Contrapunctus 1 ex Ars der Fuga

Dieses Thema im Forum "Klavierspielen & Klavierüben" wurde erstellt von Guendola, 23. Okt. 2007.

  1. Guendola
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    Guendola

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    Da ich dieses schöne Stück studiere, möchte ich es natürlich auch spielen.
    Lassen wir das Herausarbeiten der Stimmen erstmal beiseite, ich werde es im stillen Kämmerlein spielen, bis es klingt - vielleicht für immer......

    Wo setze ich an? Der Fingersatz ist natürlich Voraussetzung, damit man es überhaupt spielen kann.

    Thema immer in einer Hand lassen (pro Erscheinung, nicht für das gesamte Stück)? (Ich glaube es gibt ein paar Stellen, wo das nicht ganz leicht ist)

    Kann es sein, daß es streckenweise an Fingerakrobatik erinnert oder habe ich noch nicht die richtigen Fingersätze herausbekommen? (Zeigefinger greift über Daumen, der eine halbe Note hält etc.)

    Hätte zufällig jemand eine PDF-Datei mit praktikablem Fingersatz? Ich arbeite selbst daran, bin aber alles andere als Profi in dieser Hinsicht.

    Alle Tipps und Hinweise sind willkommen, außer denen, die sich auf die Interpretation beziehen. Empfehlungen, es zu lassen, werde ich ignorieren - ich habe genügend Erfahrung um das selbst zu entscheiden, wenn ich merke, daß es zu schwer wird (sei es technisch oder musikalisch).
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 23. Okt. 2007
  2. klavigen
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    klavigen

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    musica assoluta

    erstmal freue ich mich über jeden, der diese tollen Stücke studiert. Ich habe meine Ausgabe im Dienstzimmer und nicht hier aber da werden acuh kaum Fingersätze drin sein. Ich habe die Nr. 4 studiert und da auch keine fingersätze reingeschrieben. Fingerakrobatik ist da nicht nötig, denn Zeigefinge über Daumen ist wirklich eine normale Sache. Probier es aus. Am besten du nennst mir mal die Stellen, wo due glaubst, es wird schwierig, denn kann ich konkret was sagen.

    Allgemein; Hält ein Finger eine lange Note, müssen die anderen Finger nicht in Reihe spielen, du kannst mit dem Daumen z.b. den Quartsprung e nach a machen und für beide den Daumen benutzen. Prüfe, ob vielleicht stumme Fingerwechsel das Problem lösen. Keine Scheu, den Daumen auch für schwarze tasten zu nehmen. Manchmal ist es auch hilfreich, in einer Scala, den Daumen schon vorher zu nehmen, um die Hand besser zu positionieren.

    Viel Freude am Stück und schreib mir, wenn du eine konkrete Stelle meinst

    LG Klavigen
     
  3. Guendola
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    Guendola

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    Mir ist aufgefallen, daß Glenn Gould den sechsten Takt mit einer Hand spielt (die andere dirigiert noch). Die Spannweite meiner Hand reicht zwar aus, um die Achtel mit dem Daumen zu spielen aber Daumenlegato ist da nicht mehr drin (schaffe ich sowieso nur auf Tasten ohne Anschlagdynamik).

    Darin sehe ich aber keine echte Problematik, ich dirigiere ja nicht beim Spielen :) Wäre nur interessant, zu wissen, wie man es einhändig spielen kann.

    Korrektur: Glenn Gould verwendet hier vermutlich das Pedal zum Binden

    Es gibt diverse Stellen, wo es nicht extrem auffällt, wenn man nicht sauber bindet. Ich frage mich allerdings, ob ich die mit Pedal binden, einen anderen Fingersatz finden oder es einfach hinnehmen sollte.

    Im Moment suche ich vor allem Ankerpunkte auf die ich hinspiele. Die Finger finden oft den Weg automatisch dorthin, ich muß nur darauf achten, die richtigen Töne zu halten.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 23. Okt. 2007
  4. Fred
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    Fred Guest

    Hallo Guendola,

    gibt es eigentlich einen Klavierauszug von Contrapunctus 1? Ich habe die "Kunst der Fuge" von Edition Eulenburg und da ist jede Stimme in einem eigenen System notiert.
     
  5. Guendola
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    Guendola

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    Es gibt von G.Henle eine Ausgabe "Urtext" für Cembalo. Die kann man natürlich auch für Klavier verwenden. Die Verteilung der Stimmen ist generell ganz gut und es wird auch durch kleine Linien angezeigt, wenn eine Stimme von einem ins andere System wechselt. Allerdings muß man sich trotzdem ein paar Gedanken darüber machen, was man mit welcher Hand spielt. Dafür gibt es aber keine verwirrenden Fingersätze - es gibt überhaupt keine.
     
