Cameron Carpenter

Dieses Thema im Forum "Orgel-Forum" wurde erstellt von reymund, 18. Juni 2018.

  1. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Diese Kritik:

    https://web.archive.org/web/2014051...an-journal.com/en_UK/news/neu/show,34660.html

    bringt es ganz gut auf den Punkt:

    "Hier ist alles pure Selbstdarstellung: die Wahl des Instruments (eine elektronische „Riesenorgel“ ohne Pfeifen), der Stücke (Transkriptionen und Bearbeitungen populärer und virtuoser Werke, eigene Kompositionen), der auf sinnfreie Effekthascherei ausgerichtete Interpretationsstil und nicht zuletzt das ausschließlich englischsprachige Booklet, das den 1981 geborenen jungen Künstler zum Popstar der Orgel stilisiert, dessen synthetisch erzeugter Ruhm von den USA nun offensichtlich auch ins „alte Europa“ herüberschwappt.

    Doch lassen sich die unnatürlichen Klänge und die selbstverliebte Attitüde des Spielers in ihrer unveränderlich-monotonen Aufdringlichkeit kaum auf die gesamte Strecke von 64 1/2 Minuten Spieldauer aushalten. Selbst wenn man die unermüdliche Power und offensichtliche Bühnenpräsenz dieses Tasten-Dompteurs anerkennt – aufgrund der klanglichen und emotionalen Oberflächlichkeit bleibt diese Art der Musikdarstellung ein skurriles Kuriosum"


    Seine technischen Fähigkeiten stehen außer Frage, er weiß aber selbst, dass das, was er macht, kommerziell motivierte Schauspielerei und keine anständige Interpretation ist - vom Instrument über seine äußere Erscheinung bis zu seiner Interpretation.
    Ich finde das noch schlimmer als die Kasperei von Lang Lang (der neben viel Müll im Gegensatz zu Carpenter auch vereinzelt starke Interpretationen geliefert hat - Don Juan-Fantasie, Abegg-Variationen...)
     
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  2. Peter Meise
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    Peter Meise Guest

    Kritik an C. C. kommt von Leuten, die ihm nicht das Wasser reichen können.
     
  3. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Der ist technisch sicher viel besser als wir alle. Vielleicht hat er auch ein besseres Musikverständnis als wir alle.

    Ich kritisiere aber auch nicht, was er kann, sondern was er macht. Das ist nämlich Unterhaltung a la David Garrett (der auch viel kann) und keine seriöse, stilgerechte Interpretation.
     
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  4. Peter Meise
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    Peter Meise Guest

    Unterhaltung ist gut in der Kunst.
     
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  5. mick
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    mick

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    Schon. Aber ein ganzes Konzert nur mit solcher Effekthascherei - egal wie unterhaltend sie im Einzelfall sein mag - geht sicher nicht nur mir gehörig auf die Eier.
     
  6. walsroderpianist
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    walsroderpianist

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    Ich finds erstaunlich und zugleich sinnlos, was er macht, der Kamerad Cameron. Mit Musik hat das nichts zu tun, aber als Sportveranstaltung ist es topp. Die Linke der Revolutionsetüde mit den Füßen pedaliter, das ist schon der Hammer. Manche schaffen das nicht mal mit den Fingern.
     
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  7. klaros
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    klaros

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    Trotzdem war die Ouvertüre zu Candide von Bernstein auf dem Pedalflügel genial.
     
  8. altermann
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    altermann

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    Gauf,

    ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, dass ich diesen Schauhasen nicht mag.

    Gauf! :017:
     
  9. Häretiker
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    Häretiker

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    *gähn*
    Dieses billigste argumentum ad hominem kenne ich schon aus Fäden, wo Leute äußern, dass ihnen die Helene Fischer, Kenny G oder Andre Rieu nicht gefallen.

    Grüße
    Häretiker
     
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  10. Pedall
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    Pedall

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    Was für "Argumente" erwartest Du denn von unserem Billichheiner?
     
  11. devasya
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    devasya

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    …solche Artikel, die voller Vorurteile und Unterstellungen sind und einen Musiker persönlich angreifen, finde ich noch viel schlimmer!

    Ich hab mir ein paar Sachen von Carpenter angehört und aus den unterschiedlichsten Gründen kann ich damit auch nicht viel anfangen. Ob es die Wahl seines Instrumentes betrifft oder die Art und Weise, wie er Bach zB. spielt. Es berührt mich einfach nicht und es fällt mir schwer, einen Zugang zu ihm und „seiner Welt“ aufzubauen. Was aber okay ist - ich hab ja die freie Wahl und bin nicht gezwungen, mich mit seiner Musik auseinanderzusetzen.

