Diether de la Motte Harmonielehre

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Gefallener

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8. Aug. 2011
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Lasst mich raten, ihr findet dieses "Standardwerk" unanfechtbar geil und tadellos.

Ich finde es unlesbar und komme nach 13 Jahren noch nicht zurecht.

Der Schreibstil wirkt wie ein Kondensat bei dem er 2/3 seiner Gedanken (warum auch immer) dem Leser vorenthält.

Es wirkt wie ein posthumes Skizzenfragment und strotzt (mMn) vor zu hoher Machtdistanz und trieft vor selbstverliebter Eitelkeit.

Ja ich rege mich auf. Weil man auch anders schreiben kann 1. und 2. weil mich sowas einfach nervt.

Ich könnte jeden zweiten Satz anführen den ich nicht verstehen kann, weil ich mich frage was er mir sagen möchte.

Man könnte argwöhnen "tja bist halt zu blöd", oder "da siehste mal wie wir uns fühlen, wenn wir deine Kommentare hier dechifrieren müssen."

Ich schreib dem Mann jetzt ne Mail. Und wenn er nicht mehr lebt schreib ich Fleurop.

Das Buch hab ich seit über 20 Jahren und jeder Anflug von "ja ich bin soweit" und Enthusiasmus wird im Keim und Vorwort zerstört.

Lasse ich das Vorwort aus zerfragmentieren seine gedankliche Skizzen zur Unnachvollziehbarkeit und die vielen Beispiele stehen unreferenziert mit mir im Raum rum.

Man, man, man.
 
Wirklich amüsant - ein musterhaftes Beispiel für den psychologischen Mechanismus der "Projektion".

Gefallener, wie wäre es, wenn Du selbst erstmal

- "lesbar" schreibst?
- auf selbstverliebte Eitelkeit verzichtest und stattdessen "geradeaus" schreibst?
- anders schreibst (denn Du sagst es ja selbst: Mann kann das!), nämlich so, dass Du nicht einfach dem Leser die Dechiffrierarbeit aufbürdest?

Willste nicht?

Tja, De la Motte will auch nicht. Oder kann nicht.

Tit for tat.

Vielleicht kommt ja für Dichter demnächst ein Harmonielehrebuch in "Leichter Sprache" raus :lol:
 
Tja, De la Motte will auch nicht. Oder kann nicht.
Da Diether de la Motte seit über zehn Jahren unter der Erde ist, wird es etwas schwierig mit dem Vorhaben, mit ihm einen Dialog zu führen. Seine Frau, die Musikwissenschaftlerin Helga de la Motte-Haber, lebt noch - ob sie sich mit Deiner Beschwerde befassen möchte, vermag ich leider nicht zu beurteilen. Sinnvoller wäre es, mit den gut geschriebenen Standardwerken seines Schülers Clemens Kühn die Materie in Angriff zu nehmen.

LG von Rheinkultur
 
Ich empfinde das Buch als sehr anschaulich geschrieben. De la Motte geht recht kleinschrittig vor und erläutert alles an Beispielen aus der Kompositionspraxis. Da gibt es weitaus schwerer verständliche und abstraktere Bücher.

Als
"Standardwerk" unanfechtbar, geil und tadellos
betrachte ich allerdings die Harmonielehre von Heide Andreas und Günter Friedrichs.
 
Also ich glaube es ist immer wichtig mehrere Bücher zu konsultieren. De la Motte hat eine sehr eigene Sichtweise, ja. Aber wenn man noch andere Bücher zu Rate zieht und sich seine eigene Gedanken macht, dann kann dieses Buch wirklich sehr hilfreich sein!
 
