Gedankenspiel: Musik als Rollenspiel?

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G

Gefallener

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Hallo.

Es geistert schon seit langem Ideen bezüglich alternativen Wegen des gemeinsamen Musizierens in mir herum. Ich hatte es auch bereits in einem anderen Forum versucht zu skizzieren. Allerdings ohne jedwede Resonanz.

Rollenspiel, also dieses "Pen&Paper", Dungeons&Dragons, Das Schwarze Auge, Vampire etc. ...

(Ein Gruppe von Menschen trifft sich, schlüpft in die Rollen eines Legolas, Gimli, Bilbo, Boromir bspw., und
rennt dann unter der Moderation eines Spielleiters durch die von ihm erschaffene fiktive Welt um dort zu Ruhm und Ehre zu gelangen ... etc. pp. )

Nun fragte ich mich: Kann man das aufs Musizieren übertragen.
Wenn ja wie, in welchem Maße und Umfang und wo würde man der Realisierung wegen der gängingen Musizierpraxis Zugeständnisse machen müssen?

Wie drückten sich unterschiedliche Rassen? ( Menschen, Orks, Elfen aus? )
Wie könnte man musikalisch einen Zwerg Krieger von einer zaubernden Elfe charakterisieren?
Was wären die Fähigkeiten? Ausgedrückt in Motiven?
Wie würden die Spieler interagieren?
Wie könnte man die fiktive Welt visualisieren?
Wie würde man Progress der Charaktere darstellen?
Wie könnte das ganz dennoch unkompliziert sein und Spaß machen -> ein Spiel werden?

Mehr Fragen fallen mir adhoc nicht ein. Ich weiß es hört sich vielleicht noch sehr vage an, aber vielleicht hat ja jemand eine Idee hierzu.
 
G

Gefallener

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@Charis danke, aber so meinte ich das nicht. (Bzw. auf die Idee kam ich noch nicht)

Es geht hier weniger um ein Potpourri unterschiedlicher "Themen" , welches sich linear vollzieht, sondern vielmehr um das Erstellen einer Art "Spielplan" (Landkarte / Spielbrett).

Jeder zieht eine Rasse / Klasse, und präkonfiguriert damit seine Destination.

Elfen starten in waldigem Gebiet und "müssen sich erstmal durch Wald spielen" um ... ka "ans Meer zu gelangen" .... also "Im Stück selbst" soll der Spieler / der Instrumentalist (relativ) frei entscheiden, was er tut.

In den "Waldelfen - Noten" könnten "Holzhack Motive" drin stehen. Diese signalisieren anderen Spielern "aha sie tragen den Wald ab" ... das Wald Thema verschwindet ...

Das Regelwerk des Stückes würde Sorge tragen, dass das ganze auch funktioniert.


Interessant wäre es vor dem Hintergrund digitaler Notendarstellung. Man könnte wirklich interaktiv "messen", wie lange die Elfen Holz hacken und dann dementsprechend sukzesive den Wald abbauen.

(ist vielleicht ein unglückliches Beispiel mit dem Holzhacken, aber vielleicht helf ich damit ja jemandem auf die Sprünge die Idee zu begreifen) ...

Sinn, Zweck, ob es funktioniert weiß ich nicht.
 
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Meinst Du so eine Art ad hoc improvisierte Oper oder Programmusik? Stelle ich mir schwierig vor, das zu realisieren. :puh:
 
G

Gefallener

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@Charis Ja, eher so, ja.

Vielleicht muss man es ja nicht gleich so kompliziert denken. Und geht von einem "in und durch Musik ausgedrückten" Mensch Ärger dich nicht, aus.

Irgendwie stellte ich es mir so vor, dass Fähigkeiten "Zauber" oder "Pfeilschüsse" durch Signale angezeigt werden und wiederum mit Kontern .... ach ... ich sollte daraus ein riesen "Kunstwerk" friemeln ... haha endlich wieder System Overload. ^^
 
Dorforganistin

Dorforganistin

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Menschen, die keine Rollenspieler sind, würden wahrscheinlich ellenlange Erklärungen brauchen, um da mitmachen zu können.
Du bräuchtest also musizierende Rollenspieler, oder rollenspielende Musiker, oder ein simpleres Setting :-)
 
Peter

Peter

Bechsteinfan
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Ich muss da sofort an Kino-Musiker aus Stummfilmzeiten denken.
 