    Aber ihm „emotionale Oberflächlichkeit“, „Effektascherei“ und „Selbstverliebtheit“ zu unterstellen, nur weil er einen anderen, musikalischen Weg wählt, finde ich unmöglich.

    Ich finde freie Interpretationen durchaus legitim und frage mich immer, wieso Musiker, die zB. andere, musikalische Schwerpunkte setzen, ob nun bei Bach oder anderen Komponisten, immer sofort angegriffen und "niedergemacht" werden. Man kann unterschiedliche Sichtweisen und Geschmäcker haben, keine Frage, und man darf diese auch vertreten. Aber dann doch bitte mit etwas Respekt und Wertschätzung dem Musiker gegenüber.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2019
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  12. reymund
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    reymund

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    Einfach mal akzeptieren wenn jemand besser ist. Ob man nun seine Art der Interpretation mag oder nicht, er ist besser als 99% der Orgelspieler . Ich könnte mir Cameron nicht an einer langweiligen Kirchenorgel vorstellen, langweilige Kirchenlieder spielend. Das ist in den meisten Fällen eine Musikalische Quälerei und wenn dann noch die Gemeinde ihre eigene Geschwindigkeit bei der Musik beisteuert, dann kann man nur noch Reisaus nehmen.
    Kirche in Europa besonders in Deutschland ist sowas von Langweilig weil jede frische Idee sofort unterdrückt wird.
     
  13. klaros
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    klaros

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    Ich habe mich, angeregt von diesem Thema, mal durch die Mitschnitte gehört, wobei ich für mich (wie einige hier auch schon) herausgefunden habe, dass man nicht alles mögen und gut finden muss, aber auch nicht alles verdammen kann.
    Die von mir schon mal genannte Candide-Ouvertüre auf dem Pedalpiano von ihm gespielt, fand ich toll, aber das selbe Stück auf der Orgel finde ich großartig. Es bedient sehr treffend das Sujet, worin Voltaire in der gleichnamigen Novelle an frechen Einfällen nicht spart. Auch Leonard Bernstein könnte diese Darbietung amüsiert haben.
    Ich muss aber auch zugeben, dass er beim Spielen von Bachstücken den Eindruck vermittelt, als würde er jetzt eigentlich lieber etwas ganz anderes machen, oder als wolle er sagen: "Hier irrte Bach."
     
  14. Stephan
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    Stephan

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    ..würde ich nicht ganz so negativ sehen: Kirchenorgeln sind nicht per se langweilig, sondern die Art, wie ein Organist sie spielt, ggf. noch der liturgische Kontext. Cameron auf der Kirchenorgel z.B. beweist schon das Gegenteil. Das Liturgie sich wiederholt, auch die Lieder, ist ja nun beabsichtigt. Sie ist keine Seifenoper, wo sich zwar ständig etwas Neues ergibt, das aber trivial bleibt. Die Liturgie soll Ruhe schaffen, zur Innerlichkeit führen, Sicherheit schenken, und den Menschen mit seinem tiefsten Wesen in Verbindung bringen, also immer auch meditativ sein.
    Im ureigensten Sinn soll der Gottesdienstbesucher in dieser Stille, bzw. "heiligen" Monotonie, Gott begegnen, und so zu seinem Selbst finden, eben unabgelenkt von ständigen Neuigkeiten, die die Konzentration auf sich ziehen. Und wenn der Organist, gleich ob A, B, oder C-Examen gut vorbereitet saubere Arbeit abliefert, kann dann ein solcher Gottesdienst diese Ziele auch erreichen. Dennoch ist deine Kritik der "Langweiligkeit" mitunter berechtigt und eine gewisse Gefahr, die aber auch und gerade der Kirchenmusiker durch vielfältige Auswahl z.B. der freien Orgeleinlagen verhindern kann. Fernerhin schafft die Kirche seit Jahrzehnten mit dem NGL und anderen liturgischen Formen neue Liturgien, besonders auch für Jugendliche, die zwar gut und richtig sind, aber zumindest mich persönlich spirituell nicht oder kaum berühren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2019
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  15. reymund
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    reymund

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    Wenn der Organist alleine spielen würde, aber wenn dir einige vollkommen falsch ins Ohr schreien ( singen kann man das nicht nennen) vergeht dir das Meditative.
    Nicht falsch verstehen, ich habe viele Platten mit Orgelmusik, aber Orgelmusik muss auch moderner werden.
     
