Flügel Dietmann ?

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Rubato

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Hallo,

kennt jemand diesen Hersteller ? Habe gerade ein Angebot gesehen, Länge 185cm, ca. 25Jahre alt, 10T€ - ist das ein echter deutscher Hersteller, der mittlerweile aufgegeben hat, und was ist von den Instrumenten zu halten ?

Gruß
Rubato
 
K

Klavierbauermeister

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Das ist keine deutsche Herstellung wahrscheinlich teurer als der irgendwann mal neu gekostet hat.
 
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Dieter

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Dietmann-Instrumente

Info´s von 1972: Eine Klavierfabrik in der Kapprovinz liefert den größten Teil ihrer exportierten Klaviere mit der Markenbezeichnung "Dietmann" in die Bundesrepublik Deutschland.

Das Musikhaus Ibach, Wuppertal, über Dietmann-Klaviere:
Dietmann-Klaviere sind in vielen Teilen der Welt schon lange bekannt. Erbauer der Dietmann-Klaviere ist die größte Klavierfabrik auf dem afrikanischen Kontinent: PMSA, Wellington. Es ist eine moderne Fabrik, erwachsen aus besten deutschen und englischen Traditionen.

Info von 1982:
Südafrikanische Firma Dietmann mit neuer Organisation, seit Oktober 1981:
In der Bundesrepublik Deutschland, Österreich, der Schweiz, in den Benelux-Staaten und Frankreich werden Klaviere mit dem Namen Dietmann angeboten, die nicht aus Südafrika stammen, sondern von Kemble in Großbritannien produziert und von Ibach vertrieben werden. Angeboten wird ein Modell in zwei Varianten mit gleichem Innenleben: das Modell 113 ist in modernem Stil, eine Chippendale-Ausführung in 116 cm Höhe mit Konsolen lieferbar.

Info von 1988:
Unter den Namen Dietmann werden Instrumente aus Südafrika angeboten. Wahrscheinlich auch noch unter anderen Namen, denn ab größeren Stückzahlen bietet der Hersteller an, Namen nach Wunsch in der Gußplatte und am Gehäuse anzubringen.
www.dieter-gocht.de
 
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Rubato

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Vielen Dank für die Informationen !

Ich denke, ich werde die Dietmann-Schiene nicht weiter verfolgen.

Gruß
Rubato
 
PianoCandle

PianoCandle

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Hallo.
Ich kenne einen solchen Dietmann 185er-Flügel. Der passt überhaupt nicht auf Südafrika und auch nicht auf England. Mir schien er in allen wesentlichen Eigenschaften, auch der Qualität, sehr verwandt mit Young Chang. Wenn das zutrifft, wäre er ein koreanisches Produkt unter anderem Label. Nicht schlecht, was ich da unter den Fingern hatte. Hatte mit den mir ansonsten bekannten Dietmann-Klavieren so gut wie nichts zu tun, außer dem Logo.

Gruß
Martin
PianoCandle


... und aus Krach wird Klang
 
Klimperer

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Hallo Martin,

Da du heute nun schon zum zweiten Mal implizit andeutest, dass gute, wertige Klavierproduktion "überhaupt nicht auf Südafrika passt", (erst im China-Faden, Stichwort Görs und Kallmann, und nun auch hier) schreib doch bitte mal, was denn auf Südafrika passt.

Dietmann war m.W. ein Hamburger Klavierbauer, der sich in S.A. niederließ, und dessen Sohn schlussendlich eine Klavierfabrik aufbaute, die aus importierten Teilen Klaviere zusammenbaute. Ja, es wurden teilweise alte, verflossene Herstellernamen aufgekauft und auf andere Instrumente gesetzt (Görs und Kallmann, Otto Bach (Zimmermann), Fritz Kuhla), aber es wurden z.B. auch Ibachklaviere zusammengebaut. (Meines ist eins davon.) Sooo schlecht kann diese Produktion also nicht gewesen sein, zumal die Firma m.W. direkt mit Ibach zusammenarbeitete.

Wiegesagt, es würde mich interessieren, was du über diese Produktion weißt (sehr gut scheint es nicht zu sein, aber das ist erstmal zweitrangig).

Oder ist mein Ibach am Ende gar keines?


Ciao,
Mark
 
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PianoCandle

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Hallo Mark/Klimperer
ohjemine, so schnell entstehen Gerüchte...

- Also, gegen die Klaviere aus Südafrika habe ich nichts wirklich Dramatisches einzuwenden. Alle, die ich kennengelernt habe, waren/sind bei entsprechender Einrichtung recht gut brauchbar. Aber gemeinsam haben auch alle, die ich kenne, dass sie in der Bauweise und in der Ausarbeitung der Details nicht sehr fein und nicht sehr präzise wirken und es auch in etlichen Details nicht sind. Recht grob geschliffene Silien, sehr rauh lackierte Eisenrahmen, ungleichmäßiger Wirbelsitz, Flugrost an Wirbeln und Saiten, sind einige der typischen Merkmale.
Für eine "wertige" Anmutung passen solche Attribute nicht besonders gut, auch wenn sie der Funktionalität nicht notwendigerweise im Wege stehen. Allerdings wurde hier zu Lande (vor allem in den 80er/90er Jahren) die Anpreisung von "Wertigkeit" bei südafrikanischen Pianos auch m. W. nie versucht. Wohl aber, und das nachdrücklich, die Anpreisung des großartigen Preis-Leistung-Verhältnisses... wie halt aktuell massenweise bei China-Instrumenten. Und das hatte damals, als in Südafrika noch Apartheid war, einen gewissen Beigeschmack. Den wir heute, China betreffend, weitgehend verdrängen - weil heute ein riesiger Anteil aller lebenswichtigen Hardware-Güter aus China kommt...:roll:

