeitepoche des Musikstücks. Wissen und Fühlen ist für mich kein Gegensatz sondern eine Ergänzung.
 
@Demian , natürlich soll der Schüler aktiv lernen und Lust gewinnen, sich mit der Materie zu beschäftigen. Aber wenn man nicht autodidaktisch unterwegs ist, ist es vorrangig der Lehrer, der mit seinem Wissen - weshalb er ja auch engagiert ist, zu unterrichten - voraus ist. Im Idealfall wird der Schüler angesteckt und will selber buddeln. ;-)
 
Schon vor längerer Zeit entstand bei mir der Eindruck: Bach hat für Gott komponiert (und um Orgel- und Klavierbauer zu quälen), Mozart für die absolutistischen Fürsten, Beethoven für das aufkommende halbrevolutionäre Bürgertum und Chopin & Co für die bürgerlichen Salons und um deren Töchtern schöne Augen zu machen.

Vor den Ferien überkamen mich dann 2 Erkenntnisse. Ich bin ein RocknRoller der Jazzpianist werden möchte, in seinem Innersten aber Romantiker ist. Ach drei Herzen schlagen doch in meiner Brust. Wer bin ich und wenn ja, wieviele? Und mein Lehrer hat mit dem, was er mir seit Monaten durch die Blume zu vermitteln und mit stoischer Geduld auszutreiben versucht, recht: i bin am Klavier a Holzhackerbuah.

Ok, das wird noch eine lange Reise. Um die 3 Wochen klavierlose Zeit nutzen zu können, habe ich mir, als auch geschichtsaffiner Mensch, eine Urlaubslektüre gekauft: der Mensch im 19. Jahrhundert. Uargh! Knochentrocken. Bin nicht weit gekommen. Obwohl mich solche Themen faszinieren. Man muss ja auch betrachten, womit die Komponisten der jeweiligen Zeit ihr Geld verdienten.

Aber den Spannungsbogen finde ich interessant. Einerseits Werk und Komponist im Zusammenhang ihrer Zeit zu verstehen und gleichzeitig einen Übertrag in unsere aktuelle Epoche zu finden. Werkstreue ist einerseits hochspannend. Wenn aber alle das Zeug auf dieselbe Weise spielen, ist das grotten langweilig. Ok, Rondo Venezianio hatten! ihre Zeit. Aber in 100 Jahren wird die Lutherbibel vielleicht nur noch von Wissenschaftlern gelesen.

Ich freu mich auf mein Klavier.
Gruß
Manfred
 
Als „Urlaubslektüre“ für Klavier-Enthusiasten kann ich empfehlen:
• Dieter Hildebrand: Pianoforte. Der Roman des Klaviers.
• Und die Fortsetzung: ders. Piano! Piano!
Beide Bücher handeln über das Klavier in Geschichte und Gegenwart. Sehr informativ und doch unterhaltsam.
Wo das Musikleben und die Atmosphäre des 19. Jh. Sehr anschaulich beschrieben wird:
• Dieter Kühn: Clara Schumann, Klavier.
 
Der hat aber nix mit dem Kabarettisten zu tun?
 
Er war wohl so ne Mischung aus TÜV und Fahrschulprüfer im Orgelbau und das wohlthemperierte Klavier war wohl auch noch nicht so alt. Hierfür gibt's hier aber bessere Experten wie mich.
 

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