H. Neuhaus - Seite 35: Verständnisschwierigkeit

  • Ersteller des Themas brennbaer
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Das Problem ist, dass N. die Töne auf den Zählzeiten 1 und 4 jeweils eine Viertelnote lang hält.
Im Stück steht da aber jeweils ein nur eine Achtelnote lang zu haltender Ton. Sonst ergibt doch nach meinem Verständnis die Achtelpause keinen Sinn.
ach, das ist ja hochinteressant: soo viele Zählzeiten gibt es in einem Zweivierteltakt???
 
Nur, mich irritiert weiterhin die Aussage, dass man richtigerweise „Viertel Achtel Viertel Achtel“ hören muss, obwohl in den Noten, zumindest für mich als Laien, etwas anderes (Achtel Achtelpause Achtel Achtel Achtelpause Achtel) steht.

Klatsch den Rhythmus mal und höre, ob es da einen Unterschied gibt...

Wie würde sich die Stelle perfekt gespielt anhören?
So, wie in dem von mir verlinkten Kissin-Video. Selbstverständlich spielt man alle Noten dieser Passage so kurz wie möglich (staccato, eher staccatissimo).
 
Klatsch den Rhythmus mal und höre, ob es da einen Unterschied gibt...
Wenn ich ihn klatsche, höre ich natürlich keinen Unterschied.
Wenn ich ihn auf dem Klavier spiele (so wie von Neuhaus notiert), höre ich allerdings eindeutig einen Unterschied, ob ein Ton ein Viertel oder ein Achtel gehalten wird
So, wie in dem von mir verlinkten Kissin-Video. Selbstverständlich spielt man alle Noten dieser Passage so kurz wie möglich (staccato, eher staccatissimo).
OK, Staccato ist hier des Pudels Kern. :super:
Aber Du musst schon zugeben, dass Neuhaus' Angaben mißverstanden werden können!
In seinem als falsch bezeichneten Beispiel stellt er nämlich die Noten mit den Staccato-Punkten dar, in dem Beispiel, wie es richtig klingen soll, sind sie, warum auch immer, hingegen plötzlich weg. Da kann man sich schon mal irritiert fragen, warum und weshalb.
 
Liegt alles daran, dass viele "Klassiker" einfach zu wenig Wert auf Rhythmus legen bzw. da einfach oft viel zu schlampig sind.

Bei fortgeschritteneren Jazz-Rock-Spielern wäre es undenkbar, dass man so eklatante Rhythmusfehler wie in dem Mephistowalzer- oder 7.-Sinfonie-Beispiel macht, geschweige denn sich das so einübt.
 
Er würde den technisch wahrscheinlich nicht hinbekommen - aber er würde definitiv hören, wenn er im schnellen Tempo den Rhythmus verzerrt!

Du weißt schon, was ich meinte - aber klar, wenn ich auf diese unbequeme Tatsache hinweise, piekst das natürlich, und man muss gegensticheln, ne? :-D

(Rolf, das an dieser Stelle erwartbare "Hasenbein, spiel Du mal derart virtuose Literatur, dann sehen wir weiter" kannst Du Dir sparen - ja, ich und meine Jazzkollegen können das nicht, und das ist OK so. Dafür können wir andere Sachen, für die uns Klassiker oft bewundern, wenn sie uns beim Spielen erleben.)
 
Da fällt mir noch so eine Stelle ein, die auch oft von "großen" Pianisten rhythmisch falsch gespielt wird, und zwar wenn die Triolen-Bezeichnung einfach ignoriert und das ganze dadurch normalisiert wird, was den eigentlich beabsichtigten schwebenden Charakter dieser Stelle kaputt macht:

Unbenannt.png
 
Das aber ist - sofern es sich nicht um einen Komponisten des 20. oder 21. Jahrhunderts handelt - eine von den Stellen, wo fraglich ist, ob der Komponist überhaupt wollte, dass der Rhythmus ganz exakt so gespielt wird (bzw. ob er es selber überhaupt ganz genau so gespielt hat), oder ob das nicht vielleicht aus seiner Sicht die beste Annäherung an das war, was er selber beim Komponieren gespielt hat. Ich sage nicht, dass es in diesem Fall so sei, sondern nur, dass man bei außergewöhnlichen rhythmischen Koordinationen diese Möglichkeit immer im Hinterkopf haben muss.
 
OT: Es werden hier im Forum ja immer wieder Notenbeispiele verlinkt. Wäre es möglich, auch immer das jeweilige Werk zu nennen, aus dem das entsprechende Beispiel stammt? Nur so für "normale" Amateure wie mich, die nie auch nur in die Nähe der Bewältigung eines Mephisto-Walzers & Co kommen werden und daher das Klavierstück auch i.d.R. nicht identifizieren können.
 
(Rolf, das an dieser Stelle erwartbare "Hasenbein, spiel Du mal derart virtuose Literatur, dann sehen wir weiter" kannst Du Dir sparen - ja, ich und meine Jazzkollegen können das nicht, und das ist OK so. Dafür können wir andere Sachen, für die uns Klassiker oft bewundern, wenn sie uns beim Spielen erleben.)
(...kopfschüttel... sag mal @hasenbein hast du eine heftig manifeste Profilneurose? was soll das wunderliche Blabla?) der Sprungsequenz ist es völlig egal, wer sich mit ihr abmüht - wie und warum es da zu Fehlern im Sinn von ungewolltem rhythmischem verzerren kommt, hab ich in #16 erklärt.
 
Das aber ist - sofern es sich nicht um einen Komponisten des 20. oder 21. Jahrhunderts handelt - eine von den Stellen, wo fraglich ist, ob der Komponist überhaupt wollte, dass der Rhythmus ganz exakt so gespielt wird

Exakt bestimmt nicht - Chopin's Kompositionen erlauben ein gewisses Maß an Freiheit / Rubato, jedoch wollte er definitiv nicht, dass die Triolen-Gruppen als: Sechtzehntel - Achtel - Sechtzehntel gespielt werden, so wie es leider manchmal zu hören ist.
 

Er würde den technisch wahrscheinlich nicht hinbekommen - aber er würde definitiv hören, wenn er im schnellen Tempo den Rhythmus verzerrt!

Du weißt schon, was ich meinte - aber klar, wenn ich auf diese unbequeme Tatsache hinweise, piekst das natürlich, und man muss gegensticheln, ne? :-D

(Rolf, das an dieser Stelle erwartbare "Hasenbein, spiel Du mal derart virtuose Literatur, dann sehen wir weiter" kannst Du Dir sparen - ja, ich und meine Jazzkollegen können das nicht, und das ist OK so. Dafür können wir andere Sachen, für die uns Klassiker oft bewundern, wenn sie uns beim Spielen erleben.)
Makoto Ozone oder Hiromi könnten das, wenn sie es wollten oder es bräuchten...

Art Tatum hat Sprungzeugs gespielt, wogegen das Teufelsgehopse Kinderpipi ist...

Aber wie hier schon berechtigter Weise angeklungen: unsinnig ist es , verschiedene Seiten ( Jazz , Klassik etc.) gegeneinander auszuspielen. Ich mein' ja nur.....
 
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Reaktionen: Joh
Schwierige Sachen kann ich aus dem Effeff und ohne üben. Allerdings nur einmal.
 

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