Die Entzauberung des "Geniekults" - über das Unvermögen großer Könner

Bernhard Hiller

Bernhard Hiller

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Das heißt aber noch lange nicht, dass er keine klare Klangvorstellung hatte
Irgendwo las ich mal von einem Experiment mit Karajan: er sei unglücklich darüber gewesen, im Krankenhaus liegend nicht dirigieren zu können. Also empfahl man ihm, sich einfach vorzustellen, er dirigiere einen Satz einer Bruckner-Symphonie (gut 20 Minuten...). Karajan gefiel die Idee. Bevor er loslegte, sollte er dem Experimentator ein Zeichen geben, ebenso am Ende des Satzes. Dann wiederholten sie das ein paar Tage später: die Dauer schwankte um nicht mal 1%. Da gehört schon eine sehr klare Vorstellung dazu.
 
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dussek

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Irgendwo las ich mal von einem Experiment mit Karajan: er sei unglücklich darüber gewesen, im Krankenhaus liegend nicht dirigieren zu können. Also empfahl man ihm, sich einfach vorzustellen, er dirigiere einen Satz einer Bruckner-Symphonie (gut 20 Minuten...). Karajan gefiel die Idee. Bevor er loslegte, sollte er dem Experimentator ein Zeichen geben, ebenso am Ende des Satzes. Dann wiederholten sie das ein paar Tage später: die Dauer schwankte um nicht mal 1%. Da gehört schon eine sehr klare Vorstellung dazu
Tempovorstellung ist aber was anderes als Klangvorstellung ...
Trug er nicht seine Armbanduhr auf der Innenseite des linken Handgelenks?
Immer im Blickfeld...
Er nahm die Viertel daher meist mit 60 :005:
Das heißt aber noch lange nicht, dass er keine klare Klangvorstellung hatte und er die Aufnahmen in erster Linie zu diesem Zweck nutzte. Bei seinem riesigen Repertoire und seinem übervollen Terminkalender war das vielleicht nur ein Mittel, schneller zum Ziel zu kommen, als es mit ausschließlichem Partiturstudium möglich gewesen wäre.
Alles möglich, wir werdens wohl nie genau erfahren.
 
Tastatula

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@motz-art , Bruckners Werke sind teilweise durchaus schön. Auch war er ein ehrlicher grundsolider Mensch mit einer guten Kraft. Ich verdamme ihn nicht. ;-)
Aber ich erinnere mich, dass ich mal die f-moll Messe vom Blatt korrepetiert habe.
Während ich also so vor mich hin spielte, schauderte mich ein um´s andere Mal, wie stumpfsinnig seine Harmoniewechsel waren. Er setzte einfach Akkorde nebeneinander, ohne, dass es deshalb genial geklungen hätte.
Ich denke, er war ein großer Instrumentator, aber harmonisch wäre er gerne genial gewesen. Für mich ist er das nicht.
 

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