Harmonisieren einer Melodie für vierstimmigen Satz

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Jazzzzer

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Hallo zusammen,

ich habe mich im Februar zur Aufnahmeprüfung an der Hochschule angemeldet und dort ist in der Harmonielehreklausur unter anderem gefordert, dass man eine gegebene Melodie vierstimmig (homophon) aussetzen soll.

Um das sinnvoll tun zu können muss ich diese natürlich zuerst passend harmonisieren. Da liegt allerdings auch schon mein Problem. Wie kommt man auf passende Harmonien, so dass das Ergebnis auch anhörbar wird?

Viele Grüße
Lukas
 
S

Styx

Guest
Kannst ja erst mal den Generalbaß verwenden, je nachdem in welcher Tonart Du Dich gerade mit der Melodie befindest nimmst halt die passende Oktave erst einmal der linken Hand. Beispiel: befindest Du Dich in der Melodie bei den Tönen CEG greifst die C Oktave, hast die Töne DGH greifst die G Oktave, hast die Töne CFA greifst die F Oktave...und so weiter :D

Viele Grüße

Styx
 
ahc

ahc

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Vielleicht hilft Dir ja diese Seite hier weiter (ganz unten, Harmonizing a Melody): Melody
 
Lisztomanie

Lisztomanie

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Wie viel Ahnung von Harmonielehre hast Du denn schon? Und von Musik allgemein?

Aber unabhängig davon würde ich immer so vorgehen:

1. Zeilenenden abhören (im Kopf).
2. Kadenzen ergänzen (Klauseln etc.)
3.Basslinie ergänzen.
4. Mittelstimmensatz ergänzen.
5. Harmoniefremde Töne ergänzen.
6. Kontrolle des Ergebnisses auf tonsatzmäßige Richtigkeit und Klangschönheit.

Wichtig ist für diese Schritte aber zu aller erst, dass Du ein grundlegendes Verständnis für Harmonielehre, allgemeine Musiklehre etc. hast bzw. entwickelst.

Herzliche Grüße

Dein Lisztomanie

P.S.: Eigentlich ist Tonsatz ganz einfach, er wirkt nur auf den ersten Blick verwirrend. Genau genommen musst Du nur drei Akkorde kennen: Tonika, Subdominante und Dominante - der Rest ergibt sich Stück für Stück "von selbst"...:D
 
Axel

Axel

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Au weia, im Februar? Und Du hast noch keinen blassen Dunst? Dann hast Du echt Nerven. Wenn das etwas werden soll, musst Du das die nächsten 2 Wochen hauptberuflich machen, unter Anleitung eines soliden Tonsatzlehrers. Da hilft auch kein Forum mehr.

Grüße
Axel
 
J

Jazzzzer

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Ich studiere ja seit Oktober Schulmusik.
Allerdings möchte ich gerne wechseln. Bisher haben wir in Harmonielehre aber immer nur vorgegeben Kadenzen ausgesetzt. Stimmführungsregeln etc. gehen also in Ordnung. Allerdings haben wir nur noch die Harmonisierung einer vorgegebenen Melodie gemacht.

Ich werde das heute im Unterricht mal ansprechen.

Hier habe ich mal eine Beispielhafte Ausführung, damit ihr versteht was ich meine. Die Melodie war vorgegeben, der Rest kommt von mir:


Viele Grüße
Lukas
 
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hasenbein

hasenbein

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Mal ganz ehrlich: Du bist schon an einer Hochschule?

Und dann hältst Du es für nötig, in einem Forum so was zu fragen???

Häääää?????

Übrigens sind in Deiner Tonsatzaufgabe 2 Fehler: 1) Oktavparallele von Takt 1, ZZ4 zu Takt 2, ZZ 1; 2) Tenor in Takt 3, ZZ 1 muss G sein, da Abstand zwischen Tenor und Alt zu groß.
 
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rappy

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Die Oktavparallele sehe ich nicht, aber eine Quintparallele gibt's noch in T. 2 von 3 auf 4.

An welcher Hochschule studierst du denn? Und was möchtest du wechseln? Die Hochschule? Bist du etwa in Trossingen? :D
 
Axel

Axel

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Da ist noch etwas Arbeit. Eine offene Frage ist, wie Dissonanzen vorbereitet sind. Die Septimen lösen sich zwar korrekt auf, treten aber frei ein. Der etwas platte D7 am Schluss ist eine Stilfrage. Tp3 halte ich auch nicht unbedingt für eine glückliche Wahl. Und natürlich die Lage. Muss es weite Lage sein? Wie gestalte ich Übergänge von eng zu weit? Der Tenor ist teilweise einfach zu tief um gut zu klingen.

Wenn Du schon an einer Hochschule bist (welches Fach?), frag mal in der Kirchenmusikabteilung, die können so etwas.

Schöne Grüße
Axel
 
hasenbein

hasenbein

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Na, jetzt wird's ja lustig hier!
Wo treten denn in obiger Satzaufgabe Septimen "frei ein"? In der Hinsicht hat er alles tacko gelöst...