Ich empfinde das Buch als sehr anschaulich geschrieben. De la Motte geht recht kleinschrittig vor und erläutert alles an Beispielen aus der Kompositionspraxis. Da gibt es weitaus schwerer verständliche und abstraktere Bücher.
Auch der Leser darf nicht nur Erwartungen an das Buch haben und sollte seinerseits zwei Voraussetzungen mitbringen. Zum einen sollte er Vorkenntnisse aus der Beschäftigung mit anderen Lehrwerken besitzen und musikanalytische Denkansätze beispielsweise in einem guten Instrumentalunterricht kennengelernt haben. Zum anderen sollte er bereit sein, beim eigenen tonsetzerischen Arbeiten stilistisches Differenzierungsvermögen zu entwickeln. Vokal- und Instrumentalsätze beispielsweise in einem spätbarocken Stil zu schreiben, das kann man auch unter Nutzung anderer Lehrwerke studieren. Soll aber klar im Stile von Johann Sebastian Bach geschrieben werden, ist de la Mottes Ansatz sehr gut geeignet, "unbachisch" klingende Wendungen zu vermeiden. Denn einen einzig richtigen spätbarocken Stil gibt es mitnichten. Ich habe Analyseseminare mit de la Motte als Teilnehmer miterlebt und konnte feststellen, dass er diese Materie unglaublich differenziert und alles andere als langweilig vermitteln und lebendig machen konnte, während mich seine Kompositionen durchgängig in keiner Weise ansprachen und absolut kalt ließen.

LG von Rheinkultur
 

Rheinkultur, Ihr habt ihm doch bestimmt einen Spitznamen gegeben wie "de Klamotte", oder? Der Name lädt doch förmlich zum Spitznamengeben oder Doofe-Reime-Erfinden ein :026:
 
ALLE "Theorie"-Bücher sind NICHT dazu gedacht, "durchgelesen" und dabei verstanden zu werden.

Sondern man MUSS jeden dargestellten Schritt am Klavier nachvollziehen, ausprobieren etc. und somit ganz unmittelbar und PRAKTISCH erfahren, auf welches Real-World-Phänomen das im Text Angesprochene hinweist. Ansonsten ist es unvermeidlich, dass einem nicht nur einiges unverständlich erscheint, sondern man auch überhaupt nichts hat von der Lektüre.

Verschärft ist das noch der Fall, wenn ein Mensch des 21. Jahrhunderts mit seinem durch die moderne Zeit geprägten Ohr ein Buch durcharbeitet, das eine längst vergangene Stilistik behandelt. Hier gilt es also, sich wirklich vom Ohr her - also wieder ganz praktisch, am Instrument probierend - auf die Konventionen jener Stilistik einzulassen und zu lernen, tatsächlich dies als schlüssig/wohlklingend und jenes als nicht schlüssig/klanglich unzulänglich zu empfinden. Gewissermaßen so wie beispielsweise ein eigentlich lockerer, ungezwungener Typ, der aber auch in der Lage ist, sich bei Bedarf auf Etepetete-Veranstaltungen von Wichtig-Popichtigen mit genauer Kleiderordnung und Essens-Etikette wie ein Fisch im Wasser zu bewegen. Er weiß zwar, dass er "eigentlich nicht so ist", kann aber gewissermaßen im Kopf umschalten und dann "natürlich" gemäß der anderen Regeln agieren.

Dies ist anspruchsvoll und verlangt Engagement und Zeit, um sich das draufzuschaffen.
 
Etwas nebenbei: sind die Bücher von Thomas Daniel bekannt?
http://www.dohr.de/autor/daniel.htm

Ich hatte eines davon nur mal ausgeliehen, aber das schien mir auch sehr gut zu sein, gerade betr. "Stilsicherheit", die heute irgendwie doch sehr verloren gegangen ist (ich meine, er hätte sich auch mal in einem Beitrag darüber beschwert, natürlich auf Hochschulausbildung bezogen).
Auch seine interessante Vollendung der Kunst der Fuge wird selten bis nie gespielt, einfach, weil sie nicht als normaler Notenband erhältlich ist, sondern nur als Anhang in seinem sehr interessanten Buch dazu (andere, durchaus bekannte Versuche hatte er genüsslich zerrissen).
 
Ganz klar, das eignet sich nicht dafür, um die Grundlagen der Harmonielehre zu erlernen. Ich habe das im 1. Semester erlebt, wo ein Harmonielehredozent versuchte, mit dem Ding zu unterrichten. Ging natürlich gar nicht. Es ist super als Stilkunde, wenn man wissen will, warum Bach nach Bach klaingt und Mendelssohn nach Mendelssohn. Die Basics muss man sich woanders holen.
 
Lieber @Gefallener

Man könnte argwöhnen "tja bist halt zu blöd", oder "da siehste mal wie wir uns fühlen, wenn wir deine Kommentare hier dechifrieren müssen."