  16. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Dann dürfte man also Interpretationen gar nicht kritisieren. Das würde Kritiken an Profi-Musikern komplett ad absurdum führen.
    Es ist jedenfalls so, dass die Wahl seines Instruments, seiner Kleidung so wie das hektische Spiel mit überflüssiger Agogik darauf abzielen, Leute, die keine traditionellen Hörer von Kunstmusik sind, zu beeindrucken.
    Das ist keine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Werk.
    Genau das ist Effekthascherei.
     
  17. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Es gibt keine moderne oder veraltete Musik, nur gute und schlechte.
     
  18. devasya
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    devasya

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    …ich habe nicht gesagt, dass man über Interpretationen nicht sprechen darf. Ganz im Gegenteil: einen Diskurs darüber anzuregen, finde ich sogar sinnvoll. Generell über Musik zu diskutieren, ist eine spannende Sache. Es kommt aber meiner Meinung nach auf die Art und Weise an, wie man das macht.

    Was hat denn die Wahl seiner Kleidung mit dem musikalischen Vortrag zu tun? Verstehe ich nicht.

    Wie gesagt: ich komme mit der Art und Weise, wie Carpenter Musik für sich interpretiert, auch nicht zurecht. Es berührt mich nicht und gefallen… tut es mir aus den unterschiedlichsten Gründen auch nicht.

    Trotzdem würde ich nicht auf den Gedanken kommen, ihm vorzuwerfen, er hätte sich nicht tiefgründig genug mit dem Werk auseinandergesetzt oder es würde ihm um Effekthascherei gehen. Das kann der Fall sein… muss aber nicht. Und selbst wenn: macht es Carpenter weder zu einem schlechteren oder besseren Menschen.

    Man kann Dinge beim Namen nennen, gleichzeitig aber auch darauf achten, nicht zu persönlich angreifend zu werden. Man kann erklären, warum man die Wahl des Instrumentes nicht unterstützt, was agogisch fehlt und an welcher Stelle, man kann erklären, warum und wo man andere, musikalische Wege gegangen wäre, wie man es selbst gemacht oder was man sich gewünscht hätte, was einem fehlt, gefehlt hat… man kann klar benennen, deutlich zum Ausdruck bringen, was gut und schlecht war, ohne aber persönlich zu werden.

    Ich persönlich zumindest habe die Kritik, die du verlinkt hast, als persönlich angreifend und herablassend dem Musiker gegenüber empfunden. Und das muss nicht sein.
     
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  19. St. Francois de Paola
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    St. Francois de Paola

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    Der Künstler, dem es um die Musik geht, kleidet sich in der Regel unauffällig. Er möchte Auffallen mit solchen Oberflächlichkeiten.

    Wären das nur eigenwillige Interpretationen und keine Effekthascherei, würde er
    - nicht so viel die bekanntesten "Pop-Hits" wie Rondo a la Turca, Revolutionsetüde und co. in seltsamen Transkriptionen spielen, sondern mehr die große Literatur, auch schwerer zugängliche Werke
    - nicht den Fokus auf sein rockiges, poppiges Äußeres lenken
    - nicht die seltsame, nervöse, teils jazzarzig anmutende Agogik anwenden, wo sie auffällt, aber nicht passt

    Dass er ein schlechter Mensch ist, sagt der Kritiker ja nicht.

    Er ist ja nicht persönlich. Cameron hat an der Julliard School studiert. Er weiß selbst ganz genau, dass es so ist, wie der Kritiker beschrieben hat.
    So aufzutreten ist halt ein modernes Geschäftsmodell.

    Und ein paar positive Sachen schreibt der Kritiker ja auch.
     
  20. Peter Meise
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    Peter Meise Guest

    Jaja, diese Mär. Und tausende, nein millionen mittelmäßiger Musikanten folgen diesem Dogma, um wenigstens den Anschein von ernsthafter Kunst zu erwecken. Daß man bei deren "Sonatenabenden" einschläft, interessiert die doch gar nicht. Es ist umgekehrt: fähige Musiker können sich ihren eigenen Stil leisten, weil sie auf die eingetrockneten Marketingfuzzis der Plattenfirmen und Agenturen scheißen können. Wenn die ihnen mit Kleidervorschriften kommen, gehen sie halt woanders hin.

    Über Nigel Kennedy ist auch immer so ein Unsinn geschrieben worden.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. März 2019
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