Und außerdem - sonst würde er ja auch nicht so fragen hier - waren die Funktionssymbole plus die Melodie natürlich vorgegeben, und er hat es nur ausgesetzt...

Was an dem D7 "platt sein" soll, wüßte ich auch gerne... eine ganz normale, "regelkonforme" Auflösung... klar, normalerweise würde man als drittletzten Akkord z.B. S6 spielen, aber das konnte er sich ja wie gesagt nicht aussuchen.
 
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rappy

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Dass die Septime beim tonarteigenen Dominantseptakkord (T. 1) nicht vorbereitet wird, ist sicherlich in Ordnung (es handelt sich ja nicht um Frühbarock), aber die Zwischendominante in T. 3 erscheint tatsächlich sehr unvermittelt (was auch mit dem schon erwähnt unglücklichen Akkord davor zusammenhängt). Von der Möglichkeit, den gleichen Akkord durch Lagenwechsel zwei Mal hintereinander zu bringen, würde ich übrigens auch nicht zu oft Gebrauch machen. Und am Schluss erwartet man bei einer klassischen "cadenza composta" dann doch wenigstens ein 4-3.
Ich glaube übrigens kaum, dass die Funktionen vorgegeben waren... Wer so etwas auf diese Weise nach Funktionen unterrichtet, dürfe zumindest... bald in Rente gehen. ;)
 
hasenbein

hasenbein

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OK, ich halte heute besser die Klappe und trinke noch gaaanz viel Kaffee - ich bin echt ein Schnarchhansel heute... :P

Es stimmt, er schreibt ja selber, dass er alles außer der Melodie selber gemacht hat...
 
J

Jazzzzer

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Ich studiere derzeit an einer Uni und nicht an der Hochschule.
Mein Dozent meinte heute, das (Harmonisieren) ist erst nächstes Semester dran. Jetzt muss ich da also alleine durch.

Ich denke, die Satzfehler kriege ich in den Griff. Das Harmonisieren mach mir allerdings Probleme, wie ihr meinen Harmonien ja angesehen habt. Wie kommt man also nun auf passende Harmonien.

Die Lage muss übrigens weit sein. Das ist per Aufgabenstellung vorgegeben.

Viele Grüße
Lukas
 
hasenbein

hasenbein

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Man kommt auf passende Harmonien, indem man sich ans Klavier setzt, die Ohren aufsperrt und probiert. Seriously.
 
Axel

Axel

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Na, jetzt wird's ja lustig hier!
Wo treten denn in obiger Satzaufgabe Septimen "frei ein"? In der Hinsicht hat er alles tacko gelöst...

Und außerdem - sonst würde er ja auch nicht so fragen hier - waren die Funktionssymbole plus die Melodie natürlich vorgegeben, und er hat es nur ausgesetzt...

Was an dem D7 "platt sein" soll, wüßte ich auch gerne... eine ganz normale, "regelkonforme" Auflösung... klar, normalerweise würde man als drittletzten Akkord z.B. S6 spielen, aber das konnte er sich ja wie gesagt nicht aussuchen.

Gerne. Im klassischen Satz muss die Dissonanz vorher in der gleichen Stimme liegen oder - je nach Stil und Regeln - von oben eingeführt werden. Beim ersten Septakkord wäre das kein Problem, wenn man im 2. Akkord den Tenor zum d1 nimmt, dann ist man da gleichzeitig die wenig elegante doppelte Terz los.

Im Choralsatz bis ca. 1800 sind D7 in Grundstellung relativ rar. In Schlußkadenzen findet man bei Bach gerne einen Durchgang 8-7 oder so eine kleine Schleife 5-7 im Tenor. In Renaissance und Frühbarock würde ich den D7 nur als verkürzten Akkord, also VII. Stufe verwenden. Das ist nicht funktional zu denken. Bei Bach dann auch mal als Quintsext oder Terzquartakkord. Grundstellung dürfte bis auf die genannte Ausnahmen selten sein. Anders schaut es dann wieder aus, wenn ich Mendelssohn als Vorbild nehme. Also, dieser hier ist zwar korrekt aufgelöst, aber elegant klingt er nicht.

Viele Grüße
Axel
 
Axel

Axel

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Ich studiere derzeit an einer Uni und nicht an der Hochschule.
Mein Dozent meinte heute, das (Harmonisieren) ist erst nächstes Semester dran. Jetzt muss ich da also alleine durch.

Ich denke, die Satzfehler kriege ich in den Griff. Das Harmonisieren mach mir allerdings Probleme, wie ihr meinen Harmonien ja angesehen habt. Wie kommt man also nun auf passende Harmonien.

Die Lage muss übrigens weit sein. Das ist per Aufgabenstellung vorgegeben.

Viele Grüße
Lukas


Ok, verstehe das Problem.