Ich finde nicht, dass es Menschen gibt, die "zu blöd" sind. Ich finde es gibt für jedes Individuum für jeden Zeitpunkt ein passendes oder weniger passendes Lehrmittel. Du bist nicht zu blöd oder "noch nicht weit genug", sondern es ist einfach kein Match.

Und ich hatte überhaupt keine Mühe, deinen Kommentar zu dechiffrieren. Es war für mich klar verständlich, zumal du auch transparent geschrieben hast, dass du dich nervst. Und ich kann es auch sehr gut nachvollziehen: Wenn ich ein Werk kaufe, dass einen guten Ruf hat (oder ich meine, dass es das hat), dann erwarte ich, dass ich daraus etwas lernen kann. Und wird die Erwartung nicht erfüllt, ist das enttäuschend. Und Ent-Täuschungen (das Merken, dass man sich mit einer Erwartung getäuscht hat) sind nervig. Das liegt in der Natur der Sache.

Bleib einfach dran und probiere verschiedene Literatur aus oder auch verschiedene Medien – vlt. mal ein Video, einen Onlinekurs, einen Lehrer etc.
 
Äh, doch doch, es gibt jede Menge Menschen, die für irgendwas zu blöd sind. Ganz viele können zB nicht unfallfrei logisch oder analytisch denken.
Es ist eine absolute Seuche, zu suggerieren, dass jeder alles können könnte, wenn die Verhältnisse „geeignet“ wären. Es ist nicht so, war nie so und wird nie so sein.
 
Lieber
Ich finde nicht, dass es Menschen gibt, die "zu blöd" sind.">@Gefallener[/USER

Ich finde nicht, dass es Menschen gibt, die "zu blöd" sind.

Aber ich bitte Dich ! Davon gibt es wahrlich mehr als genug.
Wenn Du es nicht glaubst, dann schau mal in den „ Rätselfaden für Idioten“

:lol:">

Aber ich bitte Dich ! Davon gibt es wahrlich mehr als genug.
Wenn Du es nicht glaubst, dann schau mal in den „ Rätselfaden für Idioten“

:lol:
 
Ich sehe das genau so wie @schmickus. Vorausgesetzt es geht um Erwachsene. Auf Kinder und Jugendliche bezogen bin ich durchaus der Meinung des @KlavierKranich. @Gefallener ist aber vermutlich erwachsen. Natürlich ist eine Balance zwischen Ansprüchen und Fähigkeiten erstrebenswert, aber als Erwachsener besteht eben auch die Gefahr, bequem zu werden und die Schuld für die eigene Unzulänglichkeit immer woanders zu suchen. Zumindest sollte man diese Möglichkeit im Blick behalten, sonst könnte es sein, dass man wertvolle Entwicklungsmöglichkeiten verschenkt.
 
Äh, doch doch, es gibt jede Menge Menschen, die für irgendwas zu blöd sind. Ganz viele können zB nicht unfallfrei logisch oder analytisch denken.
Es ist eine absolute Seuche, zu suggerieren, dass jeder alles können könnte, wenn die Verhältnisse „geeignet“ wären. Es ist nicht so, war nie so und wird nie so sein.
Es ist ein Auswuchs der zerstörerischen Ideologie, die Sam Vaknin "toxic equalism" nennt.

Aus dem vollkommen berechtigten Anliegen, niemanden zu diskriminieren, ist leider ein Monster entstanden - der Irrglaube, jeder könne eigentlich alles, wenn man ihn nur ließe, nicht gemein zu ihm sei und ihm die richtige Förderung zukommen lasse. Und der Irrglaube, wenn jemand verkorkst oder unfähig sei, liege das auf jeden Fall daran, dass seine Eltern und Erziehungspersonen alles Mögliche falsch gemacht hätten.

Nein. So wie manche halt mit einem wenig vorteilhaften Äußeren zur Welt kommen, gibt es halt auch Menschen, die in der Birne ungünstig verdrahtet sind.

Der Staat - auch der moderne westliche - BRAUCHT übrigens diese wenig befähigten Menschen unbedingt, um einfache, unbeliebte, aber notwendige Arbeiten zu erledigen. Auch dies ist eine Tatsache, die von den politisch Korrekten sehr ungerne gesehen wird.
 

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