Gomez de Riquet

Gomez de Riquet

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Es geistert schon seit langem Ideen bezüglich alternativen Wegen des gemeinsamen Musizierens in mir herum. Ich hatte es auch bereits in einem anderen Forum versucht zu skizzieren. Allerdings ohne jedwede Resonanz.

Rollenspiel, also dieses "Pen&Paper", Dungeons&Dragons, Das Schwarze Auge, Vampire etc. ...
[...]
Nun fragte ich mich: Kann man das aufs Musizieren übertragen.
Wenn ja wie, in welchem Maße und Umfang, und wo würde man der Realisierung wegen der gängingen Musizierpraxis Zugeständnisse machen müssen?
Jetzt verstehe ich Dein Pseudonym: Du bist in solchen Online-Spielen notorisch der Unterlegene?

Aber im Ernst - Deine Idee von 'Musik als Rollenspiel' führt auf Umwegen wieder zur Erkenntnis, daß in mehrstimmiger Musik die einzelne Stimme Ausdruck von Individualität ist - oder sein sollte. Musterbeispiel: die barocke Fuge, in der alle Stimmen gleichwertig sind, oder die Choralbearbeitung, in der sich alle Stimmen gleichermaßen auf den Choral (als Glaubensgrundlage) beziehen, oder die durchbrochene Arbeit und der durchpolyphonisierte Tonsatz im klassischen Streichquartett, von dem Goethe sagte: "Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten" - die Gleichberechtigung vierer Stimmen, die sich gegenseitig zu Wort kommen lassen. Man sieht, zumindest in der Musik ist der herrschaftsfreie Diskurs verwirklicht.

Den extremen Gegensatz dazu findet man im homophonen Satz, bei einfachen Concerti grossi oder in der (früh-)klassischen Symphonie, in der es nur eine sinntragende Hauptstimme gibt und der Rest kaum mehr als ungesangliche, rein harmonisch empfundene Begleitstimmen zu spielen hat (am traurigsten für Oboen und Hörner, die sich alle Jubeljahre mal in Erinnerung bringen dürfen) - Inbegriff der Arbeitsteilung, die zur selben Zeit in Großbritannien aufkam.

Noch extremer: das klassisch-romantische Virtuosenkonzert, Lieblingskind des bürgerlichen Publikums, bei dem das Soloinstrument die Themen vorgibt, die vom Orchester mit Begeisterung übernommen und nachgeplappert werden - unfein ausgedrückt: das Ideal von Führer und Gefolgschaft. In der Moderne haben manche Komponisten bewußt das Gegenteil auskomponiert; die Solostimme wird zum Ausdruck von Individualität, die sich gegen ein bedrückendes Kollektiv behaupten muß.

In der Moderne wird auch die Idee mehrerer gleichberechtigter Klangschichten verwirklicht: bei Ives, Berg, Varèse, Messiaen, Stockhausen u.v.a., und Cages späte Orchesterstücke sind ein Musterbeispiel für Parität: Jedes Instrument darf innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens seine individuellen Töne spielen.

Deine Idee von einem Wettkampf der Instrumente oder Musik-Bestandteile würde zu einer Art 'musikalischem Theater' à la Mauricio Kagel führen, zu einer Kollektivimprovisation mit Agon-Charakter. Sowas ist vielleicht auch schon verwirklicht worden; wer weiß, in der Avantgarde ist alles möglich. Problematisch wäre dabei nur der Verzicht auf den Kunstcharakter. Musik ist wie jede künstlerische Äußerung strukturiert; sie lebt von sich entwickelnden Ideen und deren nachvollziehbarer Weiterführung, die ich in Deinem 'alternativen Weg gemeinsamen Musizierens' vermissen würde.

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