1. Du nimmst einen Quintenzirkel, Dur außen, Moll innen. Dann arbeitest Du damit wie mit einer Parkscheibe für's Auto. Es müssen im Fenster 3 Akkorde Platz haben. Wenn Du eine Melodie in F-Dur hast, drehst Du das Ding so, dass in Deinem Fenster F in der Mitte steht. Dann hast Du im Fenster links davon die S stehen, rechts die D und innen die Nebenfunktionen. Bei diesen kann man die vermeintliche Dp meistens nur als Tg verwenden. Das sind Deine Grundakkorde, solange die Melodie nicht moduliert.

2. Der gegebene Melodieton kann Grundton des Akkordes sein, Terzton oder Quintton. Peng, aus (würde hasi sagen), mehr Möglichkeiten gibt es nicht. Evtl. Septime, aber dass ist schon mit Vorsicht zu genießen, v.a. am Anfang. Die Möglichkeiten, dass er Vorhalt oder None sein könnte lassen wir mal weg. In einer Aufnahmeprüfung wird man keinen Satz im Stil von Reger verlangen.

3. Bei der Anlage des Satzes würde ich die Kadenzen zuerst machen. Willst Du alle gleich? Oder lieber unterschiedlich? Vielleicht als Steigerung? In der letzten vielleicht das volle Programm: S56, D4-3 irgendwo noch 8-7 und dann T. Dann siehst Du auch schon, ob es irgendwo moduliert, meistens zur D oder tP. Bass und Funktionen hinschreiben!

4. Dann den restlichen Bass mit Funktionen skizzieren. Frühbarock mit mehr Grundstellungen, a la Bach linearer. Ich würde zunächst schauen, wie weit ich mit den Hauptfunktionen komme. Die Nebenfunktionen sind auf 3 Arten einsetzbar:
a) als Klangbereicherung nach ihrer Hauptfunktion, also T und dann Tp. Damit könnte man vermeiden, 2x T hintereinander zu nehmen, wie du das öfters gemacht hast. Vor allem, wenn es um eine betonte Zählzeit geht. Auf der 4 eine T und dann auf der 1 nochmal finde ich nicht glücklich. Ein Hamoniewechsel würde hier die Metrik unterstützen. Oder man überlegt bei einer solchen Akkordwiederholung wenigstens z.B. von T Grundstellung zum Sextakkord zu gehen.
b) als Vertreter ihrer Hauptfunktion, also Tp statt T
c) als selbstständige Kette von Nebenfunktionen (irgendwo im Verlauf des Stückes), die ja untereinander auch wieder quintverwandt sind.

5. Auf unvermitteltes Eintreten einer Nebenfunktion würde ich verzichten. Ebenso sind die Nebenfunktionen schon Würze. Wo diese als Sextakkorde einsetzbar sind (noch eine Stufe würziger) ist genau zu überlegen.

6. Bitte nicht den verkürzten Dominantseptakkord vergessen (oder Sextakkord der VII. Stufe). In deinem Bsp. könnete man die zweifache S (auch wieder auf der 1 des Taktes) vermeiden, indem man zur Sp (siehe mein Punkt 4 a)) und dann in einer der Innenstimmen vom e zu fis geht und voilà: Da haben wir den D (durchgestrichen) 7 (hochgestellt) 5 (tiefgestellt), der zwanglos zur T oder T3 weitergehen kann. Hier muss auch keine 7 nach unten aufgelöst werden.

Probieren und hören. Ein Chorbuch mit alten Sätzen aus der Bib leihen und die Bachchoräle. Spielen! Und mein Tip mit der Kirchenmusik gilt immer noch.

Viele Grüße
Axel
 
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rappy

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Gerne. Im klassischen Satz muss die Dissonanz vorher in der gleichen Stimme liegen oder - je nach Stil und Regeln - von oben eingeführt werden.
Woher genau hast du diese Regel? Ich denke, sie gilt in der Striktheit nicht für die 7 eines Dominantseptakkords (und dessen erste Umkehrung).

Beispiel:

5895-bd0a9316e0645faebfe6ff389d2c7905.jpg

T. 2, Zz. 2, Tenor: Einführung der Septe von unten.
T. 6, Zz. 2, Tenor: ebenso (bei 1. Umkehrung des Akkords, also Quintsextakkord)
T. 7, Zz. 2, Alt: ebenso
 
hasenbein

hasenbein

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Der Choral ist aber auch ein ganz schlechtes Beispiel. Er zeigt vielmehr, wie sich tatsächliche Komponisten bei Bedarf, wenn es gut klingt, einfach über die üblichen Regeln hinwegsetzen. Bei Bach findet man ja auch z.B. jede Menge Quintparallelen.

Hier in diesem Choral z.B. wird am Ende im Tenor der Leitton fis zum h (statt wie vorgeschrieben zum g) geführt. Harmonielehreschüler dürften das nicht.

Und Bach hat sich auch einen ziemlich feuchten Kehricht darum geschert, wie Septimen nun genau eingeführt wurden, ob von hinten oder von vorn :D
 
 

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