- Der Dietmann-Flügel, den ich kenne, sieht in diesen Punkten ganz anders aus. Wenn er aus Südafrika kommt - warum nicht? Umso besser. Die Anmutung, nach Klang, Aussehen, Konstruktion und Finish im Detail, passte jedenfalls auf das meiste, was ich aus Südkorea kenne. Aber dort wird man auf derartiges Qualitätsmanagement ja kein Copyright haben. Und in der Summe der Details sah mir der besagte Flügel, wie gesagt, sehr nach Young Chang aus.

- Was das Ibach-Qualitätsmanagement betrifft, halte ich Gutes und Überraschendes auch an anderen Enden der Welt für möglich. Ich kenne mindestens ein Ibach-Klavier aus Korea (gelabelt Royale Classic), das ich besser fand als die gleichartigen mir bekannten Exemplare deutscher Produktion. Wie ist es mit dem deinigen?

Gruß
Martin
PianoCandle

... lieber Klang importieren, als Krach exportieren
 
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Klimperer

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Hallo Martin,

Danke für die detaillierte Antwort. Mich interessierte es einfach, von dir etwas mehr zum Thema zu lesen, nachdem du letzthin zweimal kurze Bemerkungen zu S.A.-Klavieren geschrieben hattest. Verzeih, wenn ich das unglücklich formuliert hatte. Meine Absicht, ein Gerücht in die Welt zu setzen, war es eigentlich nicht, zumal auch ich Ungenauigkeiten am hiesigen Klavierbau sehe (zumindest bei meinem eigenen).

Mein Klavier ist ein Misch-Masch der Attribute, die du nanntest. Bilder findest du hier:

http://picasaweb.google.com/111881765589938730993/Ibach18501#

Ich denke, die Fertigung hierzulande war teilweise ziemlich schlampig, aber die Qualität der Bauteile rettet das Gesamtbild noch halbwegs. Beispiele für diese Aussage:

Das Gehäuse ist relativ fein verarbeitet, aber der Lack hat mittlerweile überall Haarrisse. (Ob das nach 40 Jahren normal ist, oder am hiesigen Lack der damaligen Zeit liegt, weiß ich nicht.)

Der Name "Ibach" wurde auf der Gussplatte recht schlampig schwarz angepinselt.

Die Rennermechanik ist noch relativ gut in Schuss. Einige Achsen waren trotz trockenem Winter etwas schwergängig, aber nach einer Behandlung mit Alkohol/Wasser in Ordnung. Die Dämpferfedern waren sehr stark (siehe Faden neulich), aber das habe ich ein Stück weit gerichtet.

Die Hämmer wurden teilweise nicht ordentlich auf die Chöre eingerichtet - ein paar treffen kaum auf alle drei Saiten. Nun sitzen die asymmetrischen Abdrücke nach 40 Jahren drin...

Der Resonanzboden hat, nach 40 Jahren von Luftfeuchteschwankungen (subtropisches Klima, sommers ohne weiteres 70%, winters manchmal nur 30%, kein Dampp-Chaser oder sonstige Befeuchter beim Vorbesitzer) einen kleinen Riss ganz links oben unter den Bassstimmwirbeln, aber in den Stegbereichen ist er einwandfrei - klingt auch gut, und die Töne klingen nach meinem Empfinden schön lange aus. Saitendruck habe ich nicht gemessen, aber habe klanglich auch keinen Anlass dazu.

Die Stegstifte sind wild, wirklich wild gesetzt. Teilweise ist zu sehen, dass sie nach dem Setzen noch gebogen wurden (Langlöcher parallel zur Saite). Auch das "notching" (Meißeln?) der Stege ist ziemlich grob. Trotzdem höre ich kaum "false beats" (zu Deutsch?)

Auch die Umlenkstifte unter den Basswirbeln sitzen nicht in einer Geraden.

Die Silie ist sichtbar rauh geschliffen.

Die Wirbel sitzen teilweise etwas näher am Rahmen, aber es kann sein, dass sie schon mal leicht hineingeschlagen wurden.

Jedoch sind Stifte, Saiten und überhaupt alles Metall gänzlich rostfrei.

Den Stimmstock konnte ich bis gestern nicht beurteilen, weil ich keinen Stimmschlüssel hatte. Nun wird klar, warum das Klavier 70 Cent zu tief ist: die Wirbel im Bass und Mittelbereich sitzen alle ziemlich locker. (Dazu öffne ich einen anderen Faden.)

Daher mein Fazit, dass es zumindest in diesem Fall wohl mit der Verarbeitung nicht so genau genommen wurde, aber die Materialien sehr gut waren. Ob das allgemein für das Dietmannwerk galt, weiß ich nicht (daher meine Frage an dich).

Nochmal: pardon, wenn mein Beitrag gestern etwas falsch daherkam.

Ciao,
Mark
 
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