Des Jazzers Träumerei, oder: "Over the Rainbow"

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Tastenjunkie

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Liebe Leute!

Hier kommt meine Einspielung von "Over the Rainbow". Als deutsches Kind der 90er-Jahre habe ich diesen Song bezeichnenderweise zuerst als gruselige Techno-Version und später als Ukulele-Schunkel-Hymne kennengelernt. Als ich dann zum ersten mal eine bessere Klavier-Solo-Version gehört habe, tat sich eine neue Welt auf.

Mein (seit ein paar Monaten neuer) Lehrer hat mich in letzter Zeit bei der Interpretation und Improvisation von Jazz-Standards auf das Prinzip "Let the Melody be your guide" eingeschworen. Sprich: Alles Gehampel, übertriebene Verzierungen, Poserei, Möchtegern-Virtuosität sollen draußen bleiben. Das Ziel: Thema (also Melodie des Songs) in Reinform vortragen, dann verzieren, ausschmücken und strukturiert/sparsam darüber improvisieren (letzteres nicht einfach irgendwie, sondern als "Weiterentwicklung" des Themas). Mein Arrangement für die linke Hand ist hier einfach gestrickt und auch harmonisch habe ich der Real-Book-Vorlage nichts Weltbewegendes hinzugefügt. Kurz: Beschränkung auf das Wesentliche!

Ich habe lange überlegt, ob ich die Aufnahme posten soll, vor allem weil das Stück doch ziemlich abgenudelt ist und auch, weil meine Version in keinerlei Hinsicht spektakulär ist. Trotzdem finde ich sie gelungen, weil im Rahmen der momentanen "Vorgaben" meines Lehrers rund, stimmungsvoll und "schöhöööööön :D ).

Viel Freude damit: :

https://soundcloud.com/tj76/over-the-rainbow

Mein größter Wunsch wäre, dass jemandem dabei die Tränen kommen :p.

LG

TJ

PS: Bitte möglichst in Ruhe und über anständige Kopfhörer anhören.
 
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cwtoons

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Ich weiß nicht, ob das jetzt Barpianistik at its best ist. Dafür verstehe ich von dem Genre zuwenig.

Aber ich finde, es klingt sehr brauchbar - noch ein wenig "tastend" - und man kann es sich gut anhören. Ist vielleicht etwas zu lang.

CW
 
dilettant

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Auch ich bin kein Fach-Kritiker. Mein Statement hier ist von eigener Erfahrung und Intuition geleitet.

Mir gefällt das gut. Müsste ich vielleicht nicht auf Platte haben, es ist vermutlich nicht besonders innovativ, aber das war ja erklärtermaßen gar nicht der Anspruch. Wenn ich aber Gäste im Haus hätte und sie stilvoll beschallen wöllte, käm so was schon in Frage.

Der Rat Deines Lehrers scheint sinnvoll und ist gut umgesetzt. Weniger ist oft mehr, das Stück strahlt Ruhe aus.

Die Rechte Hand weiß, was sie tut, die gefällt mir richtig gut, auch wie sie die Melodie langsam entwickelt und ausschmückt.

In der Linken würde ich mehr Gewicht auf den jeweiligen Bass legen (ja, ich weiß, dann kommt ein deutsche 1-3-Rhythmus raus, aber mich stört, dass die Harmonien gegenüber dem Basston etwas heraus"knallen"). Und - wie CW schrieb, ist es vielleicht etwas zu lang. Das wäre ganz anders, wenn die Linke vielleicht nach jedem Drittel auf eine andere Figur wechseln würde (also nicht nur als Fill, das machst Du ja, sondern für das ganze Drittel).

So viel von einem, der das auch gerne so könnte :D
- Karsten
 
fisherman

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Ich urteile nur als Hörer. Die Ruhe und Rückbesinnung auf die Basics tut sehr gut. Dass die Tränen (noch) nicht kommen, liegt für mich am mangelnden Fluss der Harmonie - das ist mir zu wenig "Gleiten", zuviel (sauberes) "Tastendrücken". Die Melodie muss schwingen & fliessen, dann tuns auch die Tränen.
 
Peter

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Bechsteinfan
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Sehr schöne Aufnahme. Gefällt mir gut.
Die linke Hand ist mir zu langweilig. Sie pulsiert die Viertel (sind das Viertel?) über das gesamte Stück so vor sich hin, außer bei 2:40 (Fishi beschreibt es ganz gut mit "zu viel sauberes Tastendrücken"). Die könnte man, vor Allem am Anfang und Ende, noch mehr ausdünnen (mal einfach ein paar Viertel weglassen) und dafür da und dort etwas mehr offbeat mit rein?

Ach ja, ich urteile natürlich auch nur als Hörer.
 
Leoniesophie

Leoniesophie

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Hallo Tastenjunkie,

mir gefällt das Stück. Was ich jetzt dazu sage, ist nur eine unmaßgebliche Meinung, ich habe sicher weniger Ahnung als Du vom Klavierspielen. Die Begleitung der li Hand irriert mich irgendwie, ich hätte vielleicht eher einen Walking Bass oder Basston und den dann folgenden Akkord zusammengepackt und als Halbe gespielt.