  6. klavigen
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    klavigen

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    Klebepedal

    Gerade bei Bach kann das Pedal wunderbar und ganz unauffällig einzeltöne verbinden, eben wie ein Kleber zwischen den Tönen. Das sollte aber so geübt sein, dass tatsächlich nur das Legato geleistet wird. Wenn du unten die Achtel spielst kannst du das obere lange c mit Pedal halten, bis du wieder Anschluss hast. Es entsteht dann für eine winzige Zeit eine disharmonie: klein h und noch klingendes c2. Dies löst sich aber sofort und ist deshalb gestattet. Nur eine länger stehende Disharmonie darf nicht erklingen, es sei denn, sie ist komponiert. So gibt es viele Feinheiten bezüglich des Pedalgebrauchs. Da musst du gut hineinhören. Es psricht aber auch nichts dagegen, diesen Takt mit beiden Händen zu spielen. Es kommt nur auf das Ergebnis an.

    Wichtig escheint mir noch, dass du das thema in seiner Dynamik gut erfasst und auch immer so darstellen kannst, also auch gegen jeden Kontrapunkt und in jeder Stimmlage.
     
  7. Guendola
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    Guendola

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    Ich spiele es erstmal mit beiden Händen. Ich habe definitiv nichts gegen gut eingesetztes Pedal und vermutlich werde ich es auch brauchen. Aber eins nach dem anderen. Mit dem Fingersatz komme ich ganz gut voran, einige Stellen werde ich aber später posten. Worauf ich am meisten achten muß, ist die richtigen Töne halten zu können ohne mir die Finger auszurenken.

    Das wird der schwere Teil meines Unterfangens :) Bach kann einen ja wunderbar mit seinen kleinen Spielereien ablenken, da darf man sich als Musiker nicht verwirren lassen....

    Spielt eigentlich noch jemand anderes dieses Stück? Es ist zwar schwer, aber auf eine sehr eigentümliche Art, die zum Beispiel nichts mit den Schwierigkeiten der Inventionen zu tun haben. Hohes Tempo kommt auch nicht vor, lediglich die Konzentration und Fingersätze müssen 100%ig stimmen. Und dann natürlich noch der Ausdruck...

    PS: Danke für den Hinweis auf die Dynamik des Themas. Es macht das Stück doch leichter!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 24. Okt. 2007
  8. Fred
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    Fred Guest

    Danke für den Tipp.
     
  9. klavigen
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    klavigen

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    Kunst der fuge

    Ich kann das Stück gelegentlich einspielen. Bei der ersten Durchsicht ist mir keine Stelle aufgefallen wo du die finger verrenken musst, um Töne zu halten. Wenn dir so eine auffällt, dann zeig sie mir, da gibt es immer überraschend einfache Lösungen.
    Mach dich halt gut mit der Struktur vertraut, damit du immer genau weisst, was du machst. Die gehaltenen Töne allgemein stärker markieren und die von ihm weglaufenden Achtel leichter nehmen, so wird es transparenter zu hören.
     
  10. Pearly
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    Pearly

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    Hallo!

    Vielleicht werde ich mich auch in den Ferien mal an diesen Stück heranwagen. Prinzipiell würde ich dir nicht raten, das Thema immer in einer Hand zu spielen. Ich hab das Stück eben gerade mal kurz seehr langsam von Noten gespielt, und fand, dass man die Finger gar nicht so verrenken muss. Ich glaube es ist wichtig, dass man rutscht, Finger wechseln während man eine Note hält, wenn es günstiger ist eine Stimme mit der anderen Hand zu spielen (normal ist ja 1&2 rechts 3&4 links) und manchmal etwas ungewöhnlich übersetzt (z.B. rechte Hand spielt e'' mit 5 und übersetzt dann mit 4 auf fis'').

    Die Noten hab ich auf http://www.rowy.net/deFullOrg.html gefunden (leider ohne Fingersatz)
     
  11. Guendola
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    Guendola

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    Ich habe ja jetzt gerade mit Orgelunterricht angefangen, und schon werden diese "Verrenkungen" alltäglich, vierstimmiger Satz ist da ja nichts besonderes. Wenn man das erste Mal damit konfrontiert wird, stellt sich halt die Frage, ob man da was falsch verstanden hat.