Am Anfang langweilt man sich etwas, aber dann spürt man eine schöne Leichtigkeit, vor allem in der re Hand. Die re Hand beherscht das Spiel souverän.

Also: sehr, sehr schön. Mir war das Stück nicht zu lang, aber ich denke, es kommt auch ein bisschen darauf an, in welcher Stimmung man gerade ist.

LG
Leonie
 
D

Debbie digitalis

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Hallo Tastenjunkie,

Gratulation zu dieser Aufnahme!!!

Mir gefällt es besonders, dass du über den ganzen Vortrag hinweg die Ruhe und trotzdem damit verbundene improvisatorische Leichtigkeit gewahrt hast! Hinzu kommt: wenn du "ein Kind der neunziger Jahre" bist, finde ich es beachtlich, wie du dich musikalisch in dieses genre einfühlen kannst!!!

Ich will jetzt nicht klavierspieltechnisch beurteilen - davon verstehe ich zu wenig, da mein Spielniveau als Spätanfänger eher gering ist ---aber dennoch meine ich (nur aus meinem begrenztem Empfänger-Hörer_Horizont), dass du ganz am Anfang, bei der Vorstellung des bekannten Stücks, bevor der wunderschön gespielte Improvisationsteil kommt, ein wenig mehr bei aus diesem, in seiner Urfassung heute fast schon Drehorgelstück hättest herausholen können. Du hättest der klischeemäßig bekannten Urfassung ein wenig mehr Dynamik und weniger klavierspieltechnische Vorsicht gönnen können!!! Du kannst m.E. - so jung du auch noch bist - auch diese ollen Standards wirklich gut präsentieren!!!.

Ich glaube, dass du einfach etwas mehr die Handbremse lösen solltest!!

LG

Debbie digitalis
 
Tastenjunkie

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Erstmal vielen Dank für die konstruktiven und überwiegend positiven Kommentare!

Mir gefällt es besonders, dass du über den ganzen Vortrag hinweg die Ruhe und trotzdem damit verbundene improvisatorische Leichtigkeit bewahrst
Genau das war das Primärziel!

Tja, die Begleitung... Klar, die ist sehr statisch und null innovativ. Es ist quasi eine "Brot-und-Butter-Begleitung", nichts besonderes, aber man macht damit auch nichts wesentliches falsch (auf 1 und 3 Grundton, auf 2 und 4 meistens die Sexte aus Terz und Quinte des Akkordes).

...ein wenig mehr bei aus diesem, in seiner Urfassung heute fast schon Drehorgelstück hättest herausholen können. Du hättest der klischeemäßig bekannten Urfassung ein wenig mehr Dynamik und weniger klavierspieltechnische Vorsicht gönnen können!!! Du kannst m.E. - so jung du auch noch bist - auch diese ollen Standards wirklich gut präsentieren!!!.

Ich glaube, dass du einfach etwas mehr die Handbremse lösen solltest!!
Das stimmt! Letzteres birgt aber auch die Gefahr, dass man sich verzettelt, verhampelt und dann vor lauter Begeisterung überwiegend nerviges, rhythmisch unpräzises Tastengezappel rauskommt.

Als Hörer denkt man gerne: Hey, es muss "abgehen"! bzw. wünscht sich, dass es "swingt":
...ich hätte vielleicht eher einen Walking gespielt...
(Beides mache ich übrigens an diversen Stellen, aber eben so kurz bzw. dezent, das es nur bei genauem Hinhören auffällt) Bei Balladen ist auch in der Regel nicht das Ziel, die Hörerschaft rhythmusbedingten Ausflippen zu bringen. Außerdem muss man (finde ich) bei spontan arrangierten/improvisierten Stücken Schwerpunkte setzen und sich selbst Grenzen ziehen, denn: "You can't play everything you know everytime" (bin mir nicht sicher, aber ich glaube Miles Davis hats gesagt). Natürlich: Idealerweise kombiniert man Passagen mit unterschiedlichen Begleitungs-Mustern so, dass es nicht nervt und zum Grund-Charakter des Stückes passt. Bessere Jazzer als ich können das. Ich kann es (noch) nicht. Von daher ist die Einspielung sowieso nicht mehr als eine "Momentaufnahme", was ja im weitesten Sinne für die meisten Aufnahmen gilt. "Zeitlose" oder "endgültige" Einspielungen werden in der musikalischen "Champions-League" gemacht, bei mir geht es im besten Fall um den Aufstieg in die Kreisliga B... :D

Vielen Dank nochmal!

LG

TJ

@ Debbie: In den 90ern habe ich angefangen bewußt Musik zu hören, d.h. ich bin so furchtbar jung auch nicht mehr :p
 
hasenbein

hasenbein

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Wärst Du mein Schüler, würde ich, nachdem Du fertig gespielt hättest, in etwa kommentieren:

"Sehr schön, Du hast super geübt, alles klappt jetzt sauber, aber wir sind uns sicherlich einig *lächel*, daß im 1. Thema einfach mal so GAR kein Groove und Swing drin war (im Improteil besser), ne?"

Es klingt einfach wie irgendwie so gelernte Töne nacheinander runterbuchstabiert.

Im Schlußthema spielst Du es schließlich deutlich besser!

LG,
Hasenbein
